Bündner Herz - ehrlich unterwegs

Denise Meiler

In meinem Podcast nehme ich dich mit in die Themen, die mich im Alltag begleiten und bewegen – ehrlich, persönlich und mitten aus dem Leben. Ich erzähle, wie ich mit Herausforderungen umgehe und welche Methoden mich unterstützen, daran zu wachsen. Für alle, die neugierig sind und sich gerne weiterentwickeln.

  1. 4d ago

    Lebendig bleiben – Veränderung willkommen

    Heute geht’s um ein Thema, das Menschen entweder lieben … oder am liebsten grossräumig umgehen. Die Veränderung. Ich persönlich finde Veränderung spannend. Ich spüre dabei so viel Freude, Neugier und auch eine gewisse Ungeduld in mir. Wie so oft im Leben löst auch dieses Thema bei jedem Menschen etwas anderes aus. Die einen suchen Veränderung regelrecht. Sie sehnen sich danach. Und die anderen bekommen schon leicht erhöhten Puls, wenn im Supermarkt die Pasta plötzlich nicht mehr im gewohnten Regal steht. Oder wenn Netflix das Menü umgestaltet und man drei Tage lang denkt: „Wo ist mein Zeug hin?“ Für manche ist das schon eine mittlere Lebenskrise. Dann gibt es die Menschen, die sagen: „Ich brauch mal wieder etwas Neues.“ Ich suche die Veränderung. Ich mag keine Langeweile und Routine schon gar nicht. Andere haben seit X Jahren denselben Ferienort, denselben Liegestuhl und wahrscheinlich sogar denselben Kellner namens Enrico. Enrico weiss längst, was sie trinken, wann sie zum Frühstück erscheinen und dass sie sich jedes Jahr vornehmen, diesmal etwas Neues auszuprobieren. Was dann meistens daran scheitert, dass Enrico den gewohnten Aperol schon auf den Tisch gestellt hat. Ich fühle beides! Weil auch ich solche Anteile in mir habe. Wenn ich ehrlich bin, liebe ich die Veränderung. Ich spüre relativ schnell, wenn es für meinen Geschmack gleich bleibt. Immer derselbe Ablauf. Dieselbe Routine. Dieselben Gespräche. Dasselbe Denken. Woche für Woche. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Und irgendwann fühlt sich mein Gehirn an wie: „Okay … leben wir noch oder wiederholen wir einfach nur?“ Ich frage mich dann schon, ob da noch etwas anderes auf dem Menü steht. Für manche bedeutet Veränderung: Freiheit. Neugier. Entwicklung. Lebendigkeit. Und für andere bedeutet Veränderung: Unsicherheit. Kontrollverlust. Überforderung. Und das ist total verständlich. Denn Veränderung bedeutet fast immer: Man weiss noch nicht genau, was kommt. Ich bin überzeugt: Wenn ich all die Dinge, die ich in meinem Leben ausprobiert habe, nicht gemacht hätte, wäre ich heute nicht die Person, die ich bin. Ich hätte Graubünden nicht verlassen. Ich wäre vielleicht nie nach Zürich gekommen. Nicht, dass das andere Leben schlechter gewesen wäre. Das kann ich gar nicht beurteilen. Ich empfinde mein Leben als ein Geschenk auch mit denen, die mir nicht so gefallen haben. Da kommt mir immer wieder der Film Sliding Doors in den Sinn. Ja, ich weiss … 1998. Für alle, die ihn kennen: Es geht um einen einzigen kleinen Moment, der