Christian Pessing Gelungene Kommunikation

Mit Christian Pessing

Gespräche erzeugen Wirklichkeit. Christian Pessing liest und entwickelt Gedanken über gelungene zwischenmenschliche Kommunikation, die Geometrie der Gesprächsführung® und Kommunikation mit künstlicher Intelligenz. christianpessing.substack.com

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  1. 5d ago

    Wie aus einer Problembeschreibung ein klares Gesprächsziel wird – gelesen von Christian Pessing

    Teil 2: Vom Kern zum Gesprächsziel Wie aus einer Problembeschreibung Schritt für Schritt ein konkretes Primärziel entsteht Thanks for reading! Subscribe for free to receive new posts and support my work. In diesem zweiten Teil geht es darum, wie aus einer zunächst allgemeinen oder problemorientierten Beschreibung ein konkretes Gesprächsziel wird. Ich zeige an einer realen Coachingsequenz mit Quintus, wie ich dabei Schritt für Schritt vorgehe: mit Rückbestätigung, Priorisierung, einer einfachen Zielstruktur aus Inhalt, Ausmaß und Zeit und dem Wechsel von einer Weg-von-Formulierung zu einer Hin-zu-Formulierung. Interessant ist der Artikel vor allem für Menschen, die Gespräche vorbereiten, andere coachen oder führen und dabei immer wieder vor derselben Frage stehen: Wie komme ich von „Ich weiß ungefähr, was ich will“ zu einem Ziel, das so klar ist, dass es mir im Gespräch tatsächlich als Kompass dienen kann? Und genau das arbeiten wir hier gemeinsam heraus – bis aus einer Absicht ein Primärziel wird, das sich anschließend in eine konkrete Gesprächseröffnung übersetzen lässt. Im ersten Teil habe ich gezeigt, wie ich mit Quintus daran arbeite, eine sehr ausführliche Falldarstellung Schritt für Schritt zu verdichten. Aus mehreren Hintergründen, Nebenarmen und Erklärungen entsteht schließlich ein Satz: „Ich habe ihre Erwartungen nicht erfüllt.“ Daraufhin frage ich: „Ist das der Kern der Sache?“ Quintus bestätigt das. Damit ist zunächst geklärt, worum es geht. Für die weitere Arbeit reicht mir das aber noch nicht. Ein Problemkern beschreibt einen Zustand oder ein Ereignis. Jetzt brauche ich eine Richtung: Was möchte Quintus in dieser Situation erreichen? Genau an dieser Stelle beginnt der nächste Arbeitsschritt. Aus dem Kern wird eine Zielrichtung Ich frage ihn: „Was genau willst du mit ihr erreichen? Was ist dein Ziel beziehungsweise was sind deine Ziele?“ Damit verschiebe ich den Fokus. Bis hierhin haben wir gefragt: Was ist passiert? Jetzt frage ich: Was soll entstehen? Wenn ich weiter nach dem Problem frage, bekomme ich wahrscheinlich weitere Informationen über den Konflikt. Mit der Frage nach dem Ziel beginne ich herauszuarbeiten, woran wir konkret arbeiten können. Quintus antwortet zunächst wieder mit einer Beschreibung der Situation: „Also sie betreut ein paralleles Projekt und fängt an, sich in mein Projekt einzubinden und hat Lücken in meiner Kommunikation erkannt und fängt an, da bei mir rumzufingern und auch schlechte Stimmungen bezüglich meiner Person im Hintergrund zu verbreiten.“ An dieser Stelle fasse ich zunächst zusammen, was ich verstanden habe, und gebe es ihm zurück. Damit verfolge ich zwei Ziele: Ich möchte sicherstellen, dass ich ihn richtig verstanden habe. Gleichzeitig hört Quintus noch einmal in komprimierter Form, was er gerade gesagt hat. Ich stelle ihm die zusammenfassende Frage: „Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann mischt sie sich in dein Projekt ein, aber sie ist nicht befugt dazu. Sie hat keine Weisungsbefugnis. Habe ich das so richtig verstanden?