Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 7h ago

    Glaube ist keine Theorie

    Korinth war eine wohlhabende multikulturelle Hafenstadt. Unterschiedlichste Strömungen trafen dort aufeinander: griechisches Denken, das den Geist über den Leib stellte, Mysterienkult mit geheimen Ritualen der Kaiserkult mit seinem Streben nach Macht und Anerkennung und die jüdische Tradition in der Diaspora. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der christlichen Gemeinde wider. Sie war lebendig, aber konfliktreich. Es gab Gruppenbildungen, Zweifel, geistlichen Hochmut, aber auch Beliebigkeit im Leben und im Glauben. Paulus schreibt genau in diese Situation hinein; nicht belehren von oben, sondern seelsorglich und klar. Er ruft die Gemeinde zurück zur Mitte, nicht zu einer Idee, nicht zu einer bestimmten Person, sondern zu Jesus Christus, gekreuzigt und auferstanden. Das ist sein Fundament. Das soll das Fundament der Gemeinde von Korinth, das kann auch unser Fundament sein."Ich erinnere euch an das Evangelium", schreibt Paulus. Nicht als Rückblick auf etwas Vergangenes, sondern als Erinnerung an das, worauf sie stehen. Glaube ist keine Nostalgie. Er ist Kraft für das heute. Im Herzen steht für den christlichen Glauben: Christus ist gestorben und er ist auferweckt worden; nicht als Mythos, nicht als schönes Symbol, sondern als bezeugte Wirklichkeit, die Leben verändert und neu ausrichtet. Paulus nennt die Zeugen: Kephas, die Zwölf, viele andere und zuletzt sich selbst. Auch der Unvollkommene, der Späte, der Zweifelnde, er wird berufen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen verändert, damals wie heute."Das ist unsere Botschaft und euer Glaube", so schreibt Paulus im Korintherbrief. Glaube ist keine Theorie. Er ist Beziehung, Festhalten auch in Fragen, im Ringen und im Zweifeln. Die Gemeinde in Korinth war alles andere als perfekt und gerade darin kann sie uns nahe sein. Auch wir sind eine bunte, eine suchende Gemeinschaft als die Kirche; mit Spannungen und unterschiedlichen Prägungen und offenen Fragen. Was uns eint, was uns einen soll, ist dieses eine Fundament: der Glaube an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Dieser Glaube ist kein Zusatz für besonders schöne Tage. Er ist der Grund, auf dem wir stehen und die Kraft, aus der wir leben. "Ich erinnere euch an das Evangelium, an das Evangelium von der Auferstehung, denn Christus ist gestorben und er ist auferweckt worden."

  2. 1d ago

    Das Ewige Leben ist eine Einladung

    Es ist schön, etwas zu wissen, es ist gut gebildet und intelligent zu sein. Immerhin gehen wir in die Schule, um das zu fördern. Schön und gut - und zugleich aber auch gefährlich, denn das cleverste Argument wird bedenklich, wenn es nur dazu dient, Recht zu haben und nicht dazu, in der Wahrheit zu leben. Manchmal drehen wir die genialsten Gedankenoperationen, nur um einer einzigen Frage aus dem Weg zu gehen: Wer bin ich? Bei den Sadduzäern, der Elite im Israel der Zeit Jesu, scheint es ein wenig so gewesen zu sein. Sie streiten gerne, aber nicht, weil ihnen wirklich etwas am Glauben liegt, möchte man ihnen zumindest unterstellen, sondern weil es ihnen um Macht, Einfluss und den Schein geht. Glaubensinhalte selbst sind nebensächlich, Werte sind wichtig, das Drumherum nicht. Und dazu gehörte auch die Vorstellung von der Auferstehung. Für sie bedeutete ewiges Leben nur, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht wie bisher, nur ohne Ende.Jesus aber denkt anders. Für ihn ist jeder Mensch wertvoll, wertvoll ist, dass wir in Beziehungen leben und lieben, dass wir leben und geliebt werden. Ewiges Leben ist nicht etwas, das wir uns durch tugendhaftes oder werteorientierendes Handeln verdienen. Nein, Ewiges Leben ist geschenkte Beziehung, es ist die Einladung an jener Welt teilzuhaben, an der Auferstehung, an Gott selbst, dem Ewigen.Vielleicht öffnet das die Frage nach Glauben und Werten noch einmal neu. Macht es Sinn gut zu handeln, wenn es kein Ewiges Leben gibt, keine Verantwortung, keinen Gott, der über uns wacht? Die Botschaft Jesu ist klar, Leben ist nicht einfach nur ein immer „Weiter so“, es ist endlich und vollendet. Und wir? Wir sind eingeladen, es in dieser Wahrheit zu leben, nicht nur für uns selbst, sondern in Beziehung zu Gott und untereinander.