zwei völlig unterschiedliche Lebenswege entstehen lässt. Genau darüber denke ich manchmal nach. Was wäre gewesen, wenn ich nicht nach Zürich gezogen wäre? Welche Menschen hätte ich nie kennengelernt? Welche Erfahrungen hätte ich nie gemacht? Welche Türen hätten sich nie geöffnet? Welche Version von mir würde heute hier sitzen? Wir werden es nie wissen. Und genau das macht das Leben irgendwie faszinierend. Unser Kopf liebt: Antworten. Pläne. Sicherheit. Kontrolle. Das Leben hingegen liebt Überraschungen. Und wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann sind viele meiner schönsten Erinnerungen nicht nach Plan entstanden. Sie begannen meistens mit einem: „Ach komm, schauen wir einfach mal.“ Und plötzlich entstanden Begegnungen, Möglichkeiten oder Erfahrungen, an die ich nie gedacht hätte. Ich glaube, Veränderung konfrontiert uns immer auch mit uns selbst. Bin ich bereit loszulassen? Wer bin ich ohne das Alte? Was, wenn das Neue besser wird? Was, wenn nicht? Treffe ich die richtige Entscheidung? Was, wenn es die falsche ist? Und gleichzeitig merke ich bei mir: Stillstand macht mir viel mehr Angst als Veränderung. Die Vorstellung, jahrelang einfach nur zu funktionieren. Immer gleich. Ohne neue Eindrücke. Ohne Entwicklung. Ohne Überraschungen. Das fühlt sich für mich viel enger an als das Unbekannte. Ich empfinde Veränderung als etwas Lebendiges. Sie öffnet mir den Blick. Für neue Orte. Neue Menschen. Neue Gedanken. Neue Perspektiven. Neue Ideen. Neue Erfahrungen. Genau dieses Gefühl liebe ich. Wenn etwas in mir wieder wach wird. Wenn ich inspiriert werde. Wenn ich etwas Neues über die Welt entdecke. Über mich selbst. Oder über andere Menschen. Es braucht dafür gar nichts Riesiges. Nicht jeder muss gleich seinen Job kündigen und Keramik auf einer Alp herstellen. Manchmal reicht schon: Ein neues Gespräch. Ein anderer Weg nach Hause. Ein spontanes Ja. Eine neue Erfahrung. Ein Konzertbesuch. z. Bsp. von Helene Fischer Einfach die Entscheidung, etwas anders zu machen als sonst. Vielleicht fühlt sich Veränderung genau deshalb so kraftvoll an. Weil sie uns bewegt. Innerlich wie äusserlich. Gedanklich und auch emotional. Ich glaube ehrlich gesagt: Viele Menschen wünschen sich Veränderung. Aber bitte mit Rückgaberecht und Geld-zurück-Garantie. Doch Veränderung funktioniert nicht so. Ein bisschen Mut und Vertrauen gehört dazu. Es geht gar nicht darum, ständig alles umzuschmeissen. Sondern darum, lebendig zu bleiben. Neugierig zu bleiben. Sich selbst immer wieder neu zu begegnen. Denn was heute passt, muss nicht für immer passen. Und genau das finde ich etwas unglaublich Schönes. Dass wir das Privileg und die Freiheit haben uns verändern zu dürfen. Ist das nicht Wachstum? Es fragt selten: „Wären Sie jetzt bereit für die nächste Veränderung?“ Nein, es drückt einfach auf „Aktualisieren“. Und wie oft aus einem kleinen Schritt ins Unbekannte etwas entstanden ist, das wir heute nicht mehr missen möchten.

