gfs.echo

mit Lukas Golder und Jenny Roberts

gfs.echo ist der Politik-Podcast von gfs.bern. In 25–35 Minuten sprechen Lukas Golder und Jenny Roberts aus seinem Team mit Gästen aus Verwaltung, Verbänden, Parteien und NGOs. Locker im Ton, präzise in der Sache: Fakten einordnen, Annahmen testen, Konsequenzen für die Praxis benennen. Jede Folge liefert Zahlen aus aktuellen Studien, eine klare Einordnung und einen Blick nach vorn. Wöchentlich – als Video und Audio.

  1. Energieversorgung im Stresstest: Winterstrom, Solarboom und Kernenergie – mit Bundesrat Albert Rösti

    EPISODE 7 ·  VIDEO

    Energieversorgung im Stresstest: Winterstrom, Solarboom und Kernenergie – mit Bundesrat Albert Rösti

    Mehr Solarstrom, steigender Strombedarf und die Frage, wie die Schweiz im Winter genügend Energie bereitstellen kann: Die Energiepolitik steht vor grundlegenden Herausforderungen. Bundesrat Albert Rösti spricht über negative Strompreise, den Ausbau der erneuerbaren Energien, mögliche Engpässe im Winter und die Rolle von Kernernergie in der zukünftigen Stromversorgung. In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025⁠ ⁠gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025⁠ ⁠https://www.gfsbern.ch/de/news/versorgungssicherheit-schweiz-2025/⁠ ⁠Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft⁠ ⁠Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung   Transkript zur Episode   00:00:02 – Sprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 – Lukas Die neue Staffel gfs.echo, jetzt geht es um die Energie, jetzt geht es um das Ganze, mindestens um die Energieversorgung. Dort, Jenny, haben wir viele verschiedene Entscheidungen erlebt. Wir hatten die Energiestrategie 2050, wir hatten zuletzt mehrmals über den Pfad Richtung mehr Erneuerbare abgestimmt. Wie ist dein Eindruck? Gehen die Leute davon aus, dass die Stromversorgung sicher ist in der Schweiz in zehn Jahren? Oder sind wir da noch nicht so richtig sicher? 00:00:40 – Jenny Ja, also da gehen die Meinungen der Stimmberechtigten tatsächlich recht auseinander. Es gibt ungefähr eine Hälfte der Stimmbevölkerung, die eher pessimistisch unterwegs ist, sich zu diesem Thema Sorgen macht. Circa die andere Hälfte sieht das ein bisschen lockerer. Aber was man sicher sagen kann, ist, dass das Thema Versorgungssicherheit sehr hohe Priorität hat. Also bei 45 Prozent der Stimmbevölkerung ist das wirklich die höchste Priorität im Thema Energie- und Stromversorgung. 00:01:07 – Lukas Dann schauen wir mit der Person, die politisch die höchste Verantwortung in diesem Energiebereich hat. Herr Bundesrat Albert Rösti, herzlich willkommen bei uns im Podcast. 00:01:16 – Bundesrat Rösti Danke für die Einladung, ich bin gerne hier. 00:01:19 – Lukas Ja, jetzt haben wir eben gesehen, dass eigentlich so ein bisschen Unsicherheit schon auch da ist, aber wenn man ein bisschen genauer hinschaut, dann kommt sehr schnell das Stichwort Winterstromlücke auf. Wir laufen dort potenziell, selbst mit dem Umbau, der jetzt vorangeht, wo man auch die Weichen national gestellt hat, laufen wir dort in einen Engpass, den vielleicht die Leute ein bisschen unterschätzen. Oder haben wir ein Problem, das wir noch nicht richtig verstehen? 