MUT - Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran

Tijen Onaran

Deutschland braucht Veränderung, darüber sind wir uns alle einig. Doch wie diese Veränderung aussehen soll, darauf hat die Politik derzeit keine Antwort. In diesem Video-Podcast von Tijen Onaran gemeinsam mit Focus online diskutieren wir pragmatische Lösungen für die Zukunft von Deutschland. Kein Blick zurück, keine Ego-Polit-Show: MUT- Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran ist ein Format, das Mut machen soll – und Lust auf, das, was kommt. In zehn Folgen denken Tijen und ihre Gäste Deutschland weiter – auf Augenhöhe, konfrontativ, aber immer konstruktiv.

  1. Jun 14

    Wie hält man ein Pfeifkonzert von 80.000 Menschen aus, Herr Aytekin?

    Deniz Aytekin war einer der weltbesten Fußball-Schiedsrichter. In der Special-Ausgabe des „MUT-Talks“ vonFOCUS online sprach Aytekin mit Tijen Onaran über sein Ego, den Umgang mit Kritik, echte Fehlerkultur und einen simplen Trick gegen das Jammern. In der MUT-Special-Folge im Rahmen des „Constructive World Award“ von FOCUS online sprach Host und Unternehmerin Tijen Onaran mit Aytekin über Resilienz, Respekt und seine Erfahrungen im Spitzensport.  Aytekin kennt Gegenwind und Ablehnung bestens: 2011 wählten ihn die Bundesliga-Spieler sogar zum schlechtesten Schiedsrichter. Den Grund dafür sieht er rückblickend in seinem eigenen Verhalten. „Ich hab am Ende Härte mit Stärke verwechselt“, gesteht er. Sein großes Ego sorgte damals dafür, dass er jede noch so kleine Rückfrage als direkten Angriff wertete. Aus dieser Krise zog Aytekin eine wichtige Lehre und etablierte ein neues Leitmotiv: „Klar in der Sache, aber zum Menschen herzlich.“ Er erkannte den Unterschied zwischenvertikalem Respekt, der einem Menschen allein durch eine Funktion zuteil wird und horizontalem Respekt, der durch echtes, menschliches Interesse an anderen entsteht. Diese Einstellung half ihm auch dabei, Pfeifkonzerte von 80.000 Zuschauern im Stadion auszublenden:„Ich habe immer meine Funktion getrennt von der Person“. Für den Erfolg von Unternehmen ist laut Aytekin vor allem die psychologische Sicherheit im Team entscheidend. Dafür müssten Führungskräfte transparent eigene Fehler vorleben,ihre Mitarbeiter proaktiv und konkret einladen, ihre Meinung zu sagen, und diese Kritik anschließend professionell und ohne Sanktionen annehmen. Trotz seiner beruflichen Erfolge äußert Aytekin auch Reue. Seinen größten Fehler sieht er darin, in jungen Jahren getrieben gewesen zu sein: „Ich habe teilweise meineTochter nicht aufwachsen sehen.“ Heute achtet er strikt darauf, mental im Moment anzukommen und seiner Familie die „maximale Aufmerksamkeit“ zu schenken, die sie verdiene. Gegen das Gefühl der Machtlosigkeit in unsicheren Zeiten rät er zur Eigenverantwortung: Man solleaufhören zu jammern und sich stattdessen zwingen, acht Lösungsoptionen aufzuschreiben. Wer das Lamentieren dennoch nicht lassen kann, für den hat er einen simplen Trick parat: Fünf Minuten lang den ganzen Frust in dieHandy-Kamera jammern und sich das Video täglich anhören. Das Resultat laut Aytekin: „Spätestens nach dem dritten Tag ist man geheilt.“

    30 min
  2. Jun 3

    Wie bringt man Klimaschutz und Wirtschaftskraft zusammen, Gabriele Hässig?

