Megawatt & Friends – Energie neu denken

Jan Liepold

Der Podcast für die Macherinnen und Macher der Energiewende Energie ist heute mehr als Strom, Wärme oder Mobilität. Sie ist eines der größten Transformationsfelder unserer Zeit. Bei Megawatt & Friends sprechen wir mit denjenigen, die die Energiewende in den Unternehmen wirklich umsetzen: Gründerinnen und Gründern, Ingenieurinnen und Ingenieuren, Projektentwicklern, Investorinnen, Netzexperten und Unternehmerinnen, die die Energiewende im Maschinenraum gestalten. Jede Folge liefert ehrliche Einblicke, klare Meinungen und praxisnahe Perspektiven, u.a. aus Unternehmen, Start-ups, Landwirtschaftsbetrieben, Reedereien, Finanzhäusern oder Energieprojekten, die Energie neu denken. Von Batteriespeichern bis Smart Grids, von Agri-PV bis E-Mobilität, von Direktvermarktung bis Wärmewende.

  1. 3d ago

    Dr. Jörg Reichert, Netze BW „Die Energiewende funktioniert nur, wenn wir Erzeugung, Speicher und Netze synchronisieren."

    Der Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeichern nimmt Fahrt auf und zunehmend entscheidet das Stromnetz darüber, wie schnell die Energiewende tatsächlich vorankommt. Dr. Jörg Reichert, Vorsitzender Geschäftsführer von Netze BW, spricht mit Moderator Jan Liepold darüber, warum das Verteilnetz zum zentralen Rückgrat der Transformation wird und welche gewaltige Investitionsaufgabe damit verbunden ist. Mehr als 30 Milliarden Euro will Netze BW bis 2045 in sein Verteilnetz investieren. Allein bis 2030 soll das jährlich investierte Kapital im Stromnetz auf rund eine Milliarde Euro steigen. Denn große Teile der Hochspannungsinfrastruktur müssen erweitert oder neu gebaut werden. Gleichzeitig wächst der Druck durch neue Anschlussbegehren: Einer Spitzenlast von rund sieben Gigawatt stehen bei Netze BW inzwischen Batterieanfragen von deutlich mehr als zehn Gigawatt gegenüber. Für Jörg Reichert reicht deshalb „mehr Kupfer“ allein nicht aus. Bestehende Netze müssen besser ausgelastet, konsequent digitalisiert und Flexibilitäten intelligenter genutzt werden. Flexible Netzanschlussverträge, neue Kriterien für die Priorisierung anschlusswilliger Projekte sowie eine bessere Steuerbarkeit von Erzeugung und Verbrauch können dabei helfen, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen und die Kosten der Energiewende zu begrenzen. Außerdem sprechen die beiden darüber, warum das bisherige Windhundprinzip bei Netzanschlüssen an seine Grenzen kommt, welche Rolle Projektreife und Daseinsvorsorge künftig spielen könnten und weshalb ein attraktiver regulatorischer Rahmen entscheidend dafür ist, die Milliardeninvestitionen in die Netze zu finanzieren. Und es geht um die Frage, wie Digitalisierung, Smart Meter und KI dazu beitragen können, ein immer komplexeres Energiesystem sicher zu steuern. Reicherts Zielbild: Die Energiewende muss Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zusammenbringen und dazu beitragen, industrielle Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Denn eine leistungsfähige Energieinfrastruktur ist nicht nur Voraussetzung für die Transformation, sondern ein entscheidender Standortfaktor.

    Dr. Jörg Reichert, Netze BW „Die Energiewende funktioniert nur, wenn wir Erzeugung, Speicher und Netze synchronisieren."
  2. Jul 17

    Jochen Schwill, SpotmyEnergy: „Die größte Flexibilitätsreserve der Energiewende steht bereits in deutschen Kellern.“