“ Quintus bestätigt: „Okay, wunderbar.“ Das ist für mich ein Teil der Rückbestätigung beziehungsweise der doppelten Rückbestätigung: Ich überprüfe mein eigenes Verständnis und mache dem anderen gleichzeitig hörbar, was bei mir angekommen ist. Danach kehre ich wieder zur Zielfrage zurück: „Was ist dein Ziel mit ihr, wenn es darum geht, dass sie sich bei dir einmischt?“ Das Hauptziel aus der Erklärung heraushören Quintus antwortet: „Ich brauche sie, weil sie ein offizielles Projekt hat, das durch die Leitung legitimiert ist. Ich leite eine Bottom-up-Workshop-Gruppe von verschiedenen Experten und Expertinnen, die …“ Hier unterbreche ich ihn. In seiner Antwort steckt bereits ein möglicher Zielkern. Gleichzeitig beginnt Quintus wieder, Hintergrundinformationen zu liefern, die für die eigentliche Zielformulierung zunächst nicht notwendig sind. Ich gehe deshalb mit einer Rückfrage auf das ein, was ich als möglichen Hauptpunkt verstanden habe: „Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann brauchst du etwas von ihr. Du sagst, du brauchst ihren Rückhalt. Ist es das, was du brauchst?“ Damit versuche ich, über Rückfragen zunächst das Hauptziel beziehungsweise Primärziel herauszuarbeiten. Weitere Ziele oder Unterziele können anschließend ergänzt und genauer definiert werden. In diesem Schritt geht es zunächst darum, die zentrale Richtung zu klären: Was ist das Hauptziel? Quintus bestätigt meine Zusammenfassung mit: „Gut.“ Damit ist für mich zunächst klar: Meine Rückbestätigung trifft sein Anliegen. Der Rückhalt ist tatsächlich ein zentraler Punkt. Aus mehreren Themen eine Priorität bilden Gleichzeitig hat Quintus mehrere Dinge benannt, an denen er arbeiten möchte. Deshalb gehe ich jetzt einen Schritt weiter. Ich zähle die Punkte auf, die ich von ihm gehört habe, und gebe sie ihm als Auswahl zurück. Damit möchte ich zwei Dinge erreichen: Orientierung schaffen und priorisieren. Ich frage: „Was ist jetzt das Vordringlichste, woran wir arbeiten sollten? Deine Kommunikationslücken, die sie entdeckt hat? Den Rückhalt, den du von ihr brauchst? Oder möglicherweise noch was anderes?“ So muss Quintus nicht noch einmal von vorn beginnen. Er kann auf das zurückgreifen, was bereits im Gespräch liegt, und entscheiden: Woran arbeiten wir zuerst? Quintus antwortet: „Ja, drei Dinge. Die Kommunikation muss so gut sein, dass die Fachlichkeit stabil rüberkommt. Erstens. Kommunikation muss so gut sein, dass ich auch den Rückhalt von Ansprechpartnern genieße, die nicht in meinem direkten Umfeld sind. Das dritte ist, Resilienz zu haben für Schwankungen in dieser Kommunikation.“ Quintus interessiert sich an dieser Stelle besonders für das Thema Resilienz. Ich ordne deshalb kurz ein, welche Bereiche für eine resiliente und zugleich wirkungsvolle Informationsvermittlung relevant sein können. Ich unterscheide dabei drei Ebenen: State – der eigene emotionale und körperliche Zustand.Struktur – die Art und Weise, wie Informationen geordnet und vermittelt werden.Inhalt – das, was fachlich eingebracht wird. Auf das Thema Resilienz und kongruente Informationsvermittlung gehe ich an dieser Stelle nur kurz ein. Dazu wird ein eigener Artikel erscheinen. Für unsere aktuelle Arbeit ist jetzt etwas anderes entscheidend: Wir kehren zur Zielformulierung zurück und vertiefen sie. Zurück zur Zielformulierung Ich führe wieder zum Zielgespräch zurück und fordere Quintus auf: „Fass noch mal zusammen: Was ist dein Ziel? Woran arbeiten wir jetzt?