Kannste dir nicht ausdenken!

Jule Kieseler

Das Leben schreibt die absurdesten, schönsten und manchmal auch anstrengendsten Geschichten. Und regelmäßig denke ich mir: Kannste dir nicht ausdenken! Ich bin Jule – barfuß unterwegs, Mutter von zwei Kindern, Beobachterin und Mitten-im-Leben-Steherin. In diesem Podcast geht es um echte Momente: vom Mama-Alltag, von Begegnungen im Supermarkt, von Beziehungen, von Überforderung, von Mut – und von diesem ganz normalen Wahnsinn, den wir alle kennen. Ehrlich. Unverblümt. Ohne Hochglanz. Ein Podcast für alle, die nicht nur zuschauen, sondern mitten im Leben stehen.

  1. 4d ago

    Ich gebe keine Pressekonferenzen mehr! Über Rechtfertigung und fremde Meinungen #49

    Moini ihr Raketen 🚀 Warum machst du das? Ist das gesund? Darfst du das überhaupt? Und was sagen eigentlich die anderen Leute? Offensichtlich ziemlich viel. 😏 In dieser Solo-Folge geht’s um diese ganz besondere Sorte Fragen, bei denen man irgendwann merkt:Moment mal. Du willst gar nicht wissen, warum ich das mache. Du möchtest mir eigentlich erklären, warum ich es anders machen sollte. Und plötzlich sitzt man mitten in einer Pressekonferenz über das eigene Leben. Warum läufst du barfuß?Warum arbeitest du so viel – oder so wenig?Warum stillst du noch – oder nicht mehr?Warum trägst du DAS mit deiner Figur?Warum trennst du dich?Warum brichst du Kontakt ab?Warum machst du beruflich plötzlich etwas anderes? Egal, wie wir uns entscheiden: Irgendwo sitzt offenbar immer jemand mit einem imaginären Klemmbrett und bewertet unsere Lebensführung. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, keine Kritik mehr anzunehmen. Andere Menschen können Dinge sehen, die wir selbst übersehen. Sie können berechtigte Einwände haben. Und manchmal müssen unsere Entscheidungen natürlich erklärt werden – insbesondere dann, wenn sie andere betreffen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen: „Ich möchte verstehen, warum du das so machst.“ und „Überzeuge mich davon, dass du dein eigenes Leben richtig führst.“ Und auf Bewerbungsgespräche für mein eigenes Leben habe ich zunehmend wenig Lust. Ich spreche darüber, warum wir uns manchmal schon für Entscheidungen rechtfertigen, bevor überhaupt jemand Kritik geäußert hat, warum Veränderungen bei uns manchmal mehr mit anderen Menschen machen als mit uns selbst – und warum eine Meinung zu haben noch lange nicht bedeutet, dass man sie überall abliefern muss. Und ja: Am Ende müssen wir den Spieß auch einmal umdrehen. Denn während wir uns darüber ärgern, dass andere unser Leben bewerten, dürfen wir uns durchaus fragen: Wie oft sitzen wir eigentlich selbst mit diesem imaginären Klemmbrett da? Vielleicht helfen drei Fragen: Will dieser Mensch wirklich etwas verstehen?Betrifft meine Entscheidung ihn tatsächlich?Und möchte ich dieses Gespräch überhaupt führen? Wenn die Antwort dreimal Nein lautet … Pressekonferenz wegen mangelnder Relevanz abgesagt. Kannste dir nicht ausdenken – dieses Mal wieder als Solo-Folge. Und jetzt interessiert mich wirklich: Wo habt ihr das Gefühl, euch ständig für euer eigenes Leben erklären zu müssen?