    14 min
  2. May 26

    Alles zu seiner Zeit

    In den letzten Tagen war ich viel draussen unterwegs. Beim Spazieren oder ganz neugierig im Garten. Und immer wieder entdecke ich etwas Neues. Eine Blüte, die plötzlich da ist. Eine Pflanze, die vor kurzem noch ganz unscheinbar war. Oder etwas, das langsam vergeht und kaum mehr sichtbar ist. Denn die Natur erinnert mich an etwas, das «Alles hat seine Zeit.“ Jede Pflanze hat ihren eigenen Rhythmus. Ihre Zeit zu wachsen. Zu blühen. Sich zurückzuziehen. Und wieder neu zu entstehen. Und nichts davon wirkt angestrengt. Die Natur kämpft nicht gegen sich selbst. Sie vergleicht sich nicht. Sie versucht nicht, schon weiter zu sein, als sie gerade ist. Das berührt mich deshalb so tief, weil ich in der Natur oft Erkenntnisse bekomme, die sich viel klarer anfühlen als alles, was ich mit dem Kopf verstehen möchte. Es fühlt sich an nach Klarheit, ganz ruhig und ganz echt. Dadurch merke ich immer mehr: Das Leben will vielleicht gar nicht immer nur verstanden werden. Ich selbst versuche vieles mit dem Kopf zu greifen. Zu verstehen. Einzuordnen. Kontrollieren zu können. Dieses ständige Denken. Dieses Gefühl, etwas antreiben zu müssen. Schneller eine Antwort zu brauchen. Das «ich will es jetzt». Schneller Klarheit finden zu wollen. Gleichzeitig lernt es mich immer mehr, auf das zu hören, was ich fühle. Oder vielleicht besser gesagt: es überhaupt erst wahrzunehmen.“ Nein, das ist nicht immer einfach und ich bin mir auch nicht immer bewusst darüber. Fühlen bedeutet oft auch, langsamer zu werden. Still zu werden. In Verbindung mit sich zu sein. Ich glaube, genau dort liegt etwas ganz Wesentliches. Alles, was in uns wirklich reif ist, wird irgendwann sichtbar. Nicht dann, wann wir denken, sondern vielleicht so wie in der Natur. Eine Blüte öffnet sich nicht früher, nur weil wir daran ziehen. Je mehr ich die Natur beobachte, desto mehr erkenne ich diesen Rhythmus auch in meinem eigenen Leben. Zum Beispiel in Beziehungen. Manche Menschen begleiten uns nur für eine bestimmte Zeit. Oft wollen wir festhalten. Verstehen, warum sich etwas verändert. Warum jemand geht. Oder warum etwas nicht so bleibt, wie wir es uns wünschen. Doch vielleicht hatte auch diese Begegnung einfach ihre Zeit. Vielleicht war sie nicht dafür da, für immer zu bleiben — sondern dafür, uns etwas zu zeigen. Uns wachsen zu lassen. Uns zu berühren. Wir wollen bestimmte Gefühle festhalten und andere möglichst schnell loswerden. Aber vielleicht dürfen auch Emotionen einfach durch uns hindurchfliessen, ohne dass wir sie sofort verändern müssen. Heilung liegt manchmal nicht im Wegdrücken — sondern im Zulassen. Ich kenne dieses endlose Nachdenken so gut. Dieses Suchen nach der perfekten Antwort. Den gleichen Gedanken, tausendmal gedacht. Wirklich wichtige Entscheidungen in meinem Leben wurden nicht klarer, je mehr ich analysiert habe, sondern dann, wenn ich still wurde. So, wie eine Blüte, die irgendwann ganz von selbst sichtbar wird.            Vielleicht müssen wir nicht ständig alles forcieren. Nicht jede Antwort sofort kennen. Nicht immer schon weiter sein. Vielleicht dürfen wir lernen, unserem eigenen Rhythmus wieder mehr zu vertrauen. Dem inneren Werden. Dem Reifen. Dem Fühlen. Die Natur erinnert mich immer wieder daran, wie friedlich Leben sein kann, wenn nichts gedrängt wird. Vielleicht beginnt Ruhe genau dort: Wenn wir aufhören, permanent alles verstehen zu müssen … und beginnen, uns selbst wieder zu spüren.“ Eben „Alles zu seiner Zeit.“

