Wer wir sind und warum das nicht klappte ...

Jan Schulte-Kellinghaus

Die deutsche Geschichte vom Neandertaler bis Angela Merkel. Die Podcastserie reist in 99 Folgen durch die deutsche Geschichte. Du lernst spannende Orte und Expertinnen kennen und bekommst den Überblick über das, was war.

  1. 5d ago

    # Der Prager Fenstersturz

    Mit Herfried Münkler: Der versuchte Mordanschlag war der Auftakt des Dreißigjährigen Krieges. Zwei Statthalter des böhmischen Königs und ein Sekretär wurden von einer aufgebrachten Menschenmenge aus dem Fenster der Prager Burg in den Burggraben geworfen. Der Misthaufen im Burggraben rettete ihnen das Leben. Wie es zum Fenstersturz kam und warum der missglückte Mordversuch an den Statthaltern des böhmischen Königs das Potential hatte,  das gesamte Heilige Römische Reich und halb Europa in einen verheerenden 30 Jahre dauernden Krieg zu stürzen, darüber reden wir heute. Herfried Münkler, der prominenteste Politologe unseres Landes, hat ein packendes Buch über den Dreißigjährigen Krieg geschrieben. Seine Grundbotschaft: Er war viel mehr als ein Religionskrieg. Es ging um die Verfassung des Reiches, die Rangfolge der Fürsten, Macht über Territorien und die europäische Hegemonialpolitik. In dieser Folge spreche ich mit ihm über den Anfang des Konfliktes. Den Verlauf des Krieges und die Friedensschluss nach 30 Jahren, besprechen wir in den beiden nächsten Folgen. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    52 min
  2. Jun 3

    #60 Kunst, Gewalt und Theologie - Die Gegenreformation

    Mit Klaus Unterburger: „Gegenreformation“ klingt danach, als wollte jemand die Uhr zurückdrehen. Neudeutsch würde man „Backlash“ dazu sagen. Nachdem sich die Reformation in Deutschland in der Mitte des 16. Jahrhunderts behauptet hatte, versuchten die katholischen Kräfte europaweit durch Politik, Kunst, Theologie und Gewalt die Entwicklung umzudrehen. Der Barock sollte die Sinne überwältigen, die Jesuiten appellierten an die Vernunft der Gläubigen und der spanische König setzte auf sein Militär. Martin Luthers Ideen hatten die Machtverhältnisse in Europa nachhaltig erschüttert. Mit der anglikanischen Kirche nabelte sich der englische König  Heinrich VIII. vom Papst ab und machte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche Englands. In den Niederlanden, die eigentlich zum katholischen Spanien gehörten, gewannen die Calvinisten die Oberhand. Auch in Frankreich wuchs der Anteil der Calvinisten in der Bevölkerung stetig. Allerdings wurden sie durch den französischen König in mehreren Glaubenskriegen gnadenlos verfolgt. Der Tiefpunkt war die Bartholomäusnacht: Am 23.August 1572 wurden in Paris 3000 französische Protestanten ermordet. Und in Spanien regierte der erzkonservative Sohn von Karl V.: Philipp II. Er wollte alles besser machen als sein Vater und gab den Protestanten nicht eine Hand breit nach. Er griff vor allem in seinen  Niederlanden durch. Der Krieg zwischen den reformatorischen Niederlanden und dem katholischen Herrscherhaus in Spanien sollte 80 Jahre dauern. Dagegen waren die Verhältnisse in Deutschland in dieser Zeit fast friedlich. Die protestantischen Landesfürsten hatten mit den katholischen Herrschern den Augsburger Religionsfrieden geschlossen. 1555 war das. Danach konnte jeder Landesherr selbst entscheiden, welcher Glaube in seinem Territorium praktiziert werden soll.  Aber auch in Deutschland hielt der Friede nicht ewig. Was führt in den 63 Jahren vom Kompromiss zum Krieg? Wie sich die Glaubensgegensätze in Deutschland langsam hochschaukelten und schließlich im 30jährigen Krieg mündeten, darüber spreche ich mit Klaus Unterburger, Professor für Kirchengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    59 min
  3. May 27

