Der Märchendoktor

Joachim Huber

Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen? Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte. Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen.  Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund! Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert. Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln. Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben. Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen. Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.

  1. Jul 26

    3 Geschichten von den Wichtelmännern

    Ein Wichtelmännchen (oder Wichtel) ist eine menschenähnliche Sagengestalt. Als fleißige, kleine Hausgeister helfen sie den Menschen oft unbemerkt bei der Arbeit. Bekannt sind sie vor allem aus nordischen Mythen sowie von den 3 Märchen der Gebrüdern Grimm.Das Erste handelt von einem ehrlichen, aber verarmten Schuhmacher, der unverschuldet in Not gerät.Der Mann hat nur noch so viel Leder übrig, dass er daraus gerade noch ein letztes Paar Schuhe zuschneiden kann. Er legt es am Abend auf die Werkbank, um am nächsten Morgen mit der Arbeit zu beginnen.Als er am nächsten Morgen erwacht, stehen die Schuhe bereits perfekt fertig genäht auf dem Tisch. Ein Käufer bezahlt sie so gut, dass der Schuster Leder für zwei weitere Paar kaufen kann.Dies wiederholt sich tagelang, bis der Schuhmacher und seine Frau sich eines Nachts auf die Lauer legen. Sie entdecken zwei kleine, nackte Wichtelmänner, die im Eiltempo die Schuhe fertigen. Aus Dankbarkeit nähen die Eheleute den Wichtelmännern winzige, warme Kleidungsstücke. ------------------------------------------Das Zweite handelt  von einem armen, fleißigen Dienstmädchen, es findet eine schriftliche Einladung von Wichtelmännern als Taufpatin. Auf Zureden seiner Herrschaft geht es mit drei Wichteln in einen hohlen Berg, wo alles klein und prächtig ist. Auf ihr Bitten bleibt es drei Tage lang in Freude und geht mit den Taschen voll Gold. Daheim ist die Herrschaft schon gestorben, denn es waren sieben Jahre. ------------------------------------------Das Dritte handelt von einer Mutter deren neugeborenes Kind von Wichtelmännern mit einem Wechselbalg mit dickem Kopf und starren Augen vertauscht wurde. Der Begriff tauchte im 11. Jahrhundert auf und beschreibt den Versuch früherer Gesellschaften, sich unerklärliche Entwicklungsstörungen, Behinderungen, chronische Krankheiten oder das plötzliche Versterben von Säuglingen zu erklären.

  2. Jul 19

    Die Tochter des Königs von Vilas (Kroatien)

    Kroatische Volkserzählungen gehören zur südslawischen Tradition und weisen die wesentlichen Merkmale der slawischen Mythologie auf – den Weltenbaum, den freundlichen dreiköpfigen Drachen Zmaj,  die Feenwesen namens Vile und den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, der sich durch die gesamte slawische mündliche Überlieferung zieht. In anderen slawischen Märchen (wie in Kroatien oder Russland) treten oft bösartige, dreiköpfige Drachen auf, die Feuer speien und von Helden besiegt werden müssen.Kroatische Erzählungen sind zudem von der Adriaküste beeinflusst: Meeresgeister, Seemannslegenden und die Mythologie des dalmatinischen Hinterlandes verleihen ihnen ein mediterranes Flair, das den slawischen Traditionen im Landesinneren fehlt. Helden sind oft kluge jüngste Söhne oder findige Mädchen, die übernatürliche Feinde mit Einfallsreichtum statt mit Gewalt besiegen.„Die Tochter des Königs von Vilas“ ist ein klassisches kroatisches Volksmärchen, das vor allem durch die Übersetzungen des britischen Slawisten Albert Henry Wratislaw bekannt wurde.Den König von Vilas gab es nie, die Geschichte Kroatiens kennt verschiedene Königsdynastien, deren bekannteste Herrscher sind die Könige Tomislav (ca. 925–928), Petar Krešimir IV. (1058–1074), Dmitar Zvonimir (1075–1089) und Petar Svačić (1093–1097). Ab 1097 war Kroatien mit dem Königreich Ungarn vereint.Ab 1527 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 übernahmen die Habsburger (Österreich) die Herrscherkrone Kroatiens.