    12 min
  3. May 19

    Vielleicht sind wir alle irgendwie spirituell

    In einem Gespräch letzte Woche fiel irgendwann dieser Satz: „Esoterik ist nichts für mich.“ Ich musste innerlich ein bisschen schmunzeln, weil dieser Satz für mich immer so endgültig klingt. Fast so wie: „Nein danke, ich esse keine Oliven.“ Und gleichzeitig fand ich den Satz spannend. Weil Worte wie Esoterik oder Spiritualität bei vielen Menschen sofort etwas auslösen. Jeder hat direkt ein Bild im Kopf. Räucherstäbchen. Kristalle. Vollmondrituale. Oder Menschen, die plötzlich nur noch in Energien sprechen und nie mehr in ganzen Sätzen. Ich verstehe das sogar. Es gibt in diesen Bereichen — wie überall — Menschen, bei denen man selbst kurz denkt: Okay… wir verlieren langsam den Kontakt zur Erde. Aber darum geht’s mir eigentlich gar nicht. Mich interessiert vielmehr: Warum reagieren wir so stark auf gewisse Begriffe? Denn wenn man ehrlich ist, erleben wir Dinge, die man vielleicht spirituell nennen könnte, ständig. Wir betreten einen Raum und spüren sofort die Stimmung. Wir merken bei manchen Menschen direkt: Hier fühle ich mich wohl. Oder eben: Hier möchte ich nach sieben Minuten wieder gehen. Wir sagen: „Das fühlt sich richtig an.“ „Irgendwas stimmt nicht.“ „Diese Person zieht mir Energie.“   Und niemand verlangt in diesen Momenten plötzlich eine PowerPoint-Präsentation mit wissenschaftlicher Auswertung. Wir fühlen Dinge. Permanent. Genau deshalb frage ich mich manchmal: Spielt es wirklich so eine grosse Rolle, wie wir es nennen? Ob jemand Spiritualität sagt. Intuition. Bauchgefühl. Energie. Wahrnehmung. Vielleicht geht es am Ende viel weniger um den Begriff — und viel mehr darum, ob wir uns selbst überhaupt noch spüren. Denn ich habe den Eindruck, dass genau das vielen Menschen langsam verloren geht. Wir sind permanent im Kopf. Analysieren. Vergleichen. Optimieren. Googeln. Schauen noch schnell ein Video: „5 Wege zu mehr innerer Ruhe“ — von jemandem, der selbst aussieht, als hätte er seit Jahren nicht tief durchgeatmet. Und gleichzeitig entfernen wir uns immer mehr von dieser leisen inneren Stimme, die eigentlich die ganze Zeit da wäre. Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher subtil. Dieses kleine Gefühl von: Das tut mir gut. Das fühlt sich eng an. Hier stimmt etwas nicht. Hier zieht sich etwas zusammen. Oder: Hier werde ich ruhig. Und ich glaube ehrlich gesagt, dass viele Menschen nicht Angst vor Spiritualität haben. Sondern davor, sich selbst wirklich zu begegnen. Denn das klingt zwar schön — „mehr mit sich selbst verbunden sein“ — aber wenn man ehrlich ist, bedeutet das auch: sich selbst wahrnehmen. Das ist nicht immer bequem oder fühlt sich auf jeden Fall nicht immer so an. Zu merken: Ich bin eigentlich müde. Ich bin überfordert. Ich verstelle mich. Ich sage ständig Ja, obwohl alles in mir Nein schreit. Das spürt man oft zuerst im Gefühl — lange bevor der Kopf bereit ist, es zuzugeben. Verunsichert uns genau das? Unser Körper ist oft ehrlicher ist als unsere Gedanken. Wir fühlen Dinge, bevor wir sie erklären können. Ich habe das Gefühl, wir haben gelernt, unserer Wahrnehmung weniger zu vertrauen als allem im Aussen. Einer Meinung. Einem Trend. Einem Experten. Irgendjemandem mit Mikrofon und sagt wie: „Werde die höchste Version deiner selbst in drei Schritten.“ Aber wie oft hatten wir selbst eigentlich schon recht? Wie oft hatten wir bei Menschen ein Gefühl… und wollten es uns ausreden? Wie oft wussten wir innerlich längst, dass etwas nicht stimmt — und haben trotzdem versucht, es logisch schönzureden? Ich glaube, genau dort beginnt für mich Spiritualität. Nicht in grossen Aussagen. Nicht im Abheben. Nicht darin, allem blind zu glauben. Sondern vielleicht einfach darin, wieder mehr Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. In die eigene Wahrnehmung. In das eigene Gefühl. In dieses leise innere Wissen, das oft komplett untergeht im ganzen Lärm. Und vielleicht müssen wir dafür gar nicht erst entscheiden, ob wir spirituell sind oder nicht. Ohne sofort Angst zu haben, komisch zu wirken. Ohne alles beweisen zu müssen. Ohne für jedes Gefühl eine logische Erklärung zu brauchen. Manche Dinge verstehen wir nicht zuerst im Kopf, sondern nachdem man sie schon längst gefühlt hat. Ich finde wir sind alle irgendwie spirituell, nur nennen wir es einfach unterschiedlich. Falls euch diese Folge heute zu spirituell war — dann trinkt ein Glas Wasser, atmet drei tief ein und aus und sagt einfach: Die Vibes waren trotzdem stabil.

