Saftig

Susanne Miel

Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert. Ich bin nicht kaputt. Ich funktioniere anders als früher. Das hat mir nur nie eine gesagt. Saftig. Endlich sagt es eine. Muttertag, abends. Er fängt an. Mein Körper antwortet nicht. Ich liege da, warte, dass irgendwas kommt, und sortiere im Kopf schon die Sätze, mit denen ich es ihm nachher erkläre. Fünf Sätze hatte ich für ihn. Keinen für mich. Manchmal ist das zum Heulen. Öfter, als ich dachte, ist es zum Lachen. Neulich bin ich nackt durch unseren Flur gelaufen und habe so getan, als wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Auch davon erzähle ich. Ich bin Susanne. Ich sage das, was keine sagt. Von Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt — wenn überhaupt. Von Sex in einer langen Beziehung. Vom Blick in den Spiegel, morgens. Davon, wie ich mich selbst befriedige, und warum ich darüber nie geredet habe. Und von den Abenden, an denen es plötzlich wieder gut ist. Perimenopause, Wechseljahre — die Wörter kamen bei mir später als das Gefühl. Und sie erklären nicht, warum ich mich selbst nicht mehr erkenne. Es ist anders geworden. Nicht schlimmer. Ehrlicher. Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die nachts googeln und tagsüber nichts sagen. Fang mit Folge 1 an: Ich habe aufgehört anzufangen." Danach weißt du, ob wir uns kennen. Ich bin Susanne.