  3. 2d ago

    Gott ist wie ein Sonnenschirm

    Unterm Sonnenschirm wird man trotzdem braun. Das sage ich hier zuhause ständig. Man muss sich ja nicht mitten in die pralle Sonne setzen. Wobei manche das trotzdem lieben. Stundenlang. Ohne Schatten. Ohne Sonnencreme. Und hinterher wundern sie sich über den Sonnenbrand. Den man immer erst viel später nach dem Sonnenbaden bemerkt.  Ganz ohne Schutz — das ist eben doch gefährlich. Und manchmal denke ich: Mit Menschen ist das ähnlich. Es gibt Menschen, bei denen man sich sicher fühlt, ohne dass sie einen einengen. Die nicht alles von einem fernhalten. Aber die trotzdem da sind. Wie ein Sonnenschirm eben. Die Sonne ist noch da. Das Leben auch. Der Stress. Die Fragen. Die Verletzungen. Aber es trifft einen nicht ganz so ungeschützt. Manchmal merken wir allerdings erst spät, wie sehr wir so einen Schutz eigentlich brauchen. Weil wir lieber stark wirken wollen. Weil wir denken, wir müssten alles alleine schaffen. Oder weil wir Angst haben, anderen zur Last zu fallen. Und dann gibt es diese stillen Menschen, die einfach bleiben. Die nicht sofort Lösungen haben. Aber Nähe. Ruhe. Aufmerksamkeit. Vielleicht können Menschen füreinander genau das sein: ein bisschen Schatten in zu großer Hitze. Und vielleicht ist das auch der Gedanke hinter den Schutzpatronen. Menschen, die selbst geglaubt haben, dass sie getragen und beschützt sind von Gott. Nicht vor allem bewahrt. Aber eben nicht allein. Ich glaube nämlich: Wer sich selbst beschützt weiß, kann oft auch andere besser beschützen. Nicht perfekt. Nicht immer stark. Aber da. Vielleicht ist Glaube manchmal genau das. Nicht die Sonne verschwindet. Aber jemand achtet darauf, dass wir nicht verbrennen.