    Im aktuellen „MUT-Talk“ besucht Tijen Onaran Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble, am Forschungsstandort bei Frankfurt. Hässig arbeitet seit mehr als 35 Jahren für den internationalen Konzern, zu dem Marken wie Pampers, Ariel und Gilette gehören. Hässig nimmt bei ihrem Herzensthema Nachhaltigkeit eine doppelte Veränderung war. Zum einen sei „der Hype vorbei“. Zum anderen habe die Bedeutung des Themas angesichts des Klimawandels weiter zugenommen. Die P&G-Geschäftsführerin kritisiert, dass der Nachhaltigkeitsdiskurs lange von einer kleinen, aktivistischen Gruppe dominiert wurde, die sich einen Überbietungswettbewerb geliefert habe, wer der bessere Mensch sei. Hässig erklärt im „MUT-Talk“ ihren Ansatz: Wer wirklich etwas verändern wolle, müsse bei den Bedürfnissen der Menschen anfangen. Produkte müssten genauso gut sein wie zuvor und gleichzeitig nachhaltiger werden. Einen Kompromiss zwischen Leistung und Ökologie akzeptiere die breite Mehrheit nicht. Als konkretes Beispiel nennt Hässig eine gemeinsame Initiative von Ariel und dem WWF. P&G hat analysiert, dass das Erhitzen von Wasser beim Wäschewaschen der größte einzelne CO2-Posten über alle Kategorien und Marken hinweg ist. Mit der Kampagne „Wir drehen runter“ soll die durchschnittliche Waschtemperatur gesenkt werden. „Ich kann die Waschmaschine nutzen, die ich zu Hause habe. Ich muss nichts investieren und bekomme die Wäsche total sauber“, so Hässig. „Ohne Zeigefinger, sondern mit einem besseren Angebot“ soll so Klimaschutz betrieben werden. Hässig berichtet, dass P&G derzeit eine gewisse Kaufzurückhaltung erlebt. „Wenn man sich die Daten anschaut, sieht man, dass die Stimmung sehr weit unten und die Inflationserwartung sehr hoch ist.“ Als Unternehmen sei es dann wichtig, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis für Kunden zu schaffen. Hässig nimmt dabei auch die Politik in die Pflicht. Sie fordert den Abbau von Überregulierung: „Man kann die Zukunft nicht durchregulieren“, erklärt die Geschäftsführerin. „Das macht uns nicht innovationsoffen.“ Ordnungspolitik sei wichtig – aber sie solle den Rahmen setzen, nicht die Lösung vorschreiben. Gleichzeitig lobt Hässig den „großartigen Standort“ Deutschland. Sie macht das unter anderem an einer gut ausgebildeten Bevölkerung, einer guten Infrastruktur und einem guten Forschungsnetzwerk fest. „Es gilt, das weiter auszubauen, um diese Stärken besser zu nutzen“, fordert die P&G-Geschäftsführerin.

    54 min
  3. Apr 24

    Kann Deutschland mehr, Herr Birnbaum?