  1. قبل يوم واحد

    Der Mann hatte einen Orgasmus, für mich war es nett

    kein Orgasmus beim Sex — Shownotes Episode 028 Der Mann hatte einen Orgasmus, und für mich war es auch ganz nett. Diesen Satz habe ich früher belächelt. Heute, Mitte 40, weiß ich, dass ich ihn jahrelang selbst gesagt habe. Vor über zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich über diesen Satz einmal nachdenken würde. Damals fand ich ihn absurd — es muss doch Spaß machen, dachte ich, das kann doch gar nicht sein. Wenn ich mich heute einen Tacken ehrlicher betrachte, sehe ich das anders. Denn ich habe über Jahre genau so gelebt: Sex, bei dem er kam, und ich fand es schön genug, um nichts zu sagen. Kein Orgasmus beim Sex war nichts, worüber ich mich beschwert hätte. Es war der Normalzustand, für den ich mir auch noch eine Entschuldigung zurechtgelegt habe. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich erzähle in dieser Folge meine eigene Partnerkette. Am Anfang war der Sex mit jedem Neuen gut, weil alles neu war. Dann wurde er anders, auch gut, mit dem einen oder anderen Orgasmus — aber nicht regelmäßig und vor allem nicht immer. Also habe ich gewechselt. Und wieder. Und nochmal. Jedes Mal in der Hoffnung, dass es diesmal der Sex ist, der mir meinen regelmäßigen Orgasmus bringt. Ich habe sogar in die SM-Szene hineingeschaut, um zu prüfen, ob Fesseln, Schläge, Schmerz das sind, was mich dahin bringen. Das Ergebnis war dasselbe wie überall sonst: Der Mann ist gekommen. Danach ging es zurück in braven Blümchensex zu Hause. Ich habe immer gesagt, ich gehöre nicht zu den Frauen, die mit über 40 ihren ersten Orgasmus erleben — und das stimmte auch, meinen ersten hatte ich in den Zwanzigern. Nur hat mir diese Rechnung kein einziges Mal geholfen. Sie hat mir bloß erlaubt, alles beim Alten zu lassen. Die Entschuldigung, die ich mit mir rumgeschleppt habe — er kommt, das ist ein Orgasmus, und für mich war es ja auch schön. Ein ganzer Satz, gebaut, damit nichts fehlt. Fünfzehn Minuten, in denen es einmal nur um mich ging — ich habe meinen damaligen Partner dazu überredet. Er ist dabei eingeschlafen und hat es hinterher bestritten. Was Männer nach dem Sex haben und wir nicht — sie sind befriedigt, glücklich, das Testosteron kommt, sie fühlen sich männlicher. Und wir sitzen daneben und denken: ja, es war halt nett. Warum wir es allein in fünf Minuten schaffen — weil wir wissen, wo wir hingreifen. Wir diskutieren nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem beschreiben, mehr rechts, mehr links, mehr oben, mehr unten. Die Erkenntnis, die mich am meisten trifft — dass ich das alles erst jetzt sehe, nach Jahrzehnten, in denen mich das Thema Sex durchgehend beschäftigt hat. Ich war nie desinteressiert. Ich war nur nie an der Reihe. Diese Folge löst nichts auf. Sie stellt fest, was da war, wie lange es da war und wie gut ich mich daran gewöhnt hatte. Ich finde das traurig, und ich finde es krass, und beides gleichzeitig ist gerade der ehrlichste Punkt, an dem ich stehe. Shownotes und Episodendetails Es gibt einen Unterschied zwischen etwas verlieren und etwas abschreiben. Verloren