Der Märchendoktor

Joachim Huber

Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen? Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte. Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen.  Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund! Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert. Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln. Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben. Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen. Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.

  1. 2d ago

    Märchen aus der Schweiz

    «Die drei Raben» ist ein bekanntes Volksmärchen, das in einer Schweizer Fassung sowie in der Urfassung der Brüder Grimm (1812) überliefert ist.  Eine Mutter verflucht ihre drei Söhne im Zorn (oder in einer anderen Version der Vater), weil diese sonntags während der Kirche Karten gespielt haben. Die Söhne werden sofort in kohlschwarze Raben verwandelt. Das treue Schwesterchen vermisst seine Brüder.  Es macht sich ganz allein auf eine lange, beschwerliche Reise, um sie zu erlösen. Unterwegs trifft das Mädchen auf eine gute Fee, die ihm den Weg zu den verzauberten Brüdern zeigt. «Goldig Betheli und Harzebabi» ist ebenfalls ein berühmte Schweizer Volksmärchen - die traditionelle Schweizer Variante zum Märchen „Frau Holle“ der Gebrüder Grimm. Das Märchen folgt dem klassischen Motiv der ungleichen Schwestern: das Betheli (Elisabeth) ist das fleißige, brave, aber vernachlässigte Stiefkind, das in Lumpen gehen und ununterbrochen spinnen muss. Das Babi (Barbara) ist das leibliche, faule und verwöhnte Kind der bösen Stiefmutter. Als Betheli seine Spindel (sein Wirtli) verliert, muss es in einen tiefen Brunnen steigen. Dort gelangt es in eine magische Welt. Weil das Mädchen zu den sprechenden Hunden und wunderbaren Kindern auf seinem Weg freundlich und bescheiden ist, wird es reich belohnt – es kehrt übersät mit reinem Gold zurück und wird fortan nur noch das „goldig Betheli“ genannt. Das Harzebabi: als die neidische Stiefmutter ihre faule Tochter Babi hinterherschickt, verhält sich diese den Wesen gegenüber hochmütig und egoistisch. Zur Strafe wird sie komplett mit klebrigem Tannenharz überzogen (daher „Harzebabi“), in anderen Versionen fällt ihr schlicht ein saftiger Kuhfladen auf den Kopf. Quelle: Otto Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz. Aarau 1873. Nr. 6 und Nr.2. (Willisau, Kt. Luzern).

  2. Aug 30

    Kurzgeschichten aus der Cholmer Weisheitstradition

    Ich hatte die große Freude als Internist und Kardiologe im 2. Wiener Bezirk auch viele Juden betreuen zu dürfen. Von Ihnen stammt so manche hübsche Geschichte! Jiddische Märchen und jüdische Volkserzählungen verbinden osteuropäischen Humor, Weisheit und religiöse Überlieferungen. Sie handeln oft von armen, gottesfürchtigen Menschen, klugen Rabbinern, Engeln, Dämonen oder sprechenden Tieren und spiegeln die Lebenswelt der aschkenasischen Juden wider. Viele Geschichten vermitteln ethische Lehren aus der jüdischen Tradition (Tora, Talmud und Chassidismus). Sie nutzen oft feinen Witz und Selbstironie, um Armut und schwere Zeiten zu ertragen.  Der Schlimazel (vom hebräischen masel für Glück und schlim für schlecht) ist ein chronischer Pechvogel, während der Schlemiel der ungeschickte Tollpatsch ist. Berühmte literarische Beispiele verbinden dieses Pech oft mit tiefem jüdischem Humor und Lebensweisheit. In der jiddischen Folklore ist Cholm das fiktive Dorf der Toren und Schlemiels. Die Weisheit dieser Geschichten liegt darin, dass die Dorfbewohner ihre Probleme mit absurder Logik lösen (z. B. versuchen, das Sonnenlicht in Säcken einzufangen, um das Rathaus zu erhellen).. Der Schlemiel (Der ungeschickte Akteur) ist ein gutmütiger, aber extrem ungeschickter Tollpatsch.  Er stolpert über seine eigenen Füße, lässt Dinge fallen oder trifft falsche Entscheidungen. Er ist aktiv für das Chaos verantwortlich. Beispiel: Der Schlemiel ist der Kellner, der im Restaurant stolpert und eine heiße Suppe verschüttet. Herkunft von Schlemiel- ist historisch nicht absolut eindeutig geklärt, aber es gibt zwei sehr starke, anerkannte Theorien: a)     Die biblische Theorie: Iin der Tora wird ein Stammesfürst namens Schlumiel ben Zurischaddai erwähnt. Laut jüdischer Midrasch (Überlieferung) war er der Einzige, der bei einer Schlacht beinahe ohne Grund oder durch unglückliche Umstände das Leben verlor, während alle anderen gerettet wurden.  b)     Die hebräische Wortspiel-Theorie): manche Sprachwissenschaftler führen das Wort auf die hebräische Phrase sche-lo-mo'il  zurück. Das bedeutet übersetzt „der, der zu nichts nütze ist“, daraus entwickelte sich im Jiddischen der sympathische, aber unfähige Tollpatsch. Das reale Chełm liegt im Osten Polens und war jahrhundertelang ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens und osteuropäischer Gelehrsamkeit. Da die Stadt für ihre Talmud-Gelehrten und tiefgründigen Logiker bekannt war, entstand im 19. Jahrhundert der humorvolle Mythos.  Die Geschichten parodieren liebevoll die typisch talmudische Haarspaltung, bei der logische Argumente soweit auf die Spitze getrieben werden, bis sie jeglichen gesunden Menschenverstand verlieren.

