Radio IBYKUS

Uwe Alschner und Siggi Ober-Grefenkämper

Der Podcast über Klassik in Poesie, Musik und Kunst im allgemeinen ganzmenschsein.substack.com

  1. FEB 6

    Paul Robeson: Ein Leben für klassische Werte

    Freude, schöner Götterfunken! Guten Abend und herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, hier auf OS-Radio 104,8 am ersten Donnerstag im Monat, dem angestammten Sendeplatz unseres Klassik-Formates Radio IBYKUS. Mein Name ist Siggi Ober-Grefenkämper und gemeinsam mit meinem Kollegen Uwe Alschner bin ich sendeverantwortlich für die nächsten 57 Minuten. Wir nehmen sie auch in der 14. Ausgabe von Radio IBYKUS mit auf eine Reise durch die Welt der Klassik. Warum wir uns seit über einem Jahr freuen, Ihnen regelmäßig klassische Themen näher zu bringen, hat sicher verschiedene und nicht ganz unwichtige Gründe. Denn klassische Musik und Literatur sind auch im Jahr 2026 noch von zentraler Bedeutung für unsere Gesellschaft. Zum einen vermittelt die Klassik zeitlose Werte. Zum anderen bietet sie kognitive Vorteile, da die Beschäftigung damit Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit und räumliches Denken fördert und so ein besseres Einordnen und Bewerten der Umwelt ermöglicht. Eine Studie belegt sogar, dass die ruhigen Wellen von 'Beethovens ‘Mondscheinsonate’ oder Mozarts ‘Eine kleine Nachtmusik’ nicht nur kulturellen Wert, sondern auch eine nachgewiesene Wirkung auf den Stressabbau haben und mehr emotionale Stabilität in einer zunehmend digitalen Welt bieten. Das Erarbeiten und Studieren von klassischer Musik und Texten kann also als Gegenentwurf zur ständigen digitalen Reizüberflutung gesehen werden und hat sich auch im therapeutischen Einsatz unter dem Begriff »Restauration – Wiederherstellung« etabliert. Dass die vorgenannten positiven Eigenschaften nicht der einzige Anreiz sind, warum sich unser Team mit Klassik beschäftigt, sondern sich auf spannende, informative und lehrreiche Geschichten aus unterschiedlichen Epochen hinter dem Thema verbergen und sogar verbinden können, erfahren Sie nach der ersten Musik, die mein Kollege Uwe Alschner Ihnen jetzt aus seiner Playlist ankündigt. Hallo lieber Uwe, auf was dürfen wir uns freuen? Ja, hallo lieber Siggi, hallo liebe Hörerinnen und Hörer zu Radio IBYKUS. Wir hören jetzt ‘Joshua Fit the Battle of Jericho’ und zwar in einer Aufnahme mit Paul Robeson. Liebe Hörerinnen und Hörer von OS Radio 104,8, weiter geht es in dem Klassikformat Radio IBYKUS mit Uwe Alschner und mir, Siggi Ober-Grefenkämper. Zum heutigen Thema gibt es eine kleine Vorgeschichte, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. In der letzten Sendung spielte mein Kollege ein Stück des US-amerikanischen Schauspielers und Sängers Paul Robeson und erzählte anschließend unseren jungen Studiogästen etwas aus Robesons Leben, dem ein reges Gespräch darüber zwischen Uwe und den Jungs folgte. So entstand die Idee, die spannende Lebensgeschichte von Robeson, der mit ‘Ol’ Man River’ aus dem Musical ‘Showboat’ 1936 Weltruhm erlangte, in den Mittelpunkt der heutigen Sendung zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, was der afroamerikanische Sänger mit unserem Thema Klassik zu tun hat, beziehungsweise ihn damit verbindet. Wie gut, dass ich von Uwe Alschner, der sich intensiv mit der Person Robeson und seiner Geschichte befasst hat, mehr über die Zusammenhänge erfahren kann. Hallo lieber Uwe, auch von mir nochmal ein persönliches herzlich willkommen. Ich freue mich darauf, mit dir in die Welt von Paul Robeson einzutauchen. Get full access to Ganz Mensch sein at ganzmenschsein.substack.com/subscribe

    57 min
  2. JAN 1

    “Das könnt ihr euch auch mal gut anhören!”

