comicdealer mini-podcast

Gerd Eibach

Unser wöchentlicher Mini-Podcast um den Laden, das Leben und das ganze Universum…

  1. Oct 9

    Gerds garstiges Geblubber 82: Zwischen Rillen und Raketen – Phantastik in der Rock und Popmusik

    Im heutigen Beitrag hört ihr nachgereicht zu den beiden letzten Folgen den Versuch einer popkulturellen Verortung der Phantastik in der Rock und Pop Musik, beziehungsweise der Musik in der Phantastik. Zwischen Rillen und Raketen: Phantastik in der Rock und Popmusik Manchmal reicht ein einziger Akkord, ein schwebendes Synth-Intro oder ein melancholisches Gitarrensolo, um Welten entstehen zu lassen. In unseren Podcast-Folgen sprechen wir oft über die Wechselwirkungen zwischen Literatur, Film und Comic. Doch eine Facette wird im Diskurs über Phantastik, Fantasy und Science-Fiction erstaunlich oft unterschätzt: Die Musik als völlig eigenständiges, klangliches Worldbuilding. Besonders wer in den 1970er und 1980er Jahren sozialisiert wurde, erinnert sich an das Gefühl: Ein Album war damals nicht nur eine Ansammlung von Drei-Minuten-Singles. Es war ein immersives Gesamtkunstwerk. Wenn man das Gatefold-Cover aufschlug, die detaillierten Artworks anstarrte und die Nadel in die Rille senkte, begann ein Multikanal-Einfluss. Musik, visuelle Kunst und literarische Fantasie griffen nahtlos ineinander – ohne dass man zwingend ein Filmplakat oder eine Vorlage brauchte. Abseits von reiner Filmmusik (Highlander, Tag des Falken) oder direkten Buchadaptionen (Tales of Mystery and Imagination) gab es eine Fülle von Stücken, die völlig frei und eigenständig fantastische Kosmen entworfen haben. Hier sind einige herausragende Beispiele aus den 70ern und 80ern (und darüber hinaus), die diese Symbiose perfekt einfangen: Progressive Rock & Space Rock: Die großen Mythenbauer Eloy – Ocean (1977) Die deutschen Prog-Rock-Pioniere haben mit Ocean eines der immersivsten Konzeptalben der deutschen Musikgeschichte geschaffen. Es ist die eigenständige Mythologisierung des Niedergangs von Atlantis. Die ausdehnenden Klangteppiche, gesprochenen Passagen und majestätischen Orgel- und Synthesizer-Läufe schaffen eine Tiefenwirkung, die manchen Sci-Fi-Roman blass aussehen lässt. Hawkwind – Space Ritual (1973) Space Rock in seiner reinsten, rohsten Form. Hawkwind – eng verbunden mit dem Science-Fiction-Autor Michael Moorcock – erschuf keinen polierten Weltraum, sondern einen psychedelischen, dröhnenden Kosmos. Songs wie Space Is Deep vermitteln die unendliche, beängstigende Weite des Alls durch repetitives Riffing und Oszillatorengeräusche. Blue Öyster Cult – Fire of Unknown Origin (1981) BÖC waren vielleicht die literarisch versierteste Hard-Rock-Band ihrer Zeit. Stücke wie