Klartext - Der Mobilitäts-Podcast der Autogazette

Frank Mertens

Der Podcast der Autogazette behandelt Themen rund um die Mobilität. Dabei geht es uns darum, neben technologischen Entwicklungen auch Aspekete wie Verkehrs-, Umwelt- und Klimapolitik zu behandeln. In regelmäßigen Abständen bitten wir wichtige Akteure zum Gespräch. Mit ihnen wollen wir darüber sprechen, wie sie die Transformation beispielsweise mit Blick auf die Elektromobiltität weiter voranbringen - und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Neben unserem ⁠Interview-Format widmen wir uns mit dem "Digital Drive" der zunehmenden Bedeutung der Software im Auto. Foto: Viktor Strasse

  1. Smartes Cockpit und HMI: Deshalb ist es wichtig

    May 15

    Smartes Cockpit und HMI: Deshalb ist es wichtig

    Früher war der Innenraum eines Autos minimalistisch: Man stieg ein, fuhr los, kam an. Heute ist der Innenraum zu einem digitalen Erlebnisraum geworden, in dem gefahren, gesprochen, geplant, gestreamt und zunehmend auch gearbeitet wird. Das Auto wird zur Benutzeroberfläche – und genau darin liegt eine der tiefgreifensten Veränderungen der Branche. Der Begriff „Smart Cockpit“ klingt zunächst nach Marketing, beschreibt aber eine reale Verschiebung. Gemeint ist nicht einfach ein großer Bildschirm, sondern ein vernetztes, kontextsensitives System aus Displays, Sprachsteuerung, Sensorik und Software. Für den Digitalexperten Henry Bauer vom Software-Unternehmen Endava zeichnet sich das „Smart Cockpit“ dadurch aus, dass die Bedienelemente im Fahrzeug vernetzt und kontextsensitiv sind, wie er im aktuellen Podcast Klartext der Autogazette im Gespräch mit Frank Mertens sagt. Das Auto soll nicht mehr nur Befehle entgegennehmen, sondern situativ reagieren – also je nach Fahrsituation, Umgebung und Nutzerbedürfnis unterschiedliche Informationen in den Vordergrund rücken, wie Bauer sagt, der bei Endava Head of Automotive Europe ist. Zwischen den Herstellern hat längst ein globaler Wettlauf begonnen. Mit dem softwaredefinierten Fahrzeug verlagert sich der Wettbewerb der Hersteller auch sichtbar in den Innenraum. Nicht mehr nur Reichweite, Fahrwerk oder Leistung entscheiden über Attraktivität, sondern die Qualität der Interaktion. Wer ein Auto verkauft, verkauft heute auch eine Bedienlogik, ein Interface, ein Gefühl von digitaler Souveränität. Besonders dynamisch entwickelt sich dieser Markt in China. Dort wird das Auto stärker als digitaler Erlebnisraum gedacht, in dem Komfort, Status und Unterhaltung eng zusammengehören. Europäische Hersteller dagegen punkten traditionell eher mit Markenführung, Robustheit und regulatorischer Sicherheit. Bauer beschreibt das nüchtern: „Da können wir was von Chinesen lernen.“ Gleichzeitig verweist er darauf, dass europäische Marken andere Stärken mitbringen – vor allem dann, wenn digitale Systeme weltweit verlässlich und regelkonform funktionieren müssen. Im Premiumsegment gilt Mercedes als einer der Vorreiter dieser Entwicklung. Das MBUX-System, der Hyperscreen und die starke visuelle Inszenierung des Innenraums zeigen, dass Benutzeroberflächen längst Teil des Markenversprechens geworden sind. Für Bauer ist genau das ein Grund, warum Mercedes in Europa als Benchmark wahrgenommen wird: „Mercedes hat früh verstanden, dass das Bedienerlebnis Teil der Marke ist.“ Es gehe eben nicht nur darum, ein großes Display zu verbauen, sondern darum, dass sich das System hochwertig, schlüssig und lernfähig anfühlt. Doch genau an diesem Punkt beginnt auch das Dilemma der neuen Cockpitwelt. Denn mehr Bildschirm bedeutet nicht automatisch mehr Qualität. Im Gegenteil: Je mehr Funktionen auf Displays wandern, desto größer wird das Risiko der Überforderung. Bauer benennt das sehr klar. Sein persönliches No-Go sei „das Verstecken von Funktionalität in riesigen Touchscreen-Menüstrukturen“. Seine Aussage trifft dabei einen Nerv, weil er ein Grundproblem vieler moderner Fahrzeuge beschreibt: Was futuristisch aussieht, ist im Alltag nicht immer intuitiv. Gerade deshalb kommt der Sprachsteuerung eine besondere Rolle zu. Im besten Fall erlaubt sie dem Fahrer, Aufgaben zu erledigen, ohne die Hände vom Lenkrad oder die Augen von der Straße zu nehmen. Im schlechtesten Fall wird sie selbst zur Ablenkung. Spannend ist, dass sich die Debatte nicht mehr allein um den Fahrer dreht. Der Beifahrer-Screen ist dafür das beste Beispiel. Was lange wie ein luxuriöses Extra wirkte, kann in Wahrheit ein funktionales Element sein – wenn er die Rollen im Auto sinnvoll trennt. Während der Fahrer sich auf die Straße konzentriert, kann der Beifahrer Route, Restaurantstopp oder Pausenplanung übernehmen. Bauer nennt das einen „signifikanten Mehrwert“. Auf längeren Fahrten entsteht eine neue Form der Arbeitsteilung im Innenraum. Foto: Mercedes

