Mama • Baby • Blase

Barbara Walcher, Lydia Grossgasteiger

Barbara Walcher, EEH (Emotionelle Erste Hilfe) Therapeutin, und ich, Lydia, sprechen über Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre mit Baby. Dabei beziehen wir uns auf jene Themen, die in diesem Zeitraum präsent sind und auch mich als Mama bewegen.  Wir beide begeben uns auf eine Reise, wo wir selbst noch nicht wissen, wo sie uns hinführen wird. Auf dieser Reise möchten wir euch mitnehmen. Wir versuchen Themen offen zu begegnen und Worte zu finden, wo manchmal Worte noch fehlen. Dabei schauen wir auf Themen, die gerade in meinem Muttersein und in Barbaras Praxis wiederkehrend sind. Wir werden auf physiologische Entwicklungsthemen der Kinder blicken und unsere Ansprüche und Erwartungen hinterfragen.  Wir wissen, dass Familie so vieles sein kann und dass das Leben mit Kindern so bunt und verschieden ist, wie es eben Familien gibt. Daher ist uns bewusst, dass wir all diesen Realitäten nicht gerecht werden können. Wir möchten dich, liebe Zuhörerin, einladen, daraus das mitzunehmen, was für dich passt. Alles andere lass einfach hier. 

  1. Sep 18

    #60 Überlebensmuster

    Warum reagieren wir manchmal heftiger, als die Situation es eigentlich verlangt – gerade bei den Menschen, die uns am nächsten stehen: unseren Kindern?In dieser Folge schauen wir auf die menschlichen Grundbedürfnisse: nach körperlichem Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Bindung, Sicherheit, Wertschätzung und Autonomie. Sind diese Bedürfnisse gut versorgt, können wir uns verbunden, sicher und handlungsfähig erleben. Doch für die eigenen Bedürfnisse einzustehen und gut für sich zu sorgen, fällt gerade Eltern oft schwer. Denn dabei stoßen wir auf alte Prägungen. Erfahrungen aus unserer frühen, noch präverbalen Kindheit können sich tief in unser Nervensystem einschreiben und später unser Verhalten beeinflussen. Dann übernimmt der Autopilot: Wir wissen genau, wie wir eigentlich reagieren möchten – und tun im entscheidenden Moment doch etwas anderes. Alte Überlebensmuster springen an.Wir sprechen darüber, wie solche Muster entstehen und über Generationen weitergegeben werden, warum Wissen allein oft nicht ausreicht, um etwas zu verändern, und weshalb es neue Erfahrungen und manchmal die liebevolle Begleitung eines anderen Menschen braucht, damit alte Verletzungen integriert werden können. Denn Veränderung beginnt dort, wo wir mit dem, was in uns geschieht, nicht mehr allein sind: wo unser Schmerz gesehen, verstanden und gehalten wird. Das verändert nicht nur unseren Umgang mit uns selbst, sondern auch den mit unseren Kindern.In der nächsten Folge knüpfen wir hier an und konkretisieren: Wie kann ein konstruktives Miteinander gelingen, wenn mehrere Generationen unter einem Dach leben? Wir freuen uns auf euch!

  2. Aug 14

    #59 Was der Körper erzählt

    Ereignisse können zu jedem Zeitpunkt im Leben als Trauma erfahren werden, wobei nicht jede Krise automatisch ein Trauma ist. Barbara erklärt, wie sich traumatische Erfahrungen erkennen lassen und warum sie gerade in Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit oft wortlos bleiben, lediglich als Gefühl im Körper gespeichert, dessen Auswirkungen sich manchmal erst Jahre später zeigen. Sie stellt die Arbeit der Emotionellen Ersten HIlfe (EEH) vor, die Körper und Bindungsdynamiken als zentralen Ansatz hat. Es geht dabei um ein bewusstes, anerkennendes Einbeziehen dessen, was der Körper erzählt. Diese Körpersprachlichkeit wird ernst genommen und befürsorgt. Weiters werden wir in dieser Folge darüber reden, wie sich Trauma zeigt. Wir sprechen dabei über Gefühle wie Taubheit, Ohnmacht, Kontrollverlust und einen damit einhergehenden Verlust der Bindungsfähigkeit. Werden solche Erfahrungen nicht integriert, lauern sie im Hintergrund und treten, verursacht durch äußere Reize, unkontrolliert und wuchtig über wiederkehrende Körperreaktionen an die Oberfläche. In jeder Lebensphase können solche alte Erfahrungen reaktiviert werden. So können auch werdende bzw. gebärende Eltern, verursacht durch vorangehende Schwangerschafts- und Geburtserfahrungen, davon betroffen sein. Mütter, Väter, Kinder, kurzum: Jede:r einzelne erlebt rund um Schwangerschaft und Geburt das jeweilige Ereignis individuell und subjektiv. Ob dieses als traumatisch erlebt wurde, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Aus diesem Grund setzt die EEH ganzheitlich an und arbeitet mit Eltern und Kind gemeinsam. Dabei gilt es, zunächst die Eltern zu sichern, damit sie in einem nächsten Moment, wenn das Kind über den Körperausdruck von seinem Erlebten erzählt, haltgebend und offenen Herzens zuhören und für das Kind da sein können. Abschließend sprechen wir darüber, wie Traumaintegration gelingen kann. Langsamkeit, Anerkennung und Verbundenheit sind dabei zentrale Begleitungsansätze der EEH. Für alle, die mehr über die EEH erfahren möchten, gibt es hier weiterführende Informationen: www.emotionelle-erste-hilfe.org . Darüber können auch EEH-Beraterinnen gefunden werden.

