Equidemia Insights

Celina Skogan

Horsefriends ist der Podcast von und mit Celina Skogan. Pferde sind Celinas Leidenschaft, und darum geht es natürlich auch in diesem Podcast. Celina ist Trainerin für akademische Reitkunst, Cranio Sacral Therapeutin und Osteopathie, und vor allem ein passioniertes Pferdemädchen. Gemeinsam mit Gästen aus Wissenschaft und Praxis betrachtet sie das Pferd als Ganzes - frei von Reitphilosophien und Mythen. Dafür mit einem klaren Blick auf die Natur des Pferdes und die vorliegende Daten- und Faktenlage, und immer absolut Pro-Pferd. Denn das ist die Mission bei Equidemia: Echtes Pferdewissen weiterzugeben und Pferdemenschen zu guten Entscheidungen zu befähigen. Mal auf Deutsch, und mal auf Englisch. Den Podcast findest Du übrigens auch als Videocast bei YouTube! Enjoy the Journey!

  1. 14h ago

    Wie viel Anstrengung darf sein?

    Eine Hörerin schreibt uns nach unserer Folge mit Hanna Engström: Wie oft ist sie über die Grenzen ihrer Stute Lilly gegangen, in dem Glauben, es sei am Ende gut für sie? Sie bringt drei Sätze mit, die in Ställen ständig fallen – "man muss auch mit Baustellen trainieren, wie beim Rehasport", "beim Sport guckt man auch nicht fröhlich", "ich geh auch arbeiten trotz Kopfschmerzen". Wir nehmen jeden einzelnen ernst und prüfen, was daran stimmt – und was fehlt, wenn man ihn vom Menschen aufs Pferd überträgt. Dabei geht es um das Belastungsfenster, um trainierbares und nicht-trainierbares Gewebe, um erworbene versus angeborene Einschränkungen, und um zwei Mechanismen, die leicht verwechselt werden: Exercise-Induced Hypoalgesia und Stress-Induced Analgesia. Worum es in dieser Folge geht: - Die Angst hinter der Frage: Nicht "bewege ich zu wenig", sondern "habe ich geschadet" – und warum Bewegung ein gesundes Pferd nicht abnutzt. - Das Belastungsfenster: Warum Unterforderung bei gesunden Pferden oft das größere Problem ist als Überforderung – und warum sich das Fenster bei Baustellen umkehrt. - Was ist wirklich trainierbar? Muskulatur, Sehnen, Bänder, Koordination – ja. Bereits geschädigter Gelenkknorpel – nur sehr begrenzt. Der Unterschied verändert das Trainingsziel, nicht die Trainingsbereitschaft. - Erworben vs. angeboren: Warum eine Sehnenverletzung anders behandelt werden muss als eine Fehlstellung, mit der ein Pferd geboren wurde – und warum beide ineinander übergehen können. - Der Schmerztoleranz-Mythos: Pferde spüren Schmerz nicht weniger als wir. Sie zeigen ihn nur seltener – aus gutem, evolutionärem Grund. - Reha unter Belastung: Warum reine Schonung bei frischen Verletzungen keine neutrale, sichere Wahl ist, sondern selbst die Heilungsqualität beeinflusst. - Exercise-Induced Hypoalgesia vs. Stress-Induced Analgesia: Zwei unterschiedliche Mechanismen, die beide Schmerz maskieren können – und warum der zweite dafür sorgt, dass Trainingserfolg nie ausschließlich während des Tuns bewertet werden darf, sondern in der Ruhe danach. - Unser Werkzeug dafür: Die funktionale Ganganalyse, unser Messstab aus 24 Verhaltensmerkmalen plus Horse Grimace Scale – warum wir immer damit beginnen, und warum wir nach einer bestimmten Zeit erneut hinschauen.