    # Buhlschaft und Streckbank - Die Hexenverfolgungen

    Mit Gisela Muschiol: Das ist einer der populären Irrtümer in der deutschen Geschichte: Die Hexenverfolgungen haben nicht im Mittelalter stattgefunden, sie waren ein Phänomen der Neuzeit. 40.000 - 60.000 Menschen wurden in Europa wegen angeblicher Hexerei hingerichtet. Die Europäer hatten bereits begonnen, Amerika zu kartographieren, auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig traf sich die intellektuelle Elite und Johannes Kepler war schon davon überzeugt, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Doch selbst der Begründer der modernen Naturwissenschaften -Johannes Kepler - war vom Hexenglauben betroffen: Seiner Mutter Katharina wurde der Prozess gemacht: wegen Anmischung eines „Hexentranks“ und „Schadenzaubers“. Dabei war ihr Sohn zur Zeit der Anklage der Hofastronom des Kaisers. Aber sein VIP-Status schützte seine Mutter nicht vor der Hexenverfolgung. Eine Nachbarin hatte seine Mutter beschuldigt, ihr einen Zaubertrank verabreicht zu haben. Zusätzlich verspürte ein 8-jähriges Mädchen einen heftigen Schlag, als Katharina Kepler sie im Vorbeigehen berührte. Solche Nebensächlichkeiten reichten, um einen Prozess mit Todesstrafe anzustrengen. Hexen wurde die „Buhlschaft“, also der Beischlaf mit dem Teufel, unterstellt. Männern auch: Eine tatsächliche sexuelle Beziehung mit dem Teufel. Diese Beziehung, so glaubte man, verleihe ihnen übernatürliche Kräfte. Hexen könnten in der Nacht fliegen, einerseits um nach Kindern zu suchen, denen sie das Blut aussaugen können und andererseits um sich mit anderen Hexen zum Hexensabbat zu treffen. Heute hört sich das nach einer nicht ganz jugendfreien Form von Bibi Blocksberg an. Vor 500 Jahren waren aber viele Menschen davon überzeugt. Auch davon, dass Hexen mit dem sogenannten „Schadenzauber“ jedes Elend über ihre Mitmenschen bringen können. Mit Gisela Muschiol, Professorin für Kirchengeschichte an der Uni Bonn, spreche ich über den Wahn, den man damals für völlig logisch hielt und die Frage, warum es 80 Jahre dauerte, bis kritische Gedanken gegen die Hexenprozesse Gehör fanden.

    1h 4m
  4. May 20

    #58 Hexenhammer und Till Eulenspiegel - Die Bestseller des früher Buchdrucks

    Mit den Epochentrottern: Was waren die Bestseller des beginnenden Buchdrucks? Welche Geschichten haben die Menschen vor 500 Jahren am liebsten gelesen? Und wie kamen die ersten gedruckten Bücher ohne Buchhandlungen oder Versandhandel an ihre Leserinnen und Leser? Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern hatten sich Druckereien in ganz Europa rasend schnell verbreitet. Sie bedienten viele unterschiedliche Genres und vertrieben Millionen von Druckwerken. Wie konnten sich die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig europaweit durchsetzen? Was ist überhaupt eine Messe und warum rollten die die Bücher in Holzfässern heran? Diese Fragen kläre ich in dieser Episode mit den Epochentrottern. Katharina ist Literaturwissenschaftlerin und Marvin Historiker. Zusammen blicken sie ihrem Geschichtspodcast hinter die Geschichtsbilder in Popkultur und Medien. Du willst mehr von ihnen hören? Hier gehts zu ihrem Podcast Epochentrotter: https://open.spotify.com/show/29ReW0Vr16BJOLtVOirutA?si=65177e49e2844814 Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet meine Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist meine Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    1h 11m
  5. May 13