    12 min
  4. May 12

    Man müsste mal…

    Man müsste mal wieder mehr Sport machen. Aber nicht einfach irgendeinen Sport. Krafttraining wäre wichtig. Und Stretching. Und Beweglichkeit. Und die Faszien. Die dürfen wir nicht vergessen.  Wobei Regeneration ja auch wichtig ist. Und Schlaf. Aber guter Schlaf. Erholsamer Schlaf. Tiefschlaf möglichst. Eine gute Schlafhygiene. Dann nicht zu vergessen die Ernährung. Ehrlich gesagt habe ich inzwischen das Gefühl, man braucht ein Vollzeitstudium, um zu wissen, was man überhaupt noch essen darf. Zucker schlecht. Gluten schwierig. Milch vielleicht entzündend. Hafermilch okay – aber nicht jede. Protein wichtig. Intervallfasten auch. Darmgesundheit sowieso. Und trinken nicht vergessen. Wasser. Mit Elektrolyten wahrscheinlich und am besten vor dem Essen. Und währenddessen sollte man natürlich auch innerlich komplett im Reinen mit sich sein. Reflektiert. Emotional verfügbar. Verständnisvoll. Aber bitte auch Grenzen setzen. Für sich einstehen. Locker bleiben. Aber ambitioniert. Sich selbst lieben. Aber bitte nicht zu egoistisch wirken. Und ganz ehrlich… manchmal frage ich mich wirklich: Wann genau wurde Leben eigentlich zu einem Gruppenprojekt aus Selbstoptimierung und schlechtem Gewissen? Weil man ja nicht nur gesund sein soll. Man soll auch organisiert sein. vorausschauend denken. Ideenreich und kreativ sein. Informiert. Nachhaltig. Humorvoll. Interessiert. Entspannt. Effizient handeln. Und natürlich sollte man auch tolle Ferien machen. Nicht einfach irgendwo hinfahren. Nein. Es sollte besonders sein. Authentisch. Einzigartig. Vielleicht irgendwo, wo noch nicht „alle“ waren. Hauptsache erholt zurückkommen. Auch wenn man drei Wochen gebraucht hat, um die Reise zu planen, Unterkünfte zu vergleichen, Restaurants rauszusuchen und noch schnell Geheimtipps speichern. Und am Ende braucht man fast Ferien von den Ferien. Ich bin der Meinung, dass viele dieser Dinge ja gut sind. Sich bewegen. Sich gesund ernähren. Reflektiert sein. Irgendwann wird aus einem: „Das tut mir gut“ schnell ein: „Ich sollte eigentlich…“ Ich sollte mich mal wieder melden. Ich sollte produktiver sein. Ich sollte dankbarer sein. Ich sollte weniger am Handy sein. Ich sollte mehr lesen. sollte früher schlafen. Ich sollte entspannter sein. Wobei… selbst Entspannung inzwischen ja auch Leistung geworden ist. Man meditiert. Trackt seinen Schlaf. Optimiert die Morgenroutine. Macht Breathwork. Hört Podcasts beim Spazieren, damit wenigstens der Spaziergang noch produktiv ist. Nicht mal das Nichtstun darf einfach nur Nichtstun sein. Und wo bleibt da der Raum und Platz für das eigene Gefühl. Irgendwo erklärt jemand, wie man besser lebt. Gesünder. Effektiver. Bewusster. Erfolgreicher. Etwas, das man optimieren, analysieren und möglichst effizient gestalten soll. Aber Leben fühlt sich nicht immer effizient an. Ja, manchmal ist es chaotisch. Langsam. Unklar. Laut. Emotional. Ungeplant. Genau da kommt für mich dieses Wort ins Spiel: Sein. Und nein – damit meine ich nicht, barfuß im Leinenoutfit auf einem Berg sitzen und komplett erleuchtet Kräutertee trinken. Obwohl… klingt ehrlich gesagt manchmal auch nicht schlecht. Aber Sein heißt für mich etwas anderes. Sein heißt für mich: selbst entscheiden. Was mir wichtig ist. Was mir guttut. Was mir Energie gibt. Was mich begeistert. Was mich glücklich macht. Was mich inspiriert. Was ich in meinem Leben lassen möchte – und was nicht. Nicht alles, was möglich ist, muss ich auch ausschöpfen. Und nicht alles, was andere für richtig halten, muss automatisch auch zu mir passen. Wie sich Sein für mich anfühlt? Einen Kaffee trinken, ohne ihn sofort „to go“ mitzunehmen. Einen Spaziergang machen, ohne Schritte zählen zu müssen oder auf die Uhr zu schauen. Ein Gespräch führen, ohne gedanklich schon bei der nächsten Aufgabe zu sein. Mal irgendwo sitzen, ohne sofort das Bedürfnis zu haben, die Zeit sinnvoller zu nutzen. Und ja — auch einfach mal einen Sonntag zu haben, der absolut nichts Besonderes ist. Kein Selbstoptimierungs-Sonntag. Kein „Ich nutze den Tag jetzt bewusst“. Kein Journaling mit Zimtkerze. Einfach nur ein Sonntag. Ich mache nicht alles perfekt und bin auch noch längst nicht da. Und ganz ehrlich: Ich will mich bewegen. Ich will essen. Und ich will mein Leben erleben — alles, weil es mir guttut. Ich glaube nämlich, dass ich und wahrscheinlich noch viele Menschen mehr, ständig das Gefühl haben, noch mehr sein zu müssen. Noch gesünder. Noch bewusster. Noch erfolgreicher. Noch ausgeglichener. Vielleicht geht es viel mehr darum, wieder näher bei sich selbst anzukommen. Oder zu sagen, das hier reicht mir. Das fühlt sich gut an. So möchte ich leben. Ich glaube, wir könnten alle ein bisschen weniger müssen — und ein bisschen mehr sein.