00:01:44 – Bundesrat Rösti Ich würde sagen, das Problem ist verstanden, aber die Lösung zu finden, ist sehr schwierig. Also das ist sicher die grösste Herausforderung: die Versorgungssicherheit im Winter. Vor allem gegen Ende des Winters, also Februar, März. Dann sind die Speicherseen langsam geleert. Dann noch genügend Strom zu haben, das ist eine grosse Herausforderung. Es gibt noch nirgends eine Patentlösung, überschüssigen Sommerstrom, namentlich von den Solaranlagen, in den Winter zu transportieren. Jetzt ist es schon so: Die Solaranlagen geben zum Teil auch im Winter Strom, ein Viertel bis ein Drittel. Die, die einen Speicher haben, noch besser. Dann können sie auch noch, wenn es schneit, von diesem Strom nutzen. Aber die grosse Menge an Bandstrom fehlt natürlich im Winter. Vor allem, wenn wir je länger je mehr Strom brauchen. Weil wir dekarbonisieren, aus der fossilen Energie aussteigen. Darum ist der Zubau von Winterstrom absolut prioritär. Das ist in meinem Departement das Wichtigste, ich werbe fast täglich dafür. Winterstrom ist vor allem Wasserkraft, mehr Speicherkraftwerke, damit man in Zeiten von Stromüberschuss Wasser hochpumpen kann, damit man dann eben diese Reserven hat. Windanlagen haben es sehr schwer in der Schweiz, aber würden auch mehr Winterstrom geben. Und tatsächlich läuft dieser Zubau deutlich zu langsam. 00:03:08 – Lukas Also eben, beim Wind haben wir den Widerstand, wir haben Initiativen, dort haben wir die Hürden, wo die Akzeptanz häufig ein Thema ist. Und wir sprechen natürlich auch noch vom Atomausstieg. Dort fallen nachher, je nachdem, wenn die Abschaltungen kommen, doch mehrere Terawattstunden, die eben dann gleich im Winter besonders fehlen, weg. Das heisst, wenn ich Ihnen richtig zuhöre, man muss sich mehr Sorgen machen und nicht weniger, als das im Moment im Sorgenbarometer zum Ausdruck kommt. 00:03:35 – Bundesrat Rösti Ja gut, ich werde die Leute nicht aufscheuchen. Im Moment muss man sich … Ja gut, im Zusammenhang mit den ganzen weltweiten Ereignissen ist mehr die Frage Gas- und Öl-Lieferungen. Die Strasse von Hormus kann natürlich die gesamten Weltmärkte jetzt verrückt machen. Das ist, glaube ich, ein anderes Thema. Aber wenn man sich jetzt den Schweizer Strommarkt anschaut, muss man sich nicht unmittelbar Sorgen machen, weil der Bundesrat und das Parlament hier vorgesorgt haben, indem man in sogenannte Reservenkraftwerke investiert hat. Das heisst, dass, wenn man mal nicht genug Strom importieren könnte, weil es zu wenig hat, dass man diese Reservenkraftwerke – das sind eigentlich Ölkraftwerke oder Gaskraftwerke – anlässt und dann kurzfristig mit einer Leistung eines früheren Mühlebergs oder Betznau, Strom liefern könnte. Aber die grosse Herausforderung ist, in den nächsten 10, 20, 30 Jahren, wenn wir wirklich mehr Strom brauchen, schon nur die ganze Elektrifizierung des Verkehrs, der Heizung, die natürlich voranschreitet, die ja gewollt ist, dass man aus den Fossilen aussteigt, braucht viel mehr Strom. Wir haben künstliche Intelligenz, wir haben mehr Rechenzentren, wir haben Bevölkerungswachstum. Und das heisst, wir brauchen immer mehr Winterstrom. Also wenn wir heute diese Reserven haben, um die Knappheit zu überbrücken, ist das heute der Fall. Aber langfristig müssen wir wirklich viel mehr produzieren. Es besteht ein Konzept, dass man etwa 6 Terawattstunden – das sind etwa 10 Prozent der gesamten Stromproduktion – mehr im Winter hätte. Da hätten wir schon ziemlich viel zusätzlich. Das würde bedeuten, dass man etwa 15 zusätzliche Wasserkraftspeicherwerke, die wir intensiv diskutiert haben, die in der Bewilligung einen Vorteil haben sollen, macht. Das wären etwa 2 Terawattstunden. Dass man etwa für 2 Terawattstunden Wind zusätzlich baut. Und 2 ging man davon aus, gäbe es von alpinen Solaranlagen. Überall