Blick in die Bibel

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Die Bibel steckt voller spannender Erzählungen – gemeinsam mit wöchentlich wechselnden Expertinnen und Experten sprechen wir über das Evangelium des Tages und was das Buch der Bücher für uns heute bedeuten kann.

  1. 5h ago

    Von Dämonen und unreinen Geistern - Gespräch mit Marie Euteneuer

    Marie Euteneuer versteht die Dämonen und unreinen Geister als Bilder für das, was Menschen gefangen nehmen kann – etwa eine Sucht oder andere Dinge, die von den Menschen Besitz ergreifen können. Jesus macht deutlich: Das Böse wird nicht durch das Böse überwunden. Entscheidend ist vielmehr die Befreiung durch Gottes Wirken. Doch frei zu sein von etwas bedeutet noch lange nicht, frei zu sein für etwas. Ein leer gewordener Raum kann wieder von dem eingenommen werden, was zuvor gefangen hielt. Deshalb brauchen gewonnene Freiräume eine neue, positive Gestaltung. Für Marie Euteneuer bedeutet das: Die Freiheit, die uns geschenkt wird, bewusst mit Gutem zu füllen und den eigenen Alltag entsprechend zu gestalten.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit trieb Jesus einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon ausgefahren war, da konnte der Mann reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beélzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst gespalten ist, wird veröden und ein Haus ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan in sich selbst gespalten ist, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beélzebul austreibe. Wenn ich aber die Dämonen durch Beélzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere seine ganze Rüstung, auf die er sich verlassen hat, und verteilt seine Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn ein unreiner Geist aus dem Menschen ausfährt, durchwandert er wasserlose Gegenden, um eine Ruhestätte zu suchen, findet aber keine. Dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und er kommt und findet es sauber und geschmückt. Dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. Und die letzten Dinge jenes Menschen werden schlimmer sein als die ersten. (Lk 11,14-26)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  2. 16h ago

    "Gott ist kein Wunschautomat" - Gespräch mit Marie Euteneuer

    Im Evangelium nach Lukas (11,5–13) ermutigt Jesus dazu, beharrlich zu bitten: „Bittet, dann wird euch gegeben.“ Für Marie Euteneuer bedeutet das jedoch nicht, dass Gebet wie eine Zauberformel funktioniert, die Gott zu einem Wunschautomaten macht. Vielmehr verspricht Jesus: Wir sind mit unseren Sorgen und Bitten nicht allein. Zugleich bleiben wir selbst in der Verantwortung. Wer etwa um Frieden bittet, ist auch aufgerufen, seinen eigenen Beitrag zum Frieden zu leisten. Das Evangelium verbindet so Vertrauen auf Gott mit menschlichem Handeln. Auch die Rede von den „bösen“ Menschen versteht Euteneuer nicht als endgültiges Urteil, sondern als Hinweis darauf, dass wir alle fehlerhaft sind. Gerade deshalb dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns seine Liebe und den Heiligen Geist schenkt. Für den Alltag bleibt die Erkenntnis: Nicht alles liegt in meiner Hand – aber für manches trage ich Verantwortung und sollte mich einbringen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten. (Lk 11,5-13)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  3. 1d ago

    "Ja, ich bete" - Gespräch mit Marie Euteneuer

    Für Marie Euteneuer, theologische Referentin im Katholischen Gemeindeverband Düsseldorf, ist das Vaterunser ein Gebet, das sie seit ihrer Kindheit begleitet. Besonders faszinierend findet sie, dass es das Große und das Kleine des Lebens miteinander verbindet: „Dein Reich komme“ steht neben der ganz konkreten Bitte um das tägliche Brot. Das Vaterunser ist für sie zugleich Dank-, Bitt- und Heiligungsgebet und so universell, dass so viele Menschen sich darin wiederfinden können. Beten bedeutet für Marie Euteneuer dabei nicht nur, vorgefertigte Gebete zu sprechen. Vielmehr geht es darum, mit Gott im Gespräch zu sein und die eigenen Gedanken und Sorgen vor ihn zu bringen. Auch in ihrer Familie hatte das Gebet seinen festen Platz – beim Essen, vor dem Schlafengehen oder vor einer Reise. Für sie ist Beten vor allem Beziehung: Das Gebet gibt ihr die Möglichkeit, zu erfahren, dass sie mit dem, was sie bewegt, nicht allein ist.Aus dem Evangelium nach Lukas:Jesus betete einmal an einem Ort; als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat! Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen! Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung! (Lk 11,1-4)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  4. 2d ago

