Mitbestraft - Im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten

SKM Freiburg

"Mitbestraft - Im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten" ist ein Podcast, der darauf abzielt, das Bewusstsein für die Herausforderungen und die emotionale Belastung der Familien inhaftierter Personen zu schärfen. Jede Folge bietet einen tiefen Einblick in die individuellen Geschichten und Erfahrungen, um ein Tabuthema in die Gesellschaft zu tragen und Unterstützung zu bieten. Wir begrüßen Gäste, die offen über ihre Erlebnisse sprechen. Freuen Sie sich mit uns auf spannende und aufschlussreiche Themen rund um die Situation von Angehörigen Inhaftierter.

  1. Aug 3

    Folge 13: Festnahme durch das SEK – Eine Familie unter Schock

    Ein Polizeieinsatz um sechs Uhr morgens verändert von einer Minute auf die andere das Leben einer ganzen Familie. In dieser Folge von Mitbestraft, dem Podcast der Straffälligenhilfe des SKM Freiburg, spricht Monika Fröwis mit Frau N., deren Sohn inhaftiert wurde. Es geht um den Schock der Festnahme durch das SEK, die ersten Tage in Untersuchungshaft, Besuchsschein, Haftkonto, Telefonate aus der JVA, den Übergang von U Haft in Strafhaft und die Frage, wie Angehörige von Inhaftierten mit Schuld, Scham, Sorge und Bürokratie umgehen können. Die Folge zeigt eindrücklich, wie wichtig Kontakt, Offenheit und Unterstützung für Familien sind, die plötzlich Teil eines ihnen völlig fremden Systems werden.Frau N.: Eine Mutter, die nicht verstummtFrau N. lebt in Berlin und erzählt offen von der Inhaftierung ihres Sohnes, der zuvor nicht vorbestraft war, in Ausbildung stand und nun zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Sie beschreibt sich als jemand, der telefoniert, nachfragt, sich durch Zuständigkeiten kämpft und versucht, aus der Ohnmacht ins Handeln zu kommen. Gemeinsam mit ihrer Tochter besucht sie ihren Sohn regelmäßig in der JVA, hält engen Kontakt und sucht den Austausch mit anderen betroffenen Müttern. Aus dieser Erfahrung heraus beteiligt sie sich am Aufbau einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Inhaftierten in Berlin.Zwischen Schock, Scham und dem festen Entschluss, dranzubleibenBesonders eindringlich schildert Frau N. den Moment der Festnahme: „Bei uns wurde nicht geklingelt, bei uns wurde die Tür eingetreten mit einer Ramme." Die Aktion habe sich für sie wie ein Überfall angefühlt, auch weil sie sich nicht von ihrem Sohn verabschieden durfte: „Er war dann halt plötzlich weg." Später musste die Familie selbst sehen, wie sie mit der eingetretenen Tür und der durchsuchten Wohnung zurechtkommt. Als belastend beschreibt sie auch die ersten Tage ohne klare Informationen, bis der Sozialdienst der JVA Kontakt aufnahm und erklärte, wie Geld auf das Haftkonto überwiesen werden kann. Zugleich macht Frau N. deutlich, dass sie ihren Sohn nicht auf seine Straftat reduziert: „Das, was er gemacht hat, ist kein Grund, ein Kind fallen zu lassen." Ihr wichtigster Rat an andere Angehörige lautet, den Kontakt nicht abbrechen zu lassen: Briefe, Karten, Fotos, Besuche und Telefonate seien für Inhaftierte oft von unschätzbarem Wert. „Die freuen sich über alles", sagt sie, und fasst ihre Haltung in einem Satz zusammen: „Nie aufgeben."Was Angehörige in der Praxis wissen müssenDie Folge macht deutlich, wie viele organisatorische Fragen nach einer Inhaftierung sofort auf Angehörige zukommen: Wo ist die inhaftierte Person untergebracht? Wie funktioniert ein Haftkonto? Wer beantragt einen Besuchsschein oder Dauersprechschein? Welche Regeln gelten für Haftbesuch, Telefonate, Wäsche und Geldbeträge? Frau N. berichtet, dass viele Informationen im Internet veraltet oder schwer verständlich seien und dass jede JVA eigene Abläufe haben kann. Gerade deshalb sind Austausch, Selbsthilfe und niedrigschwellige Angebote wie dieser Podcast für Angehörige von Inhaftierten so wichtig.Erwähnte Bücher, Veranstaltungen und Anlaufstellen1. Buch: Das Leben nach der Straftat eines Kindes. Im Schatten der Schuld von Claudia Terporten. Das Buch versammelt Perspektiven von Eltern straffällig gewordener Kinder und wurde in der Folge als hilfreich und bewegend beschrieben. 2. Fachveranstaltung: Wenn Familien mitverurteilt werden, eine Veranstaltung der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin zum Thema Angehörige von Straffälligen zwischen Schuld, Verantwortung und gesellschaftlichem Urteil. 3. Selbsthilfe in Berlin: Frau N. berichtet von einer entstehenden Selbsthilfegruppe für Angehörige von Inhaftierten in Berlin. Interessierte aus dem Raum Berlin können sich über den Podcast beziehungsweise den SKM Freiburg melden, damit ein Kontakt hergestellt werden kann.