gibt es grössere Hürden. Bei der Wasserkraft ist es nach wie vor eine Einsprachensituation, dass man genügend Ausgleichsmassnahmen hat, bis es bewilligt werden kann. Bei der Windkraft gibt es generell Opposition aufgrund der Auswirkungen auf die Landschaft. Und bei den alpinen Solaranlagen haben wir keinen Rückstand, vor allem aus technischen Gründen, weil es technisch schwieriger ist, als man ursprünglich gemeint hat. Nichtsdestotrotz geht es nur darum, jetzt hier vorwärtszumachen und wir sind dran. Das Parlament hat den Beschleunigungserlass verabschiedet, damit man all diese Werke schneller bewilligen kann. Es geht nicht nichts, aber es geht zu langsam im Moment. 00:06:11 – Jenny Die verschiedenen Punkte, die Sie ansprechen, beschäftigen die Stimmbevölkerung auch sehr. Einerseits, dass man das Gefühl hat, es geht zu wenig schnell vorwärts mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Über 60 % der Stimmbevölkerung teilt diese Sicht. Und gleichzeitig auch die Sorge, dass man das Gefühl hat, es reicht nicht aus, wenn man nur auf die Erneuerbaren setzt. Das ist auch ein Thema, das Sie als UVEK-Vorsteher wieder in die Debatte gebracht haben. Muss man jetzt wieder über Atomkraft reden? Ja oder nein für die Schweiz? Können Sie da vielleicht noch einmal kurz zusammenfassen, warum braucht es aus Ihrer Sicht diese Debatte? 00:06:45 – Bundesrat Rösti Ich habe jetzt vom kurzfristigen Aspekt mit den Reservenkraftwerken gesprochen. Ich habe vom mittelfristigen Aspekt, also von den nächsten 10, 20 Jahren, gesprochen, wo wir wo wir die Erneuerbaren, eben mehr Wasserkraft, brauchen. Aber irgendwann kommen Leibstadt und Gösgen auch an ihr Lebensende. Ich gehe zwar davon aus, dass sie länger betrieben werden, als man ursprünglich davon ausgegangen wäre, also dass es über 60 Jahre dauert, aber trotzdem müssen wir an ihren Ersatz denken. Und wenn ich sehe, wie schwierig es jetzt schon ist, genügend Strom mit Erneuerbaren heranzubringen, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, und das teilt auch der Bundesrat, dass man die 30 Prozent, das darf man nicht vergessen, der Atomstrom ist heute noch 30 Prozent von der Stromversorgung, mit noch bestehenden Kernkraftwerken ersetzt, ohne auf diese Technologie zu setzen. Und wichtig ist für mich, dass es nicht entweder oder ist – Erneuerbare oder Kernkraft –, sondern sowohl als auch. Ersetzen von Kernkraftwerken, das ist ein langfristiger Aspekt. Das wird lange dauern, bis es bewilligungsfähig ist. Zuerst muss das Parlament eingehen auf den Gegenvorschlag des Bundesrates zur Initiative, die es gibt. Der Bundesrat hat klar gesehen, dass wir über diese Technologie reden müssen, wenn wir langfristig auf 30, 40 Jahre die Stromversorgung sicherstellen wollen. 00:08:05 – Lukas Jetzt hat man 2017 den Ausstieg sozusagen mit dieser Strategie beschlossen. Ist das eine Missachtung des Volkswillens, wenn der Bundesrat jetzt sagt, jetzt machen wir den Gegenvorschlag zu dieser Blackout-Initiative? 00:08:19 – Bundesrat Rösti In keiner Art und Weise, weil der Bundesrat ist ja dafür da und hat den Auftrag, aufgrund von neuen Ausgangslagen neu zu antizipieren und Vorschläge zu machen. Selbstverständlich entscheidet über einen Einstieg nicht der Bundesrat allein. Es geht ins Parlament, und dann kommt das Referendum. Das ist ja schon von den Grünen angekündigt worden: Das Referendum wird kommen, und dann muss man darüber abstimmen. Ich glaube, wenn jetzt alles gleich wäre wie damals 2017, könnte man vielleicht noch sagen, w

