Warum bleibt das eine Volk ruhig, wenn du dich näherst, während dich das Nachbarvolk schon von Weitem angreift? Markus Habermehl geht dieser Frage in dieser Honigraum-Folge auf den Grund und zeigt, dass Sanftmut vor allem eine Sache der Genetik ist, aber nicht nur. Der größte Faktor ist für Markus die Vererbung, vor allem über die Königin und ihre Anpaarung. Sanftmut gilt als vererbbares Merkmal und deshalb als eines der wichtigsten Zuchtziele überhaupt. Eine sanftmütige Linie mit guter Anpaarung führt eher zu ruhigen Völkern, eine schlechte Anpaarung eher zu Stechlust. Wetter, Umwelt und Zeitpunkt Auf die Grundveranlagung setzen sich äußere Auslöser drauf: schwüles Wetter, Gewitterstimmung, Wind, Trachtlücken, Räuberei-Druck, Erschütterungen durch Rasenmäher oder Mähroboter, dauernde Störungen am Stand und sogar die Tageszeit. Markus beobachtet, dass viele Völker morgens und bei gutem Flugwetter entspannter sind, abends dagegen eher gereizt. Der Imker als Auslöser Der zweite große Hebel bist du selbst. Hektische Bewegungen, gequetschte Bienen, ein falsch geöffneter Deckel, zu wenig oder gar kein Rauch, dazu Mundgeruch, Parfüm, Schweiß und dunkle, raue Kleidung, all das kann ein Volk zusätzlich reizen. Markus empfiehlt deshalb ruhiges, langsames Arbeiten, gezieltes Smoken und einen möglichst schonenden Umgang mit den Waben. Bleibt ein Volk trotz allem dauerhaft aggressiv, sieht Markus die Lösung in der Umweiselung. Meistens steckt dann ein genetisches Problem dahinter, etwa eine schlechte Anpaarung oder der Verlust der ursprünglichen Königin. Eine neue, sanftmütige Königin macht das Volk langfristig wieder umgänglich, du musst nur den Mut haben, diesen Schnitt zu machen, statt dich Jahr für Jahr mit einem stechigen Volk zu arrangieren.