Der Schülerbau füllte sich mit dem warmen Atem der übrigen Schüler. Flammenpfote wurde es zu viel. Normalerweise traute sie sich nicht aus dem Lager, aus Angst, die Katze, die Wache hielt würde sie erwischen, aber sie war sich ziemlich sicher dass Windhauch draußen war. Windhauch war nicht der Klügste und wurde nachts sehr schnell müde, darum machte sie immer einen Spaziergang wenn er dran war. Im Schutz der Dunkelheit nahm sie den Weg zum Schmutzplatz. Von dort aus rutschte sie einen kleinen Abgang hinunter und lief ihren üblichen Gang. Für den frühen Blattfall fuhr ihr der Wind recht kalt unters orangerot getigerte Fell. Sie fröstelte kurz und ihre Gedanken schweiften ab. Warum hatte ihr Vater sie damals nicht gewollt? Warum war es eigentlich so wichtig, rein HimmelsClan-Blütig zu sein? Wie hieß ihr Vater überhaupt? Fast war es so, als hätte Goldstern verboten, den Namen ihres Vater ins Maul zu nehmen. Sie war auch noch nie auf einer Großen Versammlung gewesen, ihr einziger Anhaltspunkt war, dass ihr Vater Zweiter Anführer war. Ein Eulenschrei hallte durch die Finsternis und Flammenpfote zuckte zusammen. Ihre Umgebung hatte sich stark verändert; von einer Moorlandschaft mit einigen Bäumen zu einem Nadel- und Laubwald. Einige Pfotenschritte vor ihr lag sie BlitzClan-Grenze. Sehnsüchtig blickte sie hinüber. Wie oft hatte sie schon daran gedacht, einfach hinüberzurennen, zu fliehen. Es musste ja nicht der BlitzClan sein. Der NachtClan war doch auch gut. Andererseits, was hatte sie denn mit den NachtClan-Katzen zu schaffen? Absolut gar nichts. Der BlitzClan… Das ist sowieso unmöglich, du Mäusehirn, scholt sie sich in Gedanken bitter. Zum BlitzClan? Zum Clan deines Vaters, der Krieger, der dich nicht wollte? Toll, die werden dich sicher aufnehmen. Nein, der HimmelsClan ist dein einziges Zuhause. Sie seufzte. Das war es. Jedes Mal, wenn sie darüber brütete, einfach zu gehen, kam sie zum Schluss, dass sie eigentlich nirgendwo hinkonnte. Abendfeuer hatte ihr bereits bewiesen, dass sie als Streunerin keine Chance hätte. Der Zweibeinerort war zu nah. Was wäre, wenn Abendfeuer sie verfolgte? Ein Knistern erfüllte plötzlich die Luft und sie sprang auf. „Wer ist da?“, rief sie und hoffte bedrohlich zu klingen. Ein Kater schob sich langsam durch ein Farnbüschel, auf BlitzClan-Territorium. „Wer bist du?“ Flammenpfote blinzelte ein paar Mal. Der Fremde legte seinen hellgrau getigerten Kopf schief. Seine Bernsteinaugen, die einen ähnlichen Farbton hatten wie ihre eigenen, leuchteten freundlich. „Mein Name ist Rauchschatten, ich bin, wie unschwer zu erkennen ist, ein Krieger des BlitzClans“, erklärte er leise. „Wie heißt du? Ich habe dich noch nie auf einer Versammlung gesehen, aber du erscheinst mir nicht so jung.“ „Ich bin Flammenpfote.“ Sie überlegte einen Moment und fügte dann hinzu: „Ich konnte einfach bisher nicht mitkommen. Das erste Mal war ich nicht da und… die anderen verletzt oder ich habe meinen Platz an eine andere Katze abgegeben.“ Es klang ihr plausibel genug, um damit durchzukommen, sollte Rauchschatten allerdings nachfragen musste sie das Thema wechseln. Die Wahrheit war, dass sie bisher nicht hatte mitkommen dürfen, weil sie eine HalbClan-Katze war, das wollte sie ihm allerdings nicht offenbaren. Einmal eine Katze die sie nicht hasste… „Warum geistert eine Schülerin allein an einer feindlichen Grenze herum?“, hackte Rauchschatten neugierig nach. „Ich war nicht müde“, murmelte sie hastig, „und du?“ Sein Blick bewölkte sich. „Ich komme oft hier her… Ich habe meine Gefährtin und mein Junges in der Nähe verloren. Eigentlich bin ich hier nur acht bis zehn Mal im Mond. Meine Mutter ist vor einem Viertelmond verstorben und seitdem gehe ich hier jede Nacht hin. Jede einzelne Nacht.“ „Das tut mir leid.“ „Ist schon gut. Wer ist dein Mentor, Flammenpfote?“ Er schien ausweichen sollen. „Abendfeuer.“ „Ah, ich kenne ihn. Ist er ein guter Mentor?“