Um das Einplanen der Projektdokumentation als Teil der Bearbeitungszeit des IHK-Abschlussprojekts (40h bzw. 80h) geht es in der dreizehnten Episode der Shorts des IT-Berufe-Podcasts. Bei der Frage, ob die Zeit für die Projektdokumentation in die 40 bzw. 80 Stunden der Projektarbeit gehört, gibt es keine einheitliche Regelung, sondern es hängt von deiner IHK ab. Viele IHKen und auch der DIHK verlangen, dass diese Zeit mit eingeplant wird, auch wenn das in der Praxis oft als unrealistisch gesehen wird. Ich würde dir deshalb empfehlen, die Vorgaben deiner konkreten IHK zu prüfen und im Zweifel die Doku-Zeit vorsichtshalber in die Planung aufzunehmen. Inhalt Ob die Zeit für die Projektdokumentation zur offiziellen Projektzeit zählt, ist je nach IHK unterschiedlich geregelt. Eine einheitliche bundesweite Regelung gibt es dazu nicht, obwohl sich viele Prüflinge genau diese Klarheit wünschen. Nach der Recherche im Podcast erwarten die meisten IHKen, dass die Dokumentation innerhalb der vorgegebenen 40 oder 80 Stunden entsteht. Gleichzeitig wird das als praxisfern bewertet, weil die Projektzeit ohnehin oft knapp ist und umfangreiche Dokumentationen zusätzlich kaum realistisch in wenigen Stunden erstellt werden können. Worum es bei der Frage geht Gemeint ist die Zeit für die finale Projektdokumentation für den Prüfungsausschuss, also das ausformulierte Dokument mit Inhalt, Struktur, Formatierung, Bildern und Anhängen. Die zentrale Frage ist, ob diese Zeit offiziell Teil der Projektbearbeitungszeit ist oder außerhalb davon läuft. Warum es dazu unterschiedliche Auffassungen gibt In den Berufsverordnungen steht, dass der/die Prüfling eine betriebliche Projektarbeit durchführen und mit praxisbezogenen Unterlagen dokumentieren muss. Außerdem wird dort genannt, dass die Prüfungszeit für Projektarbeit und Dokumentation höchstens 80 Stunden beträgt, bezogen auf die Fachinformatiker:innen Anwendungsentwicklung. FIAusbV §12 (2) Der Prüfling hat eine betriebliche Projektarbeit durchzuführen und mit praxisbezogenen Unterlagen zu dokumentieren. Die Prüfungszeit beträgt für die betriebliche Projektarbeit und für die Dokumentation mit praxisbezogenen Unterlagen höchstens 80 Stunden. Im ersten Teil hat der Prüfling nachzuweisen, dass er in der Lage ist, […] die Planung und Durchführung des Projektes anforderungsgerecht zu dokumentieren. Diese Formulierungen lassen sich unterschiedlich auslegen: Eine Auslegung ist, dass damit auch die finale Projektdokumentation für den Prüfungsausschuss gemeint ist. Die andere Auslegung ist, dass hier die fachliche Dokumentation gemeint ist, die ohnehin zum Projekt gehört, z.B.: Entwickler:innen-Dokumentation Benutzerhandbücher Installationsprotokolle Checklisten Netzpläne Nach dieser zweiten Sichtweise gehört die fachliche Dokumentation zum echten Projekt, nicht aber das spezielle Prüfungsartefakt für den Ausschuss. Einschätzung zur Praxis Es ist eigentlich offensichtlich, dass die vorgegebenen Projektzeiten oft schon für die eigentliche Umsetzung knapp sind. Wenn dann zusätzlich noch die vollständige Projektdokumentation in dieser Zeit erstellt werden soll, finde ich das sehr unrealistisch. Besonders kritisch sehe ich, dass manche IHKen für die Dokumentation nur etwa 10 bis 15 Prozent der Gesamtzeit vorsehen. Das wären bei 80 