Digitalisierung ist in der Baubranche längst mehr als ein Schlagwort. In dieser Folge von „Die Zukunft baut mit“ sprechen Anton Rieder und Florian Biller, Co-Founder und Geschäftsführer von Capmo, darüber, warum digitale Werkzeuge allein noch keine Veränderung bewirken – und worauf es in der Praxis wirklich ankommt. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage, warum die Baubranche in Sachen Produktivität seit Jahren hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Anton Rieder macht deutlich, dass es dafür nicht nur externe Gründe wie überbordende Bürokratie, Normen und regulatorische Vorgaben gibt, sondern auch hausgemachte Probleme innerhalb der Branche. Dazu zählen vor allem die starke Fragmentierung, das strikte Trennen von Planung und Ausführung sowie fehlende Standards in der Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. Florian Biller ergänzt diese Perspektive um den Blick auf konkrete Projektprozesse: Häufig seien es nicht die großen Fehler, sondern viele kleine Reibungsverluste – etwa bei Planfreigaben, Schnittstellen oder Dokumentationen –, die Projekte teuer, langsam und riskant machen. Im Zentrum der Folge steht die Überzeugung, dass Digitalisierung Probleme nicht automatisch löst, aber sichtbar macht. Genau darin liegt ihr Wert: Prozesse werden nachvollziehbar, Fehlerkosten erkennbar und Verbesserungen überhaupt erst möglich. Florian Biller erklärt, wie Capmo als digitales Betriebssystem für Baustellen Informationen, Unterlagen und Kommunikationswege in einem System bündelt – ohne dabei zu ignorieren, dass unterschiedliche Nutzergruppen unterschiedlich arbeiten. Anton Rieder ordnet ein, wie sich dieser Ansatz von der RIEDERBAU-eigenen Lösung MyBauOffice unterscheidet, die stärker als ganzheitliche Unternehmenssoftware gedacht ist. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, warum sich digitale Lösungen in der Branche oft nur langsam durchsetzen. Beide Gesprächspartner betonen, dass Software nur dann einen Effekt hat, wenn sie tatsächlich genutzt wird. Dafür braucht es einfache Anwendungen, realistische Erwartungen und vor allem Führungskräfte, die Digitalisierung nicht delegieren, sondern selbst mittragen. Ebenso wichtig ist eine Unternehmenskultur, in der Transparenz nicht zur Schuldzuweisung führt, sondern zum gemeinsamen Lernen. Zum Ende richtet sich der Blick nach vorne: Die Baubranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen, neue Technologien wie KI verstärken diesen Wandel zusätzlich. Für Anton Rieder und Florian Biller ist klar: Wer heute baut, muss Prozesse neu denken. Digitalisierung ist dabei kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Hebel, um Produktivität, Qualität und Zukunftsfähigkeit im Bauwesen zu sichern.