  2. Sep 29

    Mein Körper, mein Baby, MEINE Geburt! #48

    Moini ihr Raketen 🚀 Zwei Frauen. Vier Kinder. Vier Hausgeburten. Und trotzdem vier ziemlich unterschiedliche Geschichten. Sirkka und ich haben beide unsere jeweils zwei Kinder zu Hause geboren. Für mich waren beide Geburten, obwohl sie völlig unterschiedlich verliefen, sehr schöne Erfahrungen. Bei Sirkka sieht die Geschichte etwas anders aus. Ihre erste Geburt dauerte mehr als 30 Stunden. Sie hatte eine Hebamme an ihrer Seite – und trotzdem blieb danach ein Gefühl zurück, das sie selbst irritierte: Habe eigentlich ich dieses Kind geboren? Denn eine Hausgeburt bedeutet nicht automatisch, dass eine Frau sich selbstbestimmt fühlt. Sirkka merkte im Nachhinein, wie sehr ihr eigenes Harmoniebedürfnis dazu geführt hatte, dass sie Dinge mitmachte, obwohl ihr Körper ihr eigentlich etwas anderes sagte. Und genau diese Erfahrung veränderte ihre zweite Schwangerschaft. Denn diesmal traf Sirkka eine Entscheidung, bei der ich im ersten Moment selbst kurz schlucken musste: Sie bekam ihre zweite Tochter ebenfalls zu Hause – aber OHNE Hebamme. Dabei waren nur ihr Mann und eine Freundin. Warum entscheidet sich eine Frau nach einer schwierigen ersten Geburt dafür, beim zweiten Mal auf medizinische Geburtsbegleitung zu verzichten? War das von Anfang an geplant? Hatte sie Angst? Und was passiert, wenn man irgendwann feststellt: Ich möchte nicht noch einmal Kompromisse mit mir selbst eingehen. Darüber sprechen wir. Und nein: Diese Folge ist keine Werbung für Hausgeburten. Und erst recht keine Aufforderung zu einer Geburt ohne medizinische Begleitung. Das sagen wir schon zu Beginn ziemlich deutlich. Uns geht es nicht darum, Frauen zu erklären, wo sie ihr Kind bekommen sollen. Uns interessiert etwas anderes: Was braucht eine Frau, damit sie sich während einer Geburt sicher, gesehen und selbstbestimmt fühlt? Denn während meine zweite Geburt nicht einmal eine Stunde dauerte und mein Sohn – wie ich gerne sage – wie eine Rakete auf die Welt geschossen kam, dauerten Sirkkas Geburten jeweils mehr als 30 Stunden. Und trotzdem beschreibt sie ausgerechnet ihre zweite, lange Geburt als absolute Traumgeburt. Nicht, weil sie schmerzfrei oder schnell gewesen wäre. Sondern weil sich ihr inneres Erleben verändert hatte. Sie war zu Hause, verbrachte einen Teil des Tages im Garten, ihre Familie war in der Nähe, später standen Kerzen im Raum und vor allem hatte sie diesmal das Gefühl, ihrem eigenen Prozess folgen zu können. Wir sprechen über die Rolle von Hebammen und darüber, wie wichtig eine Begleitung sein kann, bei der es wirklich matcht. Über Sirkkas Entscheidung, Doula zu werden. Über die Unterschiede zwischen Hebamme und Doula. Über Ängste vor der Geburt. Über Verantwortung. Über medizinische Interventionen und persönliche Grenzen. Über meine eigenen Erfahrungen mit Ärzten während meiner ersten Schwangerschaft. Und darüber, warum ein Bauchgefühl nicht automatisch bedeutet, dass Angst verschwindet. Vielleicht bedeutet Selbstbestimmung nämlich auch nicht: „Ich habe keine Angst.“ Sondern: „Ich schaue mir meine Angst an – und entscheide dann, was für mich richtig ist.“ Sirkka bringt es am Ende wunderbar auf den Punkt: Traut euch hinzuschauen. Seid ehrlich mit euch, wie ihr euer Kind bekommen wollt. Ängste sind normal. Sie dürfen angeschaut werden. Und ich habe eigentlich nur noch eines hinzuzufügen: Vertrau dem Prozess. Vertrau deinem Körper. Du kannst das.

  3. Sep 25

    Ich wollte doch nur eine Gurke kaufen - Barfuß im Supermarkt und andere Begegnungen mit der Macht des kleinen Mannes #47

