Annika und Anja haben in ihrer Reise durch das frühe Bachelor-Grauen schon einiges erduldet. Doch manchmal legt die Vergangenheit zwischen all den Zumutungen auch eine kleine Kostbarkeit frei. In dieser Folge hebt sich aus dem Formatmoor etwas, das beinahe ehrfürchtig macht: das Home-Date. Ein längst aufgegebener Brauch, von dem die Alten heute nur noch am Lagerfeuer erzählen, mit belegter Stimme und flackernden Augen. Damals, sagen sie, kam der Bachelor tatsächlich auf die Familien der Kandidatinnen hernieder. Er überschritt Schwellen, er betrat Elternhäuser. Er wurde Großmüttern, Vätern, Müttern und Brüdern vorgeführt. Manchmal standen Hunde dabei und sahen Dinge, die kein Hund sehen sollte. Bei Katja beginnt alles mit ihrer Oma, die Pauls blonde Haare und blauen Augen mit einer Begeisterung würdigt, die die Szene für einen kurzen Moment in ein ungünstiges historisches Licht kippen lässt. Wenig später schafft es der Off-Erzähler, Katjas Erfahrungen mit Gewalt in früheren Beziehungen derart beiläufig abzuräumen, dass dies selbst für seine Verhältnisse einen neuen Staffeltiefpunkt darstellt. Beim Waldspaziergang performt Katja dann erneut die ihr eigene Form sexualisierter Selbstkommentierung. Noch während Annika und Anja sich von dieser kommunikativen Überversorgung erholen, führt Natalie vor, dass auch das absolute Gegenteil keine Lösung ist. Ihr Home-Date entwickelt rasch die Atmosphäre eines Schweigeklosters, nur ohne geistliches Personal und ohne die tröstliche Aussicht, dass das Schweigen irgendeinem höheren Zweck dienen könnte. In Karlsruhe sieht es zunächst besser aus. Anjas Mutter und Stiefvater wirken sympathisch, doch bald geraten Paul und Anja wieder in ihre sehr spezielle Körperkommunikation. Schließlich liegen und sie derart ineinander verkeilt auf dem Sofa in Anjas Fliesenfußbodenwohnung, dass der ungünstige Kamerawinkel aus erotischer Annäherung plötzlich Kuschelforensik macht: Ein Wohnzimmer, zwei reglose Körper. In Rosenheim schließlich brillieren vor allem Sissis Brüder, zwei Männer mit jener besonderen Form familiärer Beschützerenergie, bei der man sofort versteht, warum manche Tierheime bei bestimmten Hundrassen auf ausführliche Vorgespräche bestehen. Paul wird zum Verhör gebeten. Natürlich nicht am freundlichen Küchentisch bei Kaffee und Marmorkuchen, sondern in einen Muskelkeller. Dort soll er nun schwören, dass seine Absichten gegenüber ihrer Schwester ehrenhaft sind, während man als Zuschauerin überlegt, ob RTL eigentlich verpflichtet gewesen wäre, seinen Aufenthaltsort vorher bei einer Vertrauensperson zu hinterlegen. Wenn Ihr unseren Podcast unterstützen und uns einen Kaffee (oder unseren Hunden ein Leckerli) spendieren wollt, findet ihr Annika hier https://ko-fi.com/ardenthistorian und Anja hier https://ko-fi.com/anjaruetzel. Vielen Dank dafür! Extra-Inhalte gibt's auch von Annika auf Patreon (inkl. eines Patron-only-Podcasts) und von Anja auf Steady. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.