    In dieser Folge von Megawatt & Friends, dem Podcast von meistro, spricht Jan Liepold mit Jochen Schwill, Gründer und CEO von SpotmyEnergy sowie Mitgründer von Next Kraftwerke, über die nächste Ausbaustufe der Energiewende: die intelligente Vernetzung von Photovoltaik, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Elektroautos. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Smart Meter weit mehr sind als digitale Stromzähler und weshalb sie die Voraussetzung dafür sind, Millionen dezentraler Energieanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenzuführen. Jochen erläutert, warum in deutschen Haushalten bereits heute enorme Flexibilitätspotenziale schlummern und wie dynamische Stromtarife, intelligente Energiemanagementsysteme und automatisierte Steuerung dafür sorgen können, Strom genau dann zu nutzen oder zu speichern, wenn er besonders günstig und klimafreundlich verfügbar ist. Dabei wird deutlich: Die Energiewende entscheidet sich künftig nicht allein beim Ausbau erneuerbarer Energien, sondern vor allem daran, wie intelligent Erzeugung, Speicherung und Verbrauch miteinander vernetzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist der stockende Smart-Meter-Rollout in Deutschland. Jochen erklärt, warum wettbewerbliche Messstellenbetreiber den Ausbau deutlich beschleunigen können, welche regulatorischen Hürden heute noch bestehen und weshalb die Digitalisierung der Energiewende nur gelingt, wenn Technik, Handwerk und Energiewirtschaft enger zusammenarbeiten. Außerdem sprechen Jochen und Jan über virtuelle Kraftwerke, die Zukunft einer vollelektrischen Gesellschaft, die Rolle von Heimspeichern und Elektroautos als Flexibilitätsressourcen sowie darüber, warum die günstigste Batterie häufig bereits im Keller oder in der Garage steht.

  3. Jun 10

    Stefan Rößler, Therme Bad Wörishofen: „Eine weitgehend Energieautarkie ist Teil unserer unternehmerischen Resilienz."

    In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Stefan Rößler, dem Technischem Leiter der Therme Bad Wörishofen, über die Frage, wie ein energieintensiver Freizeitbetrieb seine Energieversorgung neu denken kann und warum daraus eines der spannendsten Energieprojekte im deutschen Mittelstand entstanden ist. Ausgangspunkt des Gesprächs ist eine beeindruckende Zahl: Die Therme Bad Wörishofen benötigt jährlich rund 19 Gigawattstunden Energie. Statt diese Abhängigkeit einfach hinzunehmen, hat das Unternehmen begonnen, seine Energieversorgung schrittweise umzubauen. Heute erzeugt eine 1,34-MW-PV-Anlage auf überdachten Parkflächen gemeinsam mit Batteriespeichern einen Großteil des benötigten Stroms. An guten Tagen produziert die Anlage sogar mehr Energie, als die Therme selbst verbraucht. Im Gespräch wird deutlich, dass die eigentliche Innovation nicht in den Solarmodulen oder Batteriespeichern liegt. Sie besteht darin, Energieversorgung als Teil der unternehmerischen Resilienz zu verstehen. Denn wer Strom und Wärme zunehmend selbst erzeugen kann, ist weniger abhängig von Krisen, Preissprüngen und externen Versorgungsrisiken. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die praktische Umsetzung. Stefan Rößler berichtet offen über Genehmigungsverfahren, Netzanschlüsse, Speicherstrategien und die Bedeutung starker Partner. Gleichzeitig zeigt er auf, warum Batteriespeicher, intelligente Steuerungssysteme und künftig auch Großwärmepumpen zentrale Bausteine einer wettbewerbsfähigen Energieversorgung werden könnten.

    Stefan Rößler, Therme Bad Wörishofen: „Eine weitgehend Energieautarkie ist Teil unserer unternehmerischen Resilienz."
  4. May 13

    #9 Prof. Dr. Henrik te Heesen, Umweltcampus Birkenfeld: „Deutschland kann bei der Energiewende Technologieführer sein."

    In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Prof. Dr. Henrik te Heesen vom Umweltcampus Birkenfeld der Hochschule Trier über den aktuellen Stand der Energiewende. Die gute Nachricht des Physikers: Deutschland ist technologisch oft weiter ist, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Und: Die Energiewende scheitert nicht an der Physik. Die Technologien sind vorhanden, die Richtung ist klar und viele Lösungen funktionieren bereits heute im Markt. Die eigentlichen Herausforderungen liegen inzwischen in Bürokratie, Infrastruktur, fehlender Digitalisierung und mangelnder Geschwindigkeit bei der Umsetzung. Gemeinsam analysieren Jan und Prof. te Heesen die drei großen Baustellen der Transformation: Strom, Wärme und Verkehr. Während der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie sichtbar Fahrt aufgenommen hat, bleibt insbesondere die Wärmewende eine enorme Herausforderung. Ein besonderer Fokus der Folge liegt auf Batteriespeichern, intelligenten Netzen und der Rolle von Unternehmen. Prof. te Heesen erklärt anschaulich, warum große Batteriespeicher künftig eine Schlüsselrolle für stabile Strompreise und Netzstabilität spielen werden und weshalb Unternehmen enorme Chancen haben, durch intelligente Lastverschiebung, PV-Anlagen, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement Kosten zu senken und Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Dabei wird deutlich: Energie entwickelt sich zunehmend vom reinen Kostenfaktor zum strategischen Geschäftsfeld. Unternehmen, die ihre Prozesse flexibilisieren und dynamische Strompreise intelligent nutzen, können nicht nur ihre Energiekosten reduzieren, sondern aktiv zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. Darüber hinaus geht es um die Rolle von KI, Smart Metern und datenbasiertem Energiemanagement. Te Heesen plädiert für mehr Pragmatismus, schnellere Genehmigungsverfahren und einen neuen Innovationsgeist. Statt ständig über Risiken zu sprechen, müsse Deutschland wieder stärker ins Machen kommen. Zum Abschluss wirft die Folge einen Blick auf die nächste Generation von Fachkräften für die Energiewende. Trotz rückläufiger Studierendenzahlen in technischen Fächern sieht te Heesen große Chancen: Junge Menschen, die Technik, Wirtschaft und KI zusammendenken, könnten zu entscheidenden Treibern der Transformation werden.