  3. Jun 12

    #58 Schlafen

    Auch bei dieser Folge kann es vereinzelt zu Tonqualitätsproblemen kommen. Wir bitten um euer Verständnis. Das Thema kindlicher Schlaf bleibt herausfordernd für Eltern. Aus diesem Grund haben unsere 2. Podcastfolge 2021 bereits diesem Thema gewidmet. Der Schwerpunkt darin ist die Schlafphysiologie. In dieser Folge gehen wir einen Schritt weiter: Wir schauen uns an, wie sich Schlaf in verschiedenen Lebensphasen verändert, was gesunder Schlaf bedeutet und was im Schlaf passiert. Außerdem werfen wir einen kritischen Blick auf die Produkte, die der Markt verspricht, um den Schlaf zu verbessern mit der Fragestellung wie sinnvoll diese wirklich sind. Einen besonderen Augenmerk legt Barbara darauf, was Eltern, vor allem mit Babys oder Kleinkindern, brauchen, um selbst zu ausreichend erholsamem Schlaf zu kommen. Die Schlafqualität wird von vielen Faktoren beeinflusst unter anderem von der jeweiligen Entwicklung, gesundheitlichem Zustand oder Hormonstatus. Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Schlafphasen: den regenerativen und den integrativen Schlaf. Im integrativen Schlaf verarbeitet der Mensch Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke: Erlebtes wird gespeichert, gefestigt oder aussortiert. Weitaus bekannt ist aus diesem Grund die Empfehlung, mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen auf Bildschirmzeit zu verzichten. Das blaue Licht der Geräte hemmt die Melatoninbildung und dieser digitale Konsum führt zu anhaltender Reizüberflutung mit entsprechender Dopaminausschüttung. Beides hat eine negative Auswirkung auf die Schlafqualität sowie den natürlichen Schlafrhythmus. Das Risiko für Schlaflosigkeit und einer damit einhergehenden Erschöpfung steigt sowohl bei den Kinder als auch bei den Eltern.  Barbara nimmt uns in ihren Ausführung mit zu den Erfahrungen aus ihrer Praxis: Viele Mütter fühlen sich erschöpft und leiden an einem chronischen Schlafmange. Oft fehlt es ihnen schwer den Partner oder eine andere Bezugsperson aktiv einzubinden. Sie vergessen dabei: Entlastung ist möglich. Unabhängig davon, wie eine Mutter ihr Kind ernährt, darf sie sich erlauben, die Fürsorgearbeit zeitweise. Das gilt auch für das Stillen: Stillen und Erholung schließen einander nicht aus.  Dabei gilt: Gut auf die eigenen Ressourcen zu achten, das eigene Energieniveau im Blick zu behalten und für sein eigenes Wohlergehen Sorge zu tragen. Denn nur wer selbst in seiner Kraft ist, kann gut für sein Kind sorgen. sich Schließlich ist es für das Kind von grundlegender Bedeutung, dass es den Eltern gut geht. Im Alltag ist das leichter gesagt als getan. Viele Eltern haben hohe Ansprüche an sich selbst und gehen dabei weit über ihre eigenen Grenzen hinaus. Manchmal braucht es genau diese Erfahrungen, um sich selbst besser kennenzulernen, seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen, Grenzen zu wahren und Warnsignale frühzeitig bewusst wahrzunehmen. Es ist die Basis für ein tragendes, wohliges Miteinander.