    ich Zeit nehmen, um zuzuhören - Gespräch mit Marie Euteneuer

    Maria oder Marta – wer macht es richtig? Im Evangelium nach Lukas (10,38–42) scheint Jesus zunächst die fleißige Marta zu kritisieren, während Maria, die ihm einfach zuhört, den „guten Teil“ erwählt hat. Doch Marie Euteneuer, theologische Referentin beim Katholischen Gemeindeverband Düsseldorf, möchte die beiden Schwestern nicht gegeneinander ausspielen. Beides gehört zusammen: Marta sorgt für Gastfreundschaft und schafft den Raum, in dem Maria überhaupt zuhören kann. Und doch braucht es auch den Moment, in dem die Arbeit liegen bleiben darf und Zeit zum Hören ist. Besonders spannend ist dabei das Frauenbild der Erzählung: Maria entscheidet selbstbestimmt, sich zu Jesus zu setzen, und Jesus respektiert und verteidigt ihren Platz. Vielleicht liegt darin auch eine Einladung für uns: Nicht immer nur zu organisieren und zu sorgen, sondern uns bewusst Zeit zu nehmen, zuzuhören – und einfach da zu sein.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden. (Lk 10,38-42)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  5. 4d ago

    Mit offenen Augen durch die Welt gehen - Gespräch mit Marie Euteneuer

    Was bedeutet es, seinen Nächsten zu lieben? Im Evangelium nach Lukas (10,25–37) erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Marie Euteneuer, theologische Referentin beim Katholischen Gemeindeverband Düsseldorf sagt, es sei hier wichtig zu wissen, dass ein Samariter damals nicht zum Volk Israel gehörte - sondern ein Fremder sei. Ausgerechnet er hilft dem verletzten Mann, während ein Priester und ein frommer Levit an ihm vorübergehen. Für Euteneuer liegt darin eine zentrale Botschaft: Nächstenliebe beginnt damit, hinzusehen. „Mit offenen Augen durch die Welt gehen“ und wahrnehmen, wer Hilfe braucht – darum gehe es. Jesus frage schließlich nicht: Wer gehört zu meinem Nächsten? Entscheidend sei vielmehr die Frage: „Wer ist demjenigen zum Nächsten geworden?“ Nächstenliebe werde damit zu einer konkreten Handlung. Dabei umfasst die Liebe für Euteneuer dreierlei: die Liebe zu Gott, zum Mitmenschen und auch zu sich selbst. Als Impuls für den Alltag verweist sie auf Madeleine Delbrêl, die davon sprach, in jedem Menschen Gott zu begegnen. Eine solche Haltung könne helfen, auch schwierigen Menschen barmherzig zu begegnen. Denn Handeln beginne immer mit einer Haltung – und diese könne der erste Schritt sein, die Botschaft des Evangeliums im Alltag lebendig werden zu lassen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit stand ein Gesetzeslehrer auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben! Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jéricho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle; er sah ihn und ging vorüber. Ein Samaríter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm; er sah ihn und hatte Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Und am nächsten Tag holte er zwei Denáre hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle du genauso! (Lk 10,25-37)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  6. 6d ago