Veteran of the Psychic Wars (in Zusammenarbeit mit Michale Moorcock geschrieben) entwerfen das düstere Psychogramm eines kosmischen Kriegers. Es ist düster, melancholisch und voller erzählerischer Substanz. Synth-Pioniere & Post-Punk: Dystopien und digitale Welten Gary Numan / Tubeway Army – Replicas (1979) Noch bevor Blade Runner im Kino lief, baute Gary Numan mit Replicas die klangliche Blaupause für den Cyberpunk. Inspiriert von Philip K. Dick, erzählt das Album von einer kalten, von Machinen-Menschen („Replicas“) und Patrol-Bots beherrschten Stadt. Numans unterkühlter Gesang auf sägenden Minimoog-Synthesizern war pures Sci-Fi-Worldbuilding. John Foxx – Metamatic (1980) Nach seinem Ausstieg bei Ultravox schuf John Foxx ein radikal minimalistisches, elektronisches Meisterwerk. Tracks wie Underpass klingen wie die Akustik von Beton, Neonlicht und digitaler Entfremdung. Eine ästhetische Parallelwelt, die perfekt zu den düsteren Dystopien der 80er-Jahre-Literatur passt. Heavy Metal: Die Heroic Fantasy der späten 70er & 80er Rainbow – Rising (1976) Mit Dio am Mikrofon und Ritchie Blackmore an der Gitarre erfand Rising das Genre des Epic Metal mit. Das zentrale Epos Stargazer – unterstützt vom Munich Philharmonic Orchestra – erzählt die Geschichte eines Zauberers, der ein Volk versklavt, um einen Turm aus Stein zu bauen, von dem aus er fliegen will. Das Schlagzeug-Intro, das orientalisch angehauchte Riff und Dios Stimmgewalt erschaffen ein Fantasy-Epos von gewaltiger Dramatik. Der Faden zieht sich weiter: Moderne Weltenbauer Dass dieses Prinzip kein Relikt der Vinyl-Ära ist, beweisen Künstler der jüngeren Popkultur, die das Multikanal-Konzept aufgreifen und neu definieren: Daft Punk (Discovery / Interstella 5555): Das französische Duo nutzte nicht nur Roboter-Persona für ihr eigenes Storytelling, sondern verwandelte das komplette Album Discovery zusammen mit Anime-Legende Leiji Matsumoto in den Stummfilm-Sci-Fi-Epos Interstella 5555. Gorillaz: Damon Albarn und Jamie Hewlett haben die Trennung zwischen realer Band und fiktiver Comic-Welt komplett aufgehoben. Die Gorillaz sind ein visuelles und musikalisches Universum mit eigenen Charakteren, eigener Lore und fortlaufender Handlung. Die Antwoord: Radikales, dystopisches Worldbuilding am Rand der Popkultur. Durch die Überzeichnung der „Zef“-Kultur, gepaart mit verstörender Alien- und Cyberpunk-Ästhetik, erschaffen sie ein extrem eigenständiges, fast schon Albtraum-haftes Phantasma. Für mich ist Musik in der Phantastik kein passives Beiwerk. Sie ist der Beschleuniger meiner eigenen Vorstellungskraft. Ein Buch liefert die Worte, ein Comic das Bild – aber die Musik erzeugt die Resonanzfrequenz, die beides im Kopf zum Leben erweckt.