  4. May 8

    #57 Nähe und Distanz

    Hinweis: Bei dieser Aufnahme gab es technische Schwierigkeiten, weshalb die Tonqualität stellenweise holprig ist. Gesellschaftliche Angst vor dem Verwöhnen In unserem Kulturkreis ist Autonomie ein hohes Gut. Viele Eltern befürchten, ihr Kind zu verwöhnen oder zur Unselbstständigkeit zu erziehen, zum Beispiel wenn es im Elternbett schläft oder im Tragetuch getragen wird. So werden Kinder oft  in eine Selbstständigkeit gedrängt, die ihrer Entwicklung nicht angemessen ist. Elterliche Interaktionen rund um Schlafen, Essen oder körperlicher Nähe entsprechen dabei häufig nicht den individuellen Bedürfnissen, weder jenes des Kindes noch jenen der Eltern. Sie entstehen über Vorstellungen, wie ein Kind sich verhalten sollte, nicht selten aufgrund einer gesellschaftlichen "Norm".  Was Autonomie wirklich bedeutet Autonomie bedeutet Selbstbestimmung. Es ist das Erleben, dass ich auf etwas einwirken kann. Das zeigt sich bereits bei der Geburt, vorausgesetzt diese kann sich aus eigener Kraft heraus stärkend entfalten. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, Dinge aus eigener Kraft zu schaffen. Kinder zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr haben dafür ein klares Lieblingswort: alleine. Sie wollen Dinge 'lleine tun:  gehen, Treppen steigen, Schuhe anziehen, essen. Für Eltern ist das ein täglicher Balanceakt: Wann kann ich dem Kind was zutrauen? Wo benötigt es noch Unterstützung? Wo liegen die Grenzen dessen, was noch zu gefährlich ist? Das ist komplex und erfordert in vielen Situationen ein sorgfältiges Abwägen. Was sichere Bindung bedeutet Eine hilfreiche Metapher in Bezug auf eine tragende Bindung ist das Bild des Hafens. Es bedeutet, dass das Kind über die Eltern Orientierung und Sicherheit erfährt. Sie sind für das Kind der zentrale Referenzpunkt. Von diesem Zentrum aus erkundet es die Welt. Zunächst entfernt es sich nur wenige Meter. Immer wieder dreht es sich dabei um, sucht den Blickkontakt zur Bindungsperson um sich rück zu versichern und zu entscheiden, geht es weiter hinaus in die Welt oder kehrt es zurück zum vertrauten Hafen. Das Kind bewegt sich weg mit der Gewissheit, dass der Hafen bleibt. Dies können wir bereits bei der Geburt beobachten: In dieser Welt gelandet sucht es die vertraute Andockstelle. Über die mütterliche Stimme, ihren Geruch, ihren Herzschlag und dem Rhythmus ihrer Atmung findet es den Weg und dockt im besten Fall unmittelbar nach dieser abenteuerlichen Reise erneut bei ihr an. Aufgetankt und gerastet erkundet es weiter, bewegt sich zum nächsten vertrauten Elternteil. Es folgt seinem Entdeckungs- und Neugierdedrang, kurzum seinem Autonomiebedürfnis. Dieses Muster wiederholt sich: weg vom Zentrum nach außen, zurück zum Zentrum und im nächsten Moment wieder weiter hinaus in die Welt. Diese Erfahrung von Nähe und Distanz wiederholt es. Immer und immer wieder. Bis es irgendwann mutig sich alleine hinauswagt um die Welt zu umsegeln, immer mit dem Wunsch und dem Vertrauen, irgendwo neu andocken zu können.  Was Kinder uns lehren In dem Moment, in dem wir uns für die Elternschaft entscheiden, sind wir gefordert neue Sichtweisen zu erfahren. Das ist herausfordernd, weil wir dabei vielem begegnen, mit dem wir nicht gerechnet haben. Es kann uns helfen, dieses Neue als Entwicklungsmöglichkeit zu begreifen, uns zu öffnen für das, was ungeplant über die Kinder in unser Leben kommt. Wir bekommen als Eltern ein breit gefächertes Übungsfeld im Umgang mit Angst, dem Zutrauen und dem Loslassen von Kontrolle. Über diese Auseinandersetzung entsteht Verbundenheit. Wir lernen uns in neuen Facetten kennen, Körpererinnerungen führen uns zu hilfreichen Erkenntnissen, erfahren, dass uns das Leben selbst jenseits unseres Wissens vieles lehrt. Manchmal sind es auch Schicksalsschläge, die uns fordern anzunehmen, was größer ist als wir erfassen können, lassen uns bewusst werden, dass wir das Wesentliche trotz aller Technologie nach wie vor nicht kontrollieren können. Und bei gewissen Ereignissen dürfen wir spüren, dass wir getragen sind von Liebe und Verbundenheit, jenseits von Sichtbarkeit und Messbarkeit.

