Wer entscheidet, welche Themen auf die Agenda kommen, welche Geschichten erzählt werden und welche Perspektiven sichtbar sind? Und wie gleichberechtigt sind die Karrierechancen der Menschen, die im Journalismus arbeiten? Medien prägen unseren Blick auf die Gesellschaft. Deshalb betrifft Gleichstellung im Journalismus uns alle: Es macht einen Unterschied, wer in Redaktionen mitentscheidet, Themen setzt und Führungsverantwortung übernimmt. Wir sprechen mit Helena Ott, Vorstandsvorsitzende von ProQuote Medien, über Macht und Repräsentation, faire Karrierechancen und die Hürden, denen Journalistinnen begegnen. Es geht um Themenauswahl und Sprache, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Frage, was Redaktionen verändern können, damit Gleichstellung vorankommt. Als ProQuote Medien 2012 gegründet wurde, lag der Frauenmachtanteil in den untersuchten Leitmedien bei knapp 14 %. Seither hat sich viel bewegt. Doch seit Januar 2024 sinkt der Anteil bei jeder neuen Halbjahreszählung – inzwischen zum fünften Mal in Folge. Im Juli 2026 liegt er bei 37,3 %. (Quelle: ProQuote Medien) ProQuote Medien e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, getragen von Journalistinnen, die sich für Gleichberechtigung im Journalismus einsetzen. Er versteht sich als intersektional und queerfeministisch. Mit halbjährlichen Zählungen macht der Verein sichtbar, wie die redaktionelle Führungsmacht in den untersuchten deutschen Leitmedien verteilt ist. Dabei werden Positionen nach ihrer Hierarchie gewichtet: Je höher die Position, desto stärker zählt sie im Frauenmachtanteil. Die Forderung von ProQuote Medien: 50:50 in journalistischen Führungspositionen – für Frauen in all ihrer Diversität, mehr weibliche Perspektiven, faire Karrierechancen und faire Bezahlung. Helena Ott ist seit Juni 2026 Vorstandsvorsitzende des Vereins. Besonders wichtig ist ihr, die Benachteiligung junger Frauen und Mütter abzubauen. Mutterschaft darf kein Karrierehindernis sein. Sie setzt sich für vielfältigere Perspektiven und professionelle Auswahlverfahren ein, die Vorurteile erkennen und Benachteiligungen entgegenwirken. Seit 2023 arbeitet Helena als freie Journalistin in München, unter anderem für DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung, fluter, die Abendzeitung und Brigitte. Zuvor war sie vier Jahre bei der Süddeutschen Zeitung tätig, zuletzt in der Wirtschaftsredaktion. Ihre Schwerpunkte sind soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch, Feminismus, Arbeit, Sozialpolitik, Migration und demokratische Teilhabe. Foto: © Helena Ott Die Audiobearbeitung dieses Podcasts erfolgte mit KI-Unterstützung.