    Freude, schöner Götterfunken! Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Kinder, zur 13. Ausgabe von Radio IBYKUS, der ersten Ausgabe im neuen Jahr 2026! Wir, das sind Uwe Alschner und Siggi Ober-Grefenkämper, wir heißen Sie herzlich willkommen und wünschen Ihnen ein glückliches, erfolgreiches und friedliches neues Jahr 2026! Die zwölfte Ausgabe im Dezember hatten wir begonnen mit einer Produktion des Vereins Dichterpflänzchen e.V. Das Programm hatte Frau Gabriele Liebig entworfen und entwickelt, und wir hatten daraus den ersten Teil mit einigen schönen Geschichten, unter anderem von Hans Christian Andersen, und auch die Geschichte aus Tausend und einer Nacht gehört, daneben Goethes Zauberlehrling, und wir wollen das heute fortsetzen. Wir müssen das heute fortsetzen, weil die Sendung insgesamt zu lang für eine Sendestunde gewesen wäre. Und so freuen wir uns heute mit Ihnen den zweiten Teil genießen zu gönnen. Genießen wollen wir das nicht alleine, sondern wir haben hier Gäste im Studio. Unsere Gäste, das sind Lias Rietenbach und Moritz Pieck aus Schledehausen. Eigentlich sollte auch noch Mathis Quast dabei sein. Mathis ist leider heute erkrankt und insofern wünschen wir ihm gute Besserung von dieser Stelle! Wir setzen das Programm, wie gesagt, gleich fort, diskutieren dann miteinander hier im Studio, hören aber erst noch ein paar Takte Musik von Paul Robeson. Und damit setzen wir den zweiten Teil nun fort. Sie erinnern sich? … “Es wurde ein großes Fest gefeiert und alle liebten Schehersad, weil sie durch ihren Mut und die Zauberkraft der Poesie das Land von einer schweren Plage befreit hatte.” Get full access to Ganz Mensch sein at ganzmenschsein.substack.com/subscribe

    57 min
  3. 12/05/2025

    Dichter können wirklich zaubern!

    Ein Programm von Gabriele Liebig Wollt’ ein Kind das Zaubern lernen“In” ist’s, und die Welt ist schlimm.Taschenmonster, Hokuspokus,Schwarze Künste, Magiertricks,Und im Umhang, ganz mit SternenSchwören sie: Simsalabim...Doch nach solcher ZaubereiIst bald klar: Vom MäuseschreiWird die Welt kein bißchen wärmer,Sondern kälter noch und ärmer. Zu der heitren, stillen Wonne,Zu der warmen, innren Sonne,Die in jedem Herzen lebt,Märchen und Geschichten webtSchon solange Menschen sind --Zaubern kann ein jedes Kind! Liebe Kinder, ihr seid sicher damit einverstanden, wenn ich euch jetzt eine Geschichte erzähle. Kennt ihr Julius und Dorothee? Nicht? Merkwürdig. Eigentlich müsstet ihr sie kennen. Julius und Dorothee sind nämlich ganz normale Kinder. Vormittags gehen sie zur Schule und nachmittags machen sie lauter interessante Dinge. Sie sind dicke Freunde, solange sie denken können. Wenn Sie zu Hause sind, lesen Sie alle möglichen Bücher und dann treffen Sie sich hinter dem Wäldchen an einem Platz, den nur Sie kennen, und erzählen sich die spannendsten Stellen aus dem Buch, das Sie gerade gelesen haben. Nun hatten Sie viele Fantasy-Bücher gelesen und waren zu dem Schluss gekommen, dass man in der heutigen Welt wohl nur zurechtkommt, wenn man zaubern kann. Sie beschlossen also, Unterricht zu nehmen. Zuerst hatten sie es mit einem herkömmlichen Zauberkurs versucht, aber das war bald zu langweilig. Denn im Grunde kam es bei all diesen Tricks nur darauf an, die Zuschauer geschickt zu betrügen. Von echter Zauberei keine Spur. Sie hatten aber nun einen besseren Lehrer gefunden. Er wohnte am Stadtrand in einem kleinen Häuschen und war schon ziemlich alt. Er hatte keine Familie, aber alle Kinder nannten ihn Großvater. Als sie zum Großvater kamen und ihm sagten, sie wollten zaubern lernen, krauste er die Stirn. »Über nichts wird so viel Unfug erzählt wie über das Zaubern. Das Dümmste ist ja wohl die Angewohnheit, irgendwelche Dinge verschwinden oder später wieder aus dem Ärmel oder einem Hut oder einer Kiste mit doppeltem Boden wieder auftauchen zu lassen.« Schon interessanter ist es, wenn man es schafft, ein Ding so zu verändern, dass es tut, was man ihm befiehlt. Aber das kann auch schiefgehen. Kennt ihr die alte Geschichte vom Zauberlehrling? Get full access to Ganz Mensch sein at ganzmenschsein.substack.com/subscribe