    Moini ihr Raketen 🚀 Ich wollte nur eine Gurke kaufen. Wirklich. Keinen Aufstand anzetteln.Keine Grundsatzdiskussion führen.Nicht das deutsche Lebensmittelrecht neu verhandeln. Eine. Gurke. Kaufen. Und dann kam ein Mann angehuscht und erklärte mir, ich müsse den Supermarkt verlassen. Warum? Ich hatte keine Schuhe an. Nun bin ich bekanntermaßen überzeugte Barfußläuferin und offenbar inzwischen auch eine ernstzunehmende Gefahr für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Also fragte ich natürlich: „Steht das in der Hausordnung?“ Antwort: Ja. „Kann ich die sehen?“ Antwort: Nein. Aber es sei wegen der Hygiene. Und spätestens da war sie geboren: Eine neue spontane Folge „Kannste dir nicht ausdenken“ mit Melle. 😂 Denn Melle war beim ursprünglichen Gurken-Gate sogar live am Telefon dabei und während ich zwischen Gemüse und Hüttenkäse meinen persönlichen Kampf gegen die Schuhpflicht führte, lief in ihrem Kopf bereits mein Podcast-Jingle. Wir reden über die wirklich drängenden Fragen unserer Zeit: Warum sollte ein nackter Fuß im Supermarkt unhygienischer sein als eine Schuhsohle, die vorher über Straße, Park und möglicherweise noch durch einen Hundehaufen gelaufen ist? Darf ein Geschäft einfach beschließen, dass nackte Füße draußen bleiben? Woher soll ich eine Hausregel kennen, die ich nirgendwo lesen kann? Und warum um alles in der Welt sollte ich meine Gurke mit den Füßen anfassen? Wobei: Laut Melle wäre ich vermutlich gelenkig genug, um ein Erdbeersahnetörtchen mit dem großen Zeh über den Tresen zu reichen. Natürlich bleiben wir nicht bei meinen Füßen. Denn eigentlich regt mich etwas ganz anderes auf: Willkür. Stellt da jetzt jemand eine Regel auf, die im Zweifel dann nur für mich gilt? Und damit landen wir bei der Deutschen Bahn, Hunden, die angeblich „auf den Schoß passen“ müssen, Doggen, die rückwärts auf Sofas einparken, Maulkörben in der Pariser Metro und Menschen, die plötzlich feststellen, dass sie am längeren Hebel sitzen. Melle bringt es irgendwann ziemlich gut auf den Punkt: Willkür + Ungerechtigkeit + Hilflosigkeit sind eine ziemlich beschissene Mischung. Denn in dem Moment kannst du diskutieren, freundlich nachfragen oder dir die Regel zeigen lassen – trotzdem steht da jemand, der dir sagt: „Du musst jetzt hier raus.“ Wir versuchen am Ende tatsächlich noch, eine pädagogisch wertvolle Quintessenz aus der Sache zu ziehen. Wir scheitern. Meine Alternative, vorher mit stark profilierten Schuhen über den Hundeplatz zu laufen und dann hygienisch korrekt einkaufen zu gehen, verwerfe ich ebenfalls wieder. Und deshalb endet diese Folge mit der möglicherweise intellektuell wertvollsten Zusammenfassung meiner bisherigen Podcastkarriere: „Ich hab heute auch keine Quintessenz. Der ist einfach ein Arsch-Arsch-Pimmel.“ Kannste dir nicht ausdenken.

