Ein Polizeieinsatz um sechs Uhr morgens verändert von einer Minute auf die andere das Leben einer ganzen Familie. In dieser Folge von Mitbestraft, dem Podcast der Straffälligenhilfe des SKM Freiburg, spricht Monika Fröwis mit Frau N., deren Sohn inhaftiert wurde. Es geht um den Schock der Festnahme durch das SEK, die ersten Tage in Untersuchungshaft, Besuchsschein, Haftkonto, Telefonate aus der JVA, den Übergang von U Haft in Strafhaft und die Frage, wie Angehörige von Inhaftierten mit Schuld, Scham, Sorge und Bürokratie umgehen können. Die Folge zeigt eindrücklich, wie wichtig Kontakt, Offenheit und Unterstützung für Familien sind, die plötzlich Teil eines ihnen völlig fremden Systems werden.Frau N.: Eine Mutter, die nicht verstummtFrau N. lebt in Berlin und erzählt offen von der Inhaftierung ihres Sohnes, der zuvor nicht vorbestraft war, in Ausbildung stand und nun zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Sie beschreibt sich als jemand, der telefoniert, nachfragt, sich durch Zuständigkeiten kämpft und versucht, aus der Ohnmacht ins Handeln zu kommen. Gemeinsam mit ihrer Tochter besucht sie ihren Sohn regelmäßig in der JVA, hält engen Kontakt und sucht den Austausch mit anderen betroffenen Müttern. Aus dieser Erfahrung heraus beteiligt sie sich am Aufbau einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Inhaftierten in Berlin.Zwischen Schock, Scham und dem festen Entschluss, dranzubleibenBesonders eindringlich schildert Frau N. den Moment der Festnahme: „Bei uns wurde nicht geklingelt, bei uns wurde die Tür eingetreten mit einer Ramme." Die Aktion habe sich für sie wie ein Überfall angefühlt, auch weil sie sich nicht von ihrem Sohn verabschieden durfte: „Er war dann halt plötzlich weg." Später musste die Familie selbst sehen, wie sie mit der eingetretenen Tür und der durchsuchten Wohnung zurechtkommt. Als belastend beschreibt sie auch die ersten Tage ohne klare Informationen, bis der Sozialdienst der JVA Kontakt aufnahm und erklärte, wie Geld auf das Haftkonto überwiesen werden kann. Zugleich macht Frau N. deutlich, dass sie ihren Sohn nicht auf seine Straftat reduziert: „Das, was er gemacht hat, ist kein Grund, ein Kind fallen zu lassen." Ihr wichtigster Rat an andere Angehörige lautet, den Kontakt nicht abbrechen zu lassen: Briefe, Karten, Fotos, Besuche und Telefonate seien für Inhaftierte oft von unschätzbarem Wert. „Die freuen sich über alles", sagt sie, und fasst ihre Haltung in einem Satz zusammen: „Nie aufgeben."Was Angehörige in der Praxis wissen müssenDie Folge macht deutlich, wie viele organisatorische Fragen nach einer Inhaftierung sofort auf Angehörige zukommen: Wo ist die inhaftierte Person untergebracht? Wie funktioniert ein Haftkonto? Wer beantragt einen Besuchsschein oder Dauersprechschein? Welche Regeln gelten für Haftbesuch, Telefonate, Wäsche und Geldbeträge? Frau N. berichtet, dass viele Informationen im Internet veraltet oder schwer verständlich seien und dass jede JVA eigene Abläufe haben kann. Gerade deshalb sind Austausch, Selbsthilfe und niedrigschwellige Angebote wie dieser Podcast für Angehörige von Inhaftierten so wichtig.Erwähnte Bücher, Veranstaltungen und Anlaufstellen1. Buch: Das Leben nach der Straftat eines Kindes. Im Schatten der Schuld von Claudia Terporten. Das Buch versammelt Perspektiven von Eltern straffällig gewordener Kinder und wurde in der Folge als hilfreich und bewegend beschrieben. 2. Fachveranstaltung: Wenn Familien mitverurteilt werden, eine Veranstaltung der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin zum Thema Angehörige von Straffälligen zwischen Schuld, Verantwortung und gesellschaftlichem Urteil. 3. Selbsthilfe in Berlin: Frau N. berichtet von einer entstehenden Selbsthilfegruppe für Angehörige von Inhaftierten in Berlin. Interessierte aus dem Raum Berlin können sich über den Podcast beziehungsweise den SKM Freiburg melden, damit ein Kontakt hergestellt werden kann.