Die Geldfrage

Dezernat Zukunft

Die Geldfrage – Der Podcast des Dezernat Zukunft „Die Geldfrage“ beginnt dort, wo Polit-Talkshows meist enden – bei den entscheidenden Fragen rund ums Geld. Wir erklären, kommentieren und ordnen ein: Wie finanziert sich der Staat? Wofür gibt er wie viel aus? Klar, verständlich und auf den Punkt. Für alle, die Finanzpolitik wollen. Ein Podcast vom Dezernat Zukunft. Für Fragen oder Feedback schreibt an info@dezernatzukunft.org

  1. Bundeshaushalt 2027 (Die Geldfrage live)

    −15 h

    Bundeshaushalt 2027 (Die Geldfrage live)

    Am 6. Juli 2026 hat das Kabinett den Bundeshaushalt 2027 verabschiedet. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson haben diese Folge live aufgenommen (die Soundqualität kann daher eine andere als sonst sein) und analysieren, was drinsteckt und was fehlt. Ihr zentraler Befund: Verteidigung prägt diesen Haushalt wie nie zuvor und überholt erstmals die Rente als größten Posten. Die öffentliche Spardebatte trifft dagegen Größenordnungen, die das eigentliche Problem kaum berühren. Das Wichtigste: Verteidigung ist das Thema des Haushalts. Mit rund 150 Milliarden Euro überholt sie erstmals die Rente. Etwa ein Fünftel der Bundesausgaben fließt in Verteidigung, und sie erklärt fast 75 Prozent der Neuverschuldung. Das Defizit des Bundes dürfte 2027 bei rund 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen.Die Spardebatte verfehlt die Dimension. Beim Sparen geht es meist um hunderte Millionen, bei der Verteidigung um hunderte Milliarden. Die 20-Milliarden-Lücke wurde vor allem über Haushaltstechnik geschlossen, über Rücklagen, Verschiebungen zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen und Entnahmen aus dem Klima- und Transformationsfonds.Es wird in Beton investiert, weniger in Köpfe. Straße, Schiene, Krankenhäuser, Digitalisierung stehen im Vordergrund. Die Kitas bekommen unterm Strich rund eine Milliarde weniger, obwohl Bildung und Betreuung für den technologischen Anschluss an China und die USA zentral wären.Der deutsche Fiskalrahmen zwingt zu Kurzfristdenken. Die Schuldenbremse rechnet jährlich ab, dazu kommt ein zweites, europäisches Regelwerk. Beide Regime auf denselben Haushalt zu legen, erzeugt Komplexität. Die 2024 reformierten europäischen Regeln mit ihrer mittelfristigen Perspektive wären eine bessere Blaupause. Zum Nachlesen: Mit unserem Haushaltstracker können Sie den Haushalt selbst durchsuchen. Unsere neueste Ausgabe des Geldbriefs behandelt ebenfalls den Bundeshaushalt 2027.

    42 min
  2. Können die USA es sich leisten, Europa bei KI auszusperren?

    23 juni

    Können die USA es sich leisten, Europa bei KI auszusperren?

    Die USA haben Europa den Zugang zu Claude Mythos, dem leistungsstärksten Modell von Anthropic, gesperrt. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Paul Görlich vom Dezernat Zukunft darüber, ob ein vollständiger KI-Abschnitt Europas realistisch ist und was das Szenario "Europe 2031", ein vielbeachtetes Zukunftsbild einer Gruppe von KI-Experten, richtig und falsch einschätzt. Das Wichtigste: Die US-Hyperscaler planen bis 2031 ungefähr 5,2 Billionen Dollar Investitionsausgaben in KI-Infrastruktur. Allein 2026 werden rund 700 Milliarden Dollar ausgegeben, ungefähr dreimal so viel wie das gesamte Apollo-Programm. Wer Europa ausschließt, kann diesen Ausbau nicht refinanzieren. Ein vollständiger Abschnitt Europas wäre für die US-Labs ein doppeltes Eigentor: Er würde den Markt kampflos an chinesische Open-Source-Modelle übergeben, die bereits heute nur ungefähr vier bis sechs Monate hinter den amerikanischen Frontier-Modellen liegen. Europa hat kein eigenes Frontier-Modell und keinen Chip-Hersteller auf NVIDIA-Niveau. Dafür hält es einen entscheidenden Hebel weiter oben in der Wertschöpfungskette: ASML und sein Exzellenzcluster aus deutschen Zulieferern wie Trumpf und Zeiss produzieren die einzigen Maschinen der Welt, mit denen Chips der neuesten Generation hergestellt werden können. Die EU plant 20 Milliarden Euro für große Datenzentren, die europäische Grundlagenmodelle trainieren sollen. Das Geld wäre besser in Infrastruktur investiert, die KI-Modelle laufen lässt statt sie zu trainieren, und in die Breitenadoption von KI im Mittelstand.Zum Nachlesen/Anschauen: Programm der EMPN Conference (Link zum Stream auf LinkedIn, auf X vormittags (9:30–13:30 CEST) und auf X nachmittags (14:00–18:00 CEST)) Europe 2031 Projekt KI-Modellpreise Adoption Index und Ausgaben für die USA China & KI im High Capacity Podcast