  4. 3d ago

    Unser Glaube ist keine Flucht

    Manchmal ist man länger am Flughafen als später in der Luft. Und ich mag das eigentlich.Dieses Warten. Dieses Dazwischen.Kinder stehen an den großen Fenstern und beobachten staunend die Flugzeuge beim Starten und Landen. Menschen ziehen mit viel zu großen Rucksäcken vorbei. Irgendwo riecht es nach Kaffee und Fernweh.Mich packt das dann sofort.Dieses Gefühl, dass man einfach wegkönnte.Ein paar Stunden später könnte und wird vielleicht alles anders aussehen. Andere Straßen. Anderes Licht. Vielleicht auch ein anderes Lebensgefühl.Flughäfen sind Sehnsuchtsorte.Vielleicht auch ein bisschen Fluchtorte.Für einen Moment lässt man den Alltag zurück. Die Termine. Die Sorgen. Das, was zu eng geworden ist.Und trotzdem warten manche Dinge nach dem Rückflug wieder zuhause. Spätestens dann, wenn man in Deutschland landet und merkt, dass die Sommerkleidung plötzlich nicht mehr passt.Ich frage mich manchmal, ob Glaube auch so etwas sein kann: eine kurze Flucht aus dem Alltag.Aber vielleicht geht es gar nicht darum, wegzukommen.Vielleicht braucht man manchmal nur Abstand, um wieder klarer sehen zu können. Um sich neu auszurichten.Beten, Rituale, Gemeinschaft — das alles hat für mich nur dann wirklich mit Glauben zu tun, wenn es wieder zurückführt ins Leben. In den Alltag. In Beziehungen. In eine Haltung, die offener und aufmerksamer macht.Dann ist Glauben keine Flucht.Sondern eher wie dieses Staunen am Flughafenfenster:Ein kurzer Moment, der den Blick verändert, bevor es weitergeht.

  5. 4d ago

    Ein Angebot machen, nicht den Glauben überstülpen

    Rund 50.000 Menschen studieren in Düsseldorf. Viele von ihnen schreiben irgendwann Zeugnisse, Prüfungen, bekommen Noten und Leistungsnachweise. Ein Zeugnis ist immer eine Bestandsaufnahme.Es hält fest, wo jemand steht; im Wissen, im Können, im Leben. Auch die Heilige Schrift, die Bibel, ist ein Zeugnis, ein Zeugnis vom Wort Gottes. Menschen haben darin ihre Erfahrungen mit Gott festgehalten. Oft wird beim Glauben gesagt, das sei etwas rein Subjektives, etwas Gefühliges. Und dann stellt man ihm das Objektive gegenüber. Ich finde, das greift zu kurz. Wann immer Wahrheit etwas mit dem Leben zu tun hat, stehen lebendige Menschen im Mittelpunkt.Der Glaube ist mehr als Wissen. Er ist ein Wissen, das mich fordert, mein Leben verändert und mich selbst zum Zeugen macht. Zugleich braucht der Glaube Demut vor dem Wissen.Er weiß um die Wirklichkeit Gottes und darum, dass dieses Zeugnis helfen kann, das eigene Leben zu gestalten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Haltung ist Blaise Pascal, der französische Mathematiker und Philosoph. Er machte im Jahr 1654 eine tiefe Glaubenserfahrung und hielt sie auf einem kleinen Pergamentstreifen fest, den er bis zu seinem Tod bei sich trug.Der Text lautet: „Jahr der Gnade 1654, Montag, den 23. November. Seit ungefähr abends zehneinhalb bis ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht: Feuer, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewissheit, Gewissheit, Empfinden, Freude, Friede, der Gott Jesu Christi. Dein Gott ist mein Gott.Er ist allein auf den Wegen zu finden, die das Evangelium lehrt. Größe der menschlichen Seele, gerechter Vater. Die Welt kennt dich nicht, ich aber kenne dich.Freude, Freude, Freude, Freudentränen. Das aber ist das Ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Jesus Christus, Jesus Christus, ewige Freude für einen Tag der Mühe auf Erden.“Das ist Blaise Pascals Glaubenszeugnis. Und jedes Zeugnis beschreibt einen Istzustand, auch im Glauben. Er darf wachsen, sich vertiefen, sich verändern, wie ein gutes Zeugnis im Leben.Eines aber bleibt. Christlicher Glaube entsteht aus Begegnung. Wer das erfahren hat, wird anderen den Glauben nicht überstülpen wollen.Zeugnis geben heißt, ein Angebot machen. Als Hochschulpfarrer erlebe ich, wie wichtig solche Zeugnisse sind. Nicht nur auf dem Papier, sondern eben durch Menschen. Menschen, die Orientierung geben, die zeigen: Glaube ist kein abgeschlossenes Wissen, sondern ein Weg, der trägt.