    Im „MUT“-Talk mit Tijen Onaran spricht E.ON-CEO Leo Birnbaum offen über den Stand der Energiewende in Deutschland, den Umgang mit technologischen Chancen – und die grundlegende Frage, ob das Land bereit ist, die notwendigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen für seine Zukunft zu leisten. Onaran beschreibt ihn am Ende des Gesprächs als „Klartext-CEO“, der auch bei politischen Themen nicht ausweicht, sondern klare Positionen bezieht. Ein zentraler Punkt ist die Kostenrealität der Energiewende. Birnbaum widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Geld dabei keine entscheidende Rolle spiele. Der Umbau des Energiesystems erfordere enorme Investitionen und die Bereitschaft, diese auch zu tragen. Gleichzeitig sieht er die größere Herausforderung weniger in fehlenden Ressourcen als in der gesellschaftlichen Haltung. Deutschland neige dazu, sich stark auf Defizite zu konzentrieren, statt die eigenen Stärken stärker in den Fokus zu rücken – obwohl das Land im internationalen Vergleich weiterhin gut dastehe. Wie sehr politische und regulatorische Entscheidungen den Fortschritt bremsen können, verdeutlicht Birnbaum am Beispiel der Smart-Meter-Einführung. Frühere Einschätzungen, komplexe Vorgaben und hohe Datenschutzanforderungen hätten dazu geführt, dass Deutschland beim Rollout deutlich hinterherhinkt. Vorschläge aus der Wirtschaft für einen schnelleren, flächendeckenden Ausbau seien politisch nicht aufgegriffen worden. Statt Prozesse zu vereinfachen, sei zusätzliche Komplexität entstanden – mit dem Ergebnis eines Systems, das aus seiner Sicht nur schwer effizient weiterzuentwickeln ist. Über die Energiepolitik hinaus richtet Birnbaum den Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Auf die Frage, welches heute selbstverständliche Gut in Zukunft zum Privileg werden könnte, nennt er eine jederzeit verfügbare Krankenhausversorgung für alle. In einer alternden Gesellschaft und unter wachsendem finanziellen Druck werde es immer schwieriger, dieses Versprechen aufrechtzuerhalten. Damit macht er deutlich, dass die Herausforderungen der Energiewende nicht isoliert betrachtet werden können, sondern eng mit den Belastungen anderer zentraler Systeme verbunden sind. Trotz seiner kritischen Analyse verfällt Birnbaum nicht in Pessimismus. Er wirbt für mehr Realismus, aber auch für mehr Zuversicht im Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Deutschland verfüge weiterhin über erhebliche wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Ressourcen, auf die es aufbauen könne. Entscheidend sei, diese Potenziale konsequenter zu nutzen und schneller ins Handeln zu kommen. Sein Fazit: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Verdrängung oder Schönreden, sondern durch Investitionsbereitschaft, klare Entscheidungen und den Mut, bestehende Strukturen grundlegend zu hinterfragen.

    50 min
  4. Mar 18

    Wie finden wir Mut zur Nuance in einer Welt voller einfacher Antworten, Tupoka Ogette?