    56 min
  2. Ladeinfrastruktur als «Rückgrat der Mobilitätswende»

    Apr 8

    Ladeinfrastruktur als «Rückgrat der Mobilitätswende»

    Die Ladeinfrastruktur entscheidet mit über den Erfolg der Elektromobilität. Mit „eMobility Deutschland“ gibt es seit Ende des vergangenen Jahres nun eine Allianz aus Ladesäulenbetreibern und Herstellern von Ladesäulen. „Wir wollen konstruktive Vorschläge machen, was es braucht, um die Ladeinfrastruktur in Deutschland voranzubringen“, sagte die Vorstandsvorsitzende von „eMobility Deutschland“, Linda Boll, im Podcast der Autogazette. Für Boll, zugleich Deutschlandchefin von Fastned, ist die Ladeinfrastruktur das „Rückgrat der Mobilitätswende“. In der Vergangenheit sei zwar viel über die Ladeinfrastruktur in Deutschland gesprochen worden, aber zu wenig mit den Betreibern der Ladeinfrastruktur, so die Managerin. Wie Alexander Junge als ihr Stellvertreter hinzufügte, hätte es in Deutschland bisher keine Stimme gegeben, „die so viele Ladepunkt-Betreiber und Hardwarehersteller vereint“. DieseLücke hätte man nun geschlossen, so Junge, der das Geschäft von Aral Pulse verantwortet. Zu den Gründungsmitgliedern von „eMobility Deutschland“ gehören neben Aral Pulse und Fastned zudem Ionity, Shell, Electra, Engie Vianeo, ABB und Alpitronic. Zu den Zielen, für die sich der Verein in Zukunft unter anderem einsetzen will, gehören beispielsweise ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren und Bürokratieabbau. „Es reicht nicht aus, dass die Privatwirtschaft in hohem Maße investitionsbereit ist“, sagte Junge. Vielmehr müsste diese Investitionsbereitschaft „durch schlanke Genehmigungsprozesse“ unterstützt werden, „damit die PS auch schnell auf die Straße kommen“. In diesem Zusammenhang würde man sich für eine transparente Vergabepraxis einsetzen, damit alle Ladeinfrastruktur-Betreiber die gleichen Chancen hätten, um an attraktive Flächen, vor allen Dingen im städtischen Bereich, zu kommen, fügte Junge hinzu. Daneben sei eine Beschleunigung bei den Netzanschlüssen wichtig. „Wir als Ladepunkt Betreiber warten oftmals bis zuzwei Jahre, in seltenen Fällen sogar noch länger auf Netzanschlüsse“, so Junge. „Der rasche Hochlauf der Ladeinfrastruktur muss durch schnelleres Tempo bei den Netzanschlüssen ermöglich werden." Daneben ging es in dem Gespräch u.a. auch um das von Fastned erstrittene Urteil des Oberlandesgerichts Düsselsdorf zur Vergabepraxis der Autobahn GmbH, die neue Elektroautoprämie und den Sinn von Blockiergebühren. Foto: eMobility Deutschland

    46 min
  3. «Der Renault 5 hat Kultpotenzial»

    Mar 2

    «Der Renault 5 hat Kultpotenzial»