    30 min
  2. Braucht die Schweiz neue AKW? WWF-Experte Patrick Hofstetter über Winterstrom, Solar und das Stromnetz

    EPISODE 8 ·  VIDEO

    Braucht die Schweiz neue AKW? WWF-Experte Patrick Hofstetter über Winterstrom, Solar und das Stromnetz

    Wie gross ist die Winterstromlücke wirklich? Was machen Negativpreise mit der Solardebatte? Und wie viel Netzausbau braucht es tatsächlich? In dieser Folge diskutieren Lukas Golder, Jenny Roberts und Patrick Hofstetter über Versorgungssicherheit, politische Fehlanreize und die Frage, warum die Schweizer Energiedebatte oft an den falschen Stellen hitzig wird. In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025⁠ ⁠gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025⁠ ⁠https://www.gfsbern.ch/de/news/versorgungssicherheit-schweiz-2025/⁠ ⁠Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft⁠ ⁠Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung Transkript zur Episode 00:00:03 Sprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts.    00:00:12 Lukas Die zweite Staffel zur Energiepolitik. Da haben wir einen ganz grossen Umbau beschlossen. Wo stehen wir da, Jenny?    00:00:21 Jenny Ja, also grundsätzlich haben wir ja schon vor einigen Jahren, 2017, hat das Stimmvolk ja gesagt zur Energiestrategie 2050, also Erneuerbare werden da sicher eine grosse Rolle spielen in der Zukunft, aber ich habe dennoch den Eindruck, viele Projekte bei den Erneuerbaren, von denen man in den Medien liest, ja, habe ich den Eindruck, dass es dort ein bisschen staut tatsächlich.    00:00:42 Lukas Wir haben den WWF-Experten für Energie- und Klimapolitik zu Gast. Herzlich willkommen, Patrick Hofstetter.    00:00:51 Patrick Guten Tag miteinander.    00:00:53 Lukas Vor ungefähr zehn Jahren ist der Ausstieg in die Strategie eingezimmert worden. Heute und in zehn Jahren, wenn man das mit einem Ampelsystem zusammenfassen möchte, wo stehen wir, wenn rot, orange, grün, wo waren wir vor zehn Jahren mit diesem Umbau in der Schweiz, mit der Energiepolitik, der Energieumbau in Richtung erneuerbar, wo stehen wir heute und wo stehen wir in zehn Jahren? Wie ist die Farbe?    00:01:17 Patrick Ja, die Farbe ist wahrscheinlich, wenn wir die letzten zehn Jahre anschauen, recht grün. Wenn wir hingegen nach vorne schauen, dann ist sie im besten Fall orange. Das heisst, es ist noch sehr ungewiss, wie gut wir die Ziele, die wir uns neu gesetzt haben, auch erreichen können. Aber das Legacy, was wir jetzt gemacht haben in den letzten zehn Jahren, das ist bereits gewaltig. Wir haben im Strombereich ein AKW Mühleberg stillgelegt und längst ersetzt durch neue Kapazitäten. Wir sind in wenigen Jahren auch dran, Betznau, das wir ja erst Anfang der 30er-Jahre abschalten wollen, bereits ersetzt zu haben. Die letzten zwei Winter haben wir mehr Strom exportiert als importiert. Obwohl man ja immer sagt, wir hätten ein Winterstromproblem. Das heisst, im Moment wächst die Stromproduktion stärker als der Verbrauch. Das ist aber dann auch wieder eine schlechte Nachricht. Das heisst, beim Ersatz von Öl- und Gasheizungen mit Wärmepumpen, die dann Strom brauchen, das läuft im Moment recht harzig seit zwei Jahren. Das hat im Zusammenhang mit der Putin-Invasion einen riesigen Boom gegeben, ist dann jetzt aber wieder zurückgekommen. Ähnlich auch bei der Elektromobilität. Und das Ziel der Energiewende ist ja nicht die Energiewende in sich. Das hat keinen Wert in sich, sondern es geht eben darum, Öl, Gas, Benzin und Diesel zu ersetzen mit erneuerbaren Energien.    