    Im „MUT“-Talk spricht Tupoka Ogette mit Tijen Onaran über ihr neues Buch „Trotzdem Zuhause“, über Zugehörigkeit – und die Frage, wie wir in einer Welt voller einfacher Antworten den Mut zur Nuance bewahren können. „Es lohnt sich, die Anstrengung zu unternehmen, auf Nuancen zu schauen“, sagt Ogette. „Beides kann existieren und wahr sein.“ Ogette, eine der prägenden Stimmen der Rassismuskritik in Deutschland, gibt dabei einen ungewöhnlich persönlichen Einblick in ihre eigene Geschichte. In „Trotzdem Zuhause“ beschreibt sie ihr Aufwachsen in der DDR, den tiefgreifenden Einschnitt durch die Ausreise und die langjährige Suche nach einem Gefühl von Zugehörigkeit. Den Schreibprozess bezeichnet sie als intensive „Seelenarbeit“, bei der sie sich noch einmal bewusst mit prägenden Erfahrungen und schmerzhaften Erinnerungen auseinandersetzen musste. Im Zentrum des Gesprächs steht das von ihr geprägte Bild des „Brückenmenschen“. Ogette beschreibt damit einen Zustand zwischen verschiedenen Welten – ein Leben in Übergängen, ohne klare Zuordnung. Diese Position sei zugleich eine Stärke und eine Herausforderung: Wer sich in der Mitte der Brücke befinde, könne unterschiedliche Perspektiven einnehmen und verbinden, müsse aber auch aushalten, nirgendwo vollständig dazuzugehören. Zugehörigkeit werde so nicht zu einem festen Zustand, sondern zu etwas, das immer wieder neu verhandelt werden müsse. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wird Ogette deutlich. In einer Zeit wachsender Polarisierung, in der einfache Antworten und vermeintliche Gewissheiten an Attraktivität gewinnen, warnt sie vor genau diesen Vereinfachungen. Besonders kritisch sieht sie die Sehnsucht nach einem idealisierten „Früher“, das oft als Gegenentwurf zur komplexen Gegenwart herangezogen wird. Für Ogette liegt die eigentliche Stärke jedoch im Aushalten von Widersprüchen und im differenzierten Blick auf Realität. Die Zwischentöne seien kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck von Reife und Erkenntnis. Das Gespräch beleuchtet auch die persönlichen Kosten von Ausgrenzung und Rassismus. Ogette schildert eindrücklich, wie frühe Erfahrungen des Andersseins ihr Selbstbild geprägt haben. Ständige Zuschreibungen und das Gefühl, nicht dazuzugehören, können dazu führen, die eigene Existenz infrage zu stellen. „Irgendwann hinterfragst du deine Daseinsberechtigung“, sagt sie – und macht damit deutlich, wie tief solche Erfahrungen wirken können. Gleichzeitig bleibt der Ton des Gesprächs nicht resignativ. Ogette formuliert eine klare Haltung im Umgang mit Unsicherheit und Veränderung. Für sie ist Kontrolle eine Illusion – und gerade darin liegt eine Chance. Statt an starren Vorstellungen von Heimat festzuhalten, plädiert sie für ein dynamisches Verständnis: ein Zuhause, das sich verändert, mitwächst und neue Erfahrungen zulässt. „Ich möchte ein Zuhause, das sich bewegt“, sagt sie. Stillstand bedeute für sie nicht Sicherheit, sondern das Ende von Entwicklung. Ihr Buch versteht Ogette deshalb auch als Einladung: einen Resonanzraum zu schaffen, in dem Menschen sich selbst, ihre Widersprüche und ihre Brüche wiederfinden können. Es geht darum, die eigene Geschichte anzunehmen, ohne sie zu vereinfachen – und den Mut zu entwickeln, in einer komplexen Welt differenziert zu bleiben. Ihr Fazit: Der Mut zur Nuance ist keine Schwäche, sondern eine zentrale Fähigkeit unserer Zeit. Nur wer bereit ist, Ambivalenzen auszuhalten und unterschiedliche Wahrheiten nebeneinander bestehen zu lassen, kann sowohl persönlich als auch gesellschaftlich wachsen. Link zum Buch "Trotzdem Zuhause": https://www.penguin.de/buecher/tupoka-ogette-trotzdem-zuhause/buch/9783328604495

    50 min
  5. Feb 3

    Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard?

