Meniskusrisse zählen zu den häufigen Ursachen belastungsabhängiger Knieschmerzen. Entscheidend ist die Einordnung: traumatischer Riss oder degenerative Veränderung? Ein MRT-Befund allein ist keine Operationsindikation. 🔬 Anatomie & Funktion Innen- und Außenmeniskus verteilen Last, verbessern die Gelenkkongruenz und schützen den Knorpel. Besonders wichtig sind die zirkulären Kollagenfasern zur Aufnahme von Umfangsspannungen („Hoop-Stresses“). • Innenmeniskus: weniger beweglich, häufiger verletzt • Periphere Red-Red-Zone: gut durchblutet, bessere Heilung • Zentrale White-White-Zone: avaskulär, schlechte Heilungschancen • Grundsatz: So viel funktionelles Meniskusgewebe wie möglich erhalten ⚠️ Rissformen mit Relevanz • Korbhenkelriss: disloziertes Fragment, Risiko einer echten Gelenkblockade • Wurzelläsion: biomechanisch fast funktioneller Meniskusverlust, erhöhtes Arthroserisiko • Radiär-, Lappen-, Horizontal- und Longitudinalrisse: Therapie abhängig von Lage, Stabilität und Beschwerden 🏃 Traumatisch oder degenerativ? Traumatisch typisch: junges, zuvor beschwerdefreies Knie; Drehtrauma unter Belastung; akuter Erguss; Sportverletzung. Degenerativ typisch: zunehmendes Alter, schleichende Beschwerden, keine klare Verletzung, Gonarthrose oder Achsfehlstellung. Degenerative Risse sind häufig Zufallsbefunde im MRT. 🩺 Untersuchung & Warnzeichen Wichtige Fragen: Unfallmechanismus, Erguss, Schnappen, Instabilität und vollständige Streckfähigkeit. Klinisch relevant: • Gelenkspaltdruckschmerz • Schmerzen bei Rotation • wiederkehrender Erguss • Streckdefizit oder echte Blockade Meniskustests wie McMurray, Apley oder Steinmann sind Puzzleteile – kein Test beweist oder widerlegt einen Riss sicher. 🚨 Dringliche Konstellationen Nach Drehtrauma mit blockiertem Knie oder fehlender Streckfähigkeit: Verdacht auf dislozierten Korbhenkelriss. Zeitnahe orthopädisch-unfallchirurgische Abklärung organisieren, keine gewaltsamen Bewegungsversuche. Immer an Begleitverletzungen denken: besonders vorderes Kreuzband, Kollateralbänder, Knorpel und Frakturen. Durchblutung, Motorik und Sensibilität prüfen. 🖼️ Bildgebung Röntgen dient nach relevantem Trauma vor allem dem Frakturausschluss. Die MRT beurteilt Rissmorphologie, Lokalisation sowie Band-, Knorpel- und Knochenverletzungen. Merke: Nicht das MRT behandeln, sondern Beschwerden, Funktion und klinischen Befund. 🏋️ Therapie Degenerative, stabile und nicht blockierende Läsionen: zunächst konservativ. • Belastungssteuerung und Analgesie • aktive Physiotherapie • Quadrizeps-, Hüft- und Koordinationstraining • Gewichtsmanagement bei Bedarf Traumatische, reparable Risse: Meniskusnaht bevorzugen, besonders bei frischen peripheren Longitudinal- oder geeigneten Korbhenkelrissen sowie Wurzelläsionen. Ist eine Naht nicht möglich, erfolgt eine sparsame partielle Meniskektomie: nur instabile, symptomatische Anteile entfernen. 🦿 Nachbehandlung Nach Teilresektion meist frühe Mobilisation und Belastung nach Schmerz. Nach Meniskusnaht längere Schutzphase mit Orthese, Teilbelastung und limitierter Beugung – abhängig von Riss und OP-Technik. 🎯 Take-home-Messages • Echte Blockade und Streckdefizit ernst nehmen. • Degenerativer MRT-Riss bedeutet nicht automatisch Operation. • Meniskusverletzungen nie isoliert betrachten. • Meniskuserhalt schützt langfristig den Knorpel: Naht vor Resektion, wenn möglich.