00:02:59 Jenny Du sagst, rückblickend sind wir doch eher im grünen Bereich, ab jetzt im besten Fall orange. Ein Thema, welches auch aus der Bevölkerungssicht sehr wichtig ist, ist, dass viele Leute das Gefühl haben, das gehe aktuell nicht genug schnell vorwärts mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Und es gibt auch aktuelle Mehrheiten in der Stimmbevölkerung, die sich auch vorstellen können, dass man die Beschwerdemöglichkeiten, die es gibt bei verschiedenen Projekten, bei den Erneuerbaren, einschränken kann, damit es auch schneller geht. Wie stehst du dazu? Müsste man da vielleicht Prozesse verkürzen in Zukunft?    00:03:38 Patrick Die mediale Aufmerksamkeit auf die Verzögerungen ist natürlich stark überhöht. Das hat verschiedenste Gründe. Einerseits, weil wir jetzt gerade im Parlament eine Vorlage abgeschlossen haben, wo es um die Beschleunigung dieser Bewilligungsprozesse geht. Das heisst, wo es genau um das ging, dass man dann ein bisschen Öl ins Getriebe schütten muss, damit die Energiewende schneller laufen kann. Das hat man erfolgreich abgeschlossen, auch ohne Referendum. Das heisst, es gibt nicht noch einmal eine Volksabstimmung, sondern da werden die Verordnungen im Moment erarbeitet. Ein analoges Projekt ist jetzt im Parlament zur Netzerneuerung der Stromnetze, damit wir ein gutes Stromnetz haben, ein modernes Stromnetz, mit dem der Strom auch transportiert werden kann. Und weil diese Themen im Parlament sehr wichtig waren, hatte man ein mediales Gefühl. Wir hätten hier eine riesige Baustelle. Die Realität ist ein bisschen anders. Es läuft sehr gut, so gut, dass es auch ganz viele eher traditionelle Energieversorgungsunternehmen hat, wo das zu gut läuft, die auch ein bisschen überfordert sind mit dem Wechsel von zentraler Stromerzeugung hin zu dieser dezentralen Stromerzeugung mit vor allem der Solarenergie, die auf jedem Haus produziert werden kann und wo man da eigentlich am liebsten hätte, man wäre noch ein bisschen in der alten Welt, der Strom von der BKW oder der AXPO kommt und man selber nur den Strom weiterverkaufen muss und sich neu mit eigenen Stromproduzenten im Dorf umschlägt, das ist eigentlich Neuland und überfordert tatsächlich viel vom Stromgewerbe.    00:05:23 Lukas Die Gewichte verschieben sich, aber ich glaube auch, wie ich es wahrnehme, eure Rolle, Zivilgesellschaft, Klimaallianz, die beschlossen hat, kein Referendum zu ergreifen, dort quasi die Rolle, die man ihnen anspricht, dass sie das oft mit Einsprache blockieren und dass das Widerspruch ist, da ein bisschen aus dem herauszugehen. Hat man eine neue Art, wie man mit den verschiedenen Stakeholdern und Interessen umgehen kann, gefunden?    00:05:49 Patrick Das ist eigentlich der Sinn, dass es das Verbandsbeschwerderecht gibt. Das ist ja, wenn die Natur selber keine Stimme hat und nicht einklagen kann, wenn ein Projekt stark schädigt, ein Recht, das diverse Umwelt- und Nichtregierungsorganisationen haben. Das ist: Wenn man zehn Jahre auf dem Thema schweizweit arbeitet, dann bekommt man das Recht, im Namen der Natur die Gesetzeseinhaltung einzuklagen. Das machen wir schon sehr lange. Das langjährige Monitoring zeigt, dass es sehr selten solche Beschwerden gibt seitens des Umweltverbands. Wenn es sie gibt, werden sie zwei