Predigtthema: Liebe deine Feinde? Ernsthaft, Jesus? Prediger: Ulrich Martens Bibeltexte: Matthäus 5,9.43–48; Lukas 6,27–28; 1. Petrus 3,9 „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ Die Worte Jesu sind klar – und zugleich eine enorme Herausforderung. Wie soll es möglich sein, Menschen mit Liebe zu begegnen, die uns ablehnen, verletzen oder bewusst Schaden zufügen? Ulrich Martens zeigt in dieser Predigt, dass Feindesliebe nicht bedeutet, Unrecht zu verharmlosen, Verletzungen zu verdrängen oder zerstörerisches Verhalten einfach hinzunehmen. Jesus ruft uns vielmehr dazu auf, Verantwortung für unser eigenes Handeln zu übernehmen und darauf zu achten, dass von uns selbst möglichst nichts Feindliches ausgeht. Statt Böses mit Bösem zu vergelten, sollen wir beten, segnen und nach Wegen des Friedens suchen. Gerade das Gebet für schwierige Menschen kann unsere Perspektive verändern. Im Gebet bringen wir unsere Wut, unsere Verletzungen und unsere Hilflosigkeit ehrlich vor Gott. Gleichzeitig treten wir vor Gott an die Seite des anderen und können erkennen, wo vielleicht auch unser eigenes Verhalten zu einem Konflikt beigetragen hat. Feindesliebe ist dabei kein spontanes Gefühl, sondern eine bewusste Entscheidung, dem Hass nicht das letzte Wort zu überlassen. Jesus selbst hatte Feinde. Obwohl er Menschen heilte, ihnen diente, die Wahrheit sagte und kam, um die Trennung zwischen Gott und Mensch zu überwinden, wurde er abgelehnt, gedemütigt und gekreuzigt. Doch selbst am Kreuz betete er: „Vater, vergib ihnen.“ Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus Frieden mit Gott geschaffen und gezeigt, dass seine Liebe stärker ist als Hass, Schuld und Gewalt. Anhand des Beispiels von Nelson Mandela wird deutlich, wie Vergebung eine Spirale aus Vergeltung und Gewalt durchbrechen kann. Freiheit bedeutet nicht nur, die eigenen Fesseln loszuwerden, sondern auch anderen Menschen Freiheit zu ermöglichen. Versöhnung braucht Wahrheit, Verantwortung und die Bereitschaft, nicht mit neuer Gewalt auf erlittenes Unrecht zu reagieren. Jesu Aufforderung, vollkommen zu sein, ist dabei kein unerreichbarer Anspruch, der Christen unter ständigen Leistungsdruck setzt. Sie ist ein Zuspruch und eine Einladung, sich von Gottes Liebe verändern zu lassen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Jesus ähnlicher zu werden, das eigene Denken erneuern zu lassen und immer schneller den Weg der Vergebung und des Friedens zu suchen. Diese Predigt lädt dazu ein, die eigenen Beziehungen ehrlich anzuschauen: Von wem fühle ich mich verletzt? Wem begegne ich innerlich feindlich? Wo bin ich selbst aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen? Und für welchen Menschen könnte ich heute beginnen zu beten? Jesus ruft uns dazu auf, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern ein Werkzeug seines Friedens zu werden – weil wir selbst von seiner Liebe, seiner Vergebung und seinem Frieden leben.