  2. Jul 15

    Folge 12: Kinder im Blick - Wie familienfreundliche Vollzugsgestaltung gelingen kann

    Was passiert mit Kindern, wenn ein Elternteil in Haft kommt? In dieser Folge von Mitbestraft, dem Podcast der Straffälligenhilfe des SKM Freiburg, spricht Monika Fröwis mit Lea aus dem Sozialdienst einer JVA über familienfreundlichen Vollzug, Besuchskontakte, Vater-Kind-Beziehung und die besonderen Belastungen von Kindern inhaftierter Eltern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Justizvollzugsanstalten Kinder besser schützen, Elternschaft in Haft unterstützen und Angehörige entlasten können. Denn der Freiheitsentzug betrifft nicht nur die inhaftierte Person, sondern auch Partnerinnen, Partner, Kinder und Familien, die oft mit Scham, Unsicherheit und vielen praktischen Hürden leben müssen. Lea arbeitet im Sozialdienst einer JVA und bringt einen besonderen Blick auf Kinder und Familien mit: Vor ihrem Studium der Sozialen Arbeit war sie als Erzieherin tätig. Im Studium entdeckte sie ihr Interesse an der Sozialarbeit mit straffällig gewordenen Menschen und wechselte nach dem Abschluss in die JVA. Heute ist sie dort unter anderem als Familienbeauftragte tätig. Ihre Aufgabe ist es, das Thema familienfreundliche Vollzugsgestaltung in der Anstalt zu verankern, Angebote für inhaftierte Elternteile zu begleiten und als Schnittstelle zwischen drinnen und draußen zu arbeiten. Warum der Besuch schon am Tor beginnt Ein Schwerpunkt der Folge ist die Frage, wie Kinder einen Besuch in der JVA erleben. Lea beschreibt, dass ein kindgerechter Familienbesuchsraum wichtig ist, aber nicht ausreicht. Schon die Anmeldung am Tor, Schleusen, Kontrollen, uniformiertes Personal und die Anspannung der Begleitperson prägen den Besuch. In Baden Württemberg wurde das Projekt familienfreundliche Vollzugsgestaltung durch das Justizministerium angestoßen. Dazu gehören unter anderem familienfreundlich eingerichtete Besuchsräume mit Spielmaterial, Büchern, Kuscheltieren, Spielmatten und einer Atmosphäre, die Kindern so viel Sicherheit wie möglich geben soll. Lea betont: Kinder können nichts für die Situation, in der sie sich befinden. Genau deshalb brauche es Sensibilität, Erklärung und eine Haltung, die Kinder ernst nimmt. Kontakt halten trotz Haft Lea stellt verschiedene Angebote vor, die Eltern Kind Beziehungen während der Haft stärken können. Neben dem Regelbesuch gibt es in ihrer JVA zusätzlichen Familienbesuch im Familienzimmer. Besonders wertvoll ist der Vater Kind Besuch: Mehrere Male im Jahr verbringen Väter und ihre Kinder zwei Stunden miteinander, ohne weitere Angehörige. Es wird gespielt, gegessen und Zeit miteinander geteilt. Für manche Familien ist dieses Angebot auch dann hilfreich, wenn die Mutter keinen Kontakt zum Vater möchte, dem Kind den Umgang aber ermöglichen will. Außerdem gibt es eine Vätergruppe, ein Familienseminar zur Vorbereitung auf die Zeit nach der Haft sowie in vielen Anstalten Vorleseprojekte, bei denen inhaftierte Eltern eine Geschichte aufnehmen, damit Kinder zu Hause die Stimme von Mama oder Papa hören können. Weiterführende Hinweise Viele JVAs informieren auf ihren Webseiten über Besuchsregelungen, Angehörigeninformationen und Kontaktmöglichkeiten zum Sozialdienst. Familienbeauftragte in Baden Württemberg: Angehörige können sich, sofern auf der jeweiligen JVA Seite ersichtlich, direkt an die familienbeauftragte Person wenden. Bilderbücher, Materialien und Videos: Im Gespräch werden kindgerechte Materialien erwähnt, die erklären, was Haft bedeutet und wie der Alltag in einer JVA aussehen kann. Vorleseprojekte in JVAs: In vielen Anstalten können inhaftierte Eltern Geschichten aufnehmen, die ihren Kindern zugeschickt werden. UN Kinderrechtskonvention: Genannt wird das Recht von Kindern auf Umgang mit beiden Elternteilen, sofern es dem Kindeswohl entspricht. Online Beratung und Austauschgruppen: Es gibt anonyme Beratungsangebote per Text oder Chat sowie Austauschmöglichkeiten für Angehörige im Internet. Podcast-Kontakt: Rückmeldungen und Fragen können an den Podcast der Straffälligenhilfe des SKM Freiburg gerichtet werden.