    11 min
  5. May 5

    Zu viele Interessen, kein Hobby

    Ich wurde früher so oft gefragt: „Was ist eigentlich dein Hobby?“ Und ich fand diese Frage immer… überraschend schwer. Nicht, weil ich nichts gerne mache – ganz im Gegenteil. Ich mache ziemlich viele Dinge gern. Aber irgendwie hatte ich nie dieses eine Ding, wo ich sagen konnte: Das ist es. Das ist mein Hobby. Und ganz ehrlich? Ich hatte oft das Gefühl… alle anderen haben eins. Nur ich nicht. Und dann kommt ja schnell so eine Frage hoch: Stimmt irgendwas nicht mit mir? Bin ich zu sprunghaft? Zu ungeduldig? Oder einfach… nicht leidenschaftlich genug? Ich merke nämlich bei mir: Ich bin total schnell begeistert. Ich glaube manchmal, ich bin so eine Art Hobbyschwamm. Ich sauge alles auf – Ideen, Inspiration, Interessen und Möglichkeiten. Und genau deshalb spreche ich heute mal über dieses ganze Thema Hobby. Was ist das eigentlich? Warum war das schon als Kind so eine wichtige Frage? Und wer hat eigentlich entschieden, dass man ein Hobby haben sollte… und nicht zehn halbe? Wenn ich so zurückdenke, hatte diese Frage früher irgendwie etwas sehr Klares. Da gab es: Fußball, Klavier, Turnen, Malen… man hatte so eine Kategorie. Etwas, das man benennen konnte. Und heute? Heute ist alles viel offener. Viel mehr. Und gleichzeitig… irgendwie auch verwirrender. Weil ich glaube, was sich eingeschlichen hat, ist so ein Druck: Ich sollte doch eigentlich ein Hobby haben… oder? Ich glaube, Social Media verstärkt das total. Man sieht Menschen, die malen, töpfern, klettern, reisen, fotografieren… Und alles wirkt so… rund. So, als hätten sie „ihr Ding“ gefunden. Aber was man nicht sieht: wie oft sie Dinge angefangen und wieder gelassen haben. Vielleicht haben gar nicht alle ein Hobby, sondern einfach nur einen gut kuratierten Ausschnitt. Und dann gibt es ja noch diesen Mythos: Dass ein Hobby etwas sein muss, in dem man gut ist. Mit Leidenschaft. Mit Tiefe. Mit Fortschritt. Fast wie ein kleiner Nebenberuf – nur mit mehr Spaß. Aber was, wenn das gar nicht stimmt? Was, wenn ein Hobby einfach leicht sein darf? Unverbindlich. Mal da, mal weg, mal wieder da. Ohne Ziel, ohne Druck. Vielleicht ist ein Hobby nicht das, worin du gut bist… sondern das, was dir gut tut. Dieser Podcast hier. Dieses Nachdenken, Reflektieren, Sprechen, Teilen… Das ist für mich zu einem Raum geworden, in dem ich genau das tun kann. Ohne perfekt zu sein. Ohne festgelegt zu sein. Einfach, weil ich es gerne mache. Und vielleicht ist genau das die neue Perspektive: Dass ein Hobby nichts ist, das dich definieren muss. Sondern etwas, das dich lebendig fühlen lässt. Wenn es dir so wie mir geht, dann brauchst du vielleicht gar kein Hobby, das du auf die Frage sofort parat hast. Vielleicht reicht es, dass du Dinge hast, die dich interessieren. Dinge, die dich kurz begeistern. Oder länger begleiten. Und vielleicht darf das auch chaotisch sein. Unperfekt. Unfertig. Vielleicht bist du nicht „hobbylos“, sondern einfach jemand, der sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Was tut dir gut? Was macht dir Freude – ganz ohne Ziel dahinter? Dann ist vielleicht genau das dein Hobby. Oder einfach ein Anfang. Ich freue mich, wenn du deine Gedanken dazu mit mir teilst. Und wenn dich diese Folge erreicht hat, dann schick sie gerne an jemanden, der sich vielleicht auch schon mal gefragt hat: Habe ich eigentlich ein Hobby?