Drittel der Fälle gut geheissen. Das heisst, man stellt tatsächlich fest, dass der Kanton oder die Gemeinde, die die Bewilligung wollte, gesetzeswidrig gehandelt hätte. Das heisst, dass es wirklich auch nötig war, dass man diese Beschwerden gemacht hat. Aber die Energiewende wird nicht ausgebremst durch die Umweltorganisationen, sondern natürlich tatsächlich durch auch sehr viele private Beschwerden, die gemacht werden, die dann vor allem die Projekte sehr stark verzögern. Das kann manchmal zu einem Projektabbruch führen, sehr oft aber einfach zu einer unerwünschten Verzögerung. Das sehen wir vor allem bei den grösseren Projekten, Wind-, Wasserkraftprojekten. Wir sehen es praktisch nicht bei Solarprojekten.    00:07:19 Lukas Und in dieser Diskussion und neuen Verschiebungen der Akteure kommt jetzt der Bundesrat, vertreten v.a. durch den Energieminister, und fordert die Diskussion über neue Kernkraft in der Schweiz. Also quasi eine Gesetzesänderung, die die Energiestrategie neu angehen soll. Und dort spricht er von Small Modular Reactors, also quasi wie bausteinartige kleine sichere Reaktoren, die sozusagen von einer neuen Generation kommen sollen, die quasi den verzögerten Umbau Richtung Erneuerbare jetzt beschleunigen soll. Aber so wie ich dich verstehe, das ist genau das orange Licht, das du siehst. Diese Diskussion passt euch nicht.    00:08:01 Patrick Genau, sie bringt Verunsicherung. Sie absorbiert ganz viele Fachkräfte davon, sich für die Energiewende einzusetzen und stattdessen über irgendwelche Fragen nachzudenken, die so nicht real sind. Es ist für mich persönlich auch eine sehr unangenehme Diskussion. Ich habe ein Déjà-vu, ein «Und täglich grüsst das Murmeltier». Ich habe Ende 80er-Jahre an der ETH Maschinenbau studiert, wo wir natürlich auch Nukleartechnik hatten. Und genau das gleiche Konzept, das man damals schon präsentiert hat, als die Zukunft, die man auch heute als «die Zukunft» präsentiert. Und gerade wenn jetzt die «Small Modular Reactors», die «Klein-AKWs-Diskussion» angeschaut wird, löst das praktisch kein Problem. Sie sind auch nicht wirklich klein, sie haben so die Grösse von Mühleberg, damit man das richtig einordnen kann, sie produzieren auch viel Abfall und sie sind wahnsinnig teuer im Moment noch, falls dann diese kommen sollten. Das heisst, es ist nicht etwas, auf das die Schweiz setzen könnte. Es ist nicht etwas, das man auf den Tag X bestellen kann. Das heisst, es ist ein Phantom, dem wir hinterherjagen.    00:09:23 Jenny Du hast ja schon angesprochen, Lukas, es ist eine relativ neue Diskussion, die jetzt wieder hochkommt mit dieser sogenannten neuen Kernkraft in der Stimmbevölkerung selbst. Ist es aktuell so, dass... Eine knappe Mehrheit ist doch dafür, dass man zumindest über das nachdenkt, über die neue Generation von Reaktoren. Ein Grund, der da sicher mit hineinspielt, ist, dass viele Leute oder die Stimmbevölkerung gespalten darüber sind, ob man im Winter zu wenig Strom hat. Das hast du vorhin auch kurz angesprochen. Wie ist das einzuschätzen? Braucht es keine Kernkraft, um die Winterlücke zu decken oder wie könnte man das alternativ machen?    00:10:06 Patrick Seit Fukushima werden laufend Studien gemacht, wo man sich genau dieser Frage stellt. In dem Sinne, wie soll das gehen? Gibt es da Möglichkeiten, ein 100% erneuerbares Energiesystem

    32 min

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