  3. May 5

    Folge 11: Verurteilt ohne Knast - Auf Bewährung

    Bewährung statt Knast: Wie Bewährungshilfe undTäter-Opfer-Ausgleich wirklich wirken Bewährung ist mehr als ein juristischer Begriff, sie entscheidet oft darüber, ob ein Leben stabil bleibt oder endgültig aus der Spur gerät. In dieser Folge von Mitbestraft spricht Monika Fröwis mit einem Experten der Bewährungs- und Gerichtshilfe Freiburg über die Bewährungsstrafe, den Alltag der Bewährungshilfe und die Frage, was passiert, wenn Auflagen nicht eingehalten werden. Es geht um Kriminalprognose und Sozialprognose, um Rückfallrisiken, Widerruf und darum, warum Täterarbeit immer auch Opferschutz bedeutet. Dazu gibt es Einblicke in das Entlassmanagement nach der Haft und warum Resozialisierung häufig schon vor der Entlassung beginnt. Zu Gast: Herr Topolic von der Bewährungs- und Gerichtshilfe Freiburg Herr Topolic arbeitet seit 2009 in der Bewährungshilfe und ist damit seit vielen Jahren nah dran an den Bruchstellen und Chancen im Leben Verurteilter. Er ist nicht nur in der Bewährungshilfe tätig, sondern auch in der Gerichtshilfe, im Täter-Opfer-Ausgleich und war zeitweise in einem Projekt zur Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen eingebunden. Als Multiplikator verantwortet er zudem das Thema Schuldenregulierung, ein Bereich, der in vielen Bewährungsverläufen eine zentrale Rolle spielt. Sein Arbeitsalltag: viele Gespräche, ein klarer Rahmen und der ständige Balanceakt zwischen Hilfe und Kontrolle. Was Bewährung leistet und wo es kritisch wird Klar wird: Eine Freiheitsstrafe kann nur dann zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn sie nicht über zwei Jahre liegt, alles darüber muss in der Regel vollstreckt werden. Entscheidend ist die Prognose des Gerichts, also ob jemand sich künftig straffrei führen wird. Herr Topolic beschreibt die Bewährungshilfe als Spagat zwischen Unterstützung und Berichtspflicht an das Gericht, setzt aber auf Transparenz, damit Verantwortung beim Klienten bleibt. Besonders eindrücklich ist seine Einordnung: "Wenn wir Täterarbeitbetreiben, betreiben wir gleichzeitig damit auch immer automatisch einen gewissen Teil an Opferschutz." Auch Zahlen werden genannt: In Baden-Württemberg lag die Widerrufsquote 2024 bei 17,1 Prozent, also schaffen es über 80 von 100 Bewährungsprobanden, die Bewährungszeit ohneWiderruf zu bestehen. Gleichzeitig wird deutlich, wie riskant mehrere parallele Bewährungen sein können, weil bei Widerruf schnell ein Dominoeffekt entsteht und aus wenigen Monaten Haft mehrere Jahre werden. Weiterdenken: Täter-Opfer-Ausgleich, Entlassmanagement und Ehrenamt Die Folge gibt außerdem einen praxisnahen Einblick in den Täter-Opfer-Ausgleich als freiwilliges Verfahren, meist beauftragt durch die Staatsanwaltschaft. Ziel ist eine außergerichtliche Einigung, Verantwortungsübernahme und Wiedergutmachung, im besten Fall kann das Verfahren eingestellt oder strafmildernd berücksichtigt werden. Thema ist auch das Entlassmanagement mit der JVA Freiburg, um Übergänge aus der Haft in Wohnen, Beratung und Alltag besser zu organisieren. Zum Schluss weist Herr Topolic auf die ehrenamtliche Bewährungshilfe hin: In Baden-Württemberg gibt es fast so viele Ehrenamtliche wie Hauptamtliche, sie übernehmen echte Fallverantwortung und werden dafür sorgfältig ausgewählt und begleitet. Erwähnte Kontakte und Verweise aus der Folge - Podcast-E-Mail für Rückmeldungen: Podcast@skm-freiburg.de - Bewährungs- und Gerichtshilfe Freiburg (Anlaufstelle und Infos, unter anderemzu Außenstellen und Aufgabenbereichen): Homepage der Bewährungs- und Gerichtshilfe Freiburg - Hinweis aus dem Gespräch: Kontakt zur ehrenamtlichen Bewährungshilfe kann über die Einrichtung hergestellt werden: freiburg@bgbw.bwl.de Einrichtungsleiter Herr Markus Lausch