  4. Sep 22

    It's never what you think #46

    Moini ihr Raketen 🚀 Melle und ich machen heute mal den Erklär-Bär. Wir sprechen heute mal darüber, was wir eigentlich machen, wenn wir nicht gerade in diesem Podcast über Männer, Trauer, Hooligans, Kommentarspalten oder unsere sonstigen geistigen Ergüsse philosophieren. 😄 Denn Melle hat etwas entwickelt bzw. – wie sie selbst sehr korrekt sagt – kuratiert, das inzwischen ein ziemlich wichtiger Bestandteil meiner eigenen Arbeit geworden ist: MST – die Mental Screenshot Technik. Eine Methode, mit der wir mit mentalen und emotionalen Blockaden arbeiten – und dabei versuchen, nicht nur auf das offensichtliche Symptom zu schauen, sondern auf das, was darunterliegt. Melle erzählt von einer Klientin, die bereits sechs Jahre Psychoanalyse hinter sich hatte. Sie hatte ihre Kindheit aufgearbeitet, Zusammenhänge verstanden, vergeben – und trotzdem eine so massive Prüfungsangst, dass sie selbst sagte: „Ich habe Angst, dass ich dabei sterbe.“ Was schließlich dahinter auftauchte, hatte auf den ersten Blick überhaupt nichts mit einer Prüfung zu tun. Und genau darum geht es. Denn manchmal können wir unser Problem mit dem Verstand zehnmal verstanden haben – und trotzdem reagiert etwas in uns weiterhin nach einer ziemlich alten Gebrauchsanweisung. Ich erzähle von meiner eigenen Zahnarztangst, die plötzlich mit 16 oder 17 auftauchte – obwohl ich vorher nie Angst vor Zahnärzten hatte und auch kein entsprechendes negatives Erlebnis finden konnte. Bis wir mit MST draufgeschaut haben. Der Zusammenhang, der dabei auftauchte, hatte mit dem Zahnarzt erst einmal herzlich wenig zu tun. Und Melle bringt irgendwann ein Bild, das diese ganze Folge ziemlich wunderbar zusammenfasst: Da ist ein Wasserfleck an der Decke. Du kannst ihn überstreichen.Du kannst darüber reden, wie du dich mit diesem Fleck fühlst.Du kannst lernen, besser mit dem Fleck zu leben. Aber vielleicht wäre es irgendwann ganz sinnvoll, nachzusehen, wo eigentlich das Wasser herkommt. Wir sprechen darüber, wie MST funktioniert, warum es keine Hypnose ist, wie innere Anteile und Visualisierung dabei eine Rolle spielen und warum der Coach dabei eher Co-Pilot als Fahrer ist. Und wir sprechen auch über die Grenzen dieser Arbeit: Melle macht ausdrücklich klar, dass es nicht darum geht, psychische Erkrankungen oder Traumata eigenmächtig zu behandeln, und dass bei diagnostizierter PTBS oder anderen Erkrankungen gegebenenfalls ärztliche bzw. therapeutische Begleitung und Abklärung dazugehört. Vor allem aber geht es um die Frage: Muss ich eigentlich für immer so reagieren, nur weil ich irgendwann einmal gelernt habe, so zu reagieren? Vielleicht nicht. Vielleicht dürfen wir irgendwann den alten Rucksack aufmachen, ein paar Steine rausnehmen und feststellen: Verdammt. So läuft es sich deutlich leichter. Und nein: Ziel ist nicht, irgendwann völlig mackenfrei, erleuchtet und emotional durchrenoviert durchs Leben zu schweben. Denn, wie wir in dieser Folge ebenfalls wissenschaftlich zweifelsfrei feststellen: Leute ohne Macke sind Kacke. 😂 Eine Folge über alte Muster, Ängste, emotionale Blockaden, Hypnose, innere Anteile, unseren manchmal vollkommen ahnungslosen Verstand – und darüber, wie viel leichter das Leben werden kann, wenn wir nicht nur fragen: „Was stimmt mit mir nicht?“ sondern vielleicht irgendwann: „Was hat mein System eigentlich irgendwann gelernt – und brauche ich das heute noch?“ Kannste dir nicht ausdenken.

