Was bedeutet es wirklich, Christ zu sei, nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als tägliche Entscheidung, die dich alles kosten kann?Kiro Lindemann wächst als koptisch-orthodoxer Christ in Alexandria, Ägypten auf. In einem Land, in dem dein Name sofort verrät, ob du Christ oder Muslim bist und damit darüber entscheidet, wie du behandelt wirst. Als Teil einer 10-Prozent-Minderheit erlebt Kiro von Kindheit an, was es heißt, anders zu sein: grundlose Schläge vom Lehrer in der Schule, Demütigungen auf der Straße, wirtschaftliche Benachteiligung, und eine Gesellschaft, die Christen systematisch an den Rand drängt. Und doch ist für ihn und seine Familie der Glaube keine Last, sondern die einzige Heimat, die niemand wegnehmen kann.Dann kommt der Silvesterabend 2011. Kiro geht mit seiner Mutter, seinen zwei Schwestern und seiner Tante in die Kirche. 10.000 Gläubige feiern gemeinsam den Jahreswechsel mit Gott. Kurz vor Mitternacht verlässt die Menge die Kirche. Kiro bleibt noch kurz drinnen, um Freunden ein frohes neues Jahr zu wünschen. Dann ein Knall. Glas splittert. Eine Frau mit brennenden Haaren stürmt herein und schreit nach ihrer Tochter. Ein Bombenanschlag.Was folgt, sind vier der längsten Stunden seines Lebens: die verzweifelte Suche nach seiner Familie in einer riesigen, abgeriegelten Kirche. Das Abfahren von Krankenhaus zu Krankenhaus. Und schließlich die unbeschreibliche Aufgabe, mit Ärzten gemeinsam Körperteile zu identifizieren. Kiro ist 19 Jahre alt. Er geht an diesem Abend mit vier Menschen in die Kirche. Er kommt alleine zurück.Seine Mutter, seine ältere Schwester, seine Tante, alle drei sterben bei dem Anschlag. Seine jüngere Schwester überlebt und muss sich 33 Mal operieren lassen. Kiro gibt danach im ägyptischen Fernsehen ein Interview, in dem er den Anschlag offen benennt. Die Konsequenz: Todesdrohungen. Konvertiere zum Islam oder stirb. Er flieht. In dieser Zeit trägt Kiro eine Last, die kaum vorstellbar ist. Er fährt mit dem Motorrad in voller Geschwindigkeit nicht weil er leben will, sondern weil er hofft, dass es endet. Nur die Worte seiner Mutter halten ihn davon ab, sich das Leben zu nehmen.Was danach kommt, ist keine einfache Erfolgsgeschichte. Es ist ein langer, ehrlicher Weg – mit Gott, mit sich selbst, und irgendwann auch mit dem Täter. Heute betet Kiro täglich für den Mann, der seine Mutter, seine Schwester und seine Tante getötet hat. Nicht weil er es aus eigener Kraft geschafft hat. Sondern weil er gelernt hat, die Faust zu öffnen.Diese Folge ist ein Zeugnis darüber, was Glaube wirklich bedeutet: Nicht als frommer Begriff, sondern als gelebte, erkämpfte, manchmal erschütternde Realität. Eine Geschichte über Verlust und Vergebung, über Hass und Heilung, über einen Gott, der wartet, bis wir bereit sind.🎙️ Folgt Kiro Lindemann hier: YouTube: youtube.com/@kirolindemann Instagram: instagram.com/kiro.lindemann ⏱️ Kapitel00:00 Einleitung: Wer ist Kiro? Herkunft, Familie & koptisches Christentum 07:29 Christ sein in Ägypten: Verfolgung, Diskriminierung & Alltag als Minderheit 19:00 Die Kirche als Heimat & Zufluchtsort: Warum Glaube dort eine andere Tiefe hat 25:24 Silvester 2011: Der Bombenanschlag und der Verlust der Familie 37:10 Hass, Flucht & sieben Jahre Asylheim: Der tiefste Punkt 46:14 Die Wende: Vom „Warum" zum „Wozu", und wie Gott antwortet 55:00 Feindesliebe in der Praxis: Den Mörder seiner Mutter vergeben 01:00:14 Warum soll ich als junger Mensch Gott folgen?