Zeitreise. Der Podcast

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Geschichte, die vermeintlich jenseits des Spektakulären liegt. Drei Historikerinnen reisen durchs 20. Jahrhundert und blicken insbesondere auf Unerzähltes und  Stimmen, die sonst oft überhört werden. Gerade in diesen Geschichten steckt das Potenzial, unser Verständnis der Gegenwart zu verändern und neue Sichtweisen zu eröffnen. 

  1. 13h ago

    d'Weltkarte: Zwischen Orientierung und Macht

    Die Weltkarte bildet nicht einfach Raum ab, sondern verleiht ihm Bedeutung. Die berühmte Mercator-Projektion, die wir seit der Schule kennen, prägt seit Jahrhunderten, wie Menschen die Erde sehen. Ursprünglich für die Navigation auf See entwickelt, verzerrt sie jedoch die Grössenverhältnisse massiv: Grönland wirkt zum Beispiel beinahe so gross wie Afrika – obwohl Afrika rund 14-mal grösser ist. Und Europa, Russland und Nordamerika erhalten dadurch visuell mehr Gewicht. Eine von Togo und der Afrikanischen Union angestossene UNO-Resolution fordert nun, flächentreue Alternativen wie Equal Earth stärker zu nutzen. 164 Staaten stimmten dafür. Die Debatte führt weit über die Frage nach der passenden Projektion hinaus. Warum liegt Europa häufig im Zentrum? Wie wurden Karten zu Werkzeugen kolonialer Expansion und territorialer Kontrolle? Was verraten Grenzen, Namen und weisse Flecken darüber, wessen Wissen sichtbar gemacht wurde – und wessen nicht? Die Spur führt von Mercator und dem Nullmeridian von Greenwich über die koloniale Vermessung Afrikas bis zu Google Maps, OpenStreetMap und dekolonialen Gegenentwürfen. Denn Karten sind unverzichtbar, aber niemals neutral. Sie bilden die Welt nicht einfach ab: Sie wählen aus, ordnen, vergrössern und verschweigen – und prägen damit, was wir für selbstverständlich halten. Wenn euch «Zeitreise» gefällt, abonniert den Kanal! 🎧⏳ Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen! 🚀 Hier geht es zur "Colonial Frontier Massacres Map": https://c21ch.newcastle.edu.au/colonialmassacres/map.php Oder schaut auch gerne mal in die spannenden Projekte des “Decolonial Atlas” rein: https://decolonialatlas.wordpress.com

    d'Weltkarte: Zwischen Orientierung und Macht
  2. Sep 2

    d'Mission & Dekolonisation: Glauben, Entwicklung, Widersprüche

    Was geschieht, wenn eine Schweizer Missionsgesellschaft, die Glauben und Entwicklung verbreiten will, mitten in das gewaltsame Ende einer Kolonialherrschaft gerät? In dieser Folge rückt eine vertraute Stimme unseres Podcasts in den Mittelpunkt: Wir sprechen mit Barbara Miller über ihr neu erschienenes Buch «Entwicklung glauben. Katholische Mission in der Schweiz und Simbabwes Dekolonisation». Im Zentrum steht die katholische Missionsgesellschaft Bethlehem Immensee. Seit 1938 waren ihre Missionare im damaligen Südrhodesien tätig. Sie bauten Kirchen, Schulen und Spitäler auf, leiteten Missionsstationen und prägten über ihre Kampagnen zugleich das Bild Afrikas in der katholischen Schweiz. In den 1960er-Jahren veränderte sich dieses Umfeld grundlegend. «Entwicklung» wurde zum neuen Leitbegriff. Doch welche Vorstellungen von Hilfe, Fortschritt und «Unterentwicklung» standen dahinter?  Gleichzeitig kämpfte Simbabwe um seine Unabhängigkeit. Die Schweizer Mission geriet zunehmend zwischen die Fronten: auf der einen Seite die weisse Minderheitsregierung unter Ian Smith, auf der anderen die afrikanischen Befreiungsbewegungen.  Je näher das Ende der Kolonialherrschaft rückte, desto dringlicher wurde die Frage nach der eigenen Position. War die Missionskirche eine Verbündete der Dekolonisation? Oder blieb sie Teil jener kolonialen Ordnung, die nun überwunden werden sollte? Und praktizierten die Missionare im Alltag tatsächlich, was sie in der Kirche predigten? Eine Folge über Schweizer Spendengelder und afrikanische Unabhängigkeit, über Entwicklungsutopien, politische Konflikte und die Widersprüche einer Mission im Umbruch. Barbaras Buch «Entwicklung glauben. Katholische Mission in der Schweiz und Simbabwes Dekolonisation» ist im Campus Verlag erschienen und hier frei zugänglich. Wenn euch «Zeitreise» gefällt, abonniert den Kanal! 🎧⏳ Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen! 🚀

