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»hörinsblau« ist der Podcast von »schauinsblau«, dem Onlinemagazin der Universität Augsburg für Literatur, Kunst und Wissenschaft. Es vereint literarische Texte, Essays, Rezensionen zu Literatur, Theater, Film und Musik, führt Gespräche mit namhaften Künstler*innen und Kulturschaffenden, wie beispielsweise mit Friederike Mayröcker, Thomas Köck oder Stefan Kaegi von Rimini Protokoll und produziert Podcasts und Videoformate. Besonders die Schnittstelle von Kunst und Gesellschaft steht im Mittelpunkt des Interesses.

  1. 10/20/2025

    #42 hörinsblau - Jelena Kuljić - Augsburger Gespräche 2025

    Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement #Frieden bewahren Die 1979 im ehemaligen Jugoslawien geborene Jelena Kuljić ist Jazzmusikerin, Schauspielerin und Performerin. Ihr Weg führte über eine Begegnung mit „Summertime“ von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald in der Schule zu dem Mühsal des Daseins als Mitglied einer Hotelband zum Studium des Jazzgesangs in Berlin. Nach Engagements am Thalia Theater in Hamburg und dem Burgtheater in Wien ist sie seit 2015 festes Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen. Warmherzig-schonungslos verbindet sie Musik, Theater, Politik mit dem Leben selbst – in der Souveränität wahrer Jazzmusik. Persönliche Erfahrung geht über in gesellschaftliche Reflexion – augenzwinkernd, selbstironisch, direkt. Zwischen Jazz, Punk, Improvisation und Performance entwickelt sie eine künstlerische Sprache, die Widerstand, Empathie und Gegenwärtigkeit miteinander verdichtet. Kuljić versteht Jazz als Haltung – als Form des Zuhörens, des Risikos und der Offenheit. Momentan ist sie mit dem kooperativen Projekt Fundamental Interactions auf den großen Bühnen zu sehen und zu hören. Schauinsblau hatte im Rahmen der Augsburger Gespräche 2025 die Gelegenheit, mit der großartigen Jelena Kuljić zu sprechen. Augsburger Gespräche 2025 Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas prägten die 1990er Jahre. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den Künsten wider? 30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen Auseinandersetzungen und schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast vergessen. Vor dem Hintergrund aktueller Kriege drängt sich die Frage auf: Wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit ethnischer und religiöser Vielfalt umgegangen werden? Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges geprägt, welche Formen des Austauschs entstanden, um mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht gelungene Integration aus, wo finden sich Assimilationsprozesse, die eigene Kulturen in den Hintergrund drängen? Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen sie die deutsche Gesellschaft seit Mitte der 1990er Jahre? Welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, wenn Slowenien und Kroatien der EU beigetreten sind, während die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zunehmen und in Bosnien und Herzegowina der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel steht? Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich daraus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo werden diese Fragen ausgetragen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement. Zehn Schriftstellerinnen, Theaterleute, Musikerinnen und Künstler*innen tauschen sich mit Studierenden in geschlossener und offener Runde aus. Diskutiert wird, inwiefern nationale, historische und kulturelle Hintergründe die eigene künstlerische Position prägen, wie Erfahrungen von Migration und Fremdheit Sichtweisen verändern und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates im künstlerischen Schaffen Niederschlag findet.

    30 min
  2. 10/01/2025

    #41 hörinsblau - Adnan Softić - Augsburger Gespräche 2025

    Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement #Frieden bewahren Der 1975 in Sarajevo geborene Künstler Adnan Softić floh 1992 nach Deutschland. Er studierte in Berlin Philosophie und Politikwissenschaft sowie später in Hamburg Film und ästhetische Theorie. Heute arbeitet er zwischen Film, Installation, Hörspiel und Publikation an einer Praxis, die persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Analyse untrennbar miteinander verschränkt. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet und international gezeigt. Sie öffnen Räume der Übersetzung und ermöglichen eine Begegnung mit der Andersartigkeit des Anderen. Softić konfrontiert seine Zuschauer mit der Brüchigkeit des Friedens, mit Krieg, Flucht und Trauma und macht verdrängte Wirklichkeiten sichtbar. Er zeigt die Architekturen der Macht und den Mythos der Nation – stabilisiert von Ideologie und Gewalt. Er berichtet von der Unfähigkeit Europas im Umgang mit Komplexität und versteht die Balkanisierung als möglichen Begriff für radikale Toleranz. Dabei plädiert Softić dafür, den Konflikt zu umarmen, anstatt ihn zu verblenden – als Haltung, die Widerstand, Heilung und demokratische Auseinandersetzung erst möglich macht. Schauinsblau hatte im Rahmen der Augsburger Gespräche 2025 die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Augsburger Gespräche 2025 Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas prägten die 1990er Jahre. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den Künsten wider? 30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen Auseinandersetzungen und schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast vergessen. Vor dem Hintergrund aktueller Kriege drängt sich die Frage auf: Wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit ethnischer und religiöser Vielfalt umgegangen werden? Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges geprägt, welche Formen des Austauschs entstanden, um mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht gelungene Integration aus, wo finden sich Assimilationsprozesse, die eigene Kulturen in den Hintergrund drängen? Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen sie die deutsche Gesellschaft seit Mitte der 1990er Jahre? Welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, wenn Slowenien und Kroatien der EU beigetreten sind, während die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zunehmen und in Bosnien und Herzegowina der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel steht? Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich daraus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo werden diese Fragen ausgetragen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement. Zehn Schriftstellerinnen, Theaterleute, Musikerinnen und Künstler*innen tauschen sich mit Studierenden in geschlossener und offener Runde aus. Diskutiert wird, inwiefern nationale, historische und kulturelle Hintergründe die eigene künstlerische Position prägen, wie Erfahrungen von Migration und Fremdheit Sichtweisen verändern und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates im künstlerischen Schaffen Niederschlag findet.