    Wie viel Anstrengung darf sein?
  2. Jul 31

    Varianz in der Futterposition

    Eine Hörerfrage nehme ich zum Anlass, mit einem hartnäckigen Dogma aufzuräumen: "Kopf tief gleich Rücken automatisch entlastet." Ich zeige, warum das alte String-and-Bow-Modell der Forschung nicht standhält, was Dorsostabilität stattdessen bedeutet, und wie ich mit variantenreichen Futterpositionen gezielt die tiefe, stabilisierende Muskulatur meiner Pferde trainiere – ganz ohne zusätzliches Bewegungstraining. Darum geht's - Warum "Kopf tief" zum Ideal wurde – und warum die Wiese, auf der wir das beobachten, biomechanisch gesehen ziemlich eintönig ist - Was frei lebende Pferde tatsächlich beim Fressen tun, und was das mit Varianz zu tun hat - Warum das String-and-Bow-Modell der aktuellen Forschung nicht standhält - Dorsostabilität: das Konzept, das ich an die Stelle des alten Bogen-Modells setze - Faservarianz in der Halsmuskulatur – und warum ein Muskel manchmal zwei Jobs gleichzeitig können muss - Die tiefe Muskulatur, die wir von außen nicht sehen, aber die den Unterschied macht - Warum das gerade bei Trageerschöpfung und Lahmheit relevant wird Quellen: - Buchanan C. E. et al. (2025): Free-Roaming Horse Diet and Body Condition Differences Across Seasons and Ecologically Diverse Herd Management Areas. - Gómez Álvarez C. B. et al. (2006): The effect of head and neck position on the thoracolumbar kinematics in the unridden horse. - Rhodin M. et al. (2005): The influence of head and neck position on kinematics of the back in riding horses at the walk and trot. PubMed - Rombach N. et al. (2014): Gross anatomy of the deep perivertebral musculature in horses. PubMed - Gellman K., Bertram J. E. A. & Hermanson J. W. (2002): Morphology, histochemistry, and function of epaxial cervical musculature in the horse. - Stubbs N. C. et al. (2011): Dynamic mobilisation exercises increase cross-sectional area of musculus multifidus. PubMed - Sullivan H. M. et al. (2022): Influence of Chronic Lameness on Thoracolumbar Musculus Multifidus Structure in the Horse. PubMed - Raspa F. et al. (2021): Studying the Shape Variations of the Back, the Neck, and the Mandibular Angle of Horses Depending on Specific Feeding Postures. Open Access

    Varianz in der Futterposition
  3. Jul 17

    Wenn ich das damals schon gewusst hätte

    Manchmal bringt uns das Leben genau im richtigen Moment wieder mit einem Pferd zusammen. In meinem Urlaub hatte ich das unglaubliche Glück, eines meiner früheren Trainingspferde wiederzusehen. Ein Pferd, das mich viele Jahre begleitet hat und bei dem ich heute manches anders machen würde. Nicht, weil damals alles falsch war, sondern weil ich heute mehr weiß, genauer hinschaue und Pferde anders verstehe. Diese Begegnung hat mich darüber nachdenken lassen, wie sich Beziehungen zwischen Menschen und Pferden entwickeln. Was bleibt nach vielen Jahren? Was bedeutet Bindung wirklich? Und können wir eine Verbindung wieder aufnehmen, auch wenn viel Zeit vergangen ist? In dieser sommerlichen Podcastfolge geht es um zweite Chancen, um Verantwortung und um den schmerzhaften Gedanken: Wenn ich das damals schon gewusst hätte, hätte ich meinem Pferd vielleicht einiges ersparen können. Aber es geht auch darum, dass Entwicklung immer rückwärts betrachtet ungerecht wirkt. Wir treffen Entscheidungen mit dem Wissen, das uns in diesem Moment zur Verfügung steht. Entscheidend ist nicht, dass wir früher alles richtig gemacht haben. Entscheidend ist, ob wir bereit sind, heute genauer hinzusehen und unser Handeln zu verändern. Denn unsere Pferde brauchen keine perfekten Menschen. Sie brauchen Menschen, die lernen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, Beziehung immer wieder neu entstehen zu lassen. Eine persönliche Sommerfolge über Wiedersehen, Erinnerung, Dankbarkeit und die Frage, was wir aus unserer gemeinsamen Geschichte mit unseren Pferden machen. Pferdetraining neu denken. Evidenzbasiert, individuell und mit echtem Blick für das Pferd, das vor uns steht.

    Wenn ich das damals schon gewusst hätte

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