    57 min
  4. 10/03/2025

    Das Leben für kommende Generationen durch einen Beitrag zum großen Ganzen überhaupt erst ermöglichen

    Liebe Hörerinnen und Hörer von OS-Radio 104,8, vielleicht gehören auch Sie zu den Menschen, die beim Wort Klassik denken, oh Gott, ist das eine trockene und langweilige Angelegenheit, wen interessiert das heute noch? Mein Kollege Uwe Alschner und ich, Siggi Ober-Grefenkämper, vertreten da eine entgegengesetzte Meinung und möchten Sie in den nächsten 57 Minuten an unseren Gesprächen über Klassik teilhaben lassen, damit Sie erfahren, wie wunderbar es sein kann, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. So begrüßen wir Sie ganz herzlich zur 10. Ausgabe von Radio IBYKUS, dem Format, in dem wir Ihnen an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18.03 Uhr die Klassik in Literatur und Musik näher bringen möchten. Einen besonderen Stellenwert in unserem Radiomagazin nimmt der große Dichter und Denker Friedrich Schiller ein, dessen Werke Prinzipien und Gesetze beschreiben, die zeitlos gültig sind, davon aber später mehr. Beispielsweise schreibt er in seinem Gedicht »Die Führer des Lebens« über ‘unverzichtbare Begleiter’ auf den Wegen und Stationen des Lebens. Die Fragen, ob das so sein könnte und wer diese Begleiter sind, sind das zentrale Thema in der aktuellen Ausgabe von Radio IBYKUS und wird unserem Team nicht nur ausreichend Gesprächsstoff für die heutige Sendung liefern, sondern womöglich auch die Frage nach dem Wert der Klassik beantworten. Wenn Sie neugierig geworden sind, bleiben Sie auf Sendung und erfahren nach unserem ersten Musiktitel mehr darüber. Get full access to Ganz Mensch sein at ganzmenschsein.substack.com/subscribe

    57 min
  5. 09/05/2025

    „Wenn man vom Besten gekostet hat, ist man verdorben für den gewöhnlichen Quatsch“

    Interview mit Ralf Schauerhammer Musik: Historische Aufnahmen mit Bariton Heinrich Schlusnus Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer hier bei OS Radio 104,8 zu ‘Radio IBYKUS’, unserer neunten Ausgabe, am 4. September 2025. Mein Name ist Uwe Alschner und gemeinsam mit meinem Kollegen Siggi Ober-Grefenkämper bin ich sendeverantwortlich für die folgenden 57 Minuten, zu denen wir Sie wieder herzlich einladen, um über das Thema Klassik zu sprechen. Heute haben wir ein ganz besonderes Thema. Wir haben in den vergangenen Monaten, in den vergangenen Folgen ja bereits mehrfach Programme präsentiert über klassische Stoffe von Friedrich Schiller. Einmal war das die Bürgschaft, in zwei Teilen [1, 2], und auch dann die Johanna von Orléans, ebenfalls in zwei Teilen [1, 2]. Und diese können Sie auch weiterhin nachhören bei uns in der Mediathek, die Sie finden über Substack. Aber heute haben wir den Macher der Programme, Ralf Schauerhammer, zu Gast bei uns in der Sendung. Damit legen wir dann gleich los. Zuvor haben wir noch ein bißchen Musik für Sie. Heute steht die Musik in der gesamten Sendung unter dem Oberbegriff oder unter der Thematik Heinrich Schlusnuss, das ist ein bekannter Bariton, Bassbariton gewesen, der in den 1940er, 30er, 40er Jahren vor allem sehr schöne Aufnahmen gemacht hat, von denen wir Ihnen heute einige präsentieren wollen. Als nächstes, oder als erstes zum Einstieg in die Sendung hören wir gleich aus Verdis Oper Don Giovanni, die deutsche Version, also die deutsche Fassung der Arie. “Er ist’s, Carlos, mein Freund”, wie gesagt, von Heinrich Schlusnus. Den hören Sie gleich, nachdem unsere Erkennungsmelodie verklungen ist. Bis dahin, machen Sie es gut, wir sind gleich wieder da. Get full access to Ganz Mensch sein at ganzmenschsein.substack.com/subscribe

