DEEPTECH DEEPTALK

Oliver Rößling und Alois Krtil

In diesem Podcast mit dem Motto "Technologien von morgen: Verstehen, Vertiefen, Verändern" werden Sie auf eine Reise in die Welt der DeepTech-Innovationen mitgenommen. Expert:innen aus Quantentechnologie, künstlicher Intelligenz und Cybersecurity, uvm. beleuchten Anwendungsfälle und Potenziale dieser Technologien. Ziel ist es, Ihnen komplexe Themen verständlich näherzubringen, damit Sie Chancen und Perspektiven erkennen. In jeder Folge werden technische und gesellschaftliche Aspekte diskutiert. Der Podcast soll Ihnen helfen, Ängste abzubauen und Vertrauen in neue Technologien zu gewinnen.

  1. Das GROSSE Abwarten?! 🎯 Neugier schlägt Vorsicht.

    -1 J

    Das GROSSE Abwarten?! 🎯 Neugier schlägt Vorsicht.

    In dieser Folge geht es um einen Widerspruch, der den europäischen KI-Markt aktuell prägt: Während die großen Infrastrukturbetreiber in immer kürzeren Abständen massive Updates ausspielen, verharrt ein Großteil der hiesigen Wirtschaft in einer ausgeprägten Abwartehaltung. Unsicherheit, Angst vor Fehlentscheidungen und das parallele Einprasseln geopolitischer, technologischer und regulatorischer Themen führen dazu, dass viele Organisationen die fällige Transformation vor sich herschieben. Ein zentraler Strang dreht sich um die Ökonomie der KI selbst. Die Amortisierungslogik der Hyperscale-Rechenzentren wirft Fragen auf, zumal sich Technologie und Preisstrukturen schneller wandeln als jede klassische Investitionsrechnung. Hinzu kommt eine neue Doppelrechnung: Wer früher 200 Personen brauchte, kommt heute mit 20 aus, zahlt diesen Vorteil aber zunehmend in Tokenkosten zurück. Token-Effizienz wird damit zur eigentlichen Schlüsselgröße, nicht der reine Tokenpreis. Modelle, die zuverlässig zum Ziel führen, sind ökonomisch oft sinnvoller als günstige Modelle, die sich verirren. Parallel dazu hat sich die Governance-Diskussion in der Tiefe verändert. Compliance-Themen, Datensouveränität und die Frage, auf welche Anbieter man sich überhaupt verlassen will, prägen heute fast jedes ernsthafte Projekt. Dabei wird zunehmend deutlich, dass die europäische Perspektive zwischen US-amerikanischen und chinesischen Angeboten differenziert betrachtet werden muss, einschließlich der oft übersehenen Tatsache, dass auch Microsoft kein europäischer Anbieter ist. Inhaltlich verschiebt sich das KI-Narrativ in zwei Richtungen. Zum einen verschwindet das Superintelligenz-Motiv aus der öffentlichen Debatte, KI wird stärker als Werkzeug zur Erweiterung eigener Fähigkeiten verstanden. Zum anderen folgt auf die B2C-Welle der ChatGPT-Jahre nun eine B2B-Phase, in der es um robuste, vertrauenswürdige Systeme, kritische Infrastruktur und die Integration in gewachsene Legacy-Landschaften geht. Genau hier liegen europäische Stärken: Patente, industrielle Datenbestände und Kompetenz in Bereichen jenseits klassischer Sprachmodelle, etwa in Embodied AI, Sensorik, Robotik und neurosymbolischen Ansätzen. Das wichtigste Learning für Entscheider: Abwarten ist keine Strategie. Wer sich heute nicht ernsthaft mit agentischer KI, mit Make-or-Buy-Fragen, mit Souveränitätsentscheidungen und mit der Ablösung eigener Legacy-Systeme beschäftigt, verspielt seine Position im nächsten Zyklus. Die Folge plädiert für eine selbstbewusste Haltung, für Investitionsmut gegen den Trend und für eine Rückbesinnung auf das, was in Europa traditionell gut funktioniert: ingenieurgetriebene Neugier statt bewahrender Angst. Ein Ausblick auf die nächste Folge rundet die Episode ab: Im Gespräch mit einem erfahrenen Gast geht es dort darum, wie Innovationsmanagement in Organisationen aussehen muss, die aus der Abwartehaltung herauskommen wollen.

    26 min
  2. ⚙️ Was passiert, wenn 837 Jahre Hafen anfangen zu denken?

    17 MARS

    ⚙️ Was passiert, wenn 837 Jahre Hafen anfangen zu denken?