    d'Mission & Dekolonisation: Glauben, Entwicklung, Widersprüche
  3. Aug 19

    d'Stolpersteine: Erinnern an NS-Opfer und Schweizer Verantwortung

    Was darf nicht vergessen gehen? Stolpersteine bringen die Erinnerung an Menschen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden, mitten in den Alltag zurück – an jene Orte, an denen sie einst lebten. Seit einigen Jahren werden solche Steine auch in der Schweiz verlegt. In dieser Folge erzählen wir die Geschichten von Menschen aus der Schweiz und von Menschen, deren Schicksal eng mit ihr verbunden war. Dabei geht es auch um die Verantwortung Schweizer Behörden: Schutzsuchende wurden an der Grenze abgewiesen, Menschen ausgeschafft oder ihnen wurde die Rückkehr verweigert. Eine Heirat, Armut, eine Behinderung, Homosexualität oder der falsche Pass konnten dazu führen, dass sie ihren Schutz verloren und dem NS-Regime ausgeliefert wurden. Wir ordnen diese Schicksale in die Schweizer Erinnerungskultur ein, blicken auf die Debatten um den Bergier-Bericht und zeigen, was Stolpersteine leisten können: Sie geben den Opfern ihre Namen zurück und machen historische Verantwortung im öffentlichen Raum sichtbar. Hinweis: Diese Folge thematisiert nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung, Antisemitismus, Diskriminierung, Suizidversuche, Zwangssterilisation und staatliche Gewalt. Wenn euch «Zeitreise» gefällt – abonniert den Kanal. Für Fragen und Feedback könnt ihr uns gerne eine E-Mail schicken an info@context-lab.ch. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen!

    d'Stolpersteine: Erinnern an NS-Opfer und Schweizer Verantwortung
  4. Aug 12

    d'Mieti: Grundbedürfnis und Geschäft

    Über 60 Prozent der Menschen in der Schweiz wohnen zur Miete. Monat für Monat fliesst ein beträchtlicher Teil unseres Einkommens in die Wohnung – doch wie wurde das Wohnen überhaupt zur Ware? Unsere Zeitreise beginnt mit der Industrialisierung, als Tausende Menschen in die Städte zogen und bezahlbarer Wohnraum fehlte. Familien lebten in dunklen, überfüllten Wohnungen, private Betten wurden stundenweise an sogenannte Schlafgänger vermietet und selbst dieser prekäre Wohnraum war teilweise erstaunlich teuer. Wir fragen, wie die prekäre Wohnsituation zum politischen Konflikt wurde und welche Antworten darauf entstanden: staatliche Mietpreiskontrollen, kommunaler Wohnungsbau, Arbeitersiedlungen und Genossenschaften. Dabei besuchen wir auch eine Schweizer Siedlung mit eigener Währung und verfolgen die Entwicklung weiter bis zu Hausbesetzungen, Wohngemeinschaften und dem heutigen Mietrecht. Warum waren ausgerechnet die schlechtesten Wohnungen teilweise am teuersten? Weshalb müssen Mietende eine Senkung bis heute selbst einfordern? Und was verrät die Geschichte der Miete über Macht, Abhängigkeit und unser Verständnis von Wohnen? Eine Folge über Wohnungsnot und soziale Utopien, über Mietkämpfe, Marktlogik und die Geschichte unseres grössten monatlichen Fixpostens. Wenn euch «Zeitreise» gefällt – abonniert den Kanal. Für Fragen und Feedback könnt ihr uns gerne eine E-Mail schicken an info@context-lab.ch. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen!

    d'Mieti: Grundbedürfnis und Geschäft
  5. Jul 29

    ds Aromat: Mehr als nur ein Gewürz

    Aromat gilt als fast schon selbstverständlicher Teil der Schweizer Alltagsküche. Was heute nach Kindheit, Kantine oder Frühstücksei schmeckt, begann als Antwort der Lebensmittelindustrie auf eine Gesellschaft im Umbau: Kochen sollte schneller, Vorratshaltung einfacher und Hausarbeit effizienter werden. Die Streuwürze führt uns mitten in eine Lebensmittelrevolution. Vorangetrieben wurde sie nicht nur in Fabriken und Küchen, sondern auch durch Inserate, Rezeptbroschüren und Kochvorführungen – dort, wo neue Bedürfnisse, Kochgewohnheiten und Vorstellungen vom modernen Leben geschaffen wurden. Wir verfolgen die Geschichte des Produkts bis zur Entdeckung von Umami in Japan und fragen, weshalb Glutamat wissenschaftlich als unbedenklich gilt, aber weiterhin misstrauisch betrachtet wird. Eine andere Spur führt zu schwacher Forschung, Medienhypes und antichinesischen Vorurteilen in den USA. Und schliesslich gehen wir auch der Karriere von Aromat in Südafrika nach, wo das gelbe Gewürz ebenfalls zum kulinarischen Alltag gehört – allerdings mit einer eigenen Geschichte und Bedeutung, die viele so wahrscheinlich nicht erwarten würden. So wird aus einer Streudose eine Folge über Lebensmittelindustrie, Geschmacksforschung und globale Warenwege – und darüber, wie Marketing aus einem Fabrikprodukt ein Stück Heimat machen kann. Wenn euch «Zeitreise» gefällt – abonniert den Kanal. Für Fragen und Feedback könnt ihr uns gerne eine E-Mail schicken an info@context-lab.ch. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen!

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