  5. 12/12/2025

    #56 Wieviel Körpernähe ist gesund?

    Körperliche Nähe ist ein menschliches Grundbedürfnis. Dennoch fragen wir uns immer wieder: Wie viel Nähe ist gesund? Was bedeutet Verwöhnen? Wo beginnt gesunde, wo überfordernde Körpernähe? Spätestens während der Coronapandemie, in der Körperkontakt plötzlich als Gefahr deklariert wurde, wurde deutlich, wie sehr uns Berührung fehlt. Zugleich zeigen zahlreiche Studien auf, inwieweit körperliche Nähe weitreichende Auswirkungen auf unsere soziale, kognitive, emotionale und körperliche Entwicklung hat. Bereits Babys und Kleinkinder senden deutliche Signale, wenn sie Körperkontakt wünschen. Besonders in den ersten Lebensjahren ist dieses Bedürfnis stark ausgeprägt. Mit zunehmendem Alter wird Körpernähe nicht weniger wichtig, aber sie braucht bewusster gestaltete Momente. Körpernähe ist dann gesund, wenn beide Beteiligten sich dabei wohlfühlen. Wir spüren sehr schnell, wenn Zuwendung nur halbherzig geschieht. Deshalb ist es wichtig, gut auf die eigene Körperwahrnehmung zu hören. Das Bild einer Ampel kann dabei helfen: Sind wir auf Grün? Passt es gerade für uns? Manchmal braucht es eine Phase der Annäherung, bevor echter Körperkontakt möglich ist. Das zeigt sich unter anderem dann, wenn Kinder in einem starken Gefühlsausdruck sind: Wut, Traurigkeit, Anspannung. Manche reagieren auf körperliche Annäherung mit Schlagen, Beißen, Wegdrücken oder „Zwirbeln“ mit den Fingern in die Haut der Bezugsperson. Dahinter steht meist ein Zeichen von innerer Not, die sich über solche Abwehrmechanismen ausdrückt. Wie können Eltern in solchen Momenten präsent bleiben und gleichzeitig die eigenen körperlichen Grenzen wahren? Schließlich ist Schmerz durch einen Schlag oder Biss real. Die erste Reaktion darauf ist oft Flucht oder Abwehr. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Und was, wenn es den Eltern selbst zu viel wird?  Kinder lernen am Modell Körpergrenzen zu respektieren. Wenn wir uns erlauben, für unsere Bedürfnisse einzustehen, finden wir auch immer wieder neu in eine gemeinsame Balance. Genau das stärkt Bindung. Mit zunehmendem Alter kann Körpernähe in vielfältiger Form gelebt werden: über Körperpflege, spielerische Momente, Sport oder gemeinsame Aktivitäten. Körperkontakt bleibt ein lebenslanges Bedürfnis, von der Wiege bis zur Bahre. Denn Berührung ist ein wesentlicher Teil unserer Kommunikation.

  6. 10/10/2025

    #54 Wenn die Mutterliebe ausbleibt ...

    Auch wenn es Mütter oft anders vermittelt bekommen: Nicht immer geht das Herz auf, wenn sie ihr Baby nach der Geburt in den Armen halten. Manchmal bleibt dieses erwartete Glücksgefühl aus. Viele Frauen sind enttäuscht darüber. Enttäuscht von sich. Enttäuscht von ihrem Kind. Das ist für betroffene Frauen nicht einfach, nicht zuletzt weil in unserer Gesellschaft die Mutterliebe glorifiziert wird, so als läge es in der Natur der Dinge, dass sich innige Mutterliebe unmittelbar und selbstverständlich einstellt.  Barbara möchte in dieser Folge Zuversicht vermitteln. Nicht immer ist der erste Kontakt mit dem Baby herzwärmend. Manchmal erwächst die Mutterliebe erst nach Wochen oder Monaten, manchmal erst nach Jahren und manchmal bleibt sie ganz aus. Oft entfaltet sie sich in unscheinbaren leisen Momenten, unerwartet. Wichtig ist zu wissen: Es geht vielen Frauen so. Liebe nimmt ganz unterschiedliche Wege. Niemals ist sie linear, immer ein Prozess, der sich nicht auf Kommando oder unter Druck entfaltet. Stellt sich das Mutterglücksgefühl nicht ein, erleben viele Frauen Schuld, Scham oder ein Gefühl von Verlust: „Ich habe etwas nicht erlebt, von dem ich glaubte, es erleben zu können.“ Neben anderer Faktoren, beeinflusst das Geburtserleben selbst unmittelbar diesen Prozess. Unter der Geburt wirken körperliche, emotionale und soziale Faktoren zusammen. Vaginale Untersuchungen oder Eingriffe können Überforderung, oftmals das Erleben von Übergrifflichkeit auslösen. In solchen Situationen reagiert das körperliche Schutzsystem: Der Körper schaltet auf Überlebensmodus und betäubt sowohl das körperliche als auch das emotionale Erleben. Somit wird auch der Zugang zu den Liebesgefühlen eingefroren. Im diesem Notmodus ist es neurologisch unmöglich, Wärme und Nähe zu empfinden. Dieses Wissen entlastet Betroffene: Es ist kein persönlicher Mangel, sondern eine Schutzreaktion des Körpers. Solche schmerzhafte Geburtserfahrungen können verarbeitet und integriert werden, dann wenn die Eltern Unterstützung erfahren, wenn jemand wohlwollend zuhört und anerkennt, wie schwierig dieses Erleben war. Darüber können sich Schmerz, Wut und Verzweiflung zeigen. Das gibt den Raum frei für andere Gefühle. Wann und ob das passiert, dafür gibt keinen Garant. Hartmut Rosa beschreibt solche Zustände als "unverfügbar", etwas über das wir nicht bestimmen bzw. verfügen können. Entscheidend ist das Vertrauen: Jede Mutter, jeder Vater, jedes Kind, kurzum jede:r von uns trägt dieses lebendige Liebesband in sich, das sich entfalten will. Bleibt es aus, bleibt die Sehnsucht danach.

