Geschichte(n) hören

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Mit diesem Podcast-Angebot stellt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Audio-Mitschnitte von Veranstaltungen zum Nachhören zur Verfügung.

  1. Jul 9

    Geteiltes Erinnern: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Aufarbeitung der NS-Gewaltverbrechen in Polen und im geteilten und vereinten Deutschland

    Die Beziehung zwischen Polen und Deutschland ist bis heute tief geprägt von den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Bis heute bestehen dabei erhebliche Unterschiede in der Erinnerungskultur. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die jahrzehntelange Teilung Europas nach dem Krieg, die auch in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zu unterschiedlichen Narrativen führte. In der Bundesrepublik standen lange Zeit die Themen Flucht und Vertreibung im Vordergrund. Nicht selten wurde die Anerkennung polnischer Opfer vernachlässigt. Die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Grenze war über Jahrzehnte innenpolitisch umstritten. Die DDR hingegen erkannte die polnische Westgrenze frühzeitig an, stilisierte sich aber zugleich als antifaschistischer Staat und schob die alleinige Verantwortung für Krieg und Völkermord des „Dritten Reiches“ auf die Bundesrepublik. Auch kulturell und gesellschaftlich gab es kaum Annäherungen: Bis in die 1970er-Jahre hinein gab es keinen nennenswerten Austausch zwischen den sozialistischen Nachbarstaaten. Erst die polnische Oppositionsbewegung der 1980er-Jahre beeinflusste die DDR-Bürgerrechtsbewegung nachhaltig. Auch nach der Normalisierung der bilateralen Beziehungen und der Verständigung zwischen Polen und dem vereinten Deutschland seit 1990 bleiben bis heute viele Fragen im öffentlichen und gesellschaftlichen Diskurs virulent: Wie wird 80 Jahre nach Kriegsende in beiden Ländern an die NS-Verbrechen in Polen erinnert? Teilen Polen und Deutsche die Erinnerungen, oder bleiben sie geteilt? Wie kann eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur aussehen? Wie schauen junge Menschen aus beiden Ländern heute auf die Beziehungen, und welche Hoffnungen an die Zukunft verbinden sie damit?

  2. Jul 9

    Spuren im Leben – politische Haft und Zwangsarbeit im DDR-Strafvollzug

    In der SED-Diktatur war Freiheitsentzug nicht nur Strafe, sondern auch ein Instrument staatlicher Repression. Als politischer Gefangener der DDR gilt, wer wegen eines politischen Straftatbestandes, wie z. B. „ungesetzlichem Grenzübertritt“, inhaftiert wurde. Zudem sind auch Menschen umfasst, die aus politischen Gründen und oft unter konstruierten Vorwürfen zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Abhängig von der Definition schwankt die Anzahl der Betroffenen: Nach Expertenschätzungen ist vom Beginn der DDR im Jahr 1949 bis zu ihrem Ende 1989 von etwa 200.000 politischen Gefangenen auszugehen. Die Gründe für politische Inhaftierung waren vielfältig. Sie reichten von strafrechtlichen Paragrafen wie „staatsfeindliche Hetze“, „ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ und „Zusammenrottung“ bis hin zum Ausreisebegehren. Auch Jugendliche wurden inhaftiert, wenn sie durch nonkonformes Verhalten auffielen. Zwangsarbeit war integraler Bestandteil politischer Haft in der DDR. In vielen Haftanstalten mussten Inhaftierte für staatliche oder westliche Firmen, etwa IKEA oder ALDI, produzieren. Die Einnahmen flossen in die Staatskasse der DDR. Bei der verpflichtenden Arbeit im Strafvollzug waren die Gefangenen erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, da Sicherheitsstandards vernachlässigt wurden. Wer die Arbeit verweigerte, riskierte Bestrafungen bis hin zu Einzelhaft. Über die juristische und moralische Aufarbeitung dieser wirtschaftlichen Ausbeutung gibt es anhaltende Debatten. Institutionen und Verbände setzen sich seit Jahren dafür ein, dass gesundheitliche Folgeschäden anerkannt und die Betroffenen entschädigt werden. In der Veranstaltung kommen Zeitzeugen und Experten miteinander ins Gespräch. Gemeinsam blicken sie auf die Strukturen und Bedingungen politischer Haft in der DDR und diskutieren den aktuellen Stand der Aufarbeitung – insbesondere im Hinblick auf Haftzwangsarbeit und ihre Folgen.

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