  5. Sep 18

    12€ für's Training?! Zu teuer!!! #45

    Moini ihr Raketen 🚀 Was haben Hanson, Death Metal, Helene Fischer, 180 Kilo Körpergewicht, Schulsport und ein Kofferraum voller Kettlebells gemeinsam? Offenbar genug für 40 Minuten Podcast. Heute sitzt Björn bei mir, Sporttherapeut, Personal Trainer, ehemaliger Death-Metal-Vocalist und ein Mann, den ich ausgerechnet auf einem Hanson-Konzert kennengelernt habe. Nein. Das kannst du dir wirklich nicht ausdenken. Und während Björn bis heute darauf wartet, dass seine Frau ihr Versprechen einlöst und mit ihm auf ein Metal-Konzert geht, hat er sie inzwischen sogar zu Helene Fischer begleitet. Wenn das keine Liebe ist, weiß ich auch nicht. Aber irgendwann hören wir tatsächlich auf, über Musik zu reden. Björn arbeitet Vollzeit als Sporttherapeut in einer psychosomatischen Rehaklinik – und arbeitet ebenfalls als Personal Trainer. Und damit landen wir ziemlich schnell bei einer Frage, die ich nur zu gut kenne: Wie viel Arbeit ist eigentlich zu viel Arbeit, wenn die Arbeit gleichzeitig das ist, was man liebt? Wir sprechen über 40-Stunden-Jobs plus Selbstständigkeit, Fahrzeiten, Trainingsplanung, Familie und die Arbeit, die niemand sieht. Über meine eigene Zeit mit Studio und 60-, 70- oder 80-Stunden-Wochen – und darüber, warum ich heute ziemlich klar sagen kann, dass dieser Aufbau auch auf Kosten meiner Familie gegangen ist. Dann wird's fachlich. Björn erzählt aus seiner Arbeit in der psychosomatischen Reha und von Menschen mit Depressionen, Burnout oder starkem Übergewicht, bei denen Bewegung eben nicht mit einem fröhlichen „Du musst dich einfach mal aufraffen!“ erledigt ist. Denn ein Mensch mit 180 Kilo Körpergewicht ist nicht einfach „faul und futtert zu viel“. Ein Mensch ist mehr als sein Gewicht.Mehr als seine Diagnose. Mehr als sein Trainingsplan. Und manchmal besteht gutes Training eben nicht darin, jemanden maximal auszupowern, sondern darin, herauszufinden, wo dieser Mensch gerade steht und wie man ihn von dort aus mitnehmen kann. Wir sprechen darüber, warum ein 08/15-Plan mit dreimal 15 Wiederholungen zwar irgendeinen Effekt haben kann, aber noch lange keine gute Trainingsplanung ist. Warum Belastungssteuerung wichtig ist. Warum Menschen verstehen sollten, was sie trainieren und warum. Und warum ein guter Trainer nicht derjenige ist, der dich möglichst schnell völlig zerstört. Natürlich landen wir auch beim Schulsport. Bei Kindern, die an der Stange eine Sechs kassieren, obwohl sie in anderen Sportarten richtig gut sind. Bei der Frage, ob wir Kinder überhaupt sinnvoll bewerten – und bei einem Satz, bei dem Björn und ich ziemlich schnell zusammenkommen: Hol die Menschen dort ab, wo sie stehen. Und dann müssen wir noch über Geld reden. Denn offenbar darf ein Auto viel kosten.Ein Handy darf viel kosten.Für Gesundheit dagegen hätten wir es gerne günstig. Ein guter Personal Trainer verkauft aber nicht einfach 60 Minuten seiner Zeit. Dahinter stecken Anamnese, Planung, Vorbereitung, Nachbereitung, Fahrtzeit, Equipment, Weiterbildung, Steuern und jede Menge Expertise. Björn rechnet vor, dass aus einer einzigen Personal-Training-Stunde schnell drei Stunden tatsächlicher Arbeit werden können. Und während Menschen sich für 20 Euro im Monat im Fitnessstudio teilweise mit YouTube und Influencer-Tipps selbst ins Nirwana trainieren, sehen wir sie möglicherweise irgendwann später wieder. Dann allerdings in der orthopädischen Reha. Auch ein Geschäftsmodell. Eine Folge über Training, Motivation, Selbstständigkeit und die Fitnessbranche – aber vor allem über eine ziemlich einfache Idee: Gutes Training muss zum Menschen passen. Es darf anstrengend sein. Es sollte Spaß machen. Und gute Betreuung darf Geld kosten. Ach ja: Hört ordentliche Musik. Wenn möglich Death Metal. Sagt Björn. Ich übernehme dafür keine Haftung. 😂