Stunden nur 8 bis 12 Stunden, bei 40 Stunden sogar nur 4 bis 6 Stunden. Rolle von IHK und DIHK Der DIHK hat eine Empfehlung beziehungsweise Vorgabe herausgegeben, nach der die Zeit für die Projektdokumentation mit eingeplant werden soll. Deshalb ist die Tendenz eher so, dass viele IHKen diese Zeit inzwischen in die Projektzeit einrechnen. Trotzdem gibt es unterschiedliche Regelungen je nach Region: Nicht in der Zeit enthalten: z.B. Regensburg, Bayreuth, Stuttgart In der Zeit enthalten: z.B. Oldenburg, Gera, Berlin, Bonn Beispiele Umsetzungsempfehlung DIHK: drin mit 20%, https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/6945168/0424ce44eab4c49eab8b0c078fe7d796/dihk-umsetzungshilfe-it-berufe-data.pdf Regensburg und Bayreuth: nicht drin, https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/6637094/a7a0c7a26a07c581efc8f6784bdf0c3c/it-berufe-hinweise-stand-15-07-25-data.pdf Stuttgart: nicht drin, "Auch das reine Dokumentieren des Projektverlaufs gehört zur Zeitplanung (nicht die Erstellung und Ausgestaltung der finalen Datei für den Prüfungsausschuss).", https://www.ihk.de/stuttgart/fuer-azubis/pruefungen/formulareneu6359/it-berufe-infos-ap2-6705038 Oldenburg, drin 15-20%, https://www.ihk.de/oldenburg/geschaeftsfelder/ausbildungweiterbildung/ausbildung/tipps-zur-ausbildung/it-berufe-leitfaden-abschlusspruefung-6733866 Gera, drin 20%, https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/3872458/df0b97a582369d0c4ae8bd448b1785aa/it-ihk-information-veroeffentlichung-internet-20170907-data.pdf Berlin und Bonn, drin 15%, https://www.ihk-bonn.de/fileadmin/dokumente/Downloads/Ausbildung/IT-Berufe/IT-Handreichung_IHK_Bonn_Rhein-Sieg_2.pdf In Oldenburg lehnen wir Projektanträge ab, wenn die Dokumentationszeit nicht in der Planung enthalten ist. Der Grund dafür ist die formale Vergleichbarkeit: Wer die Doku-Zeit nicht einplant, hätte auf dem Papier mehr Zeit für die eigentliche Entwicklung als andere Prüflinge. Was du für deine Planung mitnehmen kannst Prüfe zuerst die Vorgaben deiner eigenen IHK. Suche auf der Website nach Handreichungen, Merkblättern oder FAQ. Wenn du nichts findest, frage direkt nach, z.B. per E-Mail oder telefonisch. Wenn du keine klare Auskunft bekommst, ist es sinnvoll, die Zeit für die Projektdokumentation vorsichtshalber mit einzuplanen. Praktische Empfehlung Auch wenn die Regelung kritisch gesehen wird, ist die wichtigste Empfehlung, dich an die Vorgaben deiner IHK zu halten. So vermeidest du formale Probleme, z.B. eine Ablehnung deines Projektantrags. Wenn dein Antrag genehmigt wird, kannst du davon ausgehen, dass deine Zeitplanung formal passt. Fazit Die Frage, ob die Projektdokumentation zur Projektzeit zählt, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Viele IHKen rechnen sie inzwischen mit ein, andere nicht. Weil die Regelung regional unterschiedlich ist und der DIHK eher die Einplanung unterstützt, ist der sicherste Weg: bei deiner IHK nachfragen und die dortige Vorgabe konsequent umsetzen. Links Permalink zu dieser Podcast-Episode RSS-Feed des Podcasts FIAusbV: Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachinformatiker und zur Fachinformatikerin Umsetzungsempfehlungen für die Durchführung der Abschlussprüfung in den IT‐Berufen (DIHK) Transkription der gesamten Episode Automatisch