Die Produktwerker

Tim Klein, Dominique Winter, Oliver Winter

Im Podcast der Produktwerker besprechen wir Themen rund um die Rolle des Product Owners. Dazu tauschen wir uns nicht nur untereinander aus, sondern sprechen auch mit interessanten Gesprächspartnern aus allen möglichen Themenbereichen von Product Ownern. Die Produktwerker sind Tim Klein (@produktwerkCGN), Oliver Winter (@oliwin) und Dominique Winter (@designik). Als Experten für Produktentwicklungen haben wir uns in der agilen Community Kölns kennen und schätzen gelernt. Wir drei wollen die Kompetenz von Product Ownern und Produktorganisationen fördern, bessere Produkte und Services zu entwickeln. Wir freuen uns über Euer Feedback auf produktwerker.de, per Mail an podcast@produktwerker.de oder via Twitter an @produktwerker.

  1. 2h ago

    Warte nicht auf andere! Was du als Product Owner selbst tun kannst

    Oliver und Tim sprechen in dieser Folge darüber, warum viele Product Owner auf bessere Rahmenbedingungen warten und sich damit oft selbst ausbremsen. Im Alltag fehlt die Produktvision, Prioritäten bleiben unklar oder wichtige Entscheidungen kommen nicht voran. Solche Situationen kennen viele. Der Reflex ist häufig, auf Führungskräfte, Stakeholder oder andere Teams zu zeigen und von diesen eine Lösung zu erwarten. Genau dort beginnt jedoch ein Muster, das wenig verändert. Wer dauerhaft darauf wartet, dass andere den ersten Schritt machen, gibt einen Teil seines eigenen Gestaltungsspielraums aus der Hand. Warte nicht darauf, dass das Umfeld perfekt wird, bevor du Verantwortung übernimmst. Besonders spannend ist die Frage nach dem eigenen Antrieb. Viele Produktmenschen können sehr präzise beschreiben, was in ihrer Organisation nicht funktioniert. Deutlich schwieriger wird es oft bei der Antwort auf die Frage, warum sie ihr Produkt eigentlich voranbringen wollen. Wer für sich keine Richtung erkennt, landet schnell im Beschwerdemodus. Dann dreht sich die Aufmerksamkeit vor allem um Hindernisse. Aber warte nicht darauf, dass jemand anderes Sinn und Orientierung liefert. Beschäftige dich mit dem Wert deines Produkts, mit den Menschen, die es nutzen, und mit dem Beitrag, den du selbst leisten möchtest. Daraus entsteht auch Energie für Veränderung. Fehlende Strategien oder unklare Ziele sind häufige Auslöser für Frust. Viele Product Owner wünschen sich eine klare Unternehmensstrategie, bevor sie Entscheidungen treffen oder Diskussionen glauben weitertreiben zu können. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar. Trotzdem hilft Abwarten selten weiter. Also warte nicht, bis jede Antwort von oben kommt. Suche das Gespräch, stelle Fragen und mache sichtbar, welche Entscheidungen ohne Orientierung schwerfallen bzw. auf Basis welcher Hypothesen du vorangehen wirst. Wer aktiv Zusammenhänge aufzeigt und konkrete Vorschläge einbringt, erhöht die Chance auf Klarheit deutlich stärker als jemand, der lediglich auf Missstände hinweist. Ähnlich verhält es sich bei der Zusammenarbeit mit Stakeholdern. Wenn Anforderungen ungefiltert ins Team gelangen oder jede Aufgabe höchste Priorität erhält, entsteht schnell das Gefühl von Kontrollverlust. Viele Product Owner sehen das Problem sehr klar, bleiben aber in der Rolle der Beobachtenden. Warte nicht darauf, dass andere plötzlich anders arbeiten. Schaffe Transparenz über Auswirkungen, führe Priorisierungsdiskussionen und suche Verbündete. Einfluss entsteht selten durch die formale Rolle allein. Er wächst durch Initiative, durch Kommunikation und durch den Mut, schwierige Gespräche zu führen. Produktverantwortung bedeutet deshalb mehr als Backlog Pflege und Sprint Planung. Sie beginnt dort, wo Menschen ihr Umfeld aktiv mitgestalten. Niemand kann alle organisatorischen Probleme allein lösen. Darum geht es auch nicht. Entscheidend ist die Haltung, mit der man auf Herausforderungen blickt. Warte nicht auf die perfekte Organisation, die ideale Strategie oder die nächste Entscheidung von oben. Nutze den Handlungsspielraum, den du heute hast. Oft ist er größer, als es auf den ersten Blick erscheint. Im Gespräch wird von Tim und Oliver auf folgende ältere Episoden verwiesen: - Umgang mit Produktrisiken - Als Product Owner dein Zeitmanagement in den Griff bekommen - Trotz Hierarchie durchsetzungsstark als Product Owner agieren Wo wartest du aktuell noch darauf, dass andere etwas verändern? Vielleicht fehlt eine klare Richtung. Vielleicht blockieren Priorisierungskonflikte oder schwierige Abstimmungen mit Stakeholdern den Fortschritt. Oft gibt es mehr Handlungsspielraum, als auf den ersten Blick sichtbar wird. Vielleicht hat diese Folge dir auch bereits geholfen Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Teilt eure Geschichten und Erfahrungen doch mit uns und der Community. Hinterlasse gerne einen Kommentar unterm Blog-Artikels oder auf unserer Produktwerker LinkedIn-Seite.