    15 min
  6. Apr 28

    Ich dachte, ich weiß es – bis ich gefragt habe

    Kennst du das? Jemand erzählt dir etwas oder du bist Zuhörer eines Gesprächs ……. und während die Person noch spricht, hast du innerlich schon längst deine Meinung/Ansicht gebildet. Du nickst vielleicht noch – aber eigentlich hast du dir deine Gedanken bereits gebildet. Mir passiert das. Immer wieder. Und das passiert sehr schnell. Und ich hab mich gefragt: Warum machen wir das eigentlich? Warum glauben wir so schnell, dass wir wissen, wie etwas ist? Und was würde passieren… wenn wir es für einen Moment einfach nicht wissen müssten? Genau darum geht’s heute. Um dieses automatische Urteilen – und um die ziemlich kraftvolle Alternative: echtes Verstehen. Unser Autopilot - Unser Gehirn ist unglaublich effizient. Es liebt Abkürzungen. Wir sehen etwas – und zack: Schublade auf, Bewertung rein. „Unzuverlässig.“ „Übertrieben.“ „Komisch.“ Das passiert schnell. Automatisch. Doch das kostet uns oft: Tiefe. Verbindung. echtes Verstehen. Ich finde es spannend, drei Dinge klar auseinanderzuhalten: Toleranz. Akzeptanz. Verständnis. Toleranz fühlt sich oft an wie: „Okay… ich halte es halt aus.“ Akzeptanz geht einen Schritt weiter: „Es darf so sein.“ Und Verständnis? „Ich will wirklich begreifen, warum es für dich so ist.“ Das ist eine ganz andere Qualität. Und hier wird’s wichtig: Du kannst jemanden verstehen… ohne ihm recht zu geben. Ich denke, das wird oft verwechselt. „Wenn ich dich verstehe, muss ich zustimmen.“ Nein. Du kannst sagen: „Ich verstehe, warum du so fühlst“ und gleichzeitig: „Ich sehe es anders.“ Ich bin der Meinung, dass genau da echte Begegnung beginnt. Der Moment, der alles verändert Es gibt diesen einen Moment im Gespräch…einen Punkt, an dem sich entscheidet, wie tief es wird oder werden kann. Die Entscheidung für diese Möglichkeiten liegen bei jedem selbst: Du bleibst in deiner eigenen Welt – mit deiner schnellen Interpretation. Oder… du gehst einen Schritt weiter. Und dieser Schritt ist oft nur eine Frage entfernt. „Wie meinst du das genau?“ „Wie hat sich das für dich angefühlt?“ „Was war in dem Moment wichtig für dich?“ Und ganz ehrlich: Vielleicht urteilen wir nicht, weil wir oberflächlich sind – sondern weil es einfacher ist, als wirklich hinzuschauen. Das darf man ruhig mal so stehen lassen. Etwas möchte ich hier ergänzen: Nicht jedes Gespräch wird tief. Nicht jede Person ist offen. Und das ist okay. Und auch das ist Akzeptanz Neugier ist ein Angebot, kein Zwang. Denn du kannst nur deinen Teil steuern. Kleine Dinge, die viel verändern Vielleicht geht es gar nicht darum, perfekt zuzuhören. Sondern um kleine Dinge. Eine 3-Sekunden-Pause, bevor du antwortest. Einen Gedanken spiegeln: „Meinst du, dass…?“ Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, weniger zu urteilen. Sondern darum, den Moment zu bemerken, in dem wir es tun. Und dann eine kleine Entscheidung zu treffen: Bleibe ich bei meiner schnellen Antwort… oder werde ich neugierig? Ich mag es in Gesprächen mitzuentscheiden für: Mehr Verbindung. Mehr Leichtigkeit. Mehr echtes Verstehen. Dabei lerne ich nicht nur den anderen besser kennen – sondern auch ein Stück von mir selbst. Welches Thema interessiert dich? Lass es mich gerne wissen.