    "Bei Gott ist kein Mensch vergessen" - Gespräch mit Norbert Bauer

    Im Lukasevangelium (10,17–24) berichten die Jünger begeistert, dass ihnen sogar die Dämonen gehorchen. Norbert Bauer, Leiter der Karl Rahner Akademie, versteht diese Dämonen als Bilder für das, was Menschen unfrei macht: "Dinge, die gefangen halten, niederdrücken und unglücklich machen". Besonders eindrücklich findet er Jesu Satz: „Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.“ Der französische Philosoph René Girard hat dieses Bild zum Titel eines Buches gemacht und darin die Gewaltverstrickungen der Gesellschaft untersucht. Für Bauer liegt darin eine wichtige Botschaft: "Wenn das Böse seine Macht verliert, muss Gewalt nicht länger mit Gewalt beantwortet werden".Auch die Zusage, dass die Namen der Jünger im Himmel verzeichnet sind, hat für Bauer eine besondere Bedeutung. Sie steht für die Gewissheit: Bei Gott ist kein Mensch vergessen. Namen bewahren Identität – auf einem Grabstein ebenso wie im „Himmel“.Aus dem Evangelium nach Lukas: In jener Zeit kehrten die Zweiundsiebzig zurück und sagten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand erkennt, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand erkennt, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Lk 10,17-24)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  7. Oct 2

    "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder" - Gespräch mit Norbert Bauer

    „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder“ – das Tagesevangelium aus Mt 18,1–5 stellt eine ungewöhnliche Forderung. Doch was bedeutet es, wie ein Kind zu werden? Norbert Bauer, Leiter der Karl Rahner Akademie, warnt zunächst vor einem allzu romantischen Kinderbild: Kinder seien keineswegs immer brav, vernünftig oder angenehm. Entscheidend sei vielmehr, was sie uns beim „Umkehren“ zeigen können. Im griechischen Original gehe es um ein neues, anderes Denken. Kinder hätten die Fähigkeit, Gewohntes zu verlassen, Neues auszuprobieren und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.Zugleich sei die Botschaft Jesu gesellschaftlich und kirchlich höchst provozierend. Zur Zeit Jesu hatten Kinder kaum Rechte und standen nicht im Mittelpunkt. Dass Jesus sie dennoch in die Mitte stellt, mache deutlich, wie schützenswert und wichtig sie sind. Gerade vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche bekomme dieser Evangelientext eine besondere Bedeutung. Dass Kinder trotz dieser klaren Botschaft missbraucht und Fälle vertuscht werden konnten, zeige einen massiven Widerspruch zur eigenen Botschaft der Kirche. Das Evangelium könne deshalb auch heute als Warnschild verstanden werden: Kinder müssen ernst genommen und geschützt werden.Aus dem Evangelium nach Matthäus: In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist denn im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen. Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. (Mt 18,1-5.10)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

  8. Oct 1

    "Die Welt ist von Gott gewollt" - Gespräch mit Norbert Bauer

    Das Evangelium nach Lukas klingt zunächst befremdlich: Jünger sollen ohne Geldbeutel und Schuhe und ohne zu grüßen aufbrechen, Häuser betreten und dort schlicht sagen: „Friede diesem Haus.“ Für Norbert Bauer, Leiter der Karl Rahner Akademie, steckt darin jedoch eine wichtige Botschaft: „Ihr sollt nicht alleine sein.“ Jesus schickt die Jünger zu zweit los. Christlicher Auftrag ist demnach kein einsamer Weg, sondern gemeinsames Unterwegssein.Zugleich begegnen die Jünger den Menschen mit grundsätzlichem Vertrauen. „Friede diesem Haus“ bedeutet: Ich komme in guter Absicht. Gerade im Umgang mit Fremden könne man daraus heute lernen, so Bauer, zunächst davon auszugehen, dass auch der andere das Gute will.Auch die Aufforderung, unterwegs niemanden zu grüßen, versteht Bauer nicht als Aufruf zur Unhöflichkeit. Vielmehr gehe es darum, sich nicht vom eigenen Auftrag ablenken zu lassen. Jesus spricht dabei durchaus streng: Die Welt ist nicht frei von Gefahren. Dennoch widerspricht Bauer der Vorstellung, die Welt sei grundsätzlich böse. Schließlich habe Gott seinen Sohn gerade in diese Welt gesandt. Darin liege das grundlegende Vertrauen: Diese Welt ist von Gott gewollt – und deshalb lohnt es sich, in ihr Frieden zu bringen.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe! Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher ergehen als dieser Stadt. (Lk 10,1-12)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)

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Die Bibel steckt voller spannender Erzählungen – gemeinsam mit wöchentlich wechselnden Expertinnen und Experten sprechen wir über das Evangelium des Tages und was das Buch der Bücher für uns heute bedeuten kann.

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