    42 min
  2. Jun 8

    Den richtigen Zielmarkt finden

    Dominique und Oliver sprechen in dieser Folge darüber, warum die Wahl des richtigen Zielmarkts weit mehr ist als eine Marketingentscheidung. Wer Verantwortung für ein Produkt trägt, trifft jeden Tag Entscheidungen, die den weiteren Handlungsspielraum einschränken oder erweitern. Genau deshalb beeinflusst der Zielmarkt die Produktentwicklung von Anfang an. Er bestimmt, welche Probleme relevant sind, welche Bedürfnisse zählen und welche Rahmenbedingungen bei der Gestaltung eines Produkts berücksichtigt werden müssen. Für Product Owner:innen und Produktmanager:innen entsteht daraus eine wichtige Frage: Für wen entwickeln wir eigentlich und in welchem Markt soll unser Produkt erfolgreich sein? Ein Zielmarkt besteht aus deutlich mehr als einer Nutzergruppe. Geografische Unterschiede spielen ebenso eine Rolle wie rechtliche Vorgaben, kulturelle Erwartungen oder technologische Rahmenbedingungen. Ein Produkt kann in einem Markt hervorragend funktionieren und in einem anderen kaum Resonanz erzeugen. Manche Funktionen werden in einem Land erwartet, während sie anderswo keine Bedeutung haben. Wer diese Unterschiede ignoriert, riskiert hohe Investitionen in Lösungen, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen. Der Zielmarkt setzt deshalb wichtige Leitplanken für Produktstrategie, Produktgestaltung und die Auswahl möglicher Lösungsansätze. Häufig entsteht der Wunsch, möglichst viele Kundengruppen gleichzeitig anzusprechen. In der Praxis führt das oft zu Produkten, die für niemanden wirklich überzeugend sind. Ein klar definierter Zielmarkt hilft dabei, Ressourcen gezielt einzusetzen und Prioritäten bewusster zu setzen. Statt jede denkbare Anforderung zu berücksichtigen, entsteht ein besseres Verständnis dafür, welche Probleme besonders relevant sind und wo der größte Nutzen geschaffen werden kann. Diese Fokussierung erleichtert viele Entscheidungen im Produktalltag und schafft Orientierung für Teams und Stakeholder. Die Suche nach dem passenden Zielmarkt beginnt selten mit vollständiger Sicherheit. Meist stehen zunächst Annahmen im Raum. Genau deshalb ist frühes Lernen so wichtig. Kundeninterviews, Beobachtungen im Nutzungskontext und direkte Gespräche mit potenziellen Kundinnen und Kunden helfen dabei, Marktsegmente besser zu verstehen. Dabei geht es nicht darum, Zustimmung für eine Idee einzusammeln. Entscheidend ist, die eigenen Hypothesen kritisch zu prüfen und herauszufinden, ob ein relevantes Problem tatsächlich existiert und ob die gewählte Zielgruppe bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen. Auch der Product Market Fit entsteht nicht am Reißbrett. Ob ein Zielmarkt wirklich zum Produkt passt, zeigt sich oft erst nach den ersten Schritten im Markt. Die gewonnenen Erkenntnisse können Anpassungen am Produkt erforderlich machen. Manchmal zeigt sich sogar, dass ein anderer Zielmarkt deutlich besser geeignet ist. Erfolgreiche Produktentwicklung bedeutet deshalb, Markt und Produkt gemeinsam weiterzuentwickeln. Wer den Zielmarkt als lernbare Annahme versteht und regelmäßig hinterfragt, schafft bessere Voraussetzungen für nachhaltigen Produkterfolg. Im Kontext dieser Folge empfehlen wir euch insbesondere folgenden Folgen: - User Feedback mit Kundeninterviews einholen (https://produktwerker.de/user-feedback-mit-kundeninterviews/) - Warum Personas für Product Owner wertvoll sind (https://produktwerker.de/warum-personas-fuer-product-owner-wertvoll-sind/) - Das Problem mit dem Minimal Viable Product (https://produktwerker.de/das-problem-mit-dem-minimal-viable-product/) - The Decision Stack (https://produktwerker.de/the-decision-stack/)