“ Darauf antwortet Quintus: „Ich habe daher zwei Beispiele für die Zukunft, für die kurzfristige Zukunft, die wir miteinander besprechen können. Diese Beispiele hängen mit einem Vertragspartner zusammen, der für uns arbeitet. Beide Beispiele beim gleichen Vertragspartner. Ein Beispiel ist die technische Weiterentwicklung einer gemeinsamen App. Zweites Beispiel ist die Preisverhandlung dieser App. Was machen wir zuerst?“ An dieser Stelle liegt es nahe, als Berater selbst zu entscheiden, welches Thema jetzt wichtiger erscheint. Ähnlich verführerisch ist es als Führungskraft, einem Mitarbeiter direkt vorzugeben, woran als Nächstes gearbeitet werden soll. Wenn ich coache – oder wenn eine Führungskraft einen Mitarbeiter oder Kollegen in einer coachenden Rolle begleitet –, empfehle ich zunächst, die Entscheidung beim anderen zu lassen. Als Vorgesetzter kann es Situationen geben, in denen ich aus meiner Verantwortung heraus eine andere Priorität setzen muss. Auch als Coach kann ich den Eindruck gewinnen, dass ein anderes Thema für die weitere Arbeit sinnvoller wäre. In beiden Fällen würde ich die Richtung nicht einfach verändern. Ich würde zunächst über eine Erlaubnissequenz die Zustimmung einholen. Zum Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass es für unsere weitere Arbeit gerade hilfreicher sein könnte, zunächst auf das andere Thema zu schauen. Ist es für dich in Ordnung, wenn wir dort weitermachen?“ Im konkreten Gespräch überlasse ich Quintus deshalb zunächst die Auswahl. „Die Zielsetzung. Du suchst dir eins von beiden Fällen aus.“ Dann führe ich ihn wieder in die konkrete Zielformulierung: „Was ist das Ziel? Nimm dir das erste Beispiel, das du nehmen willst, und formulier mal so gut du kannst mit einem Satz. Was ist dein Ziel?“ Quintus antwortet: „Das oberste Ziel ist partnerschaftliche Zusammenarbeit.“ Von der Absicht zum konkreten Ziel Ich kann darin sofort die gute Absicht erkennen, etwas Konkretes zu formulieren. Gleichzeitig ist „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ für mich noch kein ausreichend bestimmtes Ziel. An dieser Stelle nutze ich mein Zielbildungsmodell. Ein Ziel setzt sich für mich aus drei Bestandteilen zusammen: Inhalt – Worum genau geht es? Ausmaß – In welchem Umfang soll etwas erreicht, verändert oder entwickelt werden? Zeit – Wann soll damit begonnen werden, bis wann soll es erreicht sein oder wie viel Zeit soll für die Bearbeitung des Ziels zur Verfügung stehen? Je nach Situation kann eine Zielbeschreibung eine oder mehrere Zeitangaben enthalten. Deshalb ist „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ für mich zunächst eher die Überschrift eines Mandats oder eine Absichtserklärung. Sie beschreibt eine Richtung, aber noch nicht präzise genug, woran wir konkret arbeiten sollen. Im Gespräch sage ich deshalb sinngemäß: „Das ist eher die Überschrift von einem Mandat oder eine Absichtserklärung. Ein Ziel hat einen konkreten Inhalt, ein Ausmaß und eine Zeitangabe.“ Quintus bestätigt: „Das ist das Mindeste, woran wir ein Ziel erkennen können.“ Viele Menschen brauchen an dieser Stelle einen Moment, um aus einer allgemeinen Mandatsüberschrift ein oder mehrere konkrete Ziele zu entwickeln. Aus dem Fundus der Techniken, die ich dafür nutze, greife ich hier auf etwas zurück, das man Schlagworttec