    Renault-Deutschlandchef Florian Kraft sieht die Marke bei der Elektromobilität weiter im Aufwärtstrend. Wie Kraft im aktuellen Podcast der Autogazette sagte, erwarte er in diesem Jahr einen Zulassungsanteil der E-Modelle von einem Drittel. «Wenn der Markt bei einem Viertel liegt, rechnen wir bei Renault mit einem Zulassungsanteil von einem Drittel. Ich will eine Marke von 33 bis 35 Prozent ab dem Zeitpunkt erreichen, ab dem der Twingo auf dem Markt ist», so Kraft. Mit Blick auf den Gesamtmarkt war Kraft vor der neuen Elektroauto-Prämie «von einen Zulassungsanteil von 23 bis 26 Prozent ausgegangen. Durch die Prämie kommen da jetzt noch einmal 4,5 Prozent on top. Ich glaube, dass 25 Prozent mittelfristig auf jeden Fall drin sind - mit Luft nach oben.» Den Absatz der Elektroautos der Marke soll dabei gerade auch der neue Renault Twingo E-Tech ankurbeln. Der Stromer wird seit Kurzem für einen Einstiegspreis von unter 20.000 Euro angeboten. «Ich wette, dass ab dem Sommer der Twingo das meistverkaufte Fahrzeug in der Renault-Palette sein wird», so der Renault-Deutschlandchef. Kraft erwartet pro Monat vierstellige Absatzzahlen vom Twingo. Damit läge der neue Einstiegsstromer der Franzosen über den Absatzzahlen des Renault 5, von dem im Vorjahr 7884 Fahrzeuge neu zugelassen wurden. Die Erwartungen hat der R5 damit übererfüllt. Erwartet hatte Kraft ursprünglich 6000 Einheiten. Für das Markenimage kommt dem R5 dabei eine besondere Bedeutung zu. «Der R5 hat Kultpotenzial. Als Importeur in Deutschland mit einem Marktanteil zwischen zwei und drei Prozent geht es uns so, wie anderen Importeuren aus Asien und Frankreich: Wir sind darauf angewiesen, mit unseren Modellen im Stadtbild aufzufallen», sagte Kraft und fügte hinzu: «Deshalb ist es gut, dass wir mit dem R5 ein Fahrzeug haben, was auffällt und von sich reden macht. Auf ein solches Kultpotenzial sind wir als Importeur angewiesen.» Wie Kraft sagte, würden R5 und R4 ohne Frage neue Kundinnen und Kunden in die Autohäuser bringen. Doch er legte „sehr, sehr viel Wert darauf, dass wir unsere Kunden loyalisieren. Deshalb freue ich mich sehr, dass zahlreiche Zoe-Kunden einen R5 kaufen. Daneben haben wir auch viele Zoe-Kunden, die sich nach einem Twingo erkundigen. Neue Kunden sind top, doch wir haben momentan mehr als zwei Millionen Deutsche, die mit Fahrzeugen der Renault Group – Renault und Dacia – unterwegs sind. Die möchte ich im Konzern halten“. Nachdem Renault auf dem deutschen Markt im Vorjahr auf 59.400 Pkw-Zulassungen kam und damit ein Plus von 9,4 Prozent. erzielt hat, soll es in 2026 möglichst ein zweistelliges Plus geben. "Das ist unsere Vorstellung – und das sollte auch möglich sein. Warum? Weil wir mit Clio und Twingo unsere zwei Bestseller auf den Markt bringen. Wenn ich als Vertriebler sagen würde, ich würde vor diesem Hintergrund kein Wachstum erwarten, wäre ich der Falsche auf der Position. "