    #9 Prof. Dr. Henrik te Heesen, Umweltcampus Birkenfeld: „Deutschland kann bei der Energiewende Technologieführer sein."
  5. Apr 28

    #8 Heimo Ecker-Eckhofen, Sonnenspeicher Süd: „Je größer ein Wärmespeicher ist, desto effizienter wird er.“

    In dieser Folge von Megawatt & Friends spricht Jan Liepold mit Heimo Ecker-Eckhofen, Initiator und Geschäftsführer des Projekts Sonnenspeicher Süd, über eines der ambitioniertesten Wärmeprojekte Europas. In einem ehemaligen Basaltsteinbruch südlich von Graz soll ein gigantischer saisonaler Wärmespeicher entstehen, gespeist durch Solarthermie, Großwärmepumpen und Biomasse. Ziel: Bis zu einem Drittel der Grazer Fernwärme klimafreundlich bereitzustellen. Im Zentrum des Gesprächs steht eine oft unterschätzte Erkenntnis der Energiewende: Stromspeicher stehen aktuell im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, Wärmespeicher dagegen kaum. Dabei entscheidet gerade im urbanen Raum die Wärmeversorgung darüber, ob Dekarbonisierung gelingt. Heimo erklärt anschaulich, wie der geplante riesige Wasserspeicher in einem Basaltsteinbruch funktioniert, warum große Volumina physikalische Vorteile haben und weshalb gespeicherte Sommerwärme im Winter zum strategischen Wärmeversorgungsfaktor werden kann. Besonders spannend ist die Verbindung aus Vision und Pragmatismus. Der Steinbruch existiert bereits, ebenso die Nähe zur Fernwärmeinfrastruktur von Graz. Genau daraus entstand die Idee, bestehende Landschaftsnutzung mit neuer Energieinfrastruktur intelligent zu verbinden. Statt auf der grünen Wiese zu bauen, wird vorhandene Industriefläche transformiert. Dait ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Kreislaufdenken auch im Energiesystem funktionieren kann. Im Interview wird auch deutlich, wie komplex solche Projekte in der Realität sind. Genehmigungen, Flächenwidmung, Förderlogik, Finanzierung und politische Prozesse kosten oft mehr Zeit als die Technik selbst. Heimo beschreibt offen, wie viel Beharrlichkeit notwendig ist, um Großprojekte in Europa umzusetzen und warum unternehmerischer Mut dabei oft wichtiger ist als perfekte Rahmenbedingungen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die wirtschaftliche Perspektive. Das Projektvolumen liegt im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Dennoch argumentiert Heimo klar: Wer langfristig stabile, regionale und fossilfreie Wärme liefern will, muss heute in Infrastruktur investieren, statt morgen dauerhaft hohe Importkosten zu bezahlen. Wärmespeicher seien kein Luxus, sondern eine Versicherung gegen Energiekrisen und volatile Märkte. Darüber hinaus erzählt Heimo von seinem persönlichen Weg: vom biologisch geführten Landwirtschaftsbetrieb über die dort entwickelte Kiesabbaufläche, zu kleinen Wasserkraftwerken und schwimmende Photovoltaik bis hin zum wohl größten Projekt seiner Laufbahn. Seine Geschichte zeigt, dass Energiewende oft nicht in Konzernzentralen beginnt, sondern bei Unternehmern, die Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen und beharrlich handeln. Die Folge ist ein spannender Blick auf die Wärmewende im großen Maßstab: technisch fundiert, wirtschaftlich relevant und menschlich nahbar. Wer verstehen will, warum Europas Energiezukunft nicht nur aus Batterien, sondern auch aus smart genutzten Wärmespeichern bestehen könnte, sollte diese Folge hören.

    #8 Heimo Ecker-Eckhofen, Sonnenspeicher Süd: „Je größer ein Wärmespeicher ist, desto effizienter wird er.“

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