Klimakolumne

Peter Fuermetz

Peter Fuermetz’ Klimakolumne. Klima - Umwelt - Natur. In diesem Podcast geht‘s um die Klimakatastrophe und um Initiativen dagegen. Infos, Wissen, Motivation für alle, denen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist. Als Newsletter und Website zu finden : www.klimakolumne.de www.klimakolumne.de

  1. Sep 8

    #43 Klimalügen und Risikomathematik: Warum uns das Märchen vom „Wir haben noch Zeit“ das Holozän kostet

    Adam McKay hat ein drastisches Bild geprägt: Wir verhalten uns in cder Klimakatastrophe wie eine Gruppe von Delfinen, die massenhaft stranden, weil ein Parasit ihr Echolot zerstört hat. Unser gesellschaftliches Orientierungssystem ist gestört. Wenn monströse Hitzewellen oder Unwetter auftreten, behandeln wir sie als isolierte „Freak-Unfälle“ – losgelöst von der rasend schnellen Umwälzung unseres Erdsystems. Und wir belügen uns und unsere Mitmenschen laufend selber. Um diese Lügen geht es. Die erste Lüge: Wir haben noch Zeit Wenn unser gesellschaftlicher Kompass also dauerhaft gestört ist – welche beruhigende Geschichte erzählen wir uns dann eigentlich selbst, so dass wir trotzdem einigermaßen ruhig schlafen können? Die gefährlichste Erzählung unserer Zeit ist längst nicht mehr die plumpe Leugnung des Klimawandels. Die hartgesottenen Leugner sind eine schrumpfende Minderheit. Die wirklich zerstörerische Lüge kommt heute aus der vermeintlich „vernünftigen Mitte“. Sie heißt: „Wir haben noch Zeit.“ Die zweite Lüge: Es ist zu spät Wenn die Illusion vom „Wir haben Zeit“ langsam bröckelt, wartet bereits die nächste Falle auf uns: Die zweite Lüge. Sie lautet: „Es ist eh schon zu spät, wir können gar nichts mehr tun.“ Das Entlarvende daran: Beide Lügen – „Wir haben Zeit“ und „Es ist zu spät“ – führen zum exakt selben Ergebnis. Wir verharren in Schockstarre. Wir tun nichts. Spätestens jetzt ist es höchste Zeit für ein „Trotzdem“. Echtes Handeln und begründete Zuversicht beginnen nicht mit schöngefärbten Erlösergeschichten und erst recht nicht mit müder Resignation. Sie beginnen dort, wo wir die kognitive Dissonanz aushalten und uns ehrlich machen: Ja, wir werden einige Schäden nicht mehr verhindern können. Das Zeitfenster schließt sich. Aber jedes Zehntelgrad entscheidet über Lebensgrundlagen. Es ist eben nicht zu spät, das Schlimmste zu verhindern. Links: * Text von Adam McCay in Current Affairs * Klimavoracht. Die Programmauswertung * Podcast „Natürliche Ausrede“ mit Christian Stöcker * Risikostudie der Universität Exceter * Text von Ingmar Rentzhog in „We Don‘t Have Time“ This is a public episode. If you would like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit www.klimakolumne.de

    #43 Klimalügen und Risikomathematik: Warum uns das Märchen vom „Wir haben noch Zeit“ das Holozän kostet
  2. Aug 11

    #41 Harte Fakten statt Resignation: Warum wir den Klimarisiken mit praktischer Zuversicht begegnen müssen