  4. Apr 1

    Folge 10: In Beziehung trotz Knast – Eine (Ex-) Partnerin erzählt

    Wenn der Partner in Haft ist: Zwischen Hoffnung, Alltag und Neuanfang Plötzlich steht die Polizei vor der Tür, und von einem Moment auf den anderen ist alles anders: In dieser Folge von Mitbestraft, dem Podcast der Straffälligenhilfe des SKM Freiburg, erzählt Frau L. offen, was es heißt, wenn der Partner in Haft ist und man als Angehörige scheinbar gleich mit verurteilt wird. Es geht um Schock und Organisation im Ausnahmezustand, um Kontakt zur JVA unter Corona-Bedingungen, um finanzielle Unsicherheit, Patchwork-Alltag mit kleinen Kindern und die große Frage: Wie lange trägt eine Beziehung trotz Inhaftierung und was braucht es, damit Kinder in dieser Zeit gut begleitet werden? Frau L.: Patchwork-Mama zwischen Baustelle, Baby und Behörden Frau L. lernt ihren damaligen Partner über eine Baustelle kennen, ein Jahr später folgt die Inhaftierung, für sie völlig unerwartet, hochschwanger und mit zwei Kindern aus erster Ehe. Während ihr Partner direkt in Strafhaft kommt, organisiert sie Unterlagen, Anwalt, klärt parallel Alltag und Betreuung. Später kommen zwei gemeinsame Kinder dazu, dazu das Leben als große Patchworkfamilie mit insgesamt fünf Kindern. Frau L. schildert, wie sie versucht, Stabilität zu halten, Verantwortung zu tragen und zugleich nicht sich selbst zu verlieren. Was bleibt, wenn Hoffnung an Grenzen stößt Im Gespräch wird deutlich, wie schwer Vertrauen wiegt, wenn Straftaten, Schulden und frühere Bewährung erst nach und nach sichtbar werden. Frau L. beschreibt ihre Hoffnung, dass Haft ein Wendepunkt sein könnte: „Meine Hoffnung war mit der Inhaftierung, dass er es vielleicht merkt, dass es so nicht weitergeht." Gleichzeitig erlebt sie, wie sich Gespräche und Einsichten im Vollzug später nicht im Alltag fortsetzen. Besuche sind wegen Corona kaum möglich, stattdessen gibt es Skype-Termine und viele Briefe, die teils verschwinden oder verzögert werden. Beeindruckend ist ihr Durchhaltevermögen: Sie schreibt wiederholt ans Justizministerium, weil sie Verlegung und Umgang als willkürlich empfindet. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Unterstützung auch Klarheit schaffen kann, inklusive Trennung, und dass Ruhe für die Kinder manchmal der größte Gewinn ist. Erwähnte Anlaufstellen und Hinweise aus der Folge - SKM Freiburg Straffälligenhilfe, Podcast „Mitbestraft" (Kontakt): podcast@skm-freiburg.de - JVA Freiburg und Offener Vollzug Emmendingen (Themen: Freigang, Verlegung, Telefonie, Skype-Regelungen) - Rechtsanwalt für Strafrecht als frühe Unterstützung bei Haftantritt und Verfahren - Justizministerium: schriftliche Beschwerde kann Wirkung zeigen, wenn Angehörige Unstimmigkeiten vermuten - Paarberatung und systemische Familienhilfe als Unterstützung in der Patchwork- und Krisensituation - Schule, Lehrer, Betreuung: informiertes Umfeld entlastet Kinder und schafft Sicherheit