    54 min
  3. 09/29/2025

    #40 hörinsblau - Marko Dinić - Augsburger Gespräche 2025

    Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement #Frieden bewahren Der österreichische Schriftsteller und Essayist Marko Dinić gilt als eine der bedeutendsten und spannendsten Stimmen der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur. Er wurde 1988 in Wien geboren, verbrachte jedoch Kindheit und Jugend in Belgrad – eine Erfahrung, die seiner literarischen Arbeit besondere Tiefe und Vielschichtigkeit verliehen hat. Sein Debütroman „Die guten Tage“ (2019) wurde sowohl von Leser*innen als auch von Kritiker*innen mit großer Anerkennung aufgenommen. Sein neuer Roman „Das Buch der Gesichter“ (2025) zeigt erneut die besondere Perspektive des Schriftstellers auf zentrale Themen wie Identität, Erinnerung und historische Traumata. Das Buch wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 nominiert. Im Rahmen der Augsburger Gespräche hatten wir die Gelegenheit, mit Marko Dinić ein ausführliches Interview zu führen. Darin spricht er offen und tiefgründig über den Entstehungsprozess seines Textes, über die Verantwortung des Schriftstellers sowie über die Rolle der Literatur bei der Vermittlung persönlicher und kollektiver Erinnerung. Seine Antworten sind nicht nur umfassend, sondern auch emotional überzeugend – genau deshalb hat dieses Gespräch einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich bin überzeugt, dass auch die Hörer*innen diese Aufrichtigkeit und die intellektuelle Kraft spüren werden, die Dinićs Werk so einzigartig machen. Augsburger Gespräche 2025 Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas prägten die 1990er Jahre. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den Künsten wider? 30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen Auseinandersetzungen und schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast vergessen. Vor dem Hintergrund aktueller Kriege drängt sich die Frage auf: Wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit ethnischer und religiöser Vielfalt umgegangen werden? Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges geprägt, welche Formen des Austauschs entstanden, um mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht gelungene Integration aus, wo finden sich Assimilationsprozesse, die eigene Kulturen in den Hintergrund drängen? Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen sie die deutsche Gesellschaft seit Mitte der 1990er Jahre? Welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, wenn Slowenien und Kroatien der EU beigetreten sind, während die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zunehmen und in Bosnien und Herzegowina der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel steht? Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich daraus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo werden diese Fragen ausgetragen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement. Zehn Schriftstellerinnen, Theaterleute, Musikerinnen und Künstler*innen tauschen sich mit Studierenden in geschlossener und offener Runde aus. Diskutiert wird, inwiefern nationale, historische und kulturelle Hintergründe die eigene künstlerische Position prägen, wie Erfahrungen von Migration und Fremdheit Sichtweisen verändern und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates im künstlerischen Schaffen Niederschlag findet.