  6. Sep 15

    Krönchen richten, Mund abputzen. Fürs Trauern haben wir leider keine Zeit? #44

    Moini ihr Raketen 🚀 Letzten Montag ist meine Omi gestorben. Einer meiner absoluten Herzensmenschen. Dienstag habe ich noch Termine abgesagt. Mit schlechtem Gewissen. Mittwoch bin ich wieder arbeiten gegangen. Nicht, weil ich fertig war mit Trauern. Sondern weil ich selbstständig bin, Rechnungen bezahlt werden müssen und das Leben offensichtlich nicht anhält, nur weil gerade einer der wichtigsten Menschen aus meinem verschwunden ist. Und darum geht es heute ganz konkret: Wann soll man eigentlich trauern? In Deutschland gibt es keinen allgemeinen gesetzlichen Trauerurlaub. Gleichzeitig gibt es Kulturen und Religionen, in denen Trauer ganz selbstverständlich einen festen Platz bekommt: Menschen kommen zusammen, übernehmen den Alltag, bringen Essen, halten Rituale ab – und geben dem Verlust Zeit und Raum. Warum haben wir diesen Raum so weitgehend verloren? Ich spreche mit Melle darüber, wie unterschiedlich Menschen trauern. Darüber, dass jemand nach drei Jahren noch um seinen verstorbenen Partner weinen darf – und jemand anderes wenige Monate nach einem Verlust wieder lieben und glücklich sein darf. Beides kann richtig sein. Denn niemand von außen kann festlegen, wann Trauer „angemessen“, „zu viel“ oder endlich vorbei ist. Wir sprechen auch über diesen merkwürdigen Satz: „Sie war doch schon 94.“ Ja. Meine Omi durfte 94 Jahre alt werden. Und natürlich bin ich dankbar dafür. Aber sie war trotzdem mein Lieblingsmensch. Ich kann sie nicht mehr anfassen. Nicht mehr hören. Nicht mehr sehen. Nicht mehr riechen. Natürlich tut mir das für mich weh. Und vielleicht müssen wir endlich aufhören, Verlust danach zu bemessen, wer gestorben ist, wie alt dieser Mensch war oder welchen Verwandtschaftsgrad wir auf dem Papier miteinander hatten. Melle und ich sprechen über unsere eigenen Verluste, über Menschen, die mit großen Gefühlen nicht umgehen können, über Nachbarschaft und Gemeinschaft – und über eine Freundin, die nach einem Todesfall in Nigeria etwas erlebt hat, das ihr in Deutschland gefehlt hatte: Menschen, die ihre Trauer nicht wegmachen wollten. Die mit ihr geweint, sie gehalten und ihren Schmerz einfach ausgehalten haben. Vielleicht brauchen wir genau das wieder ein bisschen mehr. Ein Dorf. Nicht jemanden, der die richtigen Worte findet.Nicht jemanden, der uns erklärt, dass das Leben weitergeht.Nicht jemanden, der entscheidet, wann es nun aber auch mal gut sein muss. Sondern manchmal einfach jemanden, der neben uns sitzt, während wir den ganzen Tisch vollheulen. Denn, wie Melle am Ende sagt: Gefühle sind Gefühle. Und wenn sie rausbrechen, ist es schön, wenn jemand da ist, der das aushalten kann. Oder noch kürzer: Gefühle sind da, um gefühlt zu werden. Eine etwas andere Folge von „Kannste dir nicht ausdenken“. Persönlicher. Leiser. Aber vielleicht gerade deshalb eine wichtige. Wenn ihr gerade jemanden vermisst – oder jemanden kennt, der trauert – dann ist diese Folge vielleicht für euch. ❤️

  7. Sep 11

    Mach mal deinen Shit-Keller leer! Über öffentliche Empörung, Gruppendynamik und Dreck vor der eigenen Haustür #43

    Moini ihr Raketen! 🚀 Satz der Stunde: Mach erstmal deinen eigenen Shit-Keller leer! Melle ist wieder da – und diesmal weiß sie vorher nicht, worüber wir sprechen. Was natürlich dazu führt, dass wir innerhalb von 54 Minuten einmal quer durch die menschliche Psyche galoppieren. Ausgangspunkt ist ein aktueller Fall rund um JP Krämer und ein veröffentlichtes Video, das Gewalt in seiner Beziehung zeigen soll. Und bevor hier jemand Schnappatmung bekommt: Nein, wir diskutieren nicht darüber, ob Gewalt okay ist. Ist sie nicht. Uns interessiert etwas anderes: Was passiert eigentlich danach mit uns allen? Warum reichen wenige Sekunden eines Videos, damit tausende Menschen plötzlich ganz genau wissen, wer Täter, Opfer, guter Mensch, schlechter Mensch und überhaupt für alle Zeiten gesellschaftlich verloren ist? Warum springen wir so bereitwillig auf Empörungszüge auf? Und warum fühlt es sich offenbar verdammt gut an, gemeinsam mit einer ganzen Kommentarspalte auf jemanden zu zeigen? Von dort landen wir bei Gruppendynamik und dem Bedürfnis dazuzugehören. Bei Trollen im Internet. Bei Menschen, die glauben, der Nachbar grüße sie absichtlich nicht. Bei Fußballfans und der „dritten Halbzeit“. Bei teuren Marken, Hooligans und meiner kurzen Karriere mit 18-Loch-Springerstiefeln, Regenbogenschnürsenkeln und Glöckchen. Und irgendwann wird es persönlicher. Wir sprechen darüber, warum Menschen in Beziehungen bleiben, die ihnen nicht guttun. Über Prägungen, Selbstwert und alte Muster. Darüber, warum „Der ist halt so“ keine Entschuldigung für Gewalt ist – und warum die Frage nach dem Warum trotzdem etwas anderes ist als Täter-Opfer-Umkehr. Außerdem geht's um Mental Load, Männer, die „Hast du deine Tage?“ für ein Argument halten, Kinder, die irgendwann tatsächlich lernen müssen, sich selbst ein Brot zu schmieren – und meinen Sohn, der das Problem mit der späteren Haushaltsführung ohnehin längst gelöst hat: Er sucht sich einfach eine Frau, die das alles für ihn macht. Mach erstmal deinen eigenen Shitkeller leer, bevor du bei anderen aufräumst. Kannste dir nicht ausdenken. Kannste aber vielleicht mal drüber nachdenken.