    Während ich diesen Podcast aufnehme, wird in Ungarn das größte Kernkraftwerk des Landes abgeschaltet. Die Donau hat nicht genug Wasser, um die nötige Kühlung liefern zu können. In unserer Gegend, in der Nähe von Kelheim, ist sie so warm, dass die Blaualgen badenden Hunden das Leben kosten können. Die Waldbrände in Spanien, Frankreich und anderswo geben - für kurze Zeit - die „Aufreger der Woche“ in den Nachrichten, mit schrecklichen Bildern, unter anderem von Wildtieren, die in panischer Flucht vor dem Feuer davonrennen. Manche Lokalmedien versuchen krampfhaft, die gemeine Hitze noch als „Urlaubswetter“ schön zu reden, viele Hausbesitzer denken zum ersten Mal ernsthaft über eine Klimaanlage nach In dieser Ausgabe beziehe ich mich auf drei maßgebliche, aktuelle Risiko-Studien, die wie Puzzleteile ein erschreckend klares Gesamtbild ergeben: * Der „Global Risks Report 2026“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) liefert die globale Makroperspektive. * Die Allianz Trade Studie „Too hot to grow“ rechnet diese globalen Warnungen in konkrete, heutige Produktivitätsverluste um. Den ultimativen Weckruf liefert schließlich ein * Sicherheitsbericht der britischen Regierung, der schonungslos aufzeigt, wie der Kollaps überhitzter Ökosysteme direkt in den Zusammenbruch unserer nationalen und globalen Sicherheit mündet. Quellen und weiterführende Links: * Weltwirtschaftsforum (WEF): Global Risks Report 2026. Der Bericht analysiert die langfristige Dominanz von Umweltrisiken und die Gefahr der „geökonomischen Konfrontation“.https://www.weforum.org/publications/global-risks-report-2026/ * Allianz Trade: Too hot to grow - The economic costs of extreme heat (Mai 2026). Die Studie berechnet die volkswirtschaftlichen Produktivitätsverluste durch Extremhitze in Europa.http://www.allianz-trade.com/economic-research * UK Government / Cabinet Office: National security assessment - global biodiversity loss, ecosystem collapse and national security. Die Sicherheitsstudie der britischen Regierung untersucht die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch den globalen Biodiversitätsverlust. (Als PDF verfügbar) * Dr. Mark Benecke: Time is up: Zwischenstand Juli 2026 🔬. Der auf YouTube veröffentlichte Lagebericht zu den aktuellen Entwicklungen von Klimakrise, Artensterben und den Warnungen der britischen Regierung. * GWS, IÖW, Prognos (im Auftrag von BMWK und BMUV): Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland. Die Studie analysiert die bisherigen Schäden des Klimawandels und prognostiziert kumulierte Kosten von bis zu 900 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050.https://www.2030agenda.de/de/article/studie-analysiert-die-schaeden-des-klimawandels-bis-2050-drohen-deutschland-bis-zu-900 * Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2024 (DAS 2024). Der Bericht der Bundesregierung zur gemeinschaftlichen Klimavorsorge und zum Schutz der Bevölkerung vor Wetterextremen.www.bundesumweltministerium.de/publikationen * Robert Koch-Institut (RKI): Journal of Health Monitoring | S4/2023 | Scoping Review zu Klimawandel und psychischer Gesundheit in Deutschland. Die Auswertung untersucht die direkten und indirekten psychischen Folgen des Klimawandels, etwa ein signifikant höheres Aggressions- und Suizidrisiko durch anhaltende Hitze. www.rki.de/jhealthmonit * Agora Agrar: Klimawirksamkeit der Ernährung in Deutschland. Aufgegriffen vom Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V., untermauert diese Studie, dass eine pflanzenbetonte Ernährung und das gesamte Ernährungssystem der wichtigste Hebel im Klimaschutz sind.https://www.tierrechte.de/2026/03/18/neue-klima-studie-ernaehrungssystem-als-wichtigster-hebel-bundesumweltminister-schneider-muss-jetzt-handeln/ * Weltklimarat (IPCC): Informationen zum 7. Sachstandsbericht (AR7). Die laufenden Arbeiten der Arbeitsgruppe II fokussieren sich auf die direkten Klimaauswirkungen (Impacts), Anpassungswege (Adaptation) und Vulnerabilitäten.https://www.ipcc.ch/2026/05/18/pr-wgii-ar7-lamii-nassau/ This is a public episode. If you would like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit www.klimakolumne.de

    #41 Harte Fakten statt Resignation: Warum wir den Klimarisiken mit praktischer Zuversicht begegnen müssen
  3. Jul 14