    38 min
  3. Jun 1

    Die ersten 100 Tage als PO

    In dieser Folge spricht Dominique mit Aurelia Weimer über ihre ersten 100 Tage als Product Ownerin. Im Mittelpunkt steht eine Einstiegsphase, die vor allem aus Lernen, Orientierung und vielen neuen Herausforderungen besteht, denn Product Ownership beginnt in der Praxis nicht immer mit einem gepflegten Backlog, klaren Entscheidungswegen oder einer abgestimmten Produktstrategie. Häufig stehen zunächst grundlegende Fragen im Vordergrund: Wie arbeiten die Menschen zusammen? Wer trifft welche Entscheidungen? Welche Erwartungen gibt es an das Produkt? Welche Strukturen helfen bereits und welche stehen eher im Weg? Aurelia berichtet, warum es am Anfang wichtig ist, nicht vorschnell Lösungen zu präsentieren, sondern zunächst Kontext aufzubauen. Dazu gehören fachliches Wissen über die Domäne, ein Verständnis für bestehende Routinen und ein genauer Blick auf die beteiligten Menschen und ihre Erwartungen. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam. Gemeinsame Workshops, offene Diskussionen und die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeitsweise werden als wichtige Elemente beschrieben, um Schritt für Schritt zu einem passenden Vorgehen zu finden. Dabei geht es weniger darum, Scrum-Elemente möglichst lehrbuchnah umzusetzen, sondern darum, herauszufinden, was dem Team in der konkreten Situation wirklich hilft. Die Folge zeigt außerdem, dass die ersten 100 Tage auch eine Phase persönlicher Entwicklung sind. Neues Domänenwissen, Unsicherheit und Verantwortung gehören ebenso dazu wie Fragen stellen, Unterstützung annehmen und den eigenen Wissensstand realistisch einordnen. Moderne Werkzeuge können den Einstieg erleichtern, etwa beim Erschließen fachlicher Themen oder beim Strukturieren von Informationen. Der Kern wirksamer Product Ownership bleibt jedoch die Arbeit mit Menschen: Beziehungen aufbauen, Perspektiven verstehen, Erwartungen klären und gemeinsam Vertrauen entwickeln.