  5. Mar 6

    Folge 9: Therapie hinter Gittern - Der Maßregelvollzug

    Eine schwere Straftat und plötzlich taucht ein Begriff auf, der viele erst einmal ratlos macht: Maßregelvollzug. In dieser Folge von Mitbestraft erklärt Danny Ochs aus der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Emmendingen, was hinter dem Maßregelvollzug steckt, wie sich dieser von der Inhaftierung in der JVA unterscheidet und warum es dabei nicht um Strafe, sondern um Besserung und Sicherung geht. Es geht um Schuldunfähigkeit, um den Weg vom Ermittlungsverfahren über die Unterbringung nach StPO bis zur Entlassung, und um die Frage, was Angehörige wissen sollten, um besser einordnen zu können, wie Krankheit, Tat und Rückfallrisiko zusammenhängen. Gast: Danny Ochs, Sozialarbeiter und systemischer Therapeut in der Forensik Danny Ochs arbeitet seit zehn Jahren in der Forensik, zunächst im forensischen Sozialdienst, seit fünf Jahren in therapeutischer Funktion. Er beschreibt, wie ihn das Feld gepackt hat: die Kombination aus Psychiatrie, juristischen Rahmenbedingungen und der zentralen Frage, wie sich Lebensgeschichten so zuspitzen können, dass es zu schweren Straftaten kommt. Seine Perspektive ist geprägt von beidem: therapeutischer Straftatbearbeitung und sozialarbeiterischer Praxis, die beim Übergang in ein stabiles Leben nach der Unterbringung oft entscheidend wird. Was im Maßregelvollzug zählt und warum das Ende nicht im Kalender steht Ein Kernsatz der Folge: Im Maßregelvollzug geht es nicht um Bestrafung. Stattdessen greift der Staat ein, wenn jemand wegen einer psychischen Erkrankung zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war, aber weiterhin eine Gefährlichkeit bestehen kann. Danny Ochs macht deutlich, wie stark gerade Psychosen die Wahrnehmung verändern können, bis hin zu scheinbar logischen Reaktionen auf eine krankhaft erlebte Realität. Wichtige Aussagen aus dem Gespräch: „Das sind keine Monster, das sind Menschen mit Lebensgeschichten." Und über den therapeutischen Auftrag: „Das Ziel meiner Arbeit ist, dass der Mensch versteht, wie kam es zu dieser Straftat und was hat es mit der Erkrankung zu tun." Daraus entsteht Rückfallprävention ganz praktisch, etwa durch passende Lebensgestaltung, Medikamenten-Compliance oder das Vermeiden destabiliserender Faktoren wie Nachtarbeit. Auch die Unterschiede der Paragrafen werden greifbar: §63 StGB (psychiatrische Erkrankung, Dauer nach oben offen, jährliche Prüfung) und §64 StGB (Sucht, auf zwei Jahre begrenzt, Erfolgsaussicht erforderlich). Hilfreiche Verweise und Anlaufstellen aus der Folge • Podcast-Kontakt: podcast@skm-freiburg.de• Begriffe zum Nachlesen: Maßregeln der Besserung und Sicherung, §63 StGB, §64 StGB, Unterbringung nach Strafprozessordnung (U-Haft-ähnlich)• Genannter Fall zur Einordnung von Verhältnismäßigkeit und externen Gutachten: Fall Mollath (zur eigenen Recherche)