geht etwas ohne mein Zutun. Abgeschrieben habe ich selbst — leise, über Jahre, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, mir am wenigsten. Und weil niemand widerspricht, wenn eine Frau sagt, es war schön, klingt das Abschreiben von außen wie Zufriedenheit. Ich wollte immer wissen, wie es sich für andere anfühlt Mich beschäftigt das Thema Sex seit Jahrzehnten, eigentlich schon immer. Ich wollte wissen, wie alles funktioniert, wie sich eine Berührung anfühlt, wie sie sich für mich anfühlt. Und noch mehr hat mich interessiert, wie es sich für andere anfühlt. Spüren die dasselbe? Spüren die etwas ganz anderes? Man sieht ja an Periodenschmerzen, wie unterschiedlich Körper sind — die einen liegen flach, die anderen merken kaum etwas. So unterschiedlich stelle ich mir auch das Gefühl beim Sex vor. Und das fand ich erschreckend. Weil ich nie erfahren habe, wo ich in diesem Spektrum eigentlich stehe. Ich habe es auch einmal mit einer Frau versucht und war vom Ergebnis enttäuscht. Immerhin sind wir da zu zweit nicht gekommen und nicht wie sonst nur ich. Die fünfzehn Minuten, in denen er eingeschlafen ist In einer Beziehung war ich irgendwann so weit, dass ich gesagt habe: Es muss doch eine Lösung geben, damit wir Frauen erfüllter sind. Ich hatte etwas gefunden, bei dem man sich fünfzehn Minuten lang ausschließlich um die Frau kümmert — eine Stelle, immer gleichbleibend, ohne schneller oder stärker zu werden. Fünfzehn Minuten. Ich habe meinen damaligen Partner überredet, das mit mir zu machen. Ich lag da, er hat angefangen, und ich dachte noch: oh, interessant. Es ging überhaupt nicht darum, dass ich etwas Außergewöhnliches spüre oder einen Orgasmus bekomme. Es ging nur um dieses Dafür-da-Sein. Und dann hörte sein Finger auf, sich zu bewegen. Ich habe mit dem Becken gewackelt. Hat nicht geholfen. Ich habe mich geräuspert, so als hätte sich im Liegen Spucke verhakt. Dann machte er weiter, als wäre nichts gewesen — und bestand hinterher darauf, dass er nicht eingeschlafen sei, er sei nur kurz abwesend gewesen. Ich habe das Thema danach wieder weggelegt. Warum es allein fünf Minuten dauert Ich habe letztens jemanden gehört, der sagte: Wir Frauen kommen doch auch, wenn wir es uns selber machen, da dauert es fünf Minuten. Darüber musste ich kichern, weil es genau so ist — und weil der Grund niemanden interessiert. Wir wissen, wo wir hingreifen. Wir merken, wenn wir etwas anders wollen, und dann ändern wir es einfach. Wir diskutieren es nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem sagen: nein, mein rechts, nicht dein rechts. Mit meinem jetzigen Partner ist genau diese Rechts-Links-Arie gelaufen, bis er mir einfach manchmal die Handführung überlässt und sich um den Rest kümmert. Besser ist das vielleicht. Traurig ist es trotzdem. Was bleibt, ist die Feststellung, dass ich mit Mitte 40 erst merke, wie viele Orgasmen an mir vorbeigegangen sind. Nicht weil mein Körper nicht konnte. Weil ich aufgehört hatte, damit zu rechnen. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonnier Saftig. Ich bin noch nicht fertig — du wahrscheinlich auch nicht.