  6. 5d ago

    Licht, das zerstört und Licht, das heilt

    Vor 81 Jahren fiel die Atombombe auf Hiroshima. Wenn das Licht ausgeht, ist es dunkel. Ein heller Lichtblitz zerstörte eine ganze Stadt mit ihren Menschen.Wenn das Licht ausgeht, ist es dunkel. "Kam, kam, kam ein Licht. Wollt leuchten, wollt leuchten."Diese Zeilen stammen von Paul Celan. Und sie haben etwas sehr Menschliches in uns. Dunkelheit kann Angst machen. Sie nimmt uns den Blick in die Zukunft. In die Zukunft zu schauen, ist immer riskant. Aber das mussten die Menschen nach diesem Blackout. Es gibt Unwägbarkeiten, Entwicklungen, die wir nicht beeinflussen können, in denen wir Opfer sind. Und solche, die uns überraschen: Wissenschaftliche Prognosen, gesellschaftliche Trends und unsere eigenen Pläne. Manches trifft ein, manches nicht. Die Geschichte des Menschen ist nie linear. Sie ist immer geprägt von Unvorhersehbaren.Verantwortung zu übernehmen bedeutet, den Blick auf das Kommende zu richten. Veränderungen, Rahmenbedingungen, Entwicklungen nüchtern zu prüfen und zugleich den Blick für Gottes Gegenwart in unserem Leben nicht zu verlieren. Denn das ist die Erfahrung des Volkes Gottes. Immer wieder bricht Gott die Geschichte auf, überrascht uns. Und Christus selbst war eine solche Überraschung. Lange erwartet und doch anders, als die Menschen es sich vorgestellt hatten.Der Apostel Paulus schreibt: Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Ein Bild für Hoffnung mitten in der Dunkelheit. Und vielleicht auch ein Bild für uns. Wenn wir warten, ist es manchmal besser, nicht starr zu verharren, sondern auf die Schritte Gottes zuzugehen, die uns entgegenkommen. Für die Zeiten der Dunkelheit gibt Gott uns kleine Lichter mit auf den Weg. Sie helfen uns weiterzugehen, uns nicht zu verlieren und die Richtung zu behalten. Diese Lichter sind Begegnungen, Hoffnungen, Mut, kleine Zeichen, an denen wir spüren, du bist nicht alleine. Vielleicht ist das die wichtigste Erfahrung: Wer bereit ist, sein Herz zu öffnen, wer die kleinen Lichter wahrnimmt, der kann Gott begegnen, mitten in der Dunkelheit, mitten im Alltag. Denn das Licht kommt auf uns zu, auch wenn wir es nicht immer vorhersehen können. Und so bleibt: immer wieder aufbrechen, Licht suchen, den Blick öffnen und dem Licht erlauben, uns zu führen.