    #39 Klima, Moral und Verantwortung

    Zu dieser Podcast-Episode gibt es einen parallelen Artikel mit weiterführenden Perspektiven, Quellen und links. * Warum muss sich jemand, der sich für eine lebenswerte Zukunft unserer Nachfahren einsetzt und dies auch kundtut, warum muss sich so jemand als „Gutmensch“ beschimpfen lassen? Wäre es besser, ein „Schlechtmensch“ zu sein? * Wieso wird eine Partei, die sich am konsequentesten von allen Parteien einen realistischen und notwendigen Klimaschutz ins Programm schreibt, warum wird diese Partei als „ideologisch“ gebrandmarkt? Ist es etwa keine Ideologie, wenn man daran glaubt, dass die unsichtbare Hand des Marktes am Ende schon alles richten werde? * Warum sollten wir ZeitgenossInnen, die drei bis vier Mal im Jahr in den Urlaub fliegen und dabei viele Treibhausgase emittieren, warum sollten wir diese Menschen nicht darauf ansprechen? Sind wir dann die „Moralapostel“ mit dem erhobenen Zeigefinger? * Warum wird es als „moralisierend“ bezeichnet, wenn man gut und böse, richtig und falsch in der Frage der Klimagerechtigkeit klar benennt? Sind Kriterien von richtig und falsch nicht in allen Lebensbereichen wichtig, vor allem in den lebenswichtigen wie der Zukunft unseres Weltklimas? Die Liste der Fragen ließe sich fortsetzen. Fragen rund um Moral, Anstand, Verantwortung, Schuld. Ich habe mit Ulf Brüggemann (er betreibt unter anderem eine Publikation mit dem Titel “Kategorisch Kant”) über solche Fragen diskutiert und ich war überrascht über seine klare und dezidierte Haltung zu Themen der Klima-Ethik. Auch der Deutsche Ethikrat stärkt übrigens Ulf Brüggemanns Position. In seiner ausführlichen Stellungnahme zur Klimagerechtigkeit stellt er klar, dass individuelle Beiträge zwar klein erscheinen mögen, aber moralisch enorm wichtig bleiben, weil sie eine „Kultur wahrgenommener Verantwortung“ befördern. Gleichzeitig sagt der Ethikrat aber auch: Es ist unangemessen, von uns allen einen emissionsarmen Konsum zu verlangen, solange der Staat eine Wirtschaftsordnung aufrechterhält, die klimafreundliches Handeln erschwert und uns somit zum „moralischen Heldentum“ drängt. Raus aus der Individualisierungsfalle: Fußabdruck vs. Handabdruck ist also eine der wichtigen Fragen. Parallel zum Podcast gibt es einen ergänzenden Artikel auf www.klimakolumne.de, mit weiterführenden quellen und links. This is a public episode. If you would like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit www.klimakolumne.de

  4. Jun 2

    #36 Wald und Klima: Zwischen Klimakrise, Handwerk und falscher Romantik

    Der Wald ist für viele von uns ein Ort der Ruhe, ein unberührtes Ökosystem und für manche auch ein Retter in der Klimakrise, der unsere Sünden bereitwillig wegschnauft. Doch wer in den vergangenen Jahren mit offenen Augen durch deutsche Reviere gegangen ist, merkt schnell, dass dieses Bild einige Risse bekommen hat. Um zu verstehen, wie es wirklich um unseren Wald steht und wo der Hebel für die Zukunft liegt, habe ich mit jemandem gesprochen, der die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wie kaum ein anderer kennt. Ulrich Matschke ist ein guter Freund, er ist Förster im Ruhestand und ein engagierter Natur- Umwelt- und Klimaschützer. Für ihn ist der Wald weder der bedingungslose Retter, noch ist er dem Untergang geweiht. Er ist ein hochkomplexes System, das für uns alle sehr wichtig ist, das aber auch unsere Unterstützung braucht. Und die Rettung liegt irgendwo zwischen der tiefen Demut vor der Natur und dem mutigen, handwerklichen Eingreifen der Forstwissenschaft. Die Natur besitzt eine fundamentale, evolutionäre Kraft zur Regeneration. Wenn es uns gelingt, diese Resilienz mit wissenschaftlich fundiertem, forstlichem Handeln zu kombinieren, dann wird der Waldumbau gelingen. Im begleitenden Artikel zu diesem Thema gibt es noch weiterführende Infos und Quellen. This is a public episode. If you would like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit www.klimakolumne.de

    #36 Wald und Klima: Zwischen Klimakrise, Handwerk und falscher Romantik

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