    In dieser Folge des DEEPTECH DEEPTALK ist Hermann D. Grünfeld, Head of Traffic Management bei der Hamburg Port Authority (HPA), eigentlich nur auf einen Kaffee vorbeigekommen. Was folgt, ist ein ungewöhnlich offenes Gespräch über den Einsatz von Quantensimulation im Hafenalltag, digitale Zwillinge ohne Visualisierung und die Frage, warum intelligente Steuerung mehr bringt als jede neue Fahrspur. Hermanns Kernthese: Ein Hafen funktioniert nicht an der Kaikante, sondern an seiner Hinterlandverbindung. Täglich 16.000 LKW, 142 Kilometer Hafenstraße, 35 Ampeln. Wer hier mehr herausholen will, baut nicht aus. Er optimiert. In Zusammenarbeit mit Fujitsu und der TU Graz setzt die HPA auf Quantum Annealing, eine Quantensimulation und damit eine wichtige Vorstufe zum echten Quantencomputing. Die Technologie berechnet bei sechs koordinierten Kreuzungen Milliarden von Schaltmöglichkeiten und gewinnt daraus 10 bis 15 Prozent mehr Durchsatz. Der Effekt einer neuen Fahrspur, ohne einen Quadratmeter Fläche anzufassen. Alois Krtil weitet den Blick auf die nächste Technologieklasse: Large Quantitative Models, physikalisch verankerte KI-Systeme, die nicht in Sprache, sondern in Physik denken. Für reale Infrastruktur im Wert von hunderten Millionen Euro ist das keine Zukunftsvision, sondern der logische nächste Schritt. Und Hamburg, mit seiner gewachsenen Komplexität und seinen echten Constraints, ist dafür das beste Reallabor Europas. Kapazität ist kein Bauprojekt, sondern ein Steuerungsproblem. ca. 10 bis 15 Prozent mehr Durchsatz durch intelligente Ampelsteuerung entsprechen dem Effekt einer neuen Fahrspur, ohne einen Quadratmeter anzufassen.Quantum Annealing ist heute produktiv, nicht morgen. Wichtig zu verstehen: Es handelt sich nicht um echtes Quantencomputing, sondern um eine Quantensimulation, eine leistungsstarke Vorstufe. Sie läuft im Hamburger Hafen, vollautomatisch, mit messbaren Ergebnissen bei einem Optimierungsproblem, das klassische Rechner schlicht überfordert.Visualisierung war ein Missverständnis. Ein digitaler Zwilling muss nicht schön sein. Er muss funktionieren. Steuerung schlägt Darstellung.Daten bleiben der eigentliche Engpass. Nicht Rechenpower, nicht Algorithmen. Qualität, Verfügbarkeit und Latenz der Eingangsdaten entscheiden alles.Physikalische KI schlägt Sprachmodelle dort, wo es wirklich zählt. Large Quantitative Models halluzinieren nicht. Sie rechnen. Für reale Infrastruktur ist das der entscheidende Unterschied.Hamburg ist das bessere Reallabor. Gewachsene Strukturen mit echten Constraints sind kein Nachteil, sondern der härteste und wertvollste Testfall für KI in komplexen Systemen.

    38 min
  3. Open Claw & KI-Agenten 🦀: Dein persönlicher Jarvis oder nur eine Armee von Minions?

    11 FÉVR.

    Open Claw & KI-Agenten 🦀: Dein persönlicher Jarvis oder nur eine Armee von Minions?