    17 min
  7. Apr 20

    Es wird größer, wenn ich teile

    Manchmal passiert etwas ganz Kleines. Ich sehe ein Licht, eine Stimmung, einen Moment, mache ein Foto… Und noch bevor ich darüber nachdenke, ist da dieser Gedanke: „Oh… das würde dir gefallen.“ Und zack – möchte ich es sofort teilen. Oder ich höre ein Lied… und anstatt es einfach nur zu hören, denke ich: „Mit dir würde ich jetzt gerade dazu tanzen.“ In diesem Moment passiert etwas. Der Moment bleibt nicht nur bei mir. Er will weiter. Er will ein kleines bisschen größer werden und macht mich dabei glücklich.  Ich habe mich gefragt, weshalb ich solche Momente/Augenblicke so gerne teile. Ich glaube, es ist gar nicht dieses „ich will etwas loswerden“. Sondern eher ein leises: „Hier… ich möchte dich daran teilhaben lassen.“ Weil das, was mich berührt und so dankbar macht, nicht eng bleiben will. Es möchte sich bewegen. Weiterfließen und … auch dich berühren. Diesen kurzen Augenblick, in dem ich spüre: Ich bin gerade nicht nur für mich. Da ist jemand in meinem Erleben mit drin, auch wenn er gar nicht wirklich da ist. Ist genau das Teilen? So fühlt es sich für mich auch beim Schenken an. Die Freude ist einfach so gross. Ich denke, es geht nicht nur um Weitergeben, sondern eher um ein Verbinden. Ein „Ich denke gerade an dich“. Ein „Du bist gerade irgendwie dabei“.  Ich denke, darin steckt noch mehr. Für mich fühlt es sich an wie, dass teilen auch Fülle ist. Nicht im Sinne von „ich habe so viel, dass ich abgebe“ – sondern eher: Es fließt einfach. Ein Moment kommt, berührt mich…und möchte weiter geteilt werden und das fühlt sich ganz leicht an. Mir wird gerade noch klarer und bewusster, dass genau daraus auch dieser Podcast entstanden ist. Nicht, weil ich dir etwas erklären will. Sondern weil ich gerne mit dir teile. Gedanken. Gefühle. Diese kleinen, alltäglichen und unscheinbaren Momente. Und wenn davon etwas bei dir ankommt – etwas Leichtes, etwas Warmes, etwas, das dich ein bisschen weiter macht – dann macht mich das einfach glücklich.  Wann hast du den Impuls, etwas zu teilen? Und was passiert in dir in diesem Moment? Wie fühlt es sich an? Was entsteht bei dir / in dir?  Für mich entsteht etwas, das größer ist als wir.

    8 min

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In meinem Podcast nehme ich dich mit in die Themen, die mich im Alltag begleiten und bewegen – ehrlich, persönlich und mitten aus dem Leben. Ich erzähle, wie ich mit Herausforderungen umgehe und welche Methoden mich unterstützen, daran zu wachsen. Für alle, die neugierig sind und sich gerne weiterentwickeln.

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