    Im „MUT“-Talk spricht Oliver Burkhard, CEO von TKMS, über Sicherheit, Verantwortung – und die unbequeme Frage, ob Deutschland und Europa auf einen militärischen Ernstfall in der Ostsee vorbereitet sind. „Wir sind kein Profiteur des Krieges“, betont Burkhard. „Wir stellen Dinge her, die unsere Werte und unsere Freiheit weltweit verteidigen.“ Burkhards eigener Weg ist ungewöhnlich: Vom Verhandlungstisch der IG Metall führte ihn sein Karriereweg an die Spitze eines der wichtigsten europäischen Marineschiffbauer. Heute verantwortet er die Entwicklung und den Bau moderner Marineschiffe und U-Boote – mit einem Auftragsbuch von mehr als 18 Milliarden Euro, das TKMS bis in die 2040er-Jahre auslastet. Doch volle Bücher bedeuten für ihn keinen Anlass zur Entwarnung. Burkhard warnt vor einer sicherheitspolitisch kritischen Phase Ende des Jahrzehnts. Insbesondere die Jahre 2029/30 könnten in der Ostsee zu einem „Hotspot“ werden, sollte Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs die NATO an den Grenzen der baltischen Staaten testen. Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist Deutschlands technologische Stärke unter Wasser. TKMS gilt als weltweit führend bei nicht-nuklearen U-Booten – vor allem dank einer außenluftunabhängigen Brennstoffzellen-Technologie. Während klassische Diesel-U-Boote regelmäßig auftauchen müssen, um Sauerstoff für die Batterien aufzunehmen, ermöglicht diese Technologie sehr lange Tauchzeiten. „Wir haben eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff Energie erzeugt, die wiederum die Batterien lädt“, erklärt Burkhard. „Man kann damit sehr, sehr lange tauchen.“ Doch Burkhard macht klar: Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Die größte Schwäche sieht er nicht im fehlenden Know-how, sondern in langsamen Prozessen. Die Zeitenwende habe zwar Geld gebracht, aber kaum Geschwindigkeit. „Nur weil man mehr Geld hat, heißt das noch nicht automatisch, dass man auch in der Lage ist, mehr auszugeben“, sagt er. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungen und politische Entscheidungswege kosteten wertvolle Zeit – Zeit, die angesichts wachsender Bedrohungen fehle. Auch europäisch rechnet Burkhard mit bestehenden Strukturen ab. Während Russland mit einer weitgehend einheitlichen Flotte operiere, leiste sich Europa eine extreme Zersplitterung – unter anderem mit 24 verschiedenen Fregattentypen. Seine Forderung: eine industrielle Konsolidierung nach dem Airbus-Prinzip. Nur durch Zusammenarbeit könne Europa technologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch bestehen. Trotz der ernsten Analyse verfällt Burkhard nicht in Alarmismus. Er mahnt zu mehr Sachlichkeit und gesellschaftlicher Gelassenheit. Europa sei stärker, als viele glauben – vorausgesetzt, es nutze sein industrielles Potenzial und handle entschlossener. Sein Fazit: Wehrhaftigkeit entsteht nicht durch Panik, sondern durch Tempo, Pragmatismus und den Mut, alte Denk- und Entscheidungsstrukturen zu überwinden.

    54 min
  6. Jan 13

    Wer macht unseren Strom so teuer, Philipp Schröder?

    Im MUT-Talk mit Tijen Onaran wird es grundlegend: Energieunternehmer und Ex-Tesla-Deutschland-Chef Philipp Schröder spricht über hohe Strompreise, politische Fehlanreize – und die Frage, warum günstige Energie in Deutschland trotzdem teuer bleibt. Sein Befund ist eindeutig: „Strom könnte fast kostenlos sein.“ Dass er es nicht ist, sei kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis eines dysfunktionalen Systems. Deutschland leidet unter europaweit höchsten Stromkosten. Für Schröder ist das die Folge politischer Entscheidungen und mächtiger Strukturen. Der Gründer von 1Komma5° spricht von einer „unheiligen Allianz“ zwischen Politik und großen Netzbetreibern. Die eigentliche „Gelddruckmaschine der Energiewende“ stehe nicht bei Wind- oder Solaranlagen, sondern „im Keller der Netzbetreiber“. Besonders scharf kritisiert Schröder die Netzentgelte. Während Strom aus Sonne und Wind immer günstiger erzeugt werde, kämen die Ersparnisse bei den Verbrauchern nicht an. „In manchen Regionen zahlt man 22 Cent allein für das Netz“, sagt er. Netzbetreiber hätten keine Konkurrenz und garantierte Renditen. „Eon verdient sein Geld nicht mit Strom, sondern mit dem Netz. Das ist wie die GEZ.“ Je mehr investiert werde, desto höher falle die Rendite aus – zulasten der Verbraucher. Auch die Energiepolitik nimmt Schröder ins Visier. Die geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke hält er für wettbewerbsverzerrend und kontraproduktiv. Deshalb hat er Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. „Das ist ein Foul“, sagt er. Staatlich geförderte Großkraftwerke würden dezentrale Lösungen ausbremsen und die Strompreise weiter nach oben treiben. Kritisch äußert er sich zudem über personelle Nähe zwischen Politik und Energiekonzernen: „Das nehme ich mittlerweile als störend wahr.“ Gleichzeitig räumt Schröder mit gängigen Ängsten auf – etwa rund um die Wärmepumpe. Die Debatte über unbezahlbare Kosten sei überzogen und von falschen Informationen geprägt. „Wer weiter mit Gas heizt, wird immer mehr zahlen“, warnt er. Steigende CO₂-Preise und Netzkosten machten fossile Energie langfristig unattraktiv. Die Wärmepumpe dagegen sei „magisch“ – besonders in Kombination mit Photovoltaik. Sein Ziel: Häuser zu kleinen Kraftwerken machen und Menschen von der Preisangst befreien. Persönlich wird es beim Blick zurück auf seine Zeit bei Tesla. Zwar habe er dort viel gelernt, die Arbeitskultur unter Elon Musk beschreibt Schröder jedoch als „sehr toxisch“. Massenentlassungen und permanenter Druck seien Teil des Systems gewesen. Heute setzt er bewusst andere Prioritäten – auch symbolisch. Privat fährt er BMW. Trotz aller Kritik blickt Schröder nicht pessimistisch nach vorn. Er sieht Deutschland an einem Wendepunkt. „Der Groschen fällt langsam“, sagt er – in Fragen der Energieversorgung, der wirtschaftlichen Resilienz und der strategischen Unabhängigkeit. Sein Appell: weniger Bürokratie, mehr Ehrlichkeit, konsequente Nutzung günstiger Erneuerbarer. Denn Wohlstand und Sicherheit seien kein Selbstläufer. Mut bedeute, bestehende Strukturen infrage zu stellen – bevor sie uns weiter teuer zu stehen kommen.