    #57 Karl V. - Das Ende eines Weltenherrschers

    Mit Heinz Schilling: Diese Episode beginnt am Grab Martin Luthers in der Schlosskirche von Wittenberg. Kaiser Karl V. hatte im Schmalkaldischen Krieg die protestantischen Fürsten krachend geschlagen. Nun stand Karl V. am Grab von Martin Luther, der ein Jahr zuvor gestorben war. Auf dem Höhepunkt seiner Macht blickte er auf das Grab seines Kontrahenten. Im Moment des Triumphes schlugen seine Ratgeber vor, Luthers Überreste auszugraben und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen.  Aber der Kaiser soll abgelehnt haben. Karl V. und Luther waren sich zuletzt vor 26 Jahren begegnet auf dem legendären Reichstag in Worms. Damals hatte der junge Kaiser die Reichsacht über den Theologieprofessor verhängt und seine Schriften und seine Lehre verboten. Nur konsequent durchgesetzt hat er dieses Verbot nie. Karls Reich erstreckte sich über acht Zeitzonen. Er war nicht nur römisch-deutscher König und Kaiser, er herrschte auch über Spanien und die Übersee-Kolonien, er war König von Neapel und Sizilien. Als Habsburger herrschte er zusätzlich über Österreich, Burgund, Lothringen und Brabant. Er führte über 70 europäische Adelstitel. Als gekrönter römischer Kaiser sah er es als seine Aufgabe an, gemeinsam mit dem Papst ein europäisches Universalreich anzuführen, um umfassenden christlichen Frieden zu schaffen. Doch der König von Frankreich, die Osmanen in Südeuropa und die Protestanten in Deutschland hinderten ihn daran. Über einen Kaiser, der sich zu viel vorgenommen hatte, die "deutsche Freiheit" und einen untätigen Papst spreche ich mit Heinz Schilling. Der emiritierte Professor lehrte die Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität in Berlin und ist als Autor vieler Sachbücher und Publizist tätig. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    52 min
  6. May 6

    #56 Bigamie und Apokalypse - Das Täuferreich Münster

    Mit Hiram Kümper: Am 22. Januar 1536 wurden den drei Anführern „alles Fleisch mit glühenden Zangen von den Knochen abgerissen“ danach „Gurgel und Herz mit glühenden Eisen durchstoßen“. So steht es in ihrem Todesurteil. Die schaurige Hinrichtung auf dem Prinzipalmarkt von Münster dauerte mehrere Stunden. Ihre Überreste ließ der Bischof hoch aufhängen. Weit sichtbar. Zur Abschreckung. Jedem Touristen in Münster werden die Käfige gezeigt. Oben am Südturm der Lambertikirche baumeln drei mannshohe Metallkästen. In Ihnen wurden die Leichen der drei Anführer des Täuferreiches ausgestellt: Bernd Krechting, Bernd Knipperdolling und der "König von Münster": Jan van Leiden. Obwohl das Täuferreich in Münster nicht lange währte, zeigt es - wie unter einem Brennglas - das chaotische Ringen um den rechten Glauben. Die Ideen Martin Luthers waren noch nicht 10 Jahre alt. Sie hatten die Gläubigen aufgerüttelt, die alten Autoritäten infrage gestellt, aber noch keine feste neue Ordnung geschaffen. Die Menschen waren plötzlich offen für ganz neue Glaubenslehren und Lebensarten. Jan van Leiden, der selbsternannte "König von Münster", hinterließ zum Beispiel 15 Ehefrauen nachdem er seine Frau Elisabeth hatte hinrichten lassen. Mit Hiram Kümper, Professor für die Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit an der Uni Mannheim, spreche ich über die Motive der Täufer, ihr Charisma und ob es tatsächlich in Münster 1534 einen "Frauenüberschuss" gab. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    52 min
  7. Apr 29

    #55 Wie hält man Martin Luther aus? Ringen um die Reformation

    Mit Volker Leppin: Im zweiten Teil seines Lebens war Luther eingesperrt, 25 Jahre lang. Der Kaiser hatte die Reichsacht über ihn erlassen. Luther war eine rechtlose Person und jedermann war aufgefordert, ihn auszuliefern. Allerdings stand er unter dem Schutz seines Landesherren, dem Kurfürsten von Sachsen. Das heißt, bis zu seinem Tod drohte Martin Luther fast überall im Reich Lebensgefahr, nur nicht in Wittenberg und den dazugehörigen Territorien.   Luthers Beschützer, Friedrich der Weise, rettete Martin nach dem Reichstag von Worms 1521. Er ließ Martin zum Schein entführen und versteckte ihn auf der Wartburg bei Eisenach. Unter dem Decknamen „Junker Jörg“ verbrachte Luther 10 Monate auf der Wartburg. Eine äußerst produktive Zeit. Er übersetzte die Bibel aus dem Griechischen ins Deutsche. In der „Luther-Bibel“ finden sich Wortkombinationen, die wir heute noch gebrauchen: die „Herzenslust“, die „Höllenangst“, der „Geizhals“, der „Denkzettel“ oder der „Feuereifer“. Alles Erfindungen von Martin Luther. Durch seine packende Sprache hat er nicht nur Lust auf die Bibellektüre gemacht. Sein Bibeltext war auch ein wesentlicher Baustein für die Entwicklung des Hochdeutschen. Nach einiger Zeit entließ Luther sich selbst aus der Schutzhaft und zog nach Wittenberg, um den Verlauf der Reformation zu steuern. Doch wie geht das, von der Seitenlinie aus? Darüber spreche ich mit Volker Leppin. Der Theologe lehrt Kirchengeschichte an der Yale University. Die Reisetipps und mehr Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    1h 13m
  8. Apr 22