    35 min
  4. May 25

    Experience Market als Großgruppenformat in der Produktarbeit

    Dominique und Tim sprechen in dieser Folge über die Methode des Experience Market und darüber, was dieses Großgruppenformat in der Produktentwicklung und der Product Discovery anderes bewirken kann als viele andere "klassische" Austauschformate. In vielen Unternehmen sitzen Product Owner, Entwickler:innen, UX und Führungskräfte zwar regelmäßig zusammen in Meetings oder Reviews. Und doch bleiben Erfahrungen oft in einzelnen Teams hängen. Dort setzt der Experience Market an. Menschen sprechen strukturiert über echte Situationen aus ihrem Alltag und machen sichtbar, was funktioniert hat, wo Unsicherheit entsteht und welche Probleme sich über Teams hinweg wiederholen. Der Experience Market lebt davon, dass viele Perspektiven gleichzeitig zusammenkommen. Dominique beschreibt das anhand der Product Owner Days in Köln, bei denen im Rahmen einer Abendveranstaltung rund 200 Teilnehmende gemeinsam an verschiedenen Themenstationen gearbeitet haben. Statt Frontalvorträgen oder vorbereiteten Präsentationen entstehen Gespräche direkt an großen Boards. Dort sammelten die Gruppen ihre Erfahrungen zu Themen wie Outcome-Orientierung, Zusammenarbeit oder Product Ownership. Entscheidend ist dabei, dass nicht nur Erfolge sichtbar werden. Auch gescheiterte Ansätze oder schwierige Situationen gehören bewusst dazu. Gerade dadurch entstehen oft die wertvollsten Diskussionen. Wichtig und spannend ist beim Experience Market vor allem die Dynamik zwischen den einzelnen Gruppen. Menschen wechseln während des Formats in drei Runden zwischen verschiedenen Stationen und bringen neue Gedanken mit. Eine Gruppe ergänzt, was die vorherige begonnen hat. Andere widersprechen oder erweitern bestehende Perspektiven aus ihrer eigenen Praxis. Dadurch entsteht kein starres Ergebnisdokument, sondern ein gemeinsamer Erfahrungsraum. Viele Organisationen unterschätzen, wie viel Wissen bereits intern vorhanden ist. Häufig fehlt lediglich ein Rahmen, in dem dieses Wissen sichtbar und anschlussfähig wird. Tim beschreibt dabei seine Beobachtung, die viele Produktmenschen kennen mögen. In klassischen Workshops sprechen oft dieselben Personen. Beim Experience Market entsteht dagegen Bewegung im Raum und damit auch Bewegung im Denken. Die Gastgeber:innen der einzelnen Stationen moderieren nicht im klassischen Sinn. Sie sorgen dafür, dass Gespräche entstehen, Gedanken dokumentiert werden und andere Gruppen später nachvollziehen können, warum bestimmte Themen relevant waren. Genau diese Verbindung aus Austausch, Sichtbarkeit und gemeinsamer Reflexion macht den Experience Market für größere Produktorganisationen interessant. Besonders relevant wird der Experience Market dann, wenn Unternehmen ihre Produktarbeit stärker miteinander verzahnen wollen. Viele Teams kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen, ohne voneinander zu lernen. Diskussionen über Outcome Orientierung, Stakeholder oder Produktstrategie finden parallel statt, aber oft isoliert voneinander. Der Experience Market schafft dafür einen gemeinsamen Raum. Nicht als einmaliges Event mit Hochglanzcharakter, sondern als Arbeitsformat, das Menschen miteinander ins Gespräch bringt und Erfahrungen greifbar macht. Ältere Folgen, auf die im Gespräch verwiesen wird: - Mit "Jobs to Be Done"-Interviews zum besseren Kundenverständnis (JTBD) - Welche Aufgaben gehören zur Product Owner Rolle? Product Ownership Context Canvas (POCC) Habt ihr schonmal vom Experience Market gehört oder sogar teilgenommen? Was sind eure Erfahrungen und Meinungen zu diesem Format? Teilt eure Geschichten und Erfahrungen doch mit uns und der Community. Hinterlasse gerne einen Kommentar unterm Blog-Artikels oder auf unserer Produktwerker LinkedIn-Seite.

    49 min
  5. May 18

    Was verändert sich gerade im Produktmanagement? Und was bleibt wichtig? Wie die "Product at Heart" diese Fragen angeht