  6. 12/31/2025

    Folge 8: Der Vater meiner Tochter in Haft – Eine Mutter erzählt

    „Ich kann nichts dafür – warum sollte ich mich schämen?" Frau B. berichtet, wie sie schon Jahre vor der Inhaftierung als alleinerziehende Mutter zwei Kinder großgezogen hat und dennoch den Kontakt zwischen Tochter und Vater konsequent gefördert hat. Obwohl die Paarbeziehung längst beendet war, war ihr wichtig, dass die Tochter „ihren Papa lieben darf". Sie beschreibt den Moment, als sie von der Inhaftierung erfuhr, die schweren ersten Tage zu Hause auf dem Sofa mit ihrer völlig aufgewühlten Tochter und warum für sie von Anfang an klar war: Es wird nichts erfunden, es gibt keine Ausreden, keine Schein-Geschichten. Haft, Gefängnis und Tat werden benannt – altersgerecht, aber ehrlich. Parallel dazu ringt sie mit eigener Wut: darüber, dass der Vater seiner Verantwortung gegenüber Partnerin und Kindern nicht gerecht wurde und „nichts an seinem Lebensstil geändert" hat. Zwischen Wut, Verantwortung und Ehrlichkeit: Wie eine Mutter die Haft des Ex-Partners mit ihrer Tochter bewältigt Wie geht man als Mutter damit um, wenn der Vater des eigenen Kindes im Gefängnis landet – und man selbst trotzdem Brücke und Halt für das Kind bleibt? In dieser Folge von „Mitbestraft – im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten" erzählt Frau B., wie sie ihre Tochter durch die Inhaftierung des Vaters begleitet hat. Es geht um die besondere Belastung von Angehörigen, um Scham, Wut und Loyalitätskonflikte, um offene Kommunikation mit Kindern über Haft und Kriminalität und um das, was sie heute als wichtigste Ressource sieht: Selbstfürsorge und Klarheit in der eigenen Verantwortung. Offene Worte statt Lügenmärchen – wie Kinder Wahrheit aushalten können Zentral in diesem Gespräch ist der Umgang mit der Frage: Sagt man Kindern, dass der Vater im Gefängnis ist? Frau B. schildert, warum sie sich bewusst gegen Vertuschen und „Auslands-Storys" entschieden hat und wie sehr sie ihrer damals elfjährigen Tochter vertraut hat. Sie beschreibt, wie ihre Tochter zunächst vorsichtig mit Freundinnen umging, nach und nach aber selbst offen über die Inhaftierung sprach – ein Prozess, der auch durch den ehrlichen Umgang in der Familie und gegenüber der Schule (bis hin zu Freistellungen für Besuche) möglich wurde. Gleichzeitig wird deutlich, welche emotionalen Spuren U-Haft hinterlässt, wenn sich Vater und Kind nur hinter Glas sehen können und körperliche Nähe fehlt. „Es ist nicht meine Schuld" – Wichtige Sätze für Angehörige Im Rückblick formuliert Frau B. klare Botschaften für andere Angehörige von Inhaftierten. Sie beschreibt, wie sie sich zeitweise schuldig fühlte („Wenn ich nicht auf dieses Wochenende bestanden hätte..."), und wie wichtig es war, sich innerlich davon zu lösen: Verantwortung für die Straftat liegt allein beim Inhaftierten. Sie betont, wie entscheidend Selbstfürsorge ist, um nicht völlig auszubrennen: eigene Bedürfnisse wahrnehmen, Grenzen setzen, sich nicht in die Verantwortung für die Tat hineinziehen zu lassen. Neben der emotionalen Belastung spricht sie auch über finanzielle Folgen der Inhaftierung, Spannungen in der Pubertät der Tochter, Rollenwechsel und Ablösungsprozesse – und darüber, dass eine enge Mutter-Tochter-Beziehung durch Ehrlichkeit zwar konfliktreich, aber auch tragfähig bleiben kann. Für alle, die mehr Unterstützung brauchen Im Gespräch wird auf verschiedene Unterstützungsangebote für Angehörige von Inhaftierten hingewiesen, die in den Shownotes der Podcastreihe näher verlinkt werden: - Spezialisierte Beratungsstellen für Angehörige von Inhaftierten (z. B. Straffälligenhilfe des SKM Freiburg: https://www.skm-freiburg.de) - Online-Beratungs- und Chatangebote für Angehörige: https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/straffaelligkeit/start - https://www.juki-online.de/ - https://www.knastforum.de/