    40 min
  4. BMW: Preisparität entscheidet über Erfolg der Wasserstoffmobilität

    Feb 18

    BMW: Preisparität entscheidet über Erfolg der Wasserstoffmobilität

    BMW lässt sich von den Zulassungszahlen von Pkw-Fahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb nicht beirren. Die Bayern wollen 2028 in Kooperation mit Toyota ihr erstes Serienmodell auf den Markt bringen. Den Auftakt wird der  X5 machen, wie Jürgen Guldner im Podcast der Autogazette sagte. Guldner ist bei dem bayerischen Hersteller Programm-Manager Wasserstoff. Die Münchner sind der einzige deutsche Hersteller, der das Thema nach wie vor im Pkw-Bereich verfolgt. Experten sehen die Brennstoffzelle im Pkw-Bereich skeptisch, sehen ihren Einsatzzweck vor allem in der Luft- und Schifffahrt und im Schwerlastverkehr. Neben BMW ist derzeit nur noch Toyota und Hyundai bei dieser Technologie engagiert: sie bieten mit dem Mirai und Nexo eigene Fahrzeuge an - mit überschaubarem Erfolg. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im Vorjahr bundesweit 49 Brennstoffzellenfahrzeuge neu zugelassen. Weltweit sieht es nicht viel besser aus. Nach Analysen der koreanischen Unternehmensberatung SNE Research waren es im Vorjahr global geradel einmal 16.011 Einheiten, Es sind Zahlen, die BMW natürlich zur Kenntnis nimmt, den Hersteller vom eingeschlagenen Weg aber nicht abbringt. Man ist überzeugt vom Erfolg der Technologie. Seit 2023 war BMW mit einer 100 Fahrzeugen umfassenden Testflotte unterwegs,hat weltweit mit dem iX5 Hydrogen in über 20 Ländern eine Million Kilometer zurückgelegt. Dabei hätte man sehr viel positiven Zuspruch bekommen, so Guldner. Dass BMW auch auf die Brennstoffzelle setzt, passt zur Technologieoffenheit, die der Hersteller verfolgt. Seinen Kundinnen und Kunden will man beim Antrieb die Wahl lassen – und dazu gehören neben Verbrennern, Hybriden, und reinen E-Autos ab 2028 auch solche mit Brennstoffzellenantrieb. Der 2028 mit Brennstoffzelle kommende X5 wird dann das erste Modell im Portfolio sein, das über fünf Antriebe verfügen wird. Bei BMW ist man der Auffassung, dass man nur mit einer einzigen Technologie das Ziel der Klimaneutralität nicht erreichen könne. Man müsse sich auch immer die Bedingungen anschauen, unter denen die Kunden ein Fahrzeug nutzen. Da hätte es sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es zwar Menschen gibt, „die gerne emissionsfrei fahren würden, aber für die ein batterieelektrisches Fahrzeug aus diversen Gründen nicht in die individuelle Mobilität passt“, so Guldner.„Wenn man Menschen zum Umdenken und zu Verhaltensänderungen bewegen will, dann ist es besser, wenn man Alternativen und Optionen zu bieten hat.“ So wie die Ladeinfrastruktur für E-Autos als unzureichend kritisiert wird, trifft das auch auf Wasserstofftankstellen zu. So gab es im Vorjahr bundesweit nur noch 50 Wsserstofftankstellen. Wenn neue hinzu kommen, dann sind sie für Lkws vorgesehen. Deshalb will Guldner auch nicht von einem Abbau von Tankstellen sprechen, sondern er nennt es Umbau. Man sehe es positiv, dass nun auch Tankstellen für Lkw gebaut würden. Guldner verweist auf EU-Vorgaben, nach denen bis 2030 Wasserstofftankstellen alle 200 km auf dem europäischen Straßennetz errichtet werden müssen. Guldner zeigt sich optimistisch, dass europaweit der Preis für Wasserstoff weiter sinkt. In Deutschland liegt die Preisspanne derzeit für Pkw zwischen zehn und bis zu über 15 Euro pro Kilogramm, Lkws können teils für 8 Euro tanken. InBelgien sei das Kilo für zehn Euro zu haben. „Wir sehen, dass die Preise runtergehen.“ Perspektivisch sieht er auch eine Preisparität zwischen CO2-armen Wasserstoff und Benzin und Diesel. „Und das wird auch für den Erfolg der Wasserstoffmobilität entscheidend sein." Mit Blick auf die Marktaussichten zeigt sich Guldner zuversichtlich. Hyundai beispielsweise habe vor ein paar Monaten in Korea den neuen Nexo auf den Markt gebracht, der dort erfolgreich läuft und jetzt nach Deutschland komme. Bis BMW 2028 den X5 als Hydrogen auf den Markt bringt, wird sich der Markt und die Infrastruktur weiter entwickelt haben, deshalb sehe man bis dahin gute Marktaussichten.