  2. قبل يومين

    Das hast du dir doch so ausgesucht

    Beim Sex nicht nein sagen — Shownotes Episode 027 Ein Satz von meiner Mutter hat mich zwanzig Jahre lang im Bett nicht nein sagen lassen. Nicht, weil sie gemein zu mir gewesen wäre. Sondern weil sie in dem einen Moment, in dem ich Trost gebraucht hätte, gesagt hat: das hast du dir doch so ausgesucht, also lebe damit. Ich bin mit dem Satz nach Hause gegangen und habe ihn behalten. In jede Beziehung, in jedes Bett. Ich habe mitgemacht, was vorgeschlagen wurde, und viel zu selten gesagt: möchte ich nicht. Nicht, weil die Nächte schlimm gewesen wären — die meisten waren völlig okay. Sondern weil ich gelernt hatte, dass ich mir das ja so ausgesucht habe. Über Jahre und über mehrere Beziehungen habe ich diesen Satz mitgeschleppt, ohne ein einziges Mal zu bemerken, dass ich ihn überhaupt mit mir trage. Meine Mutter hatte übrigens noch einen zweiten Satz: „Da brauchst du mal ein Stück Eisen im Kreuz." Das sollte Selbstbewusstsein heißen. Gemacht hat es mich klein — als würde ich das allein nie hinkriegen, als müsste sich immer jemand hinter mich stellen und mich gerade halten. Erst heute merke ich, dass sich das Eisen irgendwann in mein Eisen verwandelt hat. In dieser Folge erzähle ich, wie das passiert ist — und warum ausgerechnet die Perimenopause damit zu tun hat. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Zwanzig Jahre lang konnte ich beim Sex nicht nein sagen, weil ein Satz meiner Mutter in mir saß und jedes „möchte ich nicht" abgeräumt hat, bevor ich es aussprechen konnte. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich schon vorher doof fand — und trotzdem durchgezogen, weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Erst spät habe ich begriffen, dass das gar keine schlechten Erfahrungen waren. Es war dieser eine Satz, der mich daran gefesselt hat, bloß nie meine Meinung zu ändern. Und jetzt, in der Perimenopause, verliert er seine Kraft. Das Östrogen geht, und mit ihm geht die Kraft, die Klappe zu halten. Ich sage im Bett, was ich will. Und was nicht. Nicht, weil ich plötzlich mutig bin, sondern weil mein Körper aufgehört hat, mir die Wahl zu lassen. Und ja — es wird leichter und leichter. Ein einziger Satz hat gereicht. Zehn Sekunden von meiner Mutter, zwanzig Jahre in meinem Bett. So lange habe ich gebraucht, um ihn wieder loszuwerden. Nicht nein sagen ist keine Charakterschwäche. Bei mir war es ein anerzogener Satz — nicht die Erfahrung selbst, sondern die Ansage, damit zu leben. Die Perimenopause räumt auf. Mit dem Östrogen fällt nicht nur Lust weg. Es fallen auch die alten Sätze weg, die auf einmal keinen Platz mehr haben. Ich sage heute, was ich will. Und was nicht. Das fühlt sich leicht an — und gleichzeitig ärgert mich, wie lange es gedauert hat. Das ist kein Phönix aus der Asche. Das ist eine verspätete Rechnung. Shownotes und Episodendetails Manche Sätze hört man einmal und trägt sie ein Leben lang. Man merkt es nicht mal. Man denkt, man ist halt so. Woher der Satz kam Es gab eine Nacht mit meinem damaligen Partner, nach der es mir nicht gut ging. Nichts Schlimmes, nichts Unfreiwilliges — und trotzdem war ich danach durcheinander und wusste nicht, warum. Am nächsten Tag habe ich allen Mut zusammengenommen und versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden. Ich habe mir einen stillen Moment gesucht und angefangen zu erzählen. Ich hätte mir gewünscht: Komm her, ich nehm dich in den Arm. Wie geht es dir heute? Lass uns in Ruhe schauen, was da eigentlich los war. Bekommen habe ich einen Satz. Das hast du dir doch so ausgesucht. Also lebe damit. Kein „Wie kann das passieren", keine Frage, wie es mir geht. Nur die Ansage. Und mit der bin ich nach Hause gegangen und habe weitergemacht. Das Traurige ist nicht der Abend. Das Traurige ist, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie fest sich dieser Satz in mir verankert hat. Über Beziehungen hinweg habe ich alles mitgemacht, was mir vorgeschlagen wurde. Manches wollte ich wirklich ausprobieren. Und manches habe ich durchgezogen, obwohl ich vorher schon wusste, dass ich es doof finde. Weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Und wer sich etwas aussucht, ändert seine Meinung nicht. Es gibt Dinge dabei, für die habe ich mich geschämt. Lange. Und wenn ich mir das heute anschaue, sehe ich, wie sehr dieser eine Satz meine Lust und meine Sexualität geprägt hat — nicht weil damals etwas schiefgelaufen ist, sondern weil danach niemand gefragt hat, wie es mir geht. Warum er jetzt seine Kraft verliert Ich sage in diesem Podcast immer wieder, dass sich in der Perimenopause alles verändert. Mit dem Östrogen fällt die Möglichkeit weg, bestimmte Dinge einfach hinzunehmen. Das klingt erstmal nach Verlust — Hitze, schlechte Laune, der ganze Kram. Aber es fällt eben auch anderes weg. Festsitzende Erfahrungen. Alte Sätze. Meiner hat mit einem Mal keine Kraft mehr, weil ich inzwischen ziemlich klar sagen kann, was ich nicht will — und genauso, was ich gerne hätte. Und die Dinge, für die ich mich geschämt habe, wiegen von Mal zu Mal weniger. Da wären wir wieder beim Stück Eisen im Kreuz. Nur ist es jetzt mein Eisen in meinem Kreuz. Nicht mehr das von irgendjemandem, der sich hinter mich stellt und mich gerade hält. Und trotzdem sitze ich hier mit Mitte vierzig und stelle fest: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um einen Satz loszuwerden, den mir jemand in zehn Sekunden reingedrückt hat. Leichter wird es, ja. Aber es ist keine schöne Verwandlung. Es ist eine Rechnung, die spät bezahlt wird. Wenn du eine Frau kennst, die auch so einen Satz mit sich herumträgt — schick ihr diese Folge. Manchmal reicht es zu hören, dass es einer anderen genauso ging.