    Gewinne ein Konferenzticket für die "Product at Heart": produktwerker.de/gewinnspiel/ Arne Kittler, einer der Gründer der "Product at Heart" Konferenz (früher bekannt als "MTP Engage"), spricht mit Tim über die Frage, was sich im Produktmanagement gerade grundlegend verändert und welche Fähigkeiten trotzdem unverzichtbar bleiben. Viele Teams spüren aktuell Druck aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Wirtschaftliche Unsicherheit trifft auf neue technische Möglichkeiten durch generative KI und agentische Systeme bzw. agentic AI. Dadurch verändern sich Werkzeuge, Arbeitsweisen und Erwartungen an Produktmenschen quasi alle parallel. Arne beschreibt, warum sich diese Phase anders anfühlt als frühere Umbrüche rund um agile Methoden, Mobile oder Remote Arbeit und wie dies auf der Product at Heart thematisiert werden wird. Wer aktuell Verantwortung für ein Produkt trägt, erlebt oft widersprüchliche Erwartungen. Einerseits sollen Teams schneller liefern und neue Technologien ausprobieren. Andererseits fehlt vielen Organisationen eine klare Vorstellung davon, welche Probleme sie damit eigentlich lösen wollen. Genau dort setzt für Arne Kittler gute Produktarbeit an. Klarheit entsteht nicht durch neue Frameworks oder zusätzliche Prozesse. Sie entsteht, wenn Produktteams sauber unterscheiden zwischen kurzfristiger Begeisterung und echtem Nutzen für Kundinnen und Kunden. Im Produktmanagement zeigt sich das besonders deutlich in Discovery Arbeit, Priorisierung und strategischen Entscheidungen. Viele Diskussionen drehen sich heute um KI Funktionen. Die schwierigere Frage bleibt jedoch, welches Verhalten oder welches Bedürfnis sich dadurch wirklich verändert. Spannend ist der Blick auf die Themen, die trotz aller Veränderungen stabil bleiben. Arne spricht darüber, dass Unsicherheit schon immer Teil von Produktmanagement war. Neu ist eher die Geschwindigkeit, mit der sich Annahmen über Märkte, Nutzerverhalten und technische Möglichkeiten verschieben. Gerade deshalb gewinnen Fähigkeiten wie 'Orientierung geben', 'Verantwortung übernehmen' und 'gute Entscheidungen unter Unsicherheit treffen' weiter an Bedeutung. In vielen Unternehmen entstehen Probleme nicht wegen fehlender Technologie. Sie entstehen, weil Teams den Kontakt zu ihren Nutzerinnen und Nutzern verlieren oder weil Produktentscheidungen nur noch aus internen Erwartungen heraus entstehen. Moderne Werkzeuge und KI lösen dieses Problem nicht automatisch. Auch die Diskussion rund um Karrieren im Produktmanagement bekommt dadurch eine neue Richtung. Viele Produktmenschen fragen sich momentan, welche Rolle sie künftig noch spielen, wenn Analyse, Dokumentation oder Konzepte zunehmend automatisiert entstehen. Arne Kittler schaut darauf deutlich differenzierter: Wer Produktmanagement auf Ticketpflege oder reine Verwaltung reduziert, wird austauschbar. Wer dagegen Zusammenhänge erkennt, schwierige Gespräche moderiert und aus Unsicherheit Orientierung entwickelt, bleibt wertvoll. Besonders in größeren Organisationen zeigt sich oft, wie wichtig diese Fähigkeiten bleiben. Dort treffen wirtschaftliche Ziele, technische Möglichkeiten und unterschiedliche Interessen permanent aufeinander. Gute Produktmenschen schaffen es, daraus sinnvolle Entscheidungen für das Produkt abzuleiten. Die diesjährige Product at Heart Konferenz greift genau diese Spannungen auf. Das Motto "What changes? What remains?" beschreibt sehr gut, worum es im Produktmanagement gerade geht. Viele Methoden und Werkzeuge verändern sich sichtbar. Gleichzeitig bleiben Verantwortung, Kundennähe und der Umgang mit Unsicherheit zentrale Bestandteile guter Produktarbeit. Deshalb konzentriert sich die Diskussion nicht ausschließlich auf KI. Auch Themen wie Produktstrategie, Zusammenarbeit oder die Suche nach Klarheit im Alltag behalten ihren Platz. Wenn ihr direkt mit Arne Kittler Kontakt aufnehmen wollt, erreicht ihr ihn über sein LinkedIn-Profil oder über die Website seiner Firma Hey Clarity (hey-clarity.com)

    52 min
  6. May 11

    Was kann AI im Produktmanagement heute schon wirklich?