  8. Sep 4

    Plazentamol, blaue Pillen und andere Missverständnisse #42

    Moini ihr Raketen 🚀 Willkommen im Arbeitsalltag einer pharmazeutisch technischen Assistentin. Dörthe ist eben dies, außerdem Freundin, Kleingärtnerin, selbsternannte Pummelfee – und eine Frau mit einer bemerkenswerten Fähigkeit, auch dann noch ziemlich freundlich zu bleiben, wenn andere Menschen längst sämtliche gesellschaftlichen Spielregeln über Bord geworfen haben. Und Geschichten davon hat sie reichlich. Wir sprechen über Plazentamol, die Salbe „mit dem Haschisch drin“, Fußgelenkmassagen, die eigentlich Bandagen sein sollten, fünf Liter Selleriesaft und die überraschend komplizierte Bestellung von „den weißen Tabletten“. Und ich erzähle nebenbei, warum ich mit ungefähr 15 Jahren in einer Eisdiele sehr selbstbewusst eine Kugel Kamasutra bestellt habe. Gemeint war Tiramisu. Natürlich. Wir erfahren außerdem, was hinter einem Apothekentresen passiert, wenn Menschen samstagabends dringend ein verschreibungspflichtiges Medikament brauchen, aber leider keine Lust hatten, sich vorher um ein Rezept zu kümmern. Warum Dörthe die Plexiglasscheiben seit Corona inzwischen sehr zu schätzen weiß. Und was während der Pandemie eigentlich hinter den Kulissen los war, als plötzlich Masken und Desinfektionsmittel gebraucht wurden, die schlicht niemand hatte. Aber irgendwann wird aus den lustigen Anekdoten ein Thema, das uns beiden dann doch ziemlich wichtig ist: Wo endet ein flapsiger Spruch – und wo beginnt übergriffiges Verhalten? Dörthe erzählt von einem Mann, der ihr erklärte, er habe immer gedacht, Rauchen mache schlank. Von Menschen, die ungefragt ihren Körper kommentieren. Und schließlich von einer Kundin, die Dörthe während einer Beratung zum Thema Abnehmen einfach über den Bauch streicht und feststellt: „Na, bei Ihnen dann nicht.“ Und genau da hört der Spaß irgendwann auf. Denn wir dürfen witzeln. Wir dürfen unterschiedlicher Meinung sein. Wir müssen auch nicht jedes Wort dreimal auf gesellschaftliche Unbedenklichkeit prüfen. Aber vielleicht könnten wir uns trotzdem gelegentlich daran erinnern, dass der Körper eines anderen Menschen kein öffentliches Diskussionsangebot und erst recht keine Freifläche zum Anfassen ist. Dörthes Quintessenz ist am Ende deshalb herrlich einfach: Lächelt die Menschen vielleicht einmal öfter an. Und wenn ihr unbedingt einen Spruch drücken wollt, seid darauf vorbereitet, dass die Retourkutsche möglicherweise sitzt. Und bitte: Seid nett zu euren Apothekenmitarbeitern. Ihr wisst nicht, wer vor euch schon da war. 😂

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Das Leben schreibt die absurdesten, schönsten und manchmal auch anstrengendsten Geschichten. Und regelmäßig denke ich mir: Kannste dir nicht ausdenken! Ich bin Jule – barfuß unterwegs, Mutter von zwei Kindern, Beobachterin und Mitten-im-Leben-Steherin. In diesem Podcast geht es um echte Momente: vom Mama-Alltag, von Begegnungen im Supermarkt, von Beziehungen, von Überforderung, von Mut – und von diesem ganz normalen Wahnsinn, den wir alle kennen. Ehrlich. Unverblümt. Ohne Hochglanz. Ein Podcast für alle, die nicht nur zuschauen, sondern mitten im Leben stehen.