    45 min
  5. BYD-Deutschlandchef: Meine Vision geht über 50.000 Einheiten hinaus

    Feb 9

    BYD-Deutschlandchef: Meine Vision geht über 50.000 Einheiten hinaus

    Lars Bialkowski schaut zuversichtlich auf das neue Jahr. Mit dem Auftakt kann der Deutschlandchef von BYD zufrieden sein. Im Januar konnte der chinesische Hersteller 2629 Fahrzeuge neu zulassen, ein Plus von fast 1019 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dass ein solches Wachstum immer relativ ist, weiß auch Bialkowski. Vor zwölf Monaten hatte BYD in Deutschland so gut wie keine Präsenz. Die Zahl der Händler lag damals bei gerade einmal 26. Bialkowski wurde geholt, um das zu ändern. Mittlerweile hat man 150 Händler, bis zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres sollen es 195 Standorte sein. Und bis Ende 2026 plant Bialkowski mit 350 Service- und Sales-Standorten. Dass dieser konsequente Ausbau des Händlernetzes die ersten Absatzerfolge brachte, sieht man an den Neuzulassungen des Vorjahres. Hier kam BYD, mittlerweile an Tesla als weltgrößtem Elektroautobauer vorbeigezogen, auf23.306 Neuzulassungen in Deutschland. Dass sind zwar nicht die 50.000 Einheiten, die Europachefin Stella Li mehrfach als Ziel für das Vorjahr ausgegeben hat, aber Bialkowski ist damit dennoch zufrieden. Und, klappt es in diesem Jahr mit den50.000 Einheiten? Seiner Europachefin hätte er auf jeden Fall gesagt, dass „meine Vision für Deutschland weit über diese 50.000 Einheiten hinaus geht. Die Frage ist, wie schnell das passiert? Doch hier lässt sich Bialkowski nicht auf einen konkretenZeitpunkt festlegen. Derzeit sehe man aber, dass BYD „Monat für Monat den Markt überrasche, Monat für Monat neue Rekordmonate erzielt“. Auch wenn sich derBYD-Deutschlandchef nicht festlegen lässt: diese 50.000 Autos sind in diesem Jahr angesichts mehrerer neuer Modelle durchaus realistisch. Schließlich wird der Markt für reine Elektroautos undPlug-in-Hybride gerade durch die von der Regierung ausgelobte E-Prämie von bis zu 6000 Euro (abhängig vom Einkommen) zusätzlich gepusht. Die Prämie jedenfallshat bei BYD zu einer zusätzlichen Nachfrage geführt, erzählt Bialkowski. Davon profitiert derzeit insbesondere der Dolphin Surf, der Einstiegsstromer der Chinesen. Er wird gerade zu besonders attraktiven Barpreisen und Leasingangeboten offeriert. Nach Abzug des E-Bonus von BYD in Höhe von 7600 Euro und der staatlichen Prämie von bis zu 6000 ist der Dolphin Surf für 12.990 Euro zu haben. Doch viel wichtiger als der Barpreis sind die Leasingraten,„70 bis 80 Prozent unseres Volumens entfallen auf das Leasing“, so Bialkowski. Entsprechend bietet man den Dolphin Surf derzeit schon bei einer Laufzeit von 48 Monaten ab 89 Euro monatlich an. Ähnlich attraktive Konditionen schnürt manauch für den Atto 2 DM-i, einen Plug-in-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von 90 Kilometer. Sein Verkaufspreis startet in der Ausstattungsvariante Active bei 35.990 Euro. In der förderfähigen Boost-Variante werden 38.990 Euro fällig. Zieht man davon den Herstellerbonus von 11.500 Euro und die staatliche Prämie von bis zu 4500 Euro ab, ist das im wachstumsstarken B-Segment beheimatete Fahrzeug für 22.990 Euro zu haben. Einen Wettbewerbsvorteil sieht Bialkowski im Porfolio der Marke. Man decke mit seinen Modellen rund 90 Prozent aller Passengercar-Segmente ab. Da die Chinesen sich nicht primär als Autobauer sehen, sondern als Technologiekonzern, engagiert man sich auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. In Zeiten, in denen Ladeleistungen von jenseits 300 kW langsam in die Breite kommen, mangelt es indes an entsprechenden High-Power-Chargern. Das will man mit seinen Megawatt-Ladesäulen ändern. An ihnen lässt sich die Batterie in nur 5 Minuten für weitere 400 Kilometer Reichweite laden. Wie viele Stationen es ab diesem Jahr werden, dazu will Bialkowski nichts sagen. Die Ladestationen sollen aber auch für andere Marken zur Verfügung stehen. „Wir sind ein Unternehmen, was sich permanent selbst herausfordert. Unser Ziel ist es, unsere technologische Führerschaft nicht nur zu halten, sondern sie auszubauen.“