    Markus Andrezak spricht in dieser Folge mit Tim über AI im Produktmanagement und was man nach aktuellem Stand bereits alles damit als Produktmensch schon machen kann. Dabei kommen sie schnell zu einer Beobachtung, die viele Teams gerade im Alltag spüren. Während früher ein Großteil der Energie in Backlogpflege, Refinements und die Vorbereitung für die Entwicklung floss, verändert sich heute der Engpass in der Produktentwicklung. Wenn Code schneller entsteht und technische Umsetzung weniger Zeit kostet, geraten andere Fragen in den Vordergrund. Welche Probleme sind wirklich relevant? Wo entsteht echter Nutzen für Nutzerinnen und Nutzer? Und woran erkennt ein Produktteam früh genug, ob eine Idee überhaupt trägt? AI im Produktmanagement verändert damit nicht einfach einzelne Aufgaben. Die Verschiebung geht tiefer. Viele Produktmenschen arbeiten noch mit Routinen aus einer Zeit, in der Entwicklungskapazität der knappste Faktor war. Deshalb drehen sich Prozesse oft um Priorisierung, (politische) Absicherung und detaillierte Übergaben. Markus beschreibt, warum genau dieses Denken gerade unter Druck gerät. Wenn Teams innerhalb kürzester Zeit Prototypen bauen oder Produktideen testen können, verliert das aufwendige "Verwalten" von Anforderungen an Bedeutung. Dafür steigt der Druck, schneller gute Entscheidungen zu treffen und Unsicherheit besser auszuhalten. Wie Markus im Gespräch erwähnt, gibt es beim AI Thema immer wieder Parallelen zur frühen Internetzeit. Viele Regeln entstehen gerade erst. Rollen verändern sich. Praktiken werden neu sortiert. Genau deshalb wirkt AI im Produktmanagement momentan gleichzeitig chaotisch und voller Möglichkeiten. Wer heute schon nach fertigen Antworten sucht, wird schnell frustriert. Wer dagegen bereit ist zu experimentieren, Arbeitsweisen zu hinterfragen und eigene Erfahrungen zu sammeln, entdeckt schon jetzt konkrete Chancen für bessere Produktarbeit. Besonders spannend wird es dort, wo AI im Produktmanagement heute bereits praktisch schon eingesetzt wird. Nicht als magischer Ersatz für Produktarbeit, sondern als Werkzeug im täglichen Denken und Ausprobieren. Markus erzählt von Situationen, in denen Produktteams mit AI sehr schnell unterschiedliche Lösungsansätze erzeugen, Annahmen hinterfragen oder neue Perspektiven auf Nutzerprobleme gewinnen. Gerade in frühen Discovery-Phasen entsteht dadurch Tempo. Gleichzeitig aber warnt er davor, Geschwindigkeit mit Qualität zu verwechseln. Denn viele Teams produzieren plötzlich mehr Ideen, mehr Konzepte und mehr Artefakte, ohne klarer zu verstehen, welches Problem sie eigentlich lösen wollen. Product Owner sitzen oft zwischen Stakeholder-Erwartungen, Delivery-Druck und strategischen Fragestellungen. AI im Produktmanagement verschärft diese Spannung teilweise sogar. Wenn technische Umsetzung leichter wird, steigen häufig die Erwartungen aus dem Umfeld. Dann entsteht schnell die Vorstellung, dass Produktteams nun einfach deutlich mehr liefern müssten. Genau an diesem Punkt lohnt sich der Blick auf Wertschöpfung statt Auslastung. Markus und Tim sprechen darüber, warum Fokus gerade jetzt wichtiger wird und weshalb Produktmenschen lernen müssen, mit den neuen Möglichkeiten bewusst umzugehen statt jedem Hype hinterherzulaufen. Hier gehts zu Infos und Anmeldung zum beschriebenen Kurs "The AI Augmented PM" von Markus: academy.ueberproduct.de Zu diesem Thema passen diese älteren Episoden bzw. z.T. wurden diese Themen auch erwähnt: - Warum scheint die Product Owner Rolle so schwer zu sein? (ganz frühe Folge mit Markus Andrezak - immer noch sehr aktuell) - Mit dem Kano-Modell Kundenbedürfnisse besser verstehen Weitere Folgen mit Markus Andrezak: - Produktstrategie in die Praxis bringen - Unterschiedliche Strategieansätze - Gemeinsamkeiten und Unterschiede - Business- oder Nutzersicht: Welchen Blickwinkel sollte ein PO einnehmen?