  7. 09/19/2025

    #53 Wenn es still wird…

    Auch wenn wir diese Episode bereits zu Beginn des Sommers aufgenommen haben und sich die Veröffentlichung wegen technischer Probleme verzögert hat – das Thema bleibt zeitlos und aktuell. Wir sprechen in dieser Folge darüber, wie in Momenten der Stille oft Unliebsames an Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen aufsteigt. Im Alltag finden diese inneren Bewegungen oft gar keinen Raum, werden unterdrückt oder durch zusätzliche Aktivitäten verdrängt. Mit der Geburt und dem Heranwachsen des Kindes verändern sich immer auch Routinen und liebgewonnene Strategien im Umgang mit Stress. Kinder durchkreuzen nicht selten unsere Pläne und so entstehen oft unerwartet Momente des Stillstands. Kinder leben ein anderes Zeitgefühl, weg von einem getakteten Alltag. Ein solcher Stillstand mag zunächst einladend klingen, wird allerdings für viele Eltern zur Herausforderung. Plötzlich fällt das  „Aktionismus-Schutzschild“ weg, wir können nicht einfach raus und uns ablenken. So sind wir unerwartet auf uns selbst zurückgeworfen. In unserer schnelllebigen Zeit sind wir unzähligen Reizen ausgesetzt. Was oft fehlt, ist die Integration dieser Eindrücke – das Innehalten, das notwendig wäre, um all die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten. All das Nichtverarbeitete steigt im Moment der Stille auf. Das einfache Sein, die pure Präsenz wird zur Bedrohung. Kinder laden uns ein, aus dem Getrieben-Sein auszutreten. Wenn wir in solchen Momenten die aufsteigende Unruhe annehmen, können wir Emotionen, Erfahrungen und Erlebnisse innerlich auch verarbeiten. In der Folge kann sich eine friedvolle Stille und Ruhe entfalten. Es gibt Raum für Neues. Über all das sprechen wir in dieser Folge.  Viel Freude beim Anhören!

About

Barbara Walcher, EEH (Emotionelle Erste Hilfe) Therapeutin, und ich, Lydia, sprechen über Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre mit Baby. Dabei beziehen wir uns auf jene Themen, die in diesem Zeitraum präsent sind und auch mich als Mama bewegen.  Wir beide begeben uns auf eine Reise, wo wir selbst noch nicht wissen, wo sie uns hinführen wird. Auf dieser Reise möchten wir euch mitnehmen. Wir versuchen Themen offen zu begegnen und Worte zu finden, wo manchmal Worte noch fehlen. Dabei schauen wir auf Themen, die gerade in meinem Muttersein und in Barbaras Praxis wiederkehrend sind. Wir werden auf physiologische Entwicklungsthemen der Kinder blicken und unsere Ansprüche und Erwartungen hinterfragen.  Wir wissen, dass Familie so vieles sein kann und dass das Leben mit Kindern so bunt und verschieden ist, wie es eben Familien gibt. Daher ist uns bewusst, dass wir all diesen Realitäten nicht gerecht werden können. Wir möchten dich, liebe Zuhörerin, einladen, daraus das mitzunehmen, was für dich passt. Alles andere lass einfach hier.