    🎧 Executive Summary Die Episode beleuchtet den massiven Hype um Open Claw, ein Open-Source-Tool, das es ermöglicht, KI-Agenten lokal zu installieren und autonom Aufgaben ausführen zu lassen. Oliver und Alois diskutieren die schmale Gratwanderung zwischen faszinierender Produktivitätssteigerung (der „Jarvis“-Traum) und massiven Sicherheitsrisiken („Fahren ohne Anschnallgurt“). Ein zentrales Thema ist der Kontrollverlust, wenn Agenten beginnen, untereinander zu kommunizieren und eigene Lösungswege zu finden. Lokal heißt nicht sicher: Die lokale Installation von KI-Agenten (wie Open Claw) gibt diesen oft unbeschränkten Zugriff auf Passwörter, E-Mails und Daten. Ohne "Sandboxing" (isolierte Umgebungen) ist das ein enormes Sicherheitsrisiko. Vom Nutzer zum Beobachter: Der Mensch wechselt in den "Spectator Mode". Während der Nutzer schläft, kann der Agent autonom iterieren, Software schreiben, Kurse buchen und Geld ausgeben. Emergenz von Agenten-Netzwerken: Es entstehen Plattformen (genannt "Moldbook"), die wie Social Media für KI-Agenten funktionieren. Dort tauschen Agenten Wissen aus (Schwarmintelligenz), entwickeln aber auch skurrile Eigendynamiken (eigene Sprachen, "Religionen"). Neue Metriken für Arbeit: Produktivität wird künftig anders gemessen. Nicht mehr in Arbeitszeit, sondern in "Token-Effizienz", Autonomie-Grad und der Qualität des "Orchestrierens" von Agenten. Hype & Verbreitung: Das GitHub-Repo zu Open Claw hat über 85.000 Sterne. Viele Nutzer installieren den Code unbedarft auf Firmenrechnern. Funktionsweise: Der Agent agiert wie ein menschlicher User. Er hat Zugriff auf Maus, Tastatur, Passwörter und Tools. Er kann E-Mails schreiben, Kalender verwalten und im Internet agieren. Gefahr: Oliver und Alois vergleichen die aktuelle Nutzung mit "Fahren ohne Gurt". Ein Agent könnte sensible Daten leaken oder sich als der Nutzer ausgeben. Best Practice: Erfahrene Nutzer installieren solche Agenten auf isolierter Hardware (z.B. Raspberry Pi oder Mac Minis), um Data Leakage zu verhindern. Eigenleben: Agenten können so eingestellt werden, dass sie alle 30 Minuten neue "Prompt Injections" triggern, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen – völlig ohne menschliches Zutun ("Human out of the loop"). Moldbook: Ein Reddit-ähnliches Netzwerk nur für KI-Agenten. Hier beobachten Menschen nur noch. Agenten tauschen Skills aus, was die Lernkurve massiv beschleunigt, aber auch zu unvorhersehbaren Phänomenen führt (Verschlüsselung, Verschwörungstheorien unter Bots). Schwache Agenten: Ähneln klassischer RPA (Robotic Process Automation). Sie arbeiten starr in einem engen Korsett regelbasierter Prozesse. Sicher, aber unflexibel. Starke Agenten: Sind hoch-adaptiv (Mixture of Experts). Sie suchen eigene Lösungswege. Risiko: Sie könnten ein Ziel erreichen, aber auf einem Weg, der illegal, zu teuer oder unerwünscht ist (z.B. "Ziel erreicht, aber Budget verbrannt"). Management: Wir brauchen neue Strukturen wie "Meta-Agenten" (Supervisors) oder "Guardrails", die die Qualität und Sicherheit der ausführenden Agenten überwachen. Skill-Shift: Der Mensch wird zum Dirigenten einer "Armee von Minions". Die Fähigkeit, Komplexität zu managen und Critical Ignorance (bewusstes Ignorieren von Info-Flut) zu entwickeln, wird wichtiger als das Abarbeiten von Tasks. Big Tech profitiert: Jeder autonome Loop verbraucht Rechenleistung (Tokens). Für Cloud-Anbieter ist dieser Trend ein Goldesel. Ressourcen: Es stellt sich die Frage nach der Energieeffizienz. Ist es sinnvoll, wenn Millionen Agenten nachts sinnlose Iterationen durchführen? Es könnte zu einer Rationierung von Rechenpower kommen (nur die effizientesten "Prompter" bekommen Ressourcen).