  7. 11/26/2025

    Folge 7: Auszeit für Kinder von Inhaftierten - die Ferienfreizeit des SKM

    Ferien vom Gefängnisalltag: Wie Kinder von Inhaftierten in der Freizeit aufblühen Mitten im Schwarzwald, ohne Handyempfang, dafür mit Kuhweiden, Lagerfeuer und viel Lachen: In dieser Folge von „Mitbestraft – im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten" spricht Monika Fröwis mit Ramon vom SKM Bruchsal über die Ferienfreizeit für Kinder von Inhaftierten. Seit fast 20 Jahren bietet diese Ferienfreizeit Kindern aus belasteten Familiensituationen eine Woche Auszeit, Abenteuer und Gemeinschaft – kostenlos, gut betreut und fernab von Stigma und Scham. Es geht um Beziehungsarbeit, Freundschaften, kreative Werkstätten, um Heimweh und Vertrauen, um die Rolle der Straffälligenhilfe und darum, wie wichtig solche stabilen, wiederkehrenden Angebote für Kinder aus Familien mit Haft-Hintergrund sind. Familien, die einen Bezug zu einer JVA oder zum SKM haben, sind ausdrücklich eingeladen, ihre Kinder anzumelden. Ramon – vom Zeltlagerkind zum Herz der Kinderfreizeit Ramon arbeitet in der Straffälligenhilfe des SKM Bruchsal und organisiert inzwischen maßgeblich die Kinderfreizeit, die von seiner Vorgesetzten Petra Schaab ins Leben gerufen wurde. Geprägt durch eigene Erfahrungen in Jugend- und Zeltlagern, ist ihm die Ferienfreizeit zur echten Herzensangelegenheit geworden. Er koordiniert die Anmeldungen, hält Kontakt zu Familien aus Bruchsal, Freiburg, Mannheim und Offenburg, plant Programm und Betreuungsteam und begleitet die Kinder vor Ort. Besonders berührt ihn, wie Kinder, die mit sieben oder acht Jahren starten, über Jahre immer wiederkommen, später als Hilfsbetreuer*innen mitfahren und so ihren Weg in Richtung sozialem Engagement finden. Mehr als Basteln: Angebote, Aktivitäten und der Wert von Erfolgserlebnissen Über viele Jahre war die Kinderfreizeit durch die Kinderlandstiftung gefördert und daher stark handwerklich geprägt. Entstanden ist ein vielseitiges Programm mit Nähwerkstatt, Holzbau, Schmuckwerkstatt, Speckstein und Batiken. Kinder nähen Kissen, Turnbeutel oder riesige Kuscheltiere, bauen Vogelhäuser, schleifen Steine oder gestalten eigene Projekte – bis hin zur selbstgenähten Stoff Toilette. Ramon betont, wie wertvoll diese Erfolgserlebnisse für Kinder sind, die im Alltag oft wenig Anerkennung erfahren. Daneben sorgen Outdoor-Pädagog*innen für Kletteraktionen im Wald, Seilbahnen und eine heiß umkämpfte „Bogenschieß-Weltmeisterschaft", bei der jedes Kind für ein selbst gewähltes Land antritt. Der Tagesablauf verbindet Struktur und Freiheit: vormittags Werkstätten oder Programm, nachmittags Aktionen, abends gemeinsame Rituale. Die Kinder helfen beim Kochen, Abwasch und Aufräumen – „wie auf einem großen Familienausflug" – und lernen nebenbei Verantwortung und Alltagskompetenzen. So können Familien ihr Kind anmelden und weitere Infos finden: Ansprechpartner ist der SKM Bruchsal, e-mail: ramon.heinzler@skm-bruchsal.de Familien können sich direkt dort melden oder über ihren örtlichen SKM (z.B. Freiburg, Mannheim, Offenburg). Es gibt ein erstes Kennenlerngespräch, in dem Abläufe, Besonderheiten, Allergien und Medikamentengabe besprochen werden. Die Freizeit findet jeweils im August statt (Termin 2026:17.–24. August, Montag bis Montag). Die Teilnahme ist für die Kinder kostenlos; Eltern tragen nur das Taschengeld (ca. 10 Euro) und die An- und Abreise zum gemeinsamen Bus. Kontakt zum Podcast: per E-Mail an die im Abspann genannte Adresse podcast@skm-freiburg.de um Fragen zu stellen oder an Ramon weitervermittelt zu werden.

  8. 10/13/2025

    Folge 6: Strafe muss sein! - Muss Strafe sein?