erzeugte Transkription der Episode [0:21] Heute geht es um eine Frage, die sich viele Prüflinge stellen, wenn sie vor ihrer Projektdokumentation stehen. Und zwar soll ich die Zeit zum Erstellen der Projektdokumentation mit in die Bearbeitungszeit der Projektarbeit einplanen? Also ich erstelle die Projektdokumentation für den Prüfungsausschuss, das 20, 30, 40, 50 Seiten Dokument. Das muss ich ja auch irgendwie zusammenschreiben, formatieren etc. Die Zeit, die ich dafür brauche, gehört das mit in die 80 Stunden bzw. 40 Stunden meiner Projektzeit oder ist das extern und ich kann da so viel Zeit investieren, wie ich will? Und ja, es ist leider wieder so, dass die Antwort ist, es kommt drauf an. Und zwar auf die IHK. Wir haben ja 79 verschiedene in Deutschland. Und wie bei vielen anderen Themen, wo man sich fragen könnte, warum wird das nicht einfach zentral geregelt, ist es auch hier wieder so, dass jede IHK macht, was sie will, beziehungsweise machen kann, was sie will. [1:22] Kurz vorweg, die meisten IHK, die ich recherchiert habe, ich habe nicht alle 79 recherchiert, nein, aber die meisten, die ich gefunden habe, erwarten, dass die Doku jetzt in der Projektzeit geschrieben wird. Und kurz vorweg, bevor ich jetzt in die Details gehe, meine persönliche Meinung. Ich finde das total schwachsinnig. Ich finde es total bescheuert, dass wir in 40 oder 80 Stunden, was ja sowieso sehr, sehr wenig ist, um ein einigermaßen passendes Projekt umzusetzen und wo wir uns alle. [1:52] Ganz sicher sind, dass die meisten Prüflinge diese Zeit eh nicht einhalten, weil ihr Projekt deutlich länger dauert als diese 40 oder 80 Stunden, dass man dann auch noch erwartet, dass sie eine umfangreiche Projektdokumentation und bei manchen IHK’en sind das wirklich 50 Seiten mit Inhaltsverzeichnis, mit Anhang, mit Bildern, mit allem Pipapo, dann noch irgendwie damit reinquetschen. Und das muss natürlich dann an einen einigermaßen realistischen Anteil haben. Die Projektdoku darf natürlich nicht 90 Prozent der Zeit in Anspruch nehmen. Das heißt, dann gibt es so Vorgaben wie zwischen 10 und 15 Prozent. Das sind dann vielleicht, sagen wir mal, zwölf Stunden, also anderthalb Arbeitstage. Und dann kann man sich mal überlegen, wie realistisch das ist, dass ich 50 Seiten in anderthalb Arbeitstagen zusammenkriege. Ohne Fehler und wunderbar alle Referenzen aufgelöst und Bilder benannt und in der richtigen Reihenfolge und alles. Also das ist einfach utopisch unmöglich und absolut schwachsinnig, das in diese Zeit mit einzuplanen. Das ist meine persönliche Meinung zu diesem Thema. Und jetzt kommen wir zu der Meinung der IACAN. Und leider sehen viele IACAN das ein bisschen anders und sagen, nö, ist absolut sinnvoll und total realistisch, dass Prüflinge solche Dokumente auch noch innerhalb ihrer 40 oder 80 Stunden schreiben. Und deswegen ist das einzuplanen. [3:06] So, vorweg, bevor wir jetzt weiter in die Details gehen. Das eine ist, was du laut Vorgabe zu planen hast. Das andere ist die reale Welt. Und wir sind uns eh alle einig, dass die Projekte sowieso meistens nicht in der Zeit umsetzbar sind. Zumindest, wenn du einigermaßen eine vernünftige Note haben willst. Deswegen, ehrlich gesagt… [3:26] Drauf und schreibt das einfach außerhalb der Projektzeit. Und das tut mir in der Seele weh, da