Irgendwas mit Nachhaltigkeit?

Nils Giesen

„Irgendwas mit Nachhaltigkeit?“ ist der Podcast für alle, die bei Nachhaltigkeit zuerst an Verbote, Verzicht oder nervige Berichte denken und genau deshalb zuhören sollten. Es geht um Klima, Wirtschaft, Politik und Macht. Um Regeln wie CSRD oder ESG, aber vor allem darum, was sie im echten Leben und in Unternehmen tatsächlich verändern. Und warum Nachhaltigkeit längst keine Wohlfühlfrage mehr ist, sondern eine Frage von Verantwortung. Mal erklärend, mal im Gespräch mit Gästen, kritisch, verständlich und ja: manchmal zynisch. Kein Greenwashing. Keine einfachen Antworten. Einordnung mit Haltung.

  1. S3 E5 - Die mit der abgesagten Klimakrise

    5d ago

    S3 E5 - Die mit der abgesagten Klimakrise

    Moin. Der Klimawandel ist abgesagt. Zumindest wenn man einigen Schlagzeilen der letzten Wochen glaubt. Denn das berüchtigte Klimaszenario SSP5-8.5, lange Zeit das Synonym für die schlimmsten Folgen der Erderwärmung, gilt inzwischen als zunehmend unrealistisch und wurde im neuen Szenario-Rahmenwerk für den kommenden IPCC-Bericht nicht mehr als Standardpfad übernommen. Für manche Medien offenbar Grund genug, gleich die gesamte Klimakrise mit abzuräumen. Problem gelöst. Podcast beendet. Nachhaltigkeit kann weg. Oder? In dieser Folge schauen wir uns an, was tatsächlich hinter der Diskussion steckt, warum der IPCC die Klimakrise keineswegs abgesagt hat und weshalb aus einer wissenschaftlichen Einordnung innerhalb weniger Tage eine politische und mediale Erzählung wurde. Und während manche noch darüber diskutieren, ob Nachhaltigkeit überhaupt noch nötig ist, stehen bereits die nächsten Regulierungen vor der Tür: 📦 Die PPWR verändert die Spielregeln für Verpackungen in Europa grundlegend. Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile, Mehrwegquoten und neue Dokumentationspflichten werden für viele Unternehmen zur Pflichtaufgabe. 🌱 Die EmpCo-Richtlinie erklärt dem Greenwashing den Kampf. Wer künftig mit Begriffen wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ wirbt, braucht dafür belastbare Nachweise. Das Zeitalter der grünen Bauchgefühle endet langsam, aber sicher. Wir sprechen über Klimaszenarien, Schlagzeilen, Verpackungen, Marketingversprechen und darüber, warum Nachhaltigkeit als Unternehmensthema erstaunlich wenig davon abhängt, ob das schlimmste Klimaszenario nun plausibel ist oder nicht. Kurz gesagt: Die Klimakrise wurde nicht abgesagt. Die Regulierung auch nicht. Und deshalb gibt es wohl doch noch weitere Folgen von „Irgendwas mit Nachhaltigkeit?“.