    49 min
  6. «Mit 120 Händlern sind wir momentan gut aufgestellt»

    12/12/2025

    «Mit 120 Händlern sind wir momentan gut aufgestellt»

    Der chinesische Hersteller Leapmotor kommt nach den ersten elf Monaten des Jahres nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) auf 6.429 Neuzulassungen. Erreicht hat die Marke dieses Ergebnis vor allem mit zwei Modellen: dem T03 und dem C10. Der B10 als drittes Modell der Chinesen ist erst seit September auf dem Markt erhältlich. Entsprechend weist die Zulassungsstatistik für den B10 per November nur 258 Einheiten aus. Mit den bisherigen Zulassungszahlen einen Monat vor Ablaufdes Jahres zeigt sich der Deutschlandchef von Leapmotor, Martin Resch, zufrieden, wie er im aktuellen Podcast der Autogazette sagt. „Wir hatten uns zum Jahresbeginn eine mittlere vierstellige Zulassungszahl vorgenommen. Das werden wir erreichen.“ Zudem hätte man im November erstmals etwas mehr als 1000 Neuzulassungen gehabt. Das sei eine Marke, die man in diesem Jahr auch einmal erreichen wollte. Wie Resch sagte, habe sich Leapmotor für ein nachhaltiges Geschäftsmodell entschieden. Deshalb legt man seinen Fokus nicht auf kurzfristige Zulassungen und Kanäle, die die Restwerte negativ beeinflussen. Mit Blick auf das steigende Modellangebot zeigt sich der Deutschlandchef zuversichtlich, dass man im kommenden Jahr ein fünfstelliges Zulassungsergebnis erreicht. So wird in 2026 das Portfolio nicht nur durch den B05 ergänzt, sondern dann wir auch der B10 sein volles Potenzial entfalten. Zugleich steht der B03 in den Startlöchern. Resch bezeichnet den B10 zugleich als wichtigstes Modell der Marke für die kommenden Jahre. So sei der B10 nicht nur im volumenträchtigen C-SUV-Segment unterwegs, sondern böte auch mit Blick auf die Total-Cost-of-Ownership ein attraktives Angebot. Neben dem Einstiegspreis von rund 30.000 Euro zeichne sich der B10 auch durch seine günstige Versicherungseinstufung mit der Vollkasko 22 aus. „Das ist im Marktumfeld sehr gut.“ Zudem hätte der B10 gerade auch  von Euro NCAP bei der Sicherheit die Höchstwertung von fünf Sternen erhalten. Mit dem B10 hätte man ein überzeugendes Gesamtpaket geschnürt. Resch geht davon aus, dass dieses Fahrzeug mittelfristig zummeist verkauftem im Portfolio werden wird. Im Gegensatz zu einigen anderen chinesischen Herstellern war Leapmotor bei seiner „Go-Market-Strategie“ klar, dass man auf ein Händlernetz setzt. So wie ein Händler dem Hersteller vertrauen muss, muss auch der Kunde seinem Händler vertrauen. „Und das ist im Regelfall der lokale Händler.“ Dabei profitiert Leapmotor vom Joint Venture mit dem Stellantis-Konzern und dessen Händlernetz mit seinen Marken wie beispielsweise Opel, Citroen, Peugeot oder Fiat. Über alle Stellantis-Marken hinweg komme man in Deutschland auf über 1100 Vertriebsstandorte. Leapmotor hat derzeit bundesweit über 120 Händler. Damit komme man in der Netzplanung auf eine Abdeckung von 75 Prozent. Damit sieht Resch die Marke auch angesichts des derzeitigen Absatzes gut aufgestellt. Angesichts der zur Verfügung stehenden Vertriebsstandorte von Stelllantis verfüge man aber über ausreichend Potenzial für einen weiteren Ausbau des Händlernetzes. Den hänge aber von der weiteren Volumenentwicklung ab. Dass Leapmotor als Herstellers mit einem Fokus auf Elektroautos den C10 auch mit einem Range Extender anbietet, ist für Resch sinnvoll. „Wir sehen, dass es eine notwendige Brückentechnologie ist, die von den Kunden nachgefragt wird.“ Wie Resch betonte, gäbe es nach wie vor in Teilen Europas als auch in Deutschland noch eine unzureichende Ladeinfrastruktur. Deshalb mache ein Range Extender durchaus Sinn, auch deshalb, weil er Vorteile gegenüber konventionellen Plug-in-Hybriden habe.   Das Gespräch mit Martin Resch haben wir übrigens geführt, bevor die EU-Kommission eine Abkehr vom strikten Verbrenner-Aus 2035 vorgeschlagen hat.