  2. Sep 4

    Comunity [Komiunidie]

    Vom Låden und vom Leben Nummer 39 - Komiunidie (...wie immer zum hören und mitlesen oder lesen und mithören, ganz wie ihr wollt) Vom Låden und vom Leben (audiofile #39: Komiunidie) Servus ihr Liem dord draußn heud muss ich euch eefach amål widder a Gschichdle verzähl, wo ich midgriechd habb. S Gschichdle is ansich dodål off dobbig. Hadd also nix mid unnerm Gschäffd oder unnerm Schonre zum du. Awer s'gehd ummen glenne Lådn und um enne Komiunidie, wo ich zimmlich gud kenn du, wo mer dodål gud mid unnerer nördichn vergleich könnd und wo ähnlich glee is im Vergleich zum Resd vonnerer Weld. Also sowohl Mengenmäßich, wie a beguniär. Des Schonre vo mein Kumbl is sozumsåch mei zwädds Hobbie. Also nehm dem ganz Lådngschlambambl. Der had nämmlich enn Sörfschob ghabbd, Am Lago di Veggia Mollina. Also uff fränggisch am Aldmühlsee. Willi hässder. Un er wår ned immer mei Kumbl. Wie ich mid dem Zeuch ågfanggd hab, hab ichn noch neddamål kennd. Des is a gud so, weil auf die Ard is mei Gschichdle noch besser. Oder audendischer. Weil scho damals, wie ich mei erschdes Zeuch beinem käffd hab, hadd der mich berfeggd berådn, ohne mir was aufzumdrängg. Ich habb des dadsächlich a scho ganz annersch erleb gekönnd. Weil im Gehngsads zu so emm Büchle oder Comiggbüchle kåsd für so a Sörfequibbmend ganz schö abladzz. So viel blos vornwech. Ich griech kä Browission und habb a nix davo. Der Willi war immer kombedend und fähr zu mir. So wie mer des voem niedergelassene Schbezzialisdn erwadd solld. In derre Szene gibbds a verschiedene Unnergrübbli. Wie bei uns die Schbiele, Büchli und Comics. Nämmlich die Kaider, die Sörfer und edz a noch die Winger. Wie bei uns a sin die sich nedd immer grün. Also unnereinanner. AWER es gibd Schniddmengen - und sogoar a echde Schniddmenge vo alle drein. Des is nacherd awer blos a glenne Deilmenge vo derre gesammdn Komiunidie. Des sin öfder amål a die Äldern, wo hald scho ganz schö lang deibei sin. A wie bei uns. A boar vo denne sin echd froh, dass se den ganzn Gladderadadsch an emm Ordd ausdesd könne, midd enner subber Berådung und dann a gleich käff könn. Awer wie des so is, had sich des üwer die Jåhr ganz schö veränderd. Wässd scho. Onlain Händler, Direggdvermarggder, onlain Komiunidies. Nacherd had der Willi vor Ordd sich immer schwerer dan. Also middn Umsädz. Worauf ich edz hinauswill is awer noch a ganz annere Sach. Der Willi had nämmlich dadsächlich en Nachfolcher gfundn. Schaffd noch dord, hadd awer die ganze Gschichd edz in dem Jåhr üwergehm. In dem Zuch gehd nadürlich die Dradscherei so richdich los. Und ich bin ja in derre Szene a rechd bekannd beziehungsweise kenn ich rechd viel Leud. Da gibbds zum Beispiel in Schweinfurd so a boar Leud, wo mer ab und an am See bein Willi seh dud und a vo Richdung Münchn komme immer widder a boar raufgfåhrn. Die mässdn vo denne wiss ned, dass ich min Willi echd gud schde und dem a immer widder gholfn habb. Bei Iwänds oder so. Deswechn hör ich edz schdändich des dodåle Gemegger. Was der so alles gmachd hamm soll. Zum Beischbiel hadd der sich bei seine Lieferandn bschwerd, dass alle möchlichn Leud Rabadde grieng und nacherd ihr ganze Kumbls mid Maderiål versorch. Wässd scho, der had uns ågschwärzd. Sach ich schauds amål, da hadder doch rechd. Skå doch ned sei, dass die Firmen euch alle direggd versorng er awer der Händler is, wo ihr euer Zeuch anfass un sogår ausbrobier könnd! Awer der had doch dodål üwerhöhde Breise! Ne, hadder ned, weil der nimmd eefach des, was die als UVB vorgäbb. Und des brauchsde zum lehm! Dafür habbds ihr den dodåln Sörvis. Wenn amål was verreggd is, nacherd kömmerd er sich drum. Wenndsder a Ersadzdeil brauchd, nacherd hadder des. Und der is jedn Dåch für euch vor Ordd. Des gehd