Hüftschmerz ist häufig, aber nicht immer im Hüftgelenk verursacht. Eine strukturierte Untersuchung hilft, gefährliche Ursachen früh zu erkennen und die nächste Diagnostik gezielt zu planen. 📍 Schmerzlokalisation richtig einordnen • Leistenschmerz: häufig intraartikuläre Hüftpathologie, z. B. Coxarthrose, Impingement, Labrumläsion • Lateraler Schmerz über dem Trochanter major: eher gluteales Sehnensyndrom oder Bursitis trochanterica • Gesäß-, Rücken- oder Beinschmerz: Lendenwirbelsäule, ISG oder radikuläre Ursache mitbeurteilen • Hüfterkrankungen können als Knie- oder Oberschenkelschmerz auftreten – besonders bei Kindern 🚨 Red Flags Dringliche Abklärung bei: • Fieber, Schüttelfrost, reduziertem Allgemeinzustand, heißem schmerzhaftem Gelenk: Verdacht auf septische Arthritis • Blasen-/Mastdarmstörung, Sattelanästhesie, neurologischen Ausfällen: Verdacht auf Cauda-equina-Syndrom • Trauma mit Fehlstellung, Belastungsunfähigkeit oder persistierendem Leistenschmerz: Fraktur oder Luxation ausschließen 🗣️ Wichtige Anamnese • Alter, Trauma und Unfallmechanismus • Schmerzbeginn, Belastungs- oder Ruheschmerz, Morgensteifigkeit • Ausstrahlung, Kribbeln, Taubheit, Kraftminderung • Rheumatologische Erkrankungen, Psoriasis, CED, Uveitis, Immunsuppression, Osteoporose • Risikofaktoren für Hüftkopfnekrose: Glukokortikoide, Alkohol, Gerinnungsstörungen • Entzündlicher Rückenschmerz vor dem 45. Lebensjahr: axiale Spondyloarthritis/Sakroiliitis erwägen 👀 Inspektion und Gangbild Untersuchung möglichst zunächst im Stehen und Gehen: • Hinken, verkürzte Standphase, Rotationsfehlstellung, Beinlängendifferenz • Beckenstand, Muskelatrophie, Narben, Hämatome, Rötung und Überwärmung • Bei Luxation oder Fraktur: Durchblutung, Motorik und Sensibilität dokumentieren; keine forcierte Bewegungsprüfung 🤲 Palpation und Basisprüfung • Trochanter-major-Druckschmerz ist unspezifisch; bei lateralem Schmerz zusätzlich Abduktion gegen Widerstand und Sehnendehnung prüfen • Leistenpalpation: auch Hernie, Lymphknoten oder pulsierende Raumforderung beachten • Stauchungsschmerz kann bei Fraktur, Nekrose oder Arthrose auftreten, ersetzt aber keine Bildgebung ↔️ Beweglichkeit der Hüfte Orientierend: Flexion 140°, Extension 15°, Abduktion 45°, Adduktion 25°, Innenrotation 35°, Außenrotation 45°. Entscheidend sind Seitenvergleich und Schmerzprovokation. Eine früh schmerzhafte oder eingeschränkte Innenrotation spricht häufig für eine Hüftgelenkspathologie, etwa Coxarthrose. 🧪 Zentrale Funktionstests • Trendelenburg-Zeichen: Becken sinkt zur Spielbeinseite ab → Abduktorenschwäche oder schmerzhafte Hüfte am Standbein • Duchenne-Zeichen: Rumpfneigung zur Standbeinseite als Kompensation • Thomas-Handgriff: kontralateraler Oberschenkel hebt ab → Hüftbeugekontraktur; Becken/Lendenlordose konsequent kontrollieren • Drehmann-Zeichen: bei Hüftflexion unwillkürliche Außenrotation und Abduktion → Alarmzeichen, besonders für Epiphyseolysis capitis femoris • FABER-/Vierer-Zeichen: Leistenschmerz eher Hüfte, dorsaler Schmerz möglicherweise ISG; insgesamt unspezifisch 🧩 ISG-Untersuchung: vorsichtig interpretieren Mennell-, Vorlauf- und Rücklaufphänomen sind allein diagnostisch wenig zuverlässig. Sinnvoller ist die Kombination aus: • passender Anamnese • neurologischer Untersuchung • Ausschluss von Hüft- und LWS-Ursachen • mehreren Schmerzprovokationstests • bei entzündlichem Verdacht: Labor und Bildgebung 💡 Take-home Messages • Erst schauen, dann tasten, Beweglichkeit prüfen und gezielte Funktionstests einsetzen. • Leistenschmerz spricht oft für die Hüfte, lateraler Schmerz eher für extraartikuläre Strukturen. • Bei Kindern und Jugendlichen mit Knieschmerz immer die Hüfte untersuchen. • Bei älteren Menschen ist Hüftschmerz nach Sturz bis zum Beweis des Gegenteils eine Fraktur. • ISG-Tests ergänzen die Untersuchung, ersetzen aber keine klinische Gesamtbeurteilung.