    In dieser Folge begrüßen wir Humberto, einen ehrenamtlichen Mitarbeiter unserer Straffälligenhilfe und Juristen mit Schwerpunkt Strafrecht. Gemeinsam sprechen wir über die verschiedenen Dimensionen von Strafe, deren Entwicklung im historischen und internationalen Vergleich sowie die oft unsichtbaren Folgen für die Angehörigen von Inhaftierten. Beschreibung des Gastes Humberto stammt ursprünglich aus Kolumbien, hat dort Rechtswissenschaften studiert und sich schon früh auf das Strafrecht spezialisiert. Nach einem Jahr in der kolumbianischen Justiz wechselte er für ein Masterstudium nach Deutschland. Derzeit promoviert er zum Thema Strafmaß in Deutschland, engagiert sich ehrenamtlich beim SKM Freiburg und bringt durch seine internationale Perspektive spannende Einblicke in die Diskussion um Strafe und Resozialisierung. Die wichtigsten Themen der Folge Strafe im Wandel der Zeit: Wir beleuchten, dass Strafe historisch und kulturell sehr unterschiedlich verstanden und ausgestaltet wurde. Die gängigen Freiheits- und Geldstrafen sind vor allem im westlichen Raum und in der Moderne verbreitet. Westlicher versus lateinamerikanischer Strafvollzug: Humberto erklärt die Unterschiede zwischen dem deutschen und kolumbianischen System. Während auf dem Papier vieles ähnlich geregelt ist, gibt es in der Praxis – etwa bei der Höhe des Strafmaßes und den Haftbedingungen – gravierende Abweichungen. Rolle der Angehörigen – Mitbestrafung: in zentrales Thema unseres Podcasts: Welche Auswirkungen hat Inhaftierung auf das Umfeld des Täters, insbesondere auf Familienangehörige und Kinder? Humberto schildert seine Erfahrungen, die er bei der Betreuung der Kinder macht und wie sich sein Blick auf das Thema Strafe erweitert hat. Resozialisierung und Sinn der Strafe: Wir diskutieren, wie sich der Gedanke der Resozialisierung erst relativ spät herausgebildet hat und warum eine humane Perspektive in der Justiz wichtig ist. Themen wie Abschreckung, zweite Chancen und gesellschaftlicher Umgang mit Straffälligen werden kritisch beleuchtet. Der Ermessensspielraum von Richtern: Humberto erläutert, wie im deutschen, aber auch im kolumbianischen Strafrecht das genaue Strafmaß oftmals im Ermessen des Richters liegt – und wie dies zu unterschiedlichen Urteilen führen kann.Prägnante Zitate aus dem Podcast „Die Angehörigen sind definitiv mitbestraft."„Das, was wir heute unter Strafe verstehen, ist historisch betrachtet eine Besonderheit."„In Kolumbien sind die Gefängnisse überfüllt – echte Resozialisierung ist dort kaum möglich."„Eine Strafe ist für mich kein endgültiges Urteil über eine Person."„Kinder sind trotz dieser schwierigen Situation einfach Kinder – voller Lebensfreude."Im Podcast angesprochene Links und WebseitenSKM Freiburg - Straffälligenhilfe: https://www.skm-freiburg.deKontakt per E-Mail:podcast@skm-freiburg.deInfos zur JVA Freiburg: https://www.jva-freiburg.deÜber den PodcastIm Podcast „Mitbestraft – Im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten" sprechen wir über die Auswirkungen der Inhaftierung auf Familien, Partner*innen und Kinder. Wir geben Raum für persönliche Erfahrungen, stellen Hilfsangebote vor und diskutieren gesellschaftliche Hintergründe. Unser Ziel ist es, Betroffene zu vernetzen, Verständnis zu schaffen und auch die juristischen und sozialen Fragen rund ums Thema „Mitbestraft sein" zu beleuchten.

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"Mitbestraft - Im Gespräch mit Angehörigen von Inhaftierten" ist ein Podcast, der darauf abzielt, das Bewusstsein für die Herausforderungen und die emotionale Belastung der Familien inhaftierter Personen zu schärfen. Jede Folge bietet einen tiefen Einblick in die individuellen Geschichten und Erfahrungen, um ein Tabuthema in die Gesellschaft zu tragen und Unterstützung zu bieten. Wir begrüßen Gäste, die offen über ihre Erlebnisse sprechen. Freuen Sie sich mit uns auf spannende und aufschlussreiche Themen rund um die Situation von Angehörigen Inhaftierter.