    57 min
  6. 07/03/2025

    Schillers Johanna – Weit über bitterbösem Nebeldunst des Skeptizismus und bösartiger Satire

    Herzlich willkommen, liebe Freunde klassischer Kunst, zur siebten Ausgabe von Radio IBYKUS, hier auf OS Radio 104,8 und an den Podcasts. An jedem ersten Donnerstag im Monat präsentieren Ihnen mein Kollege und Co-Moderator Siggi Ober-Grefenkämper und ich, Uwe Alschner, Inhalte der Klassik, weil wir überzeugt sind, dass gerade die Besinnung auf und die Beschäftigung mit dem Guten, Schönen und Wahren einen Beitrag zur Bewältigung anstehender Herausforderungen leisten kann und sollte. In der vergangenen Sendung haben wir Ihnen in diesem Sinne den ersten Teil eines Programms über die Jungfrau von Orléans von Friedrich Schiller präsentiert, an den wir heute anknüpfen möchten. Die Jungfrau ist unserer Meinung nach eine bewusste und ausdrückliche Zurückweisung der radikalen Aufklärung, wie sie von Voltaire und nach ihm von Kant und anderen vertreten wurde, die Schiller ablehnte. Und zwar aus gutem Grund, wie wir meinen. Ganz Menschsein ist das, wonach sich heute viele Menschen sehnen. Doch was bedeutet das? Voltaire und die von ihm geprägte moderne Philosophie haben dem heute vorherrschenden Materialismus, also der Reduktion der Realität, auf das dem Verstand Zugängliche und empirisch Messbare den Weg bereitet. Dies hat dazu geführt, dass heute sogar die Existenz des freien Willens von vermeintlich angesehenen Wissenschaftlern bestritten wird. Schon zu Zeiten Schillers wurde die Liebe als romantische Schwärmerei und Laune abgetan bzw. auf die rein erotische Stimulanz zur Artherhaltung reduziert. Dem hat Schiller vehement widersprochen und durch sein romantisches Trauerspiel die agapische Liebe, die sich in der Johanna verkörpert als elementares Wesen der Menschlichkeit, hervorgehoben. In der Johanna hatte sich diese Liebe zu den Menschen und zu ihrem Volk zum Leitmotiv ihres Handelns erhoben, was jedoch durch die Verliebung zu Lionel auf dem Schlachtfeld vorübergehend zu einer Krise führte. Wir setzen unsere Betrachtung daher nun an diesen Punkten fort und werden sehen, wie Schiller diese Krise nützt, um den Punkt zu machen. — Wie kann Johanna ihrem Auftrag, der sie aus dem stillen Frieden ihres Hirtenidylls gerissen hat, gerecht werden und dennoch inneren Frieden wiederfinden? Man kann diese Frage beantworten, indem man vom Ende des Stücks, wo Johanna mit sich und ihrem Schicksal ausgesöhnt ist, rückwärts auf das Drama schaut und dabei einen kleinen Umweg über Schillers Aufsatz “Über die naive und sentimentalische Dichtung” nimmt – ein Umweg, der sich gewiss lohnt. Die Ähnlichkeit der letzten Zeilen des Johanna-Dramas mit dem Ende des Gedichts “Das Ideal und das Leben” ist augenfällig. “Seht ihr den Regenbogen in der Luft?Der Himmel öffnet seine goldnen Tore,Im Chor der Engel steht sie glänzend da,Sie hält den ew’gen Sohn an ihrer Brust,Die Arme streckt sie lächelnd mir entgegen.Wie wird mir – leichte Wolken heben mich –Der schwere Panzer wird zum Flügelkleide.Hinaus –hinauf – Die Erde flieht zurück –Kurz ist der Schmerz, und ewig ist die Freude!” Am Ende von “Das Ideal und das Leben” wird die Himmelfahrt des Herkules so beschrieben: “… Bis sein Lauf geendigt ist –Bis der Gott, des irdischen entkleidet,Flammend sich vom Menschen