  2. 6d ago

    Wie jemand schneller auf den Punkt kommt – gelesen von Christian Pessing

    Teil 1: Wenn jemand auf den Punkt kommen will Wie ich unterbreche, Feedback gebe und Schritt für Schritt zum Kern führe Thanks for reading! Subscribe for free to receive new posts and support my work. Ein Klient weiß von sich selbst, dass seine Kommunikation häufig sehr ausführlich und informationsreich wird. Er arbeitet bereits daran, sich kürzer zu fassen und seine Wirkung im Gespräch zu verbessern. Das Beispiel ist deshalb aus zwei Perspektiven interessant: für jemanden, der selbst dazu neigt, sehr viel zu erklären und lernen möchte, Informationen stärker zu dosieren. Und für jemanden, der mit einem sehr ausführlich sprechenden Kollegen, Mitarbeiter oder Gesprächspartner zu tun hat und wissen möchte: Wann darf oder sollte ich unterbrechen? Wie kann ich das tun? Und wie gebe ich anschließend Feedback, ohne lediglich zu sagen: „Du redest zu viel“? In diesem Coaching tritt genau dieses Kommunikationsmuster während des Gesprächs selbst auf. Dadurch können wir unmittelbar daran arbeiten. Bevor ich unterbreche, kläre ich, ob ich unterbrechen darf Quintus und ich arbeiten in dieser Sitzung zum ersten Mal allein miteinander, wir haben aber bereits vorher miteinander gearbeitet. Dabei haben wir vereinbart, dass ich ihn unterbrechen kann und soll, wenn mir während seiner Kommunikation etwas auffällt, das für seine Entwicklung relevant sein könnte. Das ist für meine Arbeit wichtig. Wenn ein Kommunikationsmuster gerade live auftritt, möchte ich möglichst in diesem Moment darauf aufmerksam machen können. Ich möchte nicht zehn Minuten später sagen: „Vorhin hast du etwas Interessantes gemacht.“ Deshalb synchronisiere und kalibriere ich das vorher. Das kann beispielsweise so aussehen: „Wenn mir während deiner Ausführung etwas auffällt: Ist es dir recht, wenn ich dich direkt unterbreche und dich darauf aufmerksam mache?“ Oder offener: „Welche Möglichkeiten habe ich, dich zu unterbrechen, wenn mir während des Gesprächs etwas auffällt?“ Das lässt sich auch auf andere Gesprächssituationen übertragen. Wenn ein Kollege selbst weiß, dass er häufig sehr ausführlich spricht, kann ich vorher vereinbaren: „Du hast gesagt, dass du daran arbeiten möchtest, dich kürzer zu fassen. Wenn mir auffällt, dass du gerade sehr viele Informationen oder mehrere Gedanken gleichzeitig öffnest: Ist es für dich in Ordnung, wenn ich dich dann unterbreche?“ Zusätzlich kann ich fragen: „Wie möchtest du, dass ich dich darauf aufmerksam mache?“ Damit entsteht eine gemeinsam vereinbarte Möglichkeit zur Intervention. Das ist etwas anderes als eine Regel wie „Wir lassen uns immer ausreden“. Auch bei einer solchen Regel kann man vorher klären, was passieren soll, wenn eine Ausführung für den anderen schwierig zu verfolgen wird. Ich lasse den Klienten den konkreten Fall wählen Zu Beginn der Sitzung kläre ich mit Quintus, woran er konkret arbeiten möchte. Aus unserer vorausgegangenen Zusammenarbeit weiß ich, dass seine Kommunikation häufig sehr ausführlich ist, viele Informationen enthält und Rückbestätigungen zu kurz kommen können. Ich möchte darüber nicht nur abstrakt sprechen. Deshalb bitte ich ihn, eine konkrete Situation auszuwählen, an der wir arbeiten können. Im Gespräch sage ich: „Vor allen Dingen, wenn das Sachen sind, die in der Zukunft wieder auftauchen können, Handlungsalternativen zu schaffen. So eine Sache ist, das sind lange Ausführungen, viel Information, möglicherweise zu wenig Rückbestätigung.