    49 min
  7. 11/25/2025

    Wie viel Angst haben Sie um Ihre Familie – und um unser Land, Ahmad Mansour?

    Im Special-„MUT-Talk“ mit Tijen Onaran und Florian Festl wird es persönlich: Ahmad Mansour spricht über Ängste, Verantwortung – und die Frage, wie wir unsere Debattenkultur retten können. „Unsere Debattenkultur ist kaputt“, sagt er. Gleichzeitig fordert er: „Mut statt Gratismut.“ In einer bewegenden Live-Aufzeichnung im Rahmen der „Mut Maker Awards“ in Karlsruhe spricht der Psychologe und Islamismus-Experte offen über Bedrohungen, Anfeindungen und über die emotionale Last, die auch seine Familie mitträgt. Und trotzdem bleibt er klar: Er habe Deutschland als Wahlheimat bewusst gewählt – und sehe es als Pflicht, Demokratie zu verteidigen: „Das gibt es nicht zum Nulltarif.“ Mansour rechnet mit Vorwürfen aus Teilen der Medienlandschaft und der politischen Szene ab: Diffamierungen, pauschalisierte Rassismuskritik und der Vorwurf „erer Politik“ seien „eine glatte Lüge“. Er widerspricht deutlich: „Ich bin vielleicht Shitstorm-Experte – aber ich kämpfe für Menschenrechte und Freiheit.“ Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorne: Es brauche eine ehrliche Debatte über Migration, Integration und Sicherheit – ohne Empörungsschleifen, ohne moralische Etiketten. Denn, so Mansour: „Wir haben keine Strategie, wie wir aus Fremden Demokraten machen.“ Zum Schluss folgt ein Appell: Mut bedeute nicht laut zu sein, wenn alle applaudieren – sondern dort zu sprechen, wo es unbequem wird. „Wenn wir diese Demokratie schützen wollen, dann dürfen wir nicht warten, bis andere es tun.“

    37 min

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Deutschland braucht Veränderung, darüber sind wir uns alle einig. Doch wie diese Veränderung aussehen soll, darauf hat die Politik derzeit keine Antwort. In diesem Video-Podcast von Tijen Onaran gemeinsam mit Focus online diskutieren wir pragmatische Lösungen für die Zukunft von Deutschland. Kein Blick zurück, keine Ego-Polit-Show: MUT- Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran ist ein Format, das Mut machen soll – und Lust auf, das, was kommt. In zehn Folgen denken Tijen und ihre Gäste Deutschland weiter – auf Augenhöhe, konfrontativ, aber immer konstruktiv.

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