    #54 Bauernkrieg und Ritteraufstände - Die Verlierer der Neuzeit

    Mit Hiram Kümper: Zum ersten großen Bauernaufstand kam es 1476 im Taubertal. Der Prediger Hans Böhm scharrte 40.000 Menschen um sich. 17 Jahre später gründete sich im Elsass die „Bundschuhbewegung“. Die Verschwörer wählten ihren einfachen Schnürschuh zum Symbol des Aufstandes. 1514 begehrte in Württemberg der „arme Konrad“ auf. Die Wut über den Landesherren, Herzog Ulrich, war grenzenlos. Der Herzog hatte seine Hochzeit mit einem luxuriösen Fest gefeiert: 7000 Gäste schlemmten, tanzten und vergnügten sich 14 Tage lang in Stuttgart. Und weil sein Lebensstil so teuer war, trieb er neues Geld ein. Er ließ die offiziellen Marktgewichte reduzieren und trieb die Preise und seine Einnahmen in die Höhe. Bis dahin ungekannte Proteste der einfachen Stadtbevölkerung waren die Folge. Alle diese Aufstände wurden vom Adel brutal niedergeschlagen, die Rädelsführer gevierteilt und an den Landstraßen aufgehängt. Im Sommer 1524 kommt es zu ersten großen Bauernerhebungen im Süden Württembergs, in der Nähe von Nürnberg und in Mühlhausen in Thüringen. Im Jahr darauf formen sich bewaffnete Bauernhaufen von jeweils mehreren tausend Kämpfern. Im April 1525 dann der Höhepunkt.  Ausgerechnet am Ostermontag, dem Hochfest der Auferstehung Christi, ließ der Bauernführer Jäcklein Rohrbach den Grafen Ludwig von Helfenstein und seine Mitstreiter so lange Spießrutenlaufen, bis sie erstochen und erschlagen niedersanken. Die Brutalität der „Weinsberger Bluttat“ schockierte viele Menschen bis ins Mark. Martin Luther wurde danach zum Bauernfeind. In der Flugschrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ rief er die Landesherren auf: „man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss“.  Die Phalanx des Adels stand.  In der größten Schlacht des Bauernkrieges im thüringischen Frankenhausen metzelte ein Fürstenheer aus Hessen, Sachsen und Braunschweig 6000 Bauern nieder. Im Südwesten bekämpfte Georg Truchsess von Waldburg-Zeil mit 9000 Fußsoldaten und 1500 gepanzerten Reitern die Bauern. Schätzungsweise kamen insgesamt 75.000 Bauern ums Leben. Nicht nur die Bauern kämpften in dieser Zeit gegen die Obrigkeit, auch die Ritter versuchten ihren Platz in der Gesellschaft mit Gewalt zu verteidigen. Götz von Berlichingen verbündete sich mit den Bauern und wurde im Odenwald ihr Hauptmann. Franz von Sickingen führte einen der größten Ritteraufstände an und überfiel mit 23.000 Kriegern die Reichsstadt Metz. Er überzog Worms und Frankfurt am Main mit Fehden und erpresste den Landgrafen von Hessen um 35.000 Goldgulden. Auch er starb, als der Hochadel zum gemeinsamen Gegenschlag ansetzte. Was trieb die Bauern und Ritter an? Warum wurden sie zu den Verlieren der Neuzeit? Und wieso hatte Martin Luther kein Mitleid? Diese Fragen bespreche ich mit Hiram Kümper, Professor für die Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit an der Uni Mannheim. Die Reisetipps und mehr Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa

    1h 19m

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