“ „Das sind die Sachen, die ich mir gemerkt habe aus unserem letzten Call. So. Und du kannst gerne, wenn du willst, mal einen konkreten Fall nehmen.“ Dann bitte ich ihn, den Fall so zu anonymisieren, dass wir daran arbeiten können. Damit liegt die Wahl des konkreten Arbeitsgegenstands zunächst bei Quintus. Quintus beginnt den Fall zu schildern „Ja, das können wir gerne tun. Ich schildere dir gerne den Fall. Der Fall ist mit einer Kollegin. Nennen wir sie Anna. Den Fall kann ich dir gerne schildern. Ich habe den Fall auch schon aufgearbeitet, mit zwei Large Language Modellen. Bevor wir uns diesem Fall widmen, eine Erkenntnis habe ich schon: Es ist schon auch wieder eine andere Sache mit Kollegen. Diese Kommunikationsebene zieht sich durch meine generelle Kommunikation, also diese Herausforderung meiner Kommunikation zieht sich durch meine generelle Kommunikation. Ich habe aber gesehen, dass mit Kollegen noch Themen hinzukommen beziehungsweise sich Probleme verstärken. Die Situation ist die, dass ich im Austausch mit weiteren Kollegen aus dem europäischen Geschäft …“ Bis zu diesem Punkt lässt sich gut nachvollziehen, wie sich seine Ausführung entwickelt: * Quintus startet mit einem konkreten Fall. * Noch bevor er diesen Fall schildert, öffnet er einen zusätzlichen Gedanken: „Bevor wir uns diesem Fall widmen …“ * Von dort wechselt er auf die allgemeine Ebene seiner Kommunikation: „meine generelle Kommunikation“. * Danach ergänzt er eine weitere Differenzierung. * Anschließend beginnt er, einen neuen Kontext mit anderen Kollegen aufzubauen. Hier nutze ich die vorher vereinbarte Möglichkeit zur Intervention. „Lass dich mal unterbrechen, wenn du willst.“ „Das, was du machst, nennt man Degression.“ Warum ich nicht einfach sage: „Du schweifst ab“ Wenn ich Quintus nur sagen würde: „Du schweifst ab.“ wäre das sinngemäß zwar richtig. Es ist aber leicht als Angriff misszuverstehen und noch nicht besonders konstruktiv. Auch: „Fass dich kürzer.“ reicht mir nicht. Dann weiß er ungefähr, was er tun soll. Er weiß aber möglicherweise noch nicht, wie und an welchen Stellen er seine Kommunikation verändern kann. Deshalb benenne ich das Muster genauer und beginne anschließend bewusst mit dem positiven Teil. Eine Art verdecktes Sandwich-Feedback Ich sage: „Jetzt erstmal zu einem positiven Teil deiner Degression.“ Dann: „Du gehörst mit zu den wenigen Menschen, die einen Nebenarm, einen gedanklichen Nebenarm aufmachen, also einen zusätzlichen Loop.“ Und weiter: „Du erklärst mir schon etwas, was mit zu dem Thema gehört und du gehörst mit zu den wenigen Menschen, die sogar wieder zurückfinden.“ Erst anschließend benenne ich die Schwierigkeit: „Allerdings ist es so, dass du jetzt schon mindestens drei verschiedene zusätzliche Seitenarme geöffnet hast im Hinblick auf die Situation mit der Kollegin.