    28 min
  4. Der „Claude-Code-Moment“ 🪄 Vibe Coding wird erwachsen

    4 FÉVR.

    Der „Claude-Code-Moment“ 🪄 Vibe Coding wird erwachsen

    In dieser Episode melden sich Oliver und Alois aus der Pause zurück und widmen sich direkt dem aktuell heißesten Thema in der Tech-Welt: dem „Claude-Code-Moment“. Nach dem ChatGPT-Hype vor drei Jahren erleben wir gerade eine neue Welle der Begeisterung. Was als „Vibe Coding“ – das lockere Zusammenbasteln von Prototypen per Spracheingabe – begann, erreicht durch Tools wie Anthropics Claude und neue Agenten-Systeme ein völlig neues Qualitätslevel. Ist das der nächste Quantensprung in der Softwareentwicklung? Die Schwerpunkte dieser Folge: Vom Spielzeug zum Werkzeug: Warum generative Coding-Tools nicht mehr nur für „windschiefe“ Dummys taugen, sondern mittlerweile stabile, skalierbare und produktionsreife Software liefern können. Die 3 Zutaten des Erfolgs: Wie das Zusammenspiel aus leistungsstarken LLMs (wie Claude), teilautonomen „Strong Agents“ und dem Model Context Protocol (MCP) die Entwickler-Landschaft revolutioniert. Dev vs. Prod: Die Verschiebung von reiner Code-Generierung hin zu kompletten Workflows inklusive Testing, Reviews und Deployment. Disruption des Outsourcings: Warum riesige Offshore-Entwicklerteams bald durch kleine, KI-augmentierte Teams ersetzt werden könnten und warum die Teamgröße kein entscheidendes Asset mehr ist. Die „Sternekoch-Analogie“: Warum Profi-Entwickler mit KI zu Michelin-Sterneköchen werden, während Einsteiger („Imbissköche“) zwar bessere Ergebnisse als früher erzielen, aber dennoch Expertenwissen für komplexe Architekturen benötigen. Adaptionslücke & Demokratisierung: Die Kluft zwischen trägen Großkonzernen und agilen Playern, die durch KI befähigt werden, und warum wir uns in einem gesellschaftlichen Umbruch befinden, der an die Industrialisierung erinnert. Oliver und Alois diskutieren, warum dieser Moment mehr ist als nur ein Hype, welche Chancen sich für Quereinsteiger ergeben und warum man niemals gegen die Innovationskraft der Tech-Giganten wetten sollte.

    25 min
  5. Wenn KI die Welt 🌍 wirklich versteht: Die Ära der Weltmodelle

    09/12/2025

    Wenn KI die Welt 🌍 wirklich versteht: Die Ära der Weltmodelle

    Wir sind zurück aus der kleinen Zwangspause – mit leichtem Husten, aber mit einem Thema, das deutlich größer ist als unsere Stimmbänder: Weltmodelle. Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, Gemini & Co. waren der perfekte Einstieg in die KI-Ära: stark in Sprache, Code und Kreativität. Jetzt kommen Systeme dazu, die nicht nur Texte generieren, sondern unsere Welt als System mit Regeln, Physik und Kausalität verstehen wollen. In der Folge sprechen wir darüber, was Weltmodelle von LLMs unterscheidet, warum „Grounding“ in echten Naturgesetzen so wichtig ist (ein Glas, das vom Tisch fällt, muss fallen – egal, was das Sprachmodell dazu meint) und wieso das überall dort spannend wird, wo KI reale Konsequenzen hat: in der Robotik, in der Stadtplanung, in der Biologie, der Materialforschung und der Klimamodellierung. Wir skizzieren unter anderem ein Weltmodell für Hamburg mit Verkehr, Baustellen, Wetter und Gebäuden, schauen auf digitale Zwillinge, die mit Weltmodellen endlich wirklich vorausschauend werden, und diskutieren, wie Sprachmodelle, agentische KI und Weltmodelle zusammenspielen können: LLMs als Interface für uns, Weltmodelle als „Physik-Engine“ im Hintergrund. Wenn du wissen willst, warum viele Forschende gerade extrem heiß auf Weltmodelle sind (ohne LLMs schlechtzureden) und wie sich damit unsere echte Welt besser simulieren und planen lässt, dann ist diese Folge für dich.

    33 min
  6. 05/11/2025

    Ökosysteme 🌍 und die Zukunft von Deep Tech 🚀

    Nach einer kurzen Herbstpause sprechen Alois und Oliver darüber, wie echte Deep-Tech-Ökosysteme auf Stadtebene entstehen – jenseits von Buzzwords. Sie ordnen ein, was Deep Tech wirklich bedeutet, wo die Grenze zu Commodity-Technologien verläuft und weshalb der Begriff aktuell oft inflationär verwendet wird. Ausgehend von Deutschlands neuer Hightech-Agenda (mit Schwerpunkten wie KI, Quantencomputing und Biotechnologie) diskutieren sie, wie nationale Programme lokale Cluster beeinflussen und warum Orte mit starker Forschungs- und Infrastrukturbasis – etwa DESY und die Science City in Hamburg – als Anker dienen. Die Episode zeigt, wie Konvergenz zwischen Technologien wie KI, Quanten- und Neuromorphik-Computing, Robotik oder XR Tempo aufnimmt und welche Rolle „universelle Schnittstellen“ wie große Sprachmodelle dabei spielen. Zugleich machen die beiden deutlich, dass Grundlagenforschung geschützte Domänen braucht, während Reallabore und Sandboxes die Brücke in die Anwendung schlagen. An konkreten Beispielen wird sichtbar, weshalb kurze Wege, stabile Rahmenbedingungen, verlässliche Testflächen und klar profilierte Stadt-Stärken den Unterschied zwischen Theorie und Transfer ausmachen. Ein zentrales Motiv der Folge ist der „Übersetzer“: Personen und Formate, die Forschung, Industrie und – oft als Ankerkunden – den Staat zielgerichtet zusammenbringen. Statt Event-Inflation braucht es kuratierte Räume, in denen Themen kurz vor der Marktreife fokussiert beschleunigt werden. Genau hier setzt der Deep Tech Campus Circle an: als bewusst exklusiver Ort, an dem Köpfe, Kapital und konkrete Use Cases aufeinandertreffen, um aus Keimlingen skalierbare Innovationen zu machen. Am Ende bleibt die klare These: Deep Tech entsteht, wenn tiefe Expertise, Geduld und ein klug orchestriertes Ökosystem zusammenwirken. Wer verstehen will, wie Städte vom Strategiepapier zur sichtbaren Wertschöpfung kommen, bekommt in dieser Folge eine kompakte, praxisnahe Landkarte – von der Saat in der Grundlagenforschung bis zur Ernte im Markt.