    35 min
  4. 09/03/2025

    #39 hörinsblau - Mateja Meded - Augsburger Gespräche 2025

    Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement #Frieden bewahren Mateja Meded, geboren in Jugoslawien und seit 1992 in Deutschland ist Schauspielerin, Autorin, Regisseurin und Filmemacherin. Bereits während ihres Studiums an der Filmuniversität Babelsberg war sie Teil des Ensembles im Maxim Gorki Theater Berlin und wirkte dort am vielfach ausgezeichneten Stück "Common Ground" mit.2018 wurde sie als beste Schauspielerin beim Socially Relevant Film Festival in New York nominiert und 2021 wurde eine ihrer Videostallationen auf der Architektur Biennale in Venedig gezeigt. Derzeit arbeitet sie an der Filmtrilogie "Hack the System" und setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit Themen wie Flucht, Politik und Migration auseinander. Augsburger Gespräche 2025 Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas haben die 1990er Jahre stark geprägt. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man im Zuge dessen mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den jeweiligen Künsten wider?30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen kriegerischen Auseinandersetzungen und die damit verbundenen schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast in Vergessenheit geraten zu sein. Gerade vor dem Hintergrund aktueller anderer kriegerischer Auseinandersetzungen, muss daher umso mehr gefragt werden, wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit einer ethnischen und religiösen Vielfalt umgegangen werden? Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges also geprägt, welche Möglichkeiten und Formen des Austauschs wurden gefunden, um mit den Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht vor diesem Hintergrund eine gelungene Integration aus und wo finden sich aber auch Assimilationsprozesse, die die jeweils eigenen Kulturen in den Hintergrund drängen?Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen diese die deutsche Gesellschaft seit der Mitte der 1990er Jahre? Und schließlich, welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, denn während Slowenien und Kroatien den Weg in die Europäische Union gefunden haben, nehmen die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo wieder zu und auch in Bosnien und Herzegowina steht der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel. Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich dadurch aus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo sind die Orte, an denen diese Dinge ausgetragen werden?Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement zu der insgesamt zehn Schriftsteller*innen, Theaterleute, Musiker*innen und Künstler*innen eingeladen werden, um sich gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden in geschlossener und offener Runde auszutauschen. Diskutiert wird u.a., inwiefern die jeweiligen nationalen, historischen und kulturellen Hintergründe die eigene künstlerische Position mitgeprägt haben, inwiefern Erfahrungen der Migration, der Fremd- und Andersheit zur Veränderung der eigenen künstlerischen Sichtweise geführt haben und schließlich ob und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates ihren Niederschlag im künstlerischen Schaffensprozess findet.

    31 min
  5. 08/04/2025

    #38 hörinsblau - Alida Bremer - Augsburger Gespräche 2025

    Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement #Frieden bewahren Alida Bremer fiktionalisiert in ihrem Roman Olivas Garten die Geschichte der Frauen ihrer Familie. Dafür schickt sie ihre Erzählerin Alida auf eine Reise in ihr Heimatland Kroatien. Dort wollte diese eigentlich nur die Erbschaft ihrer Großmutter Oliva, einen Olivenhain, anerkennen lassen, begegnet dort aber mehr und mehr den Lebensgeschichten ihrer Mutter, Tanten, Cousinen, Großmutter und Urgroßmutter. Trotz oder vielleicht gerade wegen Krieg, Armut, Verfolgung und Trauma bewahren sie alle sich ihren Mut und ihre Resilienz — alle, außer der Großmutter Oliva, die sich nach Jahren in Gefangenlagern bei ihrer Rückkehr in ihr Heimatdorf aus der Realität zurückzieht. Mit schauinsblau spricht sie darüber, wo und wie aus Fakten und Erinnerungen Fiktion wurde, wie viel von ihr und ihren Verwandten in Olivas Garten steckt, wie wenig wir in Deutschland über Kroatien während des Zweiten Weltkrieges wissen und warum die verstummte Oliva die ungewöhnliche Protagonistin ihres Romans ist. Augsburger Gespräche 2025 Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas haben die 1990er Jahre stark geprägt. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man im Zuge dessen mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den jeweiligen Künsten wider?30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen kriegerischen Auseinandersetzungen und die damit verbundenen schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast in Vergessenheit geraten zu sein. Gerade vor dem Hintergrund aktueller anderer kriegerischer Auseinandersetzungen, muss daher umso mehr gefragt werden, wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit einer ethnischen und religiösen Vielfalt umgegangen werden? Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges also geprägt, welche Möglichkeiten und Formen des Austauschs wurden gefunden, um mit den Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht vor diesem Hintergrund eine gelungene Integration aus und wo finden sich aber auch Assimilationsprozesse, die die jeweils eigenen Kulturen in den Hintergrund drängen?Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen diese die deutsche Gesellschaft seit der Mitte der 1990er Jahre? Und schließlich, welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, denn während Slowenien und Kroatien den Weg in die Europäische Union gefunden haben, nehmen die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo wieder zu und auch in Bosnien und Herzegowina steht der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel. Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich dadurch aus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo sind die Orte, an denen diese Dinge ausgetragen werden?Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement zu der insgesamt zehn Schriftsteller*innen, Theaterleute, Musiker*innen und Künstler*innen eingeladen werden, um sich gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden in geschlossener und offener Runde auszutauschen. Diskutiert wird u.a., inwiefern die jeweiligen nationalen, historischen und kulturellen Hintergründe die eigene künstlerische Position mitgeprägt haben, inwiefern Erfahrungen der Migration, der Fremd- und Andersheit zur Veränderung der eigenen künstlerischen Sichtweise geführt haben und schließlich ob und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates ihren Niederschlag im künstlerischen Schaffensprozess findet.

    1h 6m

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