“ Das ist für mich eine Art verdecktes Sandwich-Feedback. Ich möchte zunächst eine positive Stimmung erzeugen und hebe deshalb etwas hervor, das mir an seiner Kommunikation tatsächlich positiv aufgefallen ist – in diesem Gespräch und möglicherweise auch schon vorher. Meine Erfahrung ist: Wenn ich zunächst eine belastbare positive Rückmeldung gebe, gelingt die Überleitung zu konstruktiven Hinweisen leichter. Woran ich die Nebenarme höre Mit etwas Übung lässt sich so etwas sprachlich ziemlich gut hören. Ein deutliches Signal ist beispielsweise: „Bevor wir uns diesem Fall widmen …“ Der ursprüngliche Gedanke wird noch nicht abgeschlossen. Stattdessen wird aus ihm heraus bereits ein nächster eröffnet. Dann folgt: „… meine generelle Kommunikation …“ Damit wechselt Quintus vom konkreten Fall auf eine allgemeine Ebene. Anschließend geht er wieder in einen anderen Kontext mit Kollegen und weiteren Themen. Wenn ich zuhöre, zähle ich innerlich gewissermaßen mit: Wie viele Gedanken werden gerade geöffnet? Wie viel Information beginnt jemand mir zu präsentieren? Und wann kommt der Moment, an dem er von der eigentlichen Aufgabenstellung abweicht? Genaues Zuhören bedeutet für mich hier also nicht nur, den Inhalt zu verstehen. Ich achte gleichzeitig auf die Struktur, in der die Informationen geliefert werden. Ich biete eine andere Gesprächsorganisation an Jetzt beschränke ich mich nicht auf das Feedback. Ich biete Quintus eine Alternative an: „Wenn du heute etwas anders machen und ein bisschen trainieren möchtest, dann überlass mir einfach, die Fragen zu stellen, die ich brauche, um zu verstehen, worum es geht.“ Diese Alternative knüpft an unser Vorgespräch an. Wir haben vereinbart, dass Quintus zusätzlich zu Kommunikationsformen, die ihm leichtfallen – etwa längeren Vorträgen – andere Gesprächsstrukturen braucht, um in Einzelgesprächen und Meetings seine Gesprächsziele zu erreichen. Wie viele andere Menschen benennt Quintus häufig nicht nur das Ziel. Er liefert ungefragt Hintergründe, Erfahrungen und teilweise bereits Umsetzungsmöglichkeiten mit. Meine Empfehlung lautet hier: Präsentiere mir zunächst dein Gesprächsziel und überlasse es mir, Fragen zu stellen, deren Antworten mir helfen, mit dir weiterzuarbeiten. Für Quintus hat das als Führungskraft noch eine zusätzliche Bedeutung. Wenn er nicht nur das Ziel präsentiert, sondern unmittelbar seine Erfahrungen und mögliche Umsetzungsschritte mitliefert, legt er leicht bereits fest, wie etwas erledigt werden soll. Damit verkleinert er den Lösungsraum seiner Mitarbeiter. Er soll deshalb lernen, zunächst das Ziel zu formulieren und sich dann anzuhören, welche Lösungsmöglichkeiten andere anbieten. Das unterstützt auch Delegation. Vereinfacht kann man dieses Prinzip auch auf Antworten übertragen: Wenn jemand fragt: „Was soll ich tun?“, beantworte zunächst das Was – und noch nicht automatisch das Wie. Jetzt suche ich den Initialmoment Nachdem ich Quintus eine andere Gesprächsorganisation angeboten habe, gehe ich wieder zurück zu seinem konkreten Fall. Ich suche jetzt nicht nach der gesamten Vorgeschichte, sondern nach dem ersten Moment, an dem für ihn erkennbar wird: Hier beginnt der Konflikt. Ich sage: „Die Situation mit deiner Kollegin, da gibt es garantiert einen Moment, wo du weißt: Jetzt geht es los. Jetzt ist die Reaktion nicht so, wie ich sie brauche.“ Und ergänze: „Es gibt immer so einen Initialmoment, an den wir uns meistens auch erinnern können.“ Quintus rea

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