21.000 Mitarbeiter. 157 Jahre Unternehmensgeschichte. Einer der größten Baukonzerne Europas. Und erstaunlich wenig negative Schlagzeilen. Wie schafft man das? Genau das wollte ich von Karl-Heinz Strauss wissen, CEO und Miteigentümer der PORR AG, einem der erfolgreichsten österreichischen Bauunternehmen. Wer einen Konzern dieser Größenordnung führt, muss Krisenmanagement doch geradezu perfektioniert haben. Davon war ich jedenfalls ausgegangen. Die Antwort hat mich überrascht: Keine geheimen Managementrezepte. Keine ausgeklügelten Krisenhandbücher. Stattdessen fünf Prinzipien, vier Zauberwörter und vier D. Die fünf Prinzipien der PORR: Verlässlichkeit. Anerkennung. Leidenschaft. Pioniergeist. Schulterschluss. Fünf Begriffe, die nicht aus einem Managementlehrbuch stammen, sondern aus der eigenen Unternehmenskultur entwickelt wurden. Und die, so Strauss, nicht nur an den Wänden hängen, sondern von mehr als 21.000 Menschen gelebt werden sollen. Die vier Zauberwörter: Guten Tag. Auf Wiedersehen. Bitte. Danke. Fast ein bisschen altmodisch? Vielleicht. Aber in einer Welt, in der Respekt, Anstand und gegenseitige Wertschätzung zunehmend unter Druck geraten, möglicherweise aktueller denn je. Die vier D, mit denen Strauss die großen Herausforderungen unserer Zukunft beschreibt: Deglobalisierung. Dekarbonisierung. Digitalisierung. Demografie. Doch wir haben auch über die schwierigen Seiten unternehmerischer Verantwortung gesprochen: über das Kartellverfahren der PORR, Fehlerkultur, Vertrauen, öffentliche Vorverurteilung, mediale Dynamiken und die Frage, ob der Rücktritt einer Führungskraft tatsächlich immer die richtige Antwort auf eine Krise ist. Besonders beeindruckt hat mich seine Gelassenheit. Strauss bestreitet keineswegs, dass Krisen existieren. Im Gegenteil. Aber er unterscheidet zwischen tatsächlichen Problemen und der Aufregung, die wir manchmal um sie herum erzeugen. Nicht jeder Schlagzeile hinterherlaufen. Nicht vorschnell urteilen. Manchmal einfach 24 Stunden darüber schlafen. Und dann entscheiden. Was ich aus diesem Gespräch mitnehme? Vielleicht liegt das Geheimnis erfolgreicher Krisenführung gar nicht darin, jede Krise verhindern zu wollen. Sondern darin, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die auch dann trägt, wenn es schwierig wird. Ein außergewöhnlich interessantes Gespräch über Leadership, Verantwortung, Vertrauen und die Kunst, auch unter Druck einen klaren Kopf zu behalten.