  3. Jul 12

    Der Hahnengiggerl

    Der Hahnengiggerl (auch Hahnegiggerl) ist eine dämonische Sagengestalt oder ein Zwerg aus der steirischen Volksüberlieferung und alpenländischen Märchen. Er ist eine Art regionaler Berggeist oder eine lokale Version des "Rumpelstilzchens". Romuald Pramberger schreibt 1946 in seinen Märchen aus der Steiermark: „Dieses Märchen erzählte mir ein altes, holzsammelndes Weiblein Ende August 1904 unweit von Poluderteich bei Neumarkt.“ Begriffe: 1)   "hamisch" (oft auch hochdeutsch hämisch) beschreibt eine Person oder deren Verhalten, wenn sie boshaft, schadenfroh, gehässig oder hinterhältig ist. 2)   "dumper" bedeutet in Altbayern und Teilen Österreichs dunkel, trüb oder dämmrig. 3)   „Zotten“ sind in der Bekleidung abstehende, buschige Fransen, Wollfäden, Fellbüschel oder zottig herabhängende Stoffstreifen. Auch alte, gebrauchte, meist zerschlissene Kleidung wird so beschrieben. 4)   "Buckelkorb" ist ein traditioneller, handgeflochtener Rückentragekorb (oft aus Haselnuss, Weide oder Eschenholz), der ergonomisch so geformt ist, dass er bequem auf dem Rücken getragen werden kann. Er besitzt meist eine gerade Rückseite, eine gewölbte Vorderseite und Trageriemen. 5)   "Kattun" ist ein glattes, relativ dicht gewebtes Textilgewebe aus Baumwolle in klassischer Leinwandbindung. Der Begriff leitet sich vom arabischen Wort quṭūn (Baumwolle) ab, weshalb es sprachlich eng mit dem englischen Wort cotton verwandt ist. 6)   Ein "Kobelwagen" ist einer der ältesten mittelalterlichen Reisewagen, der bis in das 16. Jahrhundert hinein genutzt wurde. Der Wagen besaß vier gleich große, hohe Räder und einen länglichen Kasten. Anfangs waren die Seitenwände halbhoch und mit Planen (aus Stoff oder Leder) überdacht, was ihm ein Aussehen ähnlich einem späteren Planwagen verlieh. 7)   Ein "Klafter" (historisches Maß) entspricht in Österreich genau 1,896 mr Ein Klafter Holz entspricht heute meist etwa 3 bis 4 Kubikmeter. 8)   "Ganggerl" ist ein Kobold, oft Begleiter des Heiligen Nikolaus. 9)   "Tschüppel"  ist ein Büschel (z.B. Stroh oder ein Haarschopf).

  4. Jul 5

    Die verwunschene Alm

    Die Vorauer Schwaig, gelegen auf einer Seehöhe von 1.511 Metern, ist sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto über die Mautstraße über Festenburg bei St. Lorenzen am Wechsel erreichbar. Von dort aus gelangt man in etwa einer Stunde zum Gipfel des Hochwechsels. Wanderwege führen von St. Lorenzen, Bruck/Lafnitz und Waldbach/ Mönichwald - Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark - über Forststraßen oder gekennzeichneten Wegen direkt zur Almhütte.  Die Vorauer Schwaig hat ausschließlich im Sommer geöffnet!  Die freundliche Bewirtung mit Jause und Getränken wird von Wanderern und Besuchern gerne angenommen. Zum steirischen Dialekt: 1)   „Schwaigern“ Sennerin, in der Steiermark oder Brentlerin“ genannt. 2)   „Felddirn“ (oder Feldmagd) aus der historischen bäuerlichen Arbeitswelt - die erste Magd eines landwirtschaftlichen Betriebs. 3)   „Kuhdirn“ ein historischer, regionaler Begriff für eine Magd, die in der Landwirtschaft ausschließlich für die Betreuung und das Melken der Kühe zuständig war. 4)   „Küchendirn“ (Kuchile oder Kuchldirn) ein veralteter, regionaler Begriff für eine weibliche Küchenmagd. Sie war für das Zubereitung von Speisen, das Kochen und die Instandhaltung der Küche zuständig. 5)   „garstiger Butznigl“  ungezogenes Männlein oder Schimpfwort für geringe Dinge. 6)   „Kraxen“ - Holzgestell [mit Korb] zum Tragen auf dem Rücken, Rückentraggestell, Rückenkorb. 7)   „Kemenate“  beheizbares Gemach, meist wohnten dort die Frauen. 8)   „Urschel“ ein alter, umgangssprachlicher Ausdruck bedeutet meist eine alberne, leichtsinnige oder weniger intelligente Frau. 9)   „Zinnlichter“ sind einfache Kerzen oder Lampen in einer Halterung aus Zinn. Quelle: aus „Kinder- und Hausmärchen der Steiermark“, 1942, gesammelt von Viktor von Geramb, mit heimatlichen Bildern geschmückt von Emmy Singer-Hießleitner.

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