scheidet,Und des Äthers leichte Lüfte trinkt.Froh des neuen ungewohnten SchwebensFließt er aufwärts und des ErdenlebensSchweres Traumbild sinkt und sinkt und sinkt. Des Olympus Harmonien empfangenDen Verklärten in Chronions Saal,Und die Göttin mit den RosenwangenReicht ihm lächelnd den Pokal.” Als Wilhelm von Humboldt dieses Gedicht von Schiller zugeschickt erhielt, dankte er dem Freund Schiller am 21.8.1795 “für den unbeschreiblich hohen Genuss”, den ihm das Gedicht gegeben habe. “Es hat mich seit dem Tage, an dem ich es empfing, im eigentlichsten Verstande ganz besessen, ich habe nichts Anderes gelesen, kaum etwas Anderes gedacht… Solch einen Umfang und solch eine Tiefe der Ideen enthält es, und so fruchtbar ist es, woran ich vorzüglich das Gepräge des Genies erkenne, selbst wieder neue Ideen zu wecken… Man muss es erst durch eine gewisse Anstrengung verdienen, es bewundern zu dürfen; zwar wird jeder, der irgend dafür empfänglich ist, auch beim ersten aufmerksamen lesen den Gehalt und die Schönheit jeder Stelle empfinden, aber zugleich drängt sich das Gefühl auf, bei diesem Gedichte nicht anders, als in einer durchaus verstandenen Bewunderung ausruhen zu können.” Aus Humboldts Worten kann man entnehmen, dass eine umfassende Würdigung dieses einzigartigen Gedichts in wenigen Zeilen nicht zu leisten ist, aber ein wichtiger Aspekt für das Verständnis der Johanna kann skizziert werden. Im Zentrum des Gedichtes stehen vier Strophenpaare, von denen die erste immer mit “wenn” und die Gegenstrophe mit “aber” beginnt. Sie beschreiben, wie der Mensch sein geistiges Wesen behauptet, während er als materielles Wesen handelt, welches Gesellschaft und Geschichte formt und in die Natur eingreift, und als Wesen, das dem Sittengesetz unterworfen ist. Das vierte Strophenpaar, und dieses ist für Johanna Drama besonders wichtig, beschreibt, wie der Mensch sein sinnliches und geistiges Wesen in harmonischen Einklang bringen kann. Wo der Mitmensch leidet, da soll ihn die “Sympathie” für den Mitmenschen so mit Mitleid erfüllen, dass er seine geistige Natur ganz vergisst. Der “heiligen Sympathie” soll “das Unsterbliche” im Menschen “erliegen”. Ja, er soll in seinem Schmerz für den Nächsten sogar “empört” den “Himmel” anklagen. Wenn der Mensch sich jedoch über sein Schicksal erhoben hat und in der Lage ist, sein Leid als notwendiges Übel einer universalen Ordnung zu sehen, dann ist das Leid zwar nicht verschwunden, aber es rührt ihn nun vor allem der Blick auf die pathetische und erhabene Seelenkraft, mit der dieses Leiden ertragen wird. Deswegen fließen die Mitleidstränen nicht mehr wegen der unmittelbaren Erfahrung der Schrecken und der Qual, sondern wegen "des Geistes tapfrer Gegenwehr"; die Empörung gegen die Ungerechtigkeit des Himmels weicht einer wehmütigen und ruhigen Ergebenheit in das Schicksal. Nur so kann der Mensch sein sinnliches und sein geistiges Wesen aussöhnen, das Leid als des “Erdenlebens schweres Traumbild” ertragen, ohne an seiner göttlichen Bestimmung zu zweifeln. Der Mensch, so beschreibt es Schiller in diesem Gedicht, reicht an die Gottheit heran. Das ist keine Erlösungsverheißung, sondern eine Aufgabe, die sich dem Menschen tagtäglich stellt, und die er mehr oder weniger gut meistern wird. In einem Brief an Wilhelm Humboldt vom 30.11.1795 schrieb Schiller: “Ich habe ernstlich im Sinne, da fortzufahren, wo das 'Ideal und das Leben' aufhört…Herkules ist in den Olymp eingetreten, hier endigt letzteres Gedicht. Die Vermählung des Herkules mit der Hebe würde der Inhalt meiner Idylle sein. Über diesen Stoff hinaus gibt es keinen mehr für den Poeten, denn dieser darf die menschliche Natur nicht verlassen, und eben von diesem Übertritt des Menschen in den Gott würde diese Idylle handeln... Gelänge mir dieses Unternehmen, so hoffte ich dadurch mit der sentimentalischen Poesie über die naive selbst triumphiert zu haben.” — Für Schiller als Poeten, der die schöne Kunst weiterentwickeln und voranbringen will, ist die Möglichkeit einer solchen “Idylle” von größter Bedeutung. Weiter unten in dem Brief schreibt er, dass er bereit sei, seine “ganze Kraft aufzubrauchen”, um diesen “Triumph” der “sentimentalischen Poesie über die naive” zu bewerkstelligen. Auch die “schillernde” Verwendung des Begriffs in seiner Schrift “Über naive und sentimentalische Dichtung” ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Diese Schrift ist für ihn besonders wichtig, weil er darin auslotet, wie weit er als moderner Dichter über das hinausgehen kann, was die klassischen Dichter des Altertums geleistet haben. Bezüglich des Begriffs der Idylle geschieht in dieser Schrift etwas sehr Interessantes. Im ersten Teil steht nämlich: “Die Darstellung des sentimentalischen, d.h. des modernen Dichters wird bezüglich der Empfindungsweise also entweder satirisch, oder sie wird elegisch sein: An eine von diesen beiden Empfindungsarten wird jeder sentimentalische Dichter sich halten.” Das Idyll sei für den moderneren Dichter nicht realisierbar und nur eine Unterform der Elegie. Nachdem Schiller genauer auf die Satire und die Elegie eingegangen ist, beginnt er den letzten Abschnitt über die Idylle mit den Worten: “Es bleiben mir noch einige Worte über diese dritte Spezies sentimentalischer Dichtung zu sagen übrig”. Da er bereits zu Beginn des Abschnitts über die Elegie in einer Fußnote “rechtfertigte”, warum er “die Idylle selbst zur elegischen Gattung rechne”, sind nun tatsächlich nur noch einige Worte dazu zu erwarten. Aber ganz im Gegensatz dazu gerät Schiller dieser letzte Abschnitt mehr als doppelt so lang wie beide Abschnitte über Satire und Elegie zusammen genommen. In einer Fußnote zu Beginn gesteht er außerdem plötzlich der Idylle einen gleichwertigen Platz neben Satire und Elegie zu. Er schreibt nun Folgendes: “Die sentimentalische Dichtung nämlich unterscheidet sich dadurch von der naiven, dass sie den wirklichen Zustand, bei dem die letztere stehen bleibt, auf Ideen bezieht und Ideen auf die Wirklichkeit anwendet.” Sie hatte es also entweder mit dem “Widerspruch” oder der “Übereinstimmung” des “wirklichen Zustandes mit dem Ideal” zu tun. Daraus folgerte er ursprünglich die Existenz der beiden Gattungen Satire und Elegie – mit deren Unterform Idyll. Nun fährt er fort: “In dem ersten Fall wird es durch die Kraft des innern Streits, durch die energische Bewegung, in dem andern wird es durch die Harmonie des innern Lebens, durch die energische Ruhe, befriedigt, in dem dritten wechselt Streit mit Harmonie, wechselt Ruhe mit Bewegung. Dieser dreifache Empfindungszustand gi

    57 min

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