    43 min
  7. «Sind mit Hochlauf der Elektromobilität nicht auf der Zielgeraden»

    10/08/2025

    «Sind mit Hochlauf der Elektromobilität nicht auf der Zielgeraden»

    Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) begrüßt, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag die Vertreter der Autobranche zu einem Gipfeltreffen eingeladen hat. Von dem Treffen erhofft sich VDIK-Präsidentin Imelda Labbé, dass am Endeein praktikabler Plan entwickelt wird, der den weiteren Hochlauf der Elektromobilität unterstützt und damit die bei den Kunden bestehende Verunsicherung auflöst. Das Gespräch mit Frau Labbé haben wir in der Vorwoche in der neuen Hauptstadtrepräsentanz des VDIK in Berlin geführt. Wie die VDIK-Chefin im aktuellen Podcast der Autogazette sagte, wünsche sie sich von der Politik, dass die im Koalitionsvertrag zugesagten Ziele eingehalten und umgesetzt werden. Dass sei zum einen für die Mitarbeitenden in der Automobilwirtschaft wichtig, als auch für die verunsicherte Kundschaft. Nachdem das vergangene Spitzentreffen mit EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen am 12. September in Brüssel für die Branche enttäuschend verlief, kommt man das nächste Mal im Dezember mit der CDU-Politikerin zusammen. Die Autoindustrie hat von der EU ein Aufweichen der CO2-Regulatorik und ein Aus vom Verbrenner-Aus 2035 gefordert. Für den Abschied vom Verbrenner-Aus hatte sich zuletzt auch Bundeskanzler Merz ausgesprochen. Labbé zeigt sich zuversichtlich, dass es bei der nächsten Zusammenkunft in Brüssel zu konkreten Ergebnissen kommt. Der Handlungsdruck sei inzwischen so groß, dass es zu konkreten Ergebnissen komme müsse. "Unser Pkw-Markt, der größte in Europa, liegt nach wie vor unter Vorjahr. Unsere generelle Wirtschaftssituation ist bekannt. Wir haben kein Wachstum, wir haben Verunsicherung bei den Kunden“, so Labbé. „Deshalb ist es ganz klar, dass jetzt eine Richtung definiert werden muss.“ Dass gerade die Autobranche mit der Diskussion um Technologie-Offenheit und das Verbrenner-Aus 2035 selbst zur Verunsicherung beitrage, kann Labbé nicht erkennen. "Die Automobilbranche muss darauf hinweisen, dass wir im Moment gerade in Deutschland mit dem Hochlauf derElektromobilität nicht auf der Zielgeraden sind.“ Die hohen Strafen, die den Herstellern bei einer Nichterfüllung der „CO2-Grenzwerte drohen, würden zu Verwerfungen im Markt führen, die nicht nachhaltig sind“. Die VDIK-Präsidentinverwies in diesem Zusammenhang auf die momentan hohen Rabatte für Elektrofahrzeuge und dem Druck auf die Restwerte. Es seien alles Dinge, die nicht nachhaltig sind. Deshalb sei der Handlungsdruck groß. Obwohl die Zulassungszahlen für Elektroautos zuletzt gestiegen sind und mittlerweile auf einen Anteilvon 19 Prozent an den Gesamtzulassungen kommen, reicht das der Branche für die Erreichung der CO2-Ziele nicht aus, so Labbé. Man sehe natürlich, dass die Zulassungen deutlich gestiegen sind, „aber ich sehe die Gefahr, dass man diese Steigerung aus dem letzten Jahr einfach in die Zukunft extrapoliert. Und dafür gibt es keine Veranlassung“. Doch ist es nicht an den Herstellern, mit attraktiven Modellen für diese Nachfrage zu sorgen? Wie die VDIK-Präsidentin sagte, hätten viele VDIK-Mitglieder bereits Elektrofahrzeuge im Einstiegssegment im Angebot. Zudem würde die Automobilwirtschaft schon jetzt Leasingratenfür E-Autos anbieten, die fast auf dem Niveau von Verbrennern liegen würden. „Die Reichweiten sind inzwischen gut, die Technologie ist fortgeschritten. Trotzdem sagen nur 16 Prozent der Kunden, dass für sie ein BEV in Frage kommt“, sagte Labbé mit Bezug auf das DAT-Barometer. Das zeige, dass die Probleme nicht bei den Modellen liegen, sondern an den Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang nannte sie u.a. die zu hohen Strompreise, die Ladeinfrastruktur und eine öffentliche Meinungsmache gegen E-Autos.  Dass es – obwohl im Koalitionsvertrag vorgesehen – für Privatkunden keinen niedrigeren Strompreis gegeben hat, sei ein falsches Signal gewesen. Als problematisch erachtet Labbé auch die fehlende Transparenz der Strompreise an Ladestationen, die schnell hergestellt werden müsste. Foto: VDIK