  7. 6d ago

    Chaos ist viel mehr als Unordnung

    Um zu verstehen, was Chaos bedeutet, reicht manchmal ein Blick auf einen Schreibtisch, ehrlicherweise sogar manchmal auf meinen eigenen. Aber auf der anderen Seite ist das, was das Wort Chaos angeht, eigentlich harmlos. Denn Chaos ist mehr als die Unordnung auf dem Schreibtisch.Sprachforscher führen das Wort Chaos auf das Griechische zurück, verwandt mit dem Bild eines gähnenden Abgrunds. Chaos ist das, wo der Boden fehlt, wo alles ins Rutschen gerät. In der Bibel hat dieses Chaos ein berühmtes Bild, das Meer.Darum spricht das Markus-Evangelium nicht einfach vom See von Kafarnaum, sondern ganz auffällig vom Meer. Das ist kein Urlaubsbild, kein Strandkorb. Das Meer steht für ihn, für Gewalt, für Bedrohung, für diesen Abgrund.Und genau dort sitzen die Jünger im Boot. Der Sturm tobt, Orientierung geht verloren, Lebensgefahr, Chaos pur. Solches Chaos kennen wir auch nach einem Verlust, nach einer Trennung, nach einem beruflichen Scheitern oder mitten in einer schweren Krankheit; Momente, in denen man keinen Ausweg mehr sieht. Der Abgrund ist nah. Das ist Chaos.Die Bibel nennt diesen Zustand auch Tohuwabohu, ungeordnet, haltlos, schutzlos. Und dort beginnt Gottes Schöpfung. Schweig, sei still, mit diesen Worten setzt Jesus dem Chaos eine Grenze.Gott schafft Kosmos. Aus Tohuwabohu wird Ordnung, aus Sturm wird Stille. Bemerkenswert an der Bibelstelle: Jesus schläft zunächst auf dem Boot.Kein hektisches Eingreifen, kein panischer Aktionismus. Er ruft nicht aus der Situation heraus. Er ruft zur Gestaltung, zum Innehalten, zum Vertrauen.Das Wunder, das Zeichen besteht nicht nur darin, dass der Sturm sich legt, sondern darin, dass Gott mitten im Chaos gegenwärtig ist. Paulus sagt es so: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Vielleicht ist das die entscheidende Frage: Wie kann ich mit ihm auch mein Chaos gestalten und zum Kosmos werden lassen? Wie kann ich lernen, nicht nur in den Abgrund zu starren, sondern mit Christus neue Ordnung, neue Hoffnung, neues Leben zu wagen? Denn Gott spricht nicht nur über das Chaos. Er spricht mitten hinein und es wird still.

  8. Aug 4

    Feindesliebe bedeutet nicht Naivität

    "Du sollst deinen Nächsten lieben, du sollst deine Feinde lieben. Wahrscheinlich, weil es oft die gleichen Menschen sind." Dieser provokante Satz stammt von Gilbert Keith Chesterton, einem englischen Autor. Feinde machen das Leben nicht leichter. Man kann sich an ihnen abarbeiten. Sie verursachen Ärger und doch führen sie manchmal zu ungeahnten Verbindungen. Vielleicht hat Siegmund Freud deshalb von der Unmöglichkeit der Feindesliebe gesprochen, doch wer ist eigentlich mein Feind? Manchmal sogar ich selbst. Und wie kann man Feindesliebe überhaupt erreichen? König David und König Saul aus dem Alten Testament sind ein bekanntes Beispiel dafür. Saul hat Angst, dass David seine Amt will. David zeigt Können, verschont aber Saul, seinen Schwiegervater. Er achtet die Auserwählung des gesalbten Königs. David ist dabei kein Engel. Im Gegenteil: Intrigen, Ehebruch, Machtspiele; er hat alles drauf. Und trotzdem endet der Streit bei ihm. Saul und David begegnen sich danach nie wieder. Die Feindschaft hat ihr Ende, zumindest bei David. Feindesliebe heißt nicht naiv zu sein. Es heißt, Feindschaft und Verantwortung klar zu benennen. Vergeben bedeutet nicht gut heißen, aber: "Jesus ist der Meister des Unmöglichen", sagt Charles de Foucauld. Die Gemeinde in Korinth war völlig zerstritten. Paulus gibt das menschlich Unmögliche nicht auf, indem er die göttliche Möglichkeit in den Streit der Menschen hineinbringt. Er erinnert uns daran, was ist unser Streit, wenn wir das Himmelreich als Ziel in Jesus Christus nicht vergessen. Denn dieses Vergängliche, so schreibt er, muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. Ein Perspektivwechsel kann Wunder wirken; wer ist Freund und wer ist Feind, wer ist mein Feind und wie kann ich ihn überwinden? Indem ich mich von Gott lieben lasse, kann ich auch im anderen Gott lieben. Indem ich mich von Gott tragen lasse, kann ich den Feind in mir selbst überwinden. Beileibe: Feindesliebe ist kein leichter Weg und nicht etwas, das man so nebenbei macht, aber sie ist möglich durch Liebe, Geduld und Vertrauen in Gott.

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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