  3. Aug 23

    D’ Sago vom klonno Hirtobüble und am Butz und das Büable und das Meiggele

    Als Vorarlberger erzähle ich Euch heute „a kleale  eppas„- etwas über unsere Dialekte. Sie gehören zum alemannischen Sprachraum (ähnlich wie Schweizerdeutsch oder Schwäbisch) und sie unterscheidet sich stark von den bairischen Dialekten im restlichen Österreich. Die Ursprünge unserer Sprache gehen auf die germanische Besiedlung im frühen Mittelalter zurück. Statt des im Hochdeutschen üblichen Wortes „war“ sagt man meist „bin gsi“ (gewesen). Das brachte den Vorarlbergern den scherzhaften Spitznamen Gsi-Berger ein.Fehlende Doppellaute: Aus „Haus“ wird Hus, aus „Kreuz“ wird Krüz und aus „sein“ wird si. Es gibt auch keinen Genetiv, auch das Wort „gi“ findet im Hochdeutschen kein Pendant: „Er goht gi schaffa“ – also „Er geht arbeiten“.Klassische Volksmärchen werden in Vorarlberg meist in regionaler Mundart (z.B. Bregenzerwälderisch oder Montafonerisch) erzählt, wobei jedes Tal eigene Laute hat.Bregenzer Dialekt: alemannischer Ursprung, keine bairische, sondern westlich geprägt mit Wurzeln im Frühmittelalter. Klangfarbe: weiche Vokale und markante Laute, die sich oft von Dorf zu Dorf hörbar unterscheiden.Bregenzerwald ("Wälderisch"): sehr markant, starkes Hochalemannisch, extrem eigenständig; unterscheidet sich stark von Ort zu Ort (z. B. das Wort für Stein wandelt sich von „Schtui“ im vorderen zu „Schtua“ im hinteren Wald).Lechtal / Tannberg (Warth-Schröcken): altwalserische Mundarten.Lustenau: extrem eigenständiger Ortsdialek, sehr markanter, in der Aussprache stark ausgeprägter niederrheinisch/alemannischer Ortsdialekt.Montafon: Eigene Kosenamen und Ausdrücke wie Ahna (Großmutter), gehört zum Höchstalemannischen; enthält durch die historische Besiedlung rund 200 rätoromanische Reliktwörter und spezielle Bergnamen.Rheintal (Bregenz, Dornbirn, Feldkirch): Bodenseealemannisch bzw. osthochalemannisch geprägte Stadt- und Flachlandmundarten.Walsertal: in den ehemaligen Walser Siedlungen (wie im Großes Walsertal, Kleinwalsertal oder Brandnertal) klingen die Mundarten teils deutlich hoch- bis höchstalemannisch.