    33 min
  8. «Wenn die Nachfrage nicht stimmt, liegt es doch an uns»

    09/27/2025

    «Wenn die Nachfrage nicht stimmt, liegt es doch an uns»

    Polestar-Chef Michael Lohscheller spricht sich gegeneine Abkehr vom Verbrenner-Aus 2035 aus. „Ich halte es für richtig, den Kurs zu halten. Alles andere führt nur zu Irritationen, zur Verwirrung, zur Verunsicherung“, sagte der Vorstandschef des Elektroautobauers im aktuellenPodcast der Autogazette. Das Gespräch mit Lohscheller wurde am Mittwoch dieser Woche am Rande des CAR-Symposium in Bochum geführt, wo er zu den Hauptrednern gehörte. Im Vorfeld der IAA in München hatte Mercedes-Chef OlaKällenius in seiner Eigenschaft als Präsident des europäischen Herstellerverbandes ACEA in einem Brief an EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen eine Aufweichung der  Ziele gefordert. Dazu gehört nebendem Verbrenner-Aus 2035 auch die CO2-Regulatorik.  Lohscheller hält von solchen Forderungen nichts. Wieder Manager sagte, sollte die Branche die verbleibenden Jahre bis zum Ausstieg aus dem fossilen Verbrenner  im Jahr 2035 nutzen, um die Dinge weiter voranzutreiben. Es seien bereits viele Fortschritte erzielt worden, sagte Lohscheller, der seit dem 1. Oktober 2024 Polestar verantwortet. Dabei verweist der Manager unter anderem auf das Preisniveau von Elektroautos, das sich immer mehr dem von Verbrennermodellen annähern würde. Die Reichweiten hätten zudem mittlerweile ein Niveau erreicht, bei denen die Kundinnen und Kunden keine Reichweitenangst mehr haben müssten. Zudem sei die Ladeinfrastruktur vielbesser, als immer dargestellt würde, stellte Lohscheller fest, der selbst regelmäßig lange Strecken elektrisch zurücklegt. Lohscheller spart in dem Gespräch auch nicht mit der Kritik an der Branche, der er eine strategische Verwirrung undeinen Unwillen zur Transformation vorhält. „Es ist wichtig, eine klare Linie zu behalten. Mir würde auch gar kein Beispiel einfallen, wo eine Verschiebung zum Erfolg geführt hat. Das Ziel ist klar und bis zum Jahr 2035 ist es noch ein langer Zeitraum. Es ist ja nicht so, dass andere Länder bei dieser Transformation dann plötzlich auf Pause drücken. Bereits auf der IAA in München habe ich gesagt, dass es kein Erfolgsrezept ist, wenn wir jetzt mal fünf Jahre Pause machen. Das wird nicht funktionieren.“ Dass Teile der Autobranche die CO2-Flottengrenzwerte nachjustieren wollen, weil für deren Erreichung die Nachfrage hinter den Erwartungen bleibt, sieht Lohscheller mit Verweis auf den Klimawandel kritisch. „Nein, das ist nicht in Ordnung. Das ist ethisch, moralisch und auch rhetorisch nicht in Ordnung." Mit Blick auf die laut Branche verhaltene Nachfrage nach Elektroautos sieht Lohscheller die Hersteller in der Verantwortung. Sie müsse dafür entsprechende Angebote machen. „Wenn wir da jetzt nicht schnell genug vorwärtskommen, dann liegt es doch an uns, das zu verbessern und nicht an irgendwelchen Politikern, mit denen wir jahrelang gesprochen haben und uns auf dieses Ziel geeinigt haben.“ Foto: Polestar

    38 min

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