dann ewich so weider. Ich habb ghörd und wer annersch hadd gsachd und freundlich isser a ned und was wäss ich. Wie kann des sei? Dass a echd glenne Komiunidi ned eefach zammhäld? Dass mer nedd eefach den Dübb unnerschdüdzd, wo vor Ordd alles für die Kumiunidie zur Verfüchungs schdelld? Iwends mid Desdmaderiål, jedn Dåch Verleih und Verkauf vom Frühjåhr bis nein Herbsd. Jedn Dåch! A schönner Biergadn mid legger Essn, a Frühschdügg an Shobb. Alles beinanner und ihr habbd nix bessers zum dun, wie rumzummeggern un euer Zeuch woannersch zum käff. Und wennsder nacherd amål was verreggd habbd, nacherd solle er sich drum kümmern. Soford und freundlich. Nää! Da kammer ned immer freundlich bleim. Nää, da gehd eim a amål der Gaul durch. Nää, der hadd kä unfähre Breise, sonnern ihr wolld unfähre Breise! Bei uns is des fasd des Selbe. Da wird gemeggerd, dass unnere Breise zu hoch sin, dassmer ned jedn Scheiss immer vor Ord hamm und dass mer a aweng genervd sin, wenn irchndwer sein Zeuch bei uns verkäff will, wo ich genau wäss, dassers ned vo uns hadd. Genau aus derre glennen Schniddmenge vo Leud, wo ehm wirglich dief drin sin. Genau vo denne, wo eichndlich genau am richdichn Flegg wärn. Innem Lådn, wo all des Zeuch gebündld habb dud, was des Herz höher schlång lässd. Genau von denne kommd immer widder Gemegger und Gridigg. Vorne- und hinnerum. Wieso griech ich blos drei Schderne von emm Dübb, wo bei mir all die seldenen Ausgahm gfunne hadd, wo er gsuchd hadd? Warum gabs amål innem Forum den Beidrach, dass der Hermge (also gmennd war der Lådn, ned mei Vadder) verregg soll? Ja wirglich. Hermge verregge! Warum hamm die Leud bei uns vorm Lådn ausm Kofferraum Mädschigg Kaddn verkäffd? Ich verschdehs ned. Ich bleib dabei, dass ich so an Sörwis eichndlich immer schädz. Vor Ordd genau des grieng, was mer will. Mid die Leud dradsch und sich ausdausch. Ehm sowas wie a immer offener Schdammdisch, wo mer Leud dreff kå, wo mer Dibbs griechd und ehm genau des, wassmer will. Wieso des bein Willi edz derård hinnerum eskalierd, wäss ich a nedd. Awer in jedn Fall fehld mir des dodåle Verschdändnis, wieso des ned völlich selbsdverschdändich is, dass mer sich drüwer freu dud, dass wer vor Ordd is, der wo genau so zu dem innern Greis, also zur absoludn Schniddmenge dazuzähl dud. Meisdns is der ja auch aus dem Greis kommen... Am End sin es fassd jedn Dåch schönne Erlebnisse mid euch. Und ich denk, dass des bein Willi sein Sörfschobb a so is. Es gild für uns hald dummerweise des Gleiche, wie für euch. Ein neggadiefes Erlebnis brennd sich viel diefer ein, als die vieln dollen Geschbrächli. Desweechn sachd mer im Handl ja a, dass der Umgang mid Fehlern, Schäden, Reglemmezionen und so weider exdrem wichdich is. Kulanz und Freundlichkeid wezzd so a Schardde a widder aus. Mir wolln die Kundn ja behald oder zurüggewinn. Des is in dem annern Fall nadürlich leider nedd so. Der wo sich sei Zeuch üwer zweifelhaffde Kanäle billich bsorchd, der had sich ja vo seim Händler scho verabschieded. Wenn der edz so blöd is, den wechnm Fachsimbln drodzdem aufzumsuch, nacherd greifd der Mechanismus in beide Richdungen nimmer. Schad isses drodzdem. Weil ehm beide Komiunidies eh scho ziemlich glee sin. Da könnd mer sich doch eefach möch. Also simmer widder bein Anhalder. Nur dasses middlerweile nimmer fassd sondern scho mehr die zwädausend Jåhr sin, dass wer nans Greuz gnåchld worrn is, weiler gmennd had, wie doll er dich des vorschdell würd, wenn die Leud zur Abwechslung amål nedd zunanner wärn. Und in diesem Sinne wünsch ich euch edz a wirglich schönnes Wochnend. Seids freundlich zuenanner. Ihr werds sehn, es wirggd. Für heud verabschied ich mich wie immer mid tschau, arrifidertschi, euer Gerd

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