    1h 4m
  2. S3 E4 - Die mit dem Fehler am Anfang

    May 19

    S3 E4 - Die mit dem Fehler am Anfang

    80 Prozent der Umweltwirkung eines Produkts werden festgelegt, bevor überhaupt produziert wird. Bevor die erste Schraube sitzt.Bevor das erste Kilogramm CO2 entsteht.Bevor irgendjemand über Recycling, Kreislaufwirtschaft oder Nachhaltigkeitsberichte spricht. In dieser Folge geht es um den eigentlichen Ursprung vieler Umweltprobleme:Designentscheidungen. Warum Produkte oft so gebaut werden, dass sie nicht reparierbar sind.Warum Recycling häufig schon am Reißbrett scheitert.Warum Nachhaltigkeit in Entwicklungsprozessen strukturell untergeht.Und warum wir inzwischen hervorragend regulieren können, wie Unternehmen über Nachhaltigkeit sprechen, während die eigentlichen Produkte oft immer noch für Wegwerfen statt Kreislaufwirtschaft entwickelt werden. Wir reden über: Viktor Papanek und die Verantwortung von DesignLife Cycle Thinking und die blinden Flecken der Produktentwicklunggeplante Obsoleszenz und das Phoebus-KartellCradle to Cradle, Reparierbarkeit und KreislaufdesignESPR, Digitalen Produktpass und das Regulierungsparadox der EUFast Fashion, Green Claims und nachhaltige Verpackungen für schlechte Produkteund die vielleicht unangenehmste Frage überhaupt:Muss dieses Produkt eigentlich existieren? Eine Folge über Produktdesign, Wegwerfgesellschaft, Kreislaufwirtschaft, Regulierung und den teuersten Fehler überhaupt:Den Fehler am Anfang. SHOWNOTES / QUELLEN / LESETIPPS - EU Circular Economy Action Plan: https://ec.europa.eu/environment/strategy/circular-economy-action-plan_en - Leyla Acaroglu / Unschool of Disruptive Design: https://www.leylaacaroglu.com - Leyla Acaroglu / What You Probably Didn’t Learn in Design School: https://www.youtube.com/watch?v=PeQdOxXdTcQ - TED Talk Leyla Acaroglu "Paper Beats Plastic?": https://www.ted.com/talks/leyla_acaroglu_paper_beats_plastic_how_to_rethink_environmental_folklore - Viktor Papanek, "Design for the Real World" (1971) - Braungart / McDonough, "Cradle to Cradle" (2002) - Ellen MacArthur Foundation - Fashion and the Circular Economy: https://www.ellenmacarthurfoundation.org/fashion-and-the-circular-economy - EU Ökodesign-Verordnung (ESPR): https://ec.europa.eu/growth/industry/sustainability/ecodesign-sustainable-products-regulation_en - EU Right to Repair Directive (2024): https://commission.europa.eu/topics/consumers/right-to-repair_en - Digitaler Produktpass: https://ec.europa.eu/growth/industry/sustainability/digital-product-passport_en

    47 min
  3. S3 E2 - Die mit der Reichweitenangst

    May 5

    S3 E2 - Die mit der Reichweitenangst

    Irgendwas mit Nachhaltigkeit? Die mit der Reichweitenangst! Reichweitenangst, Ladefrust, Preisdebatten.Und dazwischen die unbequeme Wahrheit: Es funktioniert. Meistens sogar ziemlich gut. Diese Folge ist kein Hype und kein Gegen-Hype.Sondern ein Blick auf Elektromobilität aus der Praxis. Mehrere Jahre elektrisch unterwegs.Vom ersten „Mal schauen, ob das überhaupt geht“ bis zu dem Punkt, an dem es einfach Alltag wird. Was sich wirklich verändert, wenn man nicht mehr tankt, sondern lädt.Warum viele Diskussionen immer noch auf Annahmen basieren, nicht auf Erfahrung.Und wieso Verhalten oft wichtiger ist als Technik. Es geht um die typischen Urban Legends: Reichweite, Laden, Winter, Strommix.Was davon stimmt. Was nicht. Und was irgendwo dazwischen liegt. Dazu ein ehrlicher Blick auf Kosten und Energiepreise.Warum der Vergleich oft schon im Ansatz schief läuft.Und weshalb die Frage „lohnt sich das?“ selten so einfach zu beantworten ist, wie sie gestellt wird. Außerdem ein Perspektivwechsel in die Unternehmenswelt.Dort, wo weniger diskutiert und mehr gerechnet wird.Und wo Elektromobilität manchmal nicht ideologisch, sondern schlicht wirtschaftlich wird. Und am Ende bleibt eine ziemlich unspektakuläre Erkenntnis: Elektromobilität ist weder die Lösung für alles.Noch ist sie der große Irrweg. Sie ist ein Werkzeug.Und wie gut es funktioniert, hängt weniger vom Auto ab als von den Rahmenbedingungen. Keine Romantik, kein Kulturkampf.Nur Praxis.