    54 min
  3. Fantastisches Energiekapital und wo es zu finden ist

    4 juni

    Fantastisches Energiekapital und wo es zu finden ist

    Ein Drittel der Stromkosten entsteht im Verteilnetz. Und das steht unter Druck: Solarstrom fließt dezentral ein, E-Autos laden, Wärmepumpen ersetzen Gas. Die rund 900 deutschen Energieversorgungsunternehmen müssen bis 2045 rund 647 Milliarden Euro in Strom- und Wärmenetze investieren. Doch vielen kommunalen Stadtwerken fehlt dafür das Eigenkapital. Die Lücke, die sich nicht aus eigener Kraft schließen lässt, beträgt 13 Milliarden Euro bis 2035. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Mediha Inan vom Dezernat Zukunft und Johanna Bronisch von Neon Neue Energieökonomik. Sie erklären, warum die Lösung in einer Art Zahlenmagie liegt: Hybridkapital, das beim Stadtwerk wie Eigenkapital wirkt, kommunale Haushalte aber wie ein Kredit belastet. Hannover zeigt, wie das in der Praxis geht. Die Stadt hat der enercity AG 700 Millionen Euro als Konzernkredit bereitgestellt und damit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro ermöglicht. Was fehlt, ist ein bundesweiter Rahmen aus Kommunalkrediten, Landesbürgschaften und einer Bundesrückbürgschaft über den Deutschlandfonds. Das Wichtigste: Rund 900 EVU brauchen bis 2045 rund 647 Mrd. Euro für den Netzausbau. 13 Mrd. Euro Eigenkapital lassen sich nicht aus eigener Kraft aufbringen, vor allem bei kommunalen Stadtwerken. Das Verteilnetz hat über 800 Betreiber. Die Struktur ist historisch gewachsen, kaum koordiniert und digitalisiert. Hybridkapital ist der Ausweg: Nachrangige Konzernkredite stärken die Kreditwürdigkeit der Stadtwerke, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten. Gebraucht wird ein „Deutschland-Standard": Kommunen als Kreditgeber, Länder als Bürgen, der Bund als Rückversicherer über den Deutschlandfonds.Zum Nachlesen/Nachhören: Die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft „Eigenkapitalfür die Energiewende“ Das Webinar von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Es wird die Studie vorgestellt und mit Expert:innen aus der Praxis darüber diskutiert. Das Projekt Grids & Benefits zeigt, dass dynamische Netzentgelte ein wirksames Instrument sind. Hier wird die Situation der bayerischen Bauern erklärt. Die Geschichte der Stromnetze

    48 min
  4. Die neuen Eckwerte: Zwei Haushalte in einem

    29 apr.

    Die neuen Eckwerte: Zwei Haushalte in einem

    Heute hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Eckwerte des Bundeshaushalts 2027 vorgestellt. Die Ausgaben sind 36 Milliarden Euro höher als zuletzt geplant, und trotzdem soll irgendwie gespart werden. Wie passt das zusammen? Philippa Sigl-Glöckner und  Dr. Florian Schuster-Johnson analysieren, was die Zahlen bedeuten, wo getrickst wird und welche Risiken bleiben. Das Wichtigste: Trotz einer Haushaltslücke von 36 Milliarden Euro steigen die geplanten Ausgaben auf rund 540 Milliarden. Ein Teil der Lücke wird durch pauschale Einsparungen von einem Prozent pro Ministerium und technische Kniffe bei der Schuldenbremse gestopft.Im Haushalt gibt es gerade zwei Welten: eine, in der plötzlich alles finanziert wird: Verteidigung bekommt weitere Milliarden, in das das THW wird investiert, Stromsubventionen steigen; und eine andere, in der das Geld so knapp ist, dass der Bund die Kosten für Weiterbildung kurzerhand in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verschiebt.Die Finanzplanung setzt stark auf Optimismus: 3 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen im Digitalministerium und globale Mehreinnahmen sind bisher vage Versprechen ohne konkrete Maßnahmen.Langfristig drohen größere Lücken. Es braucht eine bessere Priorisierung statt Rasenmäher-Kürzungen. Zum Nachlesen: Die Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027 Der Military Procurement Tracker des Kiel Instituts Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu Herausforderungen für junge Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

