Warum gibt es Wahrnehmungsfehler? „Wir alle haben Unconscious Bias.“ Unser Hirn ist permanenten Reizen ausgesetzt und bräuchte enorm viel Energie, um jeden Reiz einzuordnen, zu bewerten und zu verarbeiten. Um Energie zu sparen, hat das Hirn Wahrnehmungsfilter entwickelt, die uns ermöglichen wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden und handlungsfähig zu sein. Wenn wir beispielsweise durch die Fußgängerzone gehen, ordnen wird Objekte und Personen in Kategorien ein, bewerten diese blitzschnell und können dann darauf reagieren. Zum Beispiel verschiedene Geschlechter, äußere Erscheinung (Trikots, Tätowierungen, Piercings, Anzüge, Uniformen), Gestik, Mimik et. Und so können wir unbewusst auf Situationen reagieren, bevor wir ausführlich darüber nachdenken. Alles, was wir unter Bias verstehen, befindet sich in System 1. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann hat sich intensiv mit Wahrnehmungsfehlern beschäftigt. In seinem Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken.“, beschreibt er zwei Systeme. System 1 steht für das schnelle Denksystem und System 2 für das langsame Denksystem. Für die Lösung einer Matheaufgabe, wie 2 + 2, brauchen wir nicht lange nachzudenken, weil System 1 recht autonom das Ergebnis liefert. Bei einer komplexeren Aufgabe wie 13 x 7 : 2,5, bedarf es einer bewussten Auseinandersetzung und Konzentration, wozu wir System 2 verwenden und mehr Energie benötigen. Die Forschung zeigt, dass wir viel mehr in System 1 operieren, als uns bewusst ist. Denn wir treffen Entscheidungen überwiegend schnell aufgrund unseres Erfahrungshintergrundes und weniger aufgrund einer objektiven Faktenbasis. Und so erklären sich eben Wahrnehmungsfehler, weil das Handeln durch die unbewussten Vorurteile geprägt ist. Und viele dieser System 1 Entscheidungen sind wirklich richtig gut. Allerdings gibt es auch genug Situationen, in denen das System 1 zu Fehlentscheidungen führt. Der Halo-Effekt kann Personalauswahl beeinflussen Im Recruiting kann es passieren, dass Personen aufgrund ihrer äußeren Erscheinung oder eines Merkmals, bestimmte Eigenschaften zugewiesen bekommen, obwohl über die Person nur wenig bekannt ist. Es findet eine unbewusste Stereotypisierung statt, die dann hinderlich für den Auswahlprozess ist. Vielleicht wird mit einer attraktiven Person auch gleichzeitig Leistungs- oder Teamfähigkeit verbunden. Mit einer weniger gepflegten Person Unzuverlässigkeit und weniger Engagement. Hier nimmt das Hirn eine gefährliche Abkürzung, die es zu erkennen gilt. Bestätigungsfehler, Confirmation Bias Wir entwickeln kontinuierlich (bewusst oder unbewusst) Annahmen und Thesen, die uns helfen, eine Entscheidung zu treffen. Die wenigste Energie verbraucht das Hirn dann, wenn die aufgestellte These bestätigt wird. Wir speichern eine Erfahrung oder ein Muster ab, so dass wir demnächst direkt handeln können ohne lange nachzudenken. Dies zeigt sich am Beispiel von sozialen Medien. Wenn ich eine Information „like“, spielen Algorithmen weitere ähnliche Inhalte aus, die mein Interesse bestätigen. Dabei werden Informationen vernachlässigt, die meiner These widersprechen oder dieser diametral gegenüberstehen. Irgendwann befindet sich der User in einer „bubble“, die nur noch die eigene Meinung und die eigenen Vorurteile bestätigt, ohne weitere Fakten zu berücksichtigen. Wir sind dem Bestätigungsfehler auf den Leim gegangen. „Es gibt keinen systematischen Zusammenhang zwischen Alter und Leistung.“ Alters- oder Generationenstereotype begleiten unseren Arbeitsalltag. New Work und Agilität werden mit einem jugendlichen Stereotyp belegt. Somit hätten ältere MitarbeiterInnen kaum eine Chance, in heterogenen Teams Fuß zu fassen, würde man diesen Vorurteilen folgen. Dabei liefern alle Beteiligten Erfahrungen und Talente und steigern damit das gemeinsame Potenzial. Und gerade in komplexen und kreativen Projekten, profitiert ein Team von Diversität.