    1h 13m
  7. May 4

    Product Portfolio Management

    Dominique und Tim sprechen in dieser Folge über Product Portfolio Management (auch: Produktportfolio Management oder PPM) und nehmen dabei eine Perspektive ein, die viele aus ihrem Alltag sofort wiedererkennen: Du sitzt im Refinement für dein Produkt, verteidigst Prioritäten und versuchst, dein Team auf die nächsten Schritte auszurichten. Gleichzeitig weißt du, dass neben dir andere Produktteams an anderen Themen arbeiten, aber auf die gleichen Ressourcen zugreifen müssen. Genau in diesen Situationen zeigt sich, ob ein Produktportfolio wirklich aktiv gesteuert wird oder ob Produkte einfach nebeneinander existieren und sich gegenseitig ausbremsen bzw. um Ressourcen konkurrieren. Ein Produktportfolio entsteht nicht erst durch eine bewusste Entscheidung. Es ist in vielen Organisationen schlicht die Realität, sobald mehrere Produkte parallel entwickelt werden. Spannend wird es erst bei der Frage, wie bewusst damit umgegangen wird. Häufig bleibt jedes Produkt für sich optimiert, während die übergreifende Perspektive fehlt. Teams verbessern Features, Product Owner treiben ihre Backlogs voran und trotzdem bleibt unklar, ob die Gesamtorganisation ihre Ressourcen sinnvoll einsetzt. Genau hier beginnt Product Portfolio Management, weil es die Brücke zwischen Unternehmensstrategie und den einzelnen Produktentscheidungen schlägt. In der Praxis zeigt sich schnell ein typisches Muster. Ohne klares Product Portfolio Management entscheiden nicht Wirkung und Strategie, sondern Lautstärke, Hierarchie und Durchsetzungsfähigkeit von Einzelpersonen. Das Produkt mit den meisten (oder stäksten) Stakeholdern gewinnt Aufmerksamkeit, während andere Themen liegen bleiben. Diese Dynamik führt dazu, dass Organisationen zwar viel entwickeln, aber nicht unbedingt das, was sie wirklich voranbringt. Ein Produktportfolio braucht daher mehr als eine Liste von Produkten. Es braucht eine gemeinsame Richtung, in die bewusst gesteuert wird und aktive Entscheidungen wo Zeit, Budget und Energie eingesetzt werden. Besonders greifbar wird das, wenn man den Blick auf die eigene Organisation richtet. Auch kleinere Setups mit wenigen Angeboten stehen ständig vor der Entscheidung, worauf sie ihren Fokus legen. Zeit fließt in bestimmte Formate, andere Themen werden bewusst zurückgestellt. Diese Entscheidungen passieren nicht zufällig, sondern sind Ausdruck eines Produktportfolio Denkens, selbst wenn es nicht explizit so benannt wird. Für Product Owner und Produktmanager entsteht hier oft ein Spannungsfeld. Sie sehen das Potenzial ihres eigenen Produkts, stoßen aber an Grenzen, weil die Organisation an anderer Stelle bewusst investiert. Hierdurch wird deutlich, warum Product Portfolio Management mehr ist als ein theoretisches Konzept. Es beeinflusst ganz konkret, welche Ideen umgesetzt werden und welche liegen bleiben. Für dich als Produktverantwortliche oder Produktverantwortlicher bedeutet das, nicht nur dein eigenes Produkt im Blick zu haben. Du brauchst ein Verständnis dafür, wie dein Produkt in das gesamte Produktportfolio passt und welchen Beitrag es zur strategischen Ausrichtung leistet. Ohne diesen Blick bleibt viel Energie in lokalen Optimierungen stecken, während die eigentliche Wirkung auf Organisationsebene ausbleibt und ein globales Suboptimum entsteht. Folgende ältere Episoden wurden im Gespräch erwähnt: - Product Owner im skalierten Umfeld - Mit mehreren Product Roadmaps arbeiten? - Product Principles Wie bewusst wird bei euch entschieden, in welche Produkte ihr investiert und welche Themen ihr liegen lasst? Habt ihr Situationen erlebt in denen gutes oder schlecht Product Portfolio Management einen echten Unterschied gemacht hat? Teilt eure Geschichten und Erfahrungen doch mit uns und der Community. Hinterlasse gerne einen Kommentar unter dem Blog-Artikels auf unserer Website oder auf unserem Produktwerker LinkedIn-Beitrag.

    40 min

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Im Podcast der Produktwerker besprechen wir Themen rund um die Rolle des Product Owners. Dazu tauschen wir uns nicht nur untereinander aus, sondern sprechen auch mit interessanten Gesprächspartnern aus allen möglichen Themenbereichen von Product Ownern. Die Produktwerker sind Tim Klein (@produktwerkCGN), Oliver Winter (@oliwin) und Dominique Winter (@designik). Als Experten für Produktentwicklungen haben wir uns in der agilen Community Kölns kennen und schätzen gelernt. Wir drei wollen die Kompetenz von Product Ownern und Produktorganisationen fördern, bessere Produkte und Services zu entwickeln. Wir freuen uns über Euer Feedback auf produktwerker.de, per Mail an podcast@produktwerker.de oder via Twitter an @produktwerker.

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