    30 min
  5. Clusterfuck Wohnungspolitik

    31 mars

    Clusterfuck Wohnungspolitik

    Jedes Jahr gibt der Staat rund 30 Milliarden Euro für Wohnen aus und trotzdem wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Wie passt das zusammen? Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Sara Schulte. Gemeinsam klären sie, wie die deutsche Wohnungspolitik heute funktioniert, warum ein Großteil der Mittel gar nicht in neuen Wohnraum fließt und wie politische Entscheidungen der 2000er Jahre die aktuelle Lage geprägt haben. Das Wichtigste: Rund 80 Prozent der staatlichen Ausgaben fließen in die Subjektförderung – also in Wohngeld und die Übernahme von Mieten. Nur 20 Prozent bleiben für die Objektförderung, welche Bau, Erwerb und Modernisierung von Wohnraum unterstützt.Bis Anfang der 2000er Jahre war das Verhältnis von Subjekt- und Objektförderung noch umgekehrt. Seitdem wurde der soziale Wohnungsbau stark zurückgefahren, während die Hartz-Reformen mit den Kosten der Unterkunft ein neues Instrument der Subjektförderung schufen.Wenn der Staat Wohnkosten übernimmt, treibt das die Mieten weiter nach oben – besonders in ohnehin angespannten Wohnungsmärkten. So fördert man sich in eine wohnpolitische Zwickmühle.Eine Reduktion der Subjektförderung ist nicht ohne Weiteres möglich. Echte Entlastung lässt sich nur langfristig erreichen: Es braucht höhere Investitionen in den Wohnungsbau, auch wenn das kurzfristig zusätzliche Mittel erfordert.Zum Nachlesen: Hier der erwähnte Artikel der Zeit über die Studie Studie des Dezernat Zukunft „Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik“ Der Bundeshaushaltsmonitor des Dezernat Zukunft

    23 min
  6. Klingbeils Reformrede und warum schnelles Sparen nicht funktioniert

    27 mars

    Klingbeils Reformrede und warum schnelles Sparen nicht funktioniert

    Lars Klingbeil hat bei der Bertelsmann Stiftung eine vielbeachtete Rede gehalten, über Reformen, den schwächelnden Arbeitsmarkt und den Bundeshaushalt. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson rechnen die Reformvorschläge einmal durch. Beim Arbeitsmarkt macht Klingbeil konkrete Vorschläge:Ehegattensplitting abschaffen, Transferentzugsraten reformieren, mehr Anreize für Erwerbstätigkeit. Aber ab 2028 fehlen jährlich 60 bis 70 Milliarden Euro, und von den 76 Milliarden, über die der Bund noch frei verfügen kann, geht schon die Hälfte für Unternehmenssubventionen drauf. Was bleibt für Bildung, Kitas, Infrastruktur? Ob Mehrwertsteuer, Schuldenbremse oder neues Wirtschaftsmodell: Diese Folge zeigt, warum kurzfristige Lösungen das Problem oft vergrößern und was wirklich helfen würde. Das Wichtigste: Klingbeils Rede enthält echte Arbeitsmarktansätze –Ehegattensplitting abschaffen, Transferentzugsraten reformieren –, aber die Frage, in welche Jobs die Menschen gehen sollen, bleibt offen.Ab 2028 fehlen jährlich 60–70 Milliarden Euro im Bundeshaushalt – eine historisch einmalige Lücke, die sich weder durch Rasenmäherkürzen noch durch eine Mehrwertsteuererhöhung nachhaltig schließenlässt.Von den 76 Milliarden Euro disponiblem Spielraum fließt bereits über die Hälfte in Unternehmenssubventionen, vor allem Strompreishilfen – für Bildung, Kitas und Integrationskurse bleibt kaum Raum.Echter Haushaltsausgleich braucht mindestens fünf bis zehn Jahre: Subventionen strukturell abbauen, gleichzeitig in Menschen investieren, auch wenn das kurzfristig erst Geld kostet.Österreich zeigt, wie eine Reform der Schuldenbremse hin zu einem mittelfristigen Finanzpfad nach EU-Vorbild funktionieren kann – und Deutschland könnte davon lernen.Zum Nachlesen/Nachhören: Der erwähnte Geldbrief des Dezernat Zukunft zur Mehrwertsteuer „Droht jetzt die Mehrwertsteuererhöhung?“ Die Rede von Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung Der Bundeshaushaltsmonitor ist ab 31.03. auf https://dezernatzukunft.org zu finden.

    28 min

Om

Die Geldfrage – Der Podcast des Dezernat Zukunft „Die Geldfrage“ beginnt dort, wo Polit-Talkshows meist enden – bei den entscheidenden Fragen rund ums Geld. Wir erklären, kommentieren und ordnen ein: Wie finanziert sich der Staat? Wofür gibt er wie viel aus? Klar, verständlich und auf den Punkt. Für alle, die Finanzpolitik wollen. Ein Podcast vom Dezernat Zukunft. Für Fragen oder Feedback schreibt an info@dezernatzukunft.org

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