  4. Jul 26

    3 Geschichten von den Wichtelmännern

    Ein Wichtelmännchen (oder Wichtel) ist eine menschenähnliche Sagengestalt. Als fleißige, kleine Hausgeister helfen sie den Menschen oft unbemerkt bei der Arbeit. Bekannt sind sie vor allem aus nordischen Mythen sowie von den 3 Märchen der Gebrüdern Grimm.Das Erste handelt von einem ehrlichen, aber verarmten Schuhmacher, der unverschuldet in Not gerät.Der Mann hat nur noch so viel Leder übrig, dass er daraus gerade noch ein letztes Paar Schuhe zuschneiden kann. Er legt es am Abend auf die Werkbank, um am nächsten Morgen mit der Arbeit zu beginnen.Als er am nächsten Morgen erwacht, stehen die Schuhe bereits perfekt fertig genäht auf dem Tisch. Ein Käufer bezahlt sie so gut, dass der Schuster Leder für zwei weitere Paar kaufen kann.Dies wiederholt sich tagelang, bis der Schuhmacher und seine Frau sich eines Nachts auf die Lauer legen. Sie entdecken zwei kleine, nackte Wichtelmänner, die im Eiltempo die Schuhe fertigen. Aus Dankbarkeit nähen die Eheleute den Wichtelmännern winzige, warme Kleidungsstücke. ------------------------------------------Das Zweite handelt  von einem armen, fleißigen Dienstmädchen, es findet eine schriftliche Einladung von Wichtelmännern als Taufpatin. Auf Zureden seiner Herrschaft geht es mit drei Wichteln in einen hohlen Berg, wo alles klein und prächtig ist. Auf ihr Bitten bleibt es drei Tage lang in Freude und geht mit den Taschen voll Gold. Daheim ist die Herrschaft schon gestorben, denn es waren sieben Jahre. ------------------------------------------Das Dritte handelt von einer Mutter deren neugeborenes Kind von Wichtelmännern mit einem Wechselbalg mit dickem Kopf und starren Augen vertauscht wurde. Der Begriff tauchte im 11. Jahrhundert auf und beschreibt den Versuch früherer Gesellschaften, sich unerklärliche Entwicklungsstörungen, Behinderungen, chronische Krankheiten oder das plötzliche Versterben von Säuglingen zu erklären.

  5. Jul 19

    Die Tochter des Königs von Vilas (Kroatien)

    Kroatische Volkserzählungen gehören zur südslawischen Tradition und weisen die wesentlichen Merkmale der slawischen Mythologie auf – den Weltenbaum, den freundlichen dreiköpfigen Drachen Zmaj,  die Feenwesen namens Vile und den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, der sich durch die gesamte slawische mündliche Überlieferung zieht. In anderen slawischen Märchen (wie in Kroatien oder Russland) treten oft bösartige, dreiköpfige Drachen auf, die Feuer speien und von Helden besiegt werden müssen.Kroatische Erzählungen sind zudem von der Adriaküste beeinflusst: Meeresgeister, Seemannslegenden und die Mythologie des dalmatinischen Hinterlandes verleihen ihnen ein mediterranes Flair, das den slawischen Traditionen im Landesinneren fehlt. Helden sind oft kluge jüngste Söhne oder findige Mädchen, die übernatürliche Feinde mit Einfallsreichtum statt mit Gewalt besiegen.„Die Tochter des Königs von Vilas“ ist ein klassisches kroatisches Volksmärchen, das vor allem durch die Übersetzungen des britischen Slawisten Albert Henry Wratislaw bekannt wurde.Den König von Vilas gab es nie, die Geschichte Kroatiens kennt verschiedene Königsdynastien, deren bekannteste Herrscher sind die Könige Tomislav (ca. 925–928), Petar Krešimir IV. (1058–1074), Dmitar Zvonimir (1075–1089) und Petar Svačić (1093–1097). Ab 1097 war Kroatien mit dem Königreich Ungarn vereint.Ab 1527 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 übernahmen die Habsburger (Österreich) die Herrscherkrone Kroatiens.

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Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen? Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte. Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen.  Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund! Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert. Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln. Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben. Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen. Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.