Antwortpflicht - eine deutsche Geschichte zwischen Befehl und Demokratie

Michael Romeis

Ein Kelch aus angelaufenem Messing, hinter dem Staubsauger einer Abstellkammer. Eine Gravur von 1827. Und dahinter: ein Leben, das die deutsche Geschichte zwischen Befehl und Demokratie durchquert hat. Ewald von Sommerfeld war bei Tauroggen dabei, als ein General eigenmächtig die Seiten wechselte. Er war in Nordhausen, als einer seiner Soldaten einen Unschuldigen erschoss. Und er war in Berlin, als er das erste gewählte Parlament auf deutschem Boden räumen ließ. „Antwortpflicht" erzählt seine Geschichte – und die seiner Familie, die zwischen Preußen, Sachsen und Napoleon auf verschiedenen Seiten stand. Im Gespräch zwischen Michael, dem Nachfahren und Rechercheur, und Andreas, dem Co-Host, wird spürbar, wie Geschichte sich an konkreten Menschen vollzieht: in Entscheidungen, die keine Zeit lassen. In Befehlen, die keine Erklärung fordern. Und in der Frage, die sich durch alle sechs Folgen zieht: Wann schuldet Macht eine Antwort? Rekonstruiert aus Familienakten, Originalbriefen und historischen Quellen. Ohne moralischen Zeigefinger – aber nicht ohne Haltung.

Episodes

  1. Apr 17

    Folge 5: Ein Schuss und ein Scheitern (Nordhausen, 1832-1848)

    November 1832: Die 4. Jägerabteilung marschiert durch das Barfüßertor in Nordhausen ein. Kein Jubel. Keine Fahnen. 400 Soldaten in einer Stadt von 8.000 Menschen, einquartiert auf Befehl bei Familien, die sie nicht wollen. Ewalds Auftrag: Schmuggel bekämpfen. Die Schmuggler sind Bauern und Handwerker, die sich Kaffee, Tee und Tabak aus dem billigeren Hannover besorgen, weil Preußen sie mit Zöllen erdrückt. Der Brief, den er zwei Wochen nach seiner Ankunft an Dorothea schreibt – „So ist mir auf Erden schon der Himmel gegeben" – klingt wie ein Klammergriff. Am 27. Februar 1835 erschießt Gefreiter Krüger in der Weberstraße einen 22-jährigen Maurergesellen. Hermann Heinrich Brinkmann war kein Schmuggler. Er war auf dem Heimweg. Ewald steht vor der Mutter des Toten. Er findet keine Erklärung. In dieser Nacht nimmt er die Feder. Und legt sie wieder hin. Das Kapitel, in dem Ewald innerlich zerbricht – nicht durch Krieg, sondern durch die Ordnung, der er gedient hat. Mit: Michael Romeis (Autor und Rechercheur), Andreas Horchler (Produzent und Co-Host), Ulrik Neumann (Erzähler) Mit den Stimmen: Harald Heiskel (Ewald), Falko May (Gefreiter Krüger), Edda von Sommerfeld (Dorothea Stegmann), Maren Meuer (Brinkmanns Verlobte), Ulrike Bentz (Brinkmanns Mutter) www.antwortpflicht.info (Quellenhinweis: Die historischen Fakten zur 4. Jägerabteilung in Nordhausen und dem Tod Hermann Heinrich Brinkmanns entstammen dem Nordhausen-Wiki.)

    Folge 5: Ein Schuss und ein Scheitern (Nordhausen, 1832-1848)

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Ein Kelch aus angelaufenem Messing, hinter dem Staubsauger einer Abstellkammer. Eine Gravur von 1827. Und dahinter: ein Leben, das die deutsche Geschichte zwischen Befehl und Demokratie durchquert hat. Ewald von Sommerfeld war bei Tauroggen dabei, als ein General eigenmächtig die Seiten wechselte. Er war in Nordhausen, als einer seiner Soldaten einen Unschuldigen erschoss. Und er war in Berlin, als er das erste gewählte Parlament auf deutschem Boden räumen ließ. „Antwortpflicht" erzählt seine Geschichte – und die seiner Familie, die zwischen Preußen, Sachsen und Napoleon auf verschiedenen Seiten stand. Im Gespräch zwischen Michael, dem Nachfahren und Rechercheur, und Andreas, dem Co-Host, wird spürbar, wie Geschichte sich an konkreten Menschen vollzieht: in Entscheidungen, die keine Zeit lassen. In Befehlen, die keine Erklärung fordern. Und in der Frage, die sich durch alle sechs Folgen zieht: Wann schuldet Macht eine Antwort? Rekonstruiert aus Familienakten, Originalbriefen und historischen Quellen. Ohne moralischen Zeigefinger – aber nicht ohne Haltung.