    33 min
  7. DeepTech, tiefer Wald, wenig Überblick 🌳🤖🌳 Willkommen im Modell-Dickicht

    02/10/2025

    DeepTech, tiefer Wald, wenig Überblick 🌳🤖🌳 Willkommen im Modell-Dickicht

    Wir sprechen drei Jahre nach ChatGPT 3.5 darüber, wie sich LLMs vom Spielzeug zum Arbeitswerkzeug entwickelt haben – und warum viele Nutzer im „tiefen Wald“ der Modelle und Anbieter den Überblick verlieren. Reasoning und Memory sind deutlich besser geworden (größere Kontexte reichen nicht, stabile Zwischenschritte schon), agentenbasierte Plattformen bilden echte Arbeitsprozesse ab, und Iterationsketten wandern ins Backend: weniger Prompt-Magie, mehr automatische Orchestrierung. Gleichzeitig explodiert die Vielfalt: Big Tech, spezialisierte europäische Modelle (z. B. sprachlich-kulturelle Stärken), Open-Source-Stacks und neue Intermediäre, die mehrere Modelle bündeln und „auto-modus“-artig nach Aufgabe, Kosten und Präferenz routen. Genau hier wird das Dickicht dicht: Token-Kosten und Modellmix, Vendor-Zoo statt Klarheit, dazu Compliance- und Haftungsfragen. Unternehmen brauchen Guardrails – PII-Filter, Protokolle, Audit-Trails, Rollenrechte – idealerweise als On-Prem/Hybrid-Layer, der sensible Daten vor der Schnittstelle säubert und Prozesse schützt. Denn neben personenbezogenen Profilen droht auch das Reverse Engineering von Prozess-IP: Was ins System fließt, kann rückschließbar werden. Standards wie das Model Context Protocol (MCP) und Agent-to-Agent-Schnittstellen sollen Ordnung in die Orchestrierung bringen; Safety-Layer („KI-Polizei“) filtern, ohne Nutzende mit Verbotsschildern allein zu lassen. Europa hat in diesem tiefen Wald eine echte Chance: nicht unbedingt als Hyperscaler, sondern mit differenzierten, sicheren, compliant nutzbaren Modellen und Plattformen, die regulatorische Anforderungen ernst nehmen und spezifische Stärken (Sprache, Domänen, Übersetzung) ausspielen. Unser Fazit: Impact statt Spielerei – aber nur, wenn wir das Modell-Dickicht systematisch lichten. Praktisch heißt das: Meta-Interface statt Ein-Modell-Fixierung, frühe Guardrails, transparente Kostensteuerung und bewusster Einsatz europäischer Optionen in sensiblen Domänen. So wird „Deep“ nicht zum tiefen Wald, sondern zum Wegweiser.

    30 min

Notes et avis

5
sur 5
2 notes

À propos

In diesem Podcast mit dem Motto "Technologien von morgen: Verstehen, Vertiefen, Verändern" werden Sie auf eine Reise in die Welt der DeepTech-Innovationen mitgenommen. Expert:innen aus Quantentechnologie, künstlicher Intelligenz und Cybersecurity, uvm. beleuchten Anwendungsfälle und Potenziale dieser Technologien. Ziel ist es, Ihnen komplexe Themen verständlich näherzubringen, damit Sie Chancen und Perspektiven erkennen. In jeder Folge werden technische und gesellschaftliche Aspekte diskutiert. Der Podcast soll Ihnen helfen, Ängste abzubauen und Vertrauen in neue Technologien zu gewinnen.

Vous aimeriez peut‑être aussi