    1h 31m
  4. S2 E23 - Die mit der Wirkung

    Apr 21

    S2 E23 - Die mit der Wirkung

    Staffelfinale! Ok, schon wieder?! Wow, das ging gefühlt echt schnell. Also: In S2 E23 von "Irgendwas mit Nachhaltigkeit?" geht es um die vielleicht unangenehmste Frage nach der regulatorischen Entlastung: Was bleibt von Nachhaltigkeit, wenn keiner mehr berichten muss? Diese Folge schaut bewusst nicht mehr nur auf CSRD, ESRS und Berichtspflichten, sondern auf das, was danach kommt. Oder eben nicht kommt. Denn genau jetzt zeigt sich, ob Nachhaltigkeit je mehr war als ein sauber formatierter Projektordner mit Dashboard, KPI-Logik und Vorstandsvorwort. Ich spreche darüber, warum Reporting nie das eigentliche Ziel war, weshalb Daten noch keine Wirkung erzeugen und an welchen Stellen im Unternehmen echte Veränderung entsteht: im Einkauf, in der Produktentwicklung, in Finance, im Vertrieb, in den Anreizsystemen und im Umgang mit Klimarisiken. Es geht um den Unterschied zwischen Dokumentation und Steuerung. Zwischen Compliance und Transformation. Zwischen gut aussehen und anders entscheiden. Und es geht um die große Illusion der letzten Jahre: die Hoffnung, dass Messen automatisch zu Handeln führt. Das Staffelfinale markiert damit auch den Übergang in Staffel 3. Weg vom Bericht. Hin zu den Machtfragen im Unternehmen: Wer entscheidet? Nach welchen Kriterien? Mit welchen Anreizen? Und mit welchen blinden Flecken? Eine Folge über Wirkung, Reifegrad und die Frage, ob Nachhaltigkeit im Unternehmen gerade verschwindet oder endlich dort ankommt, wo sie immer hingehörte: in die echte Managementlogik. Und keine Sorge, Staffel 3 fängt gleich in der nächsten Woche an ;)

    1 hr
  5. S2 E22 - Die mit dem grünen Versprechen | Wissen Rund um die EmpCo

    Apr 13

    S2 E22 - Die mit dem grünen Versprechen | Wissen Rund um die EmpCo

    Mehr als die Hälfte aller Umweltaussagen in der EU sind vage, irreführend oder schlicht unbelegt. Das ist kein Vorwurf, das ist eine Zahl aus einer Studie der Europäischen Kommission von 2020. Und trotzdem klebt seit vierzig Jahren auf gefühlter Hälfte aller Verpackungen irgendwas mit „klimaneutral“, „ökologisch“ oder „nachhaltig“ drauf. OhneNachweis. Ohne Standard. Und ohne Konsequenz. Das ändert sich jetzt. Mit der EmpCo-Richtlinie und der neuen UWG-Novelle zieht die EU die Reißleine: Ab dem 27. September 2026 muss jede Umweltaussage belegbar, verständlich erklärt und direkt nachprüfbar sein. Selbst erfundene Nachhaltigkeitssiegel sind verboten. Kompensationsbasierte Klimaneutralitätsbehauptungen ohne echte Reduktion sind verboten. Und wer dagegen verstößt, riskiert Abmahnungen, Klagen und - was langfristig mehr schmerzt - den Vertrauensverlust bei Kunden, die ohnehin schon müde sind. In dieser Folge erklär ich, was genau sich ändert, warum es überfällig war, und wo die Grenzen dieser Regulierung liegen. Ich schaue auf alle drei Perspektiven: Unternehmen mit bestehender Nachhaltigkeitskommunikation, kleine Betriebe ohne Nachhaltigkeitsabteilung, und Verbraucherinnen und Verbraucher, die endlich einen QR-Code scannen können,ohne ins Leere zu klicken. Und am Ende ein Gedanke, der mich beschäftigt:Regulierung schafft eine Untergrenze. Aber eine Untergrenze ist kein Ziel. Was wir brauchen, ist beides - klare Regeln und die Ambition, darüber hinauszugehen. Gruen sagen, grün meinen. Jetzt Pflicht. HINWEIS Diese Folge ist keine Rechtsberatung. Shownotes/Hintergrundinformationen: https://environment.ec.europa.eu/topics/circular-economy-topics/green-claims_en https://www.umweltbundesamt.de/themen/staerkerer-schutz-vor-greenwashing-in-deutsches

    51 min

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