  3. قبل ٣ أيام

    Ich wollte ihm keinen besseren Sex gönnen

    Beckenboden und Lust — Shownotes Episode 026 Vor über zehn Jahren habe ich einen Kurs gekauft, der meinen Beckenboden retten sollte. Nach vier Tagen habe ich das Ei in die Schublade gelegt. Nicht, weil es nichts gebracht hat — sondern weil es sofort gewirkt hat. Angefangen hat alles beim Frauenarzt. „Gucken Sie sich das mal an, vielleicht fällt Ihnen demnächst die Gebärmutter entgegen." So ein Satz bleibt hängen. Ich habe nachgefragt, was Beckenbodentraining überhaupt heißt. „Ja, wissen Sie schon", hieß es. Wusste ich aber nicht. Auf der Seite liegen und anspannen — das war mir zu wenig. Und alles andere, was ich fand, erschien mir irgendwie nicht logisch. Ich konnte mich zu nichts richtig aufraffen. Bis ich eine Sexualtherapeutin aus Amerika gefunden habe. Sie war die Erste, die über Beckenboden und Lust geredet hat — nicht über Vorbeugen, sondern über Kraft, über Durchblutung und über das, was ein trainierter Muskel mit dem Verlangen macht. Sie erzählte Sachen, bei denen ich erst dachte, das ist ein Scherz: Frauen mit so viel Kraft da unten, dass sie damit Dinge anstellen können, die ich hier lieber in der Folge lasse. Oder Ping-Pong-Bälle, die man angeblich damit durch die Gegend schießen kann. Ich weiß bis heute nicht, ob ich das je können will. Aber der Punkt saß. Endlich hatte dieser Muskel mal einen Nutzen, der nicht nur für den Mann gedacht war. Der Kurs war auf acht Wochen ausgelegt. 21 Tage, dann läuft es von allein — das war die Idee. Ich bin nicht mal bis Tag fünf gekommen. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich erzähle von dem teuren Onlinekurs, dem Yoni-Ei und den ersten Tagen, an denen ich tatsächlich einen Unterschied gespürt habe — sofort, nicht nach Wochen. Und ja, ich weiß, dass Beckenboden nach Pflichtprogramm klingt. Für mich war es das Gegenteil. Und trotzdem habe ich genau da aufgehört. Ich steckte in einer Beziehung, aus der ich raus wollte. Und ich wollte diesem Mann keinen besseren Sex gönnen. Klingt bescheuert, und es war es auch. Es ging um mich, nicht um ihn. Trotzdem habe ich mir selbst etwas Gutes verweigert, nur damit er nichts davon hat. Das Ei liegt seitdem in meiner Nachttischschublade. Und zum ersten Mal seit Jahren denke ich ernsthaft: Ich hole es da wieder raus und fange klein an. „21 Tage, dann läuft es von allein" — der Satz, mit dem ich gestartet bin. Ich kam nicht mal bis Tag fünf. Es hat sofort gewirkt — schon nach drei, vier Tagen. Genau der Moment, an dem ich Schluss gemacht habe. Der Grund lag nicht am Training — er lag in der Beziehung. Ich habe mein eigenes Ergebnis als Waffe benutzt und es einfach weggelassen. Beckenboden und Lust hängen zusammen — mehr Kraft, bessere Durchblutung, mehr Gefühl. So habe ich es damals verstanden. Es liegt noch da — gereinigt, unberührt, über zehn Jahre. Jetzt kommt es zurück auf den Nachttisch. Manchmal lässt man nicht das liegen, was nicht klappt. Manchmal lässt man genau das liegen, was klappt. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen einen Satz, den man überall hört: dranbleiben, dann wird es zur Gewohnheit. Bei mir war es umgekehrt. Ich musste nie erklären, warum ich aufgehört habe. Ich muss erklären, warum ich mitten im Funktionieren aufgehört habe. Der Kurs, den ich wirklich gekauft habe Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihn überhaupt gekauft habe — teuer war er, und ich war lange nicht sicher, ob mir sowas etwas bringt. Ein Onlinekurs, englischsprachig, Frauen aus der ganzen Welt. Einmal die Woche ein Gruppencall, am Telefon, ohne Bild — das gab es damals so, keine Zoom-Calls, nichts. Eine ziemlich verrückte Geschichte, ehrlich gesagt. Ich habe nie ganz verstanden, wie das laufen sollte, und einfach brav zugehört. Die Calls konnte man sich hinterher nochmal anhören, dazu gab es viele Videos. Ich habe sie sogar herausgezögert, weil ich dachte, ohne das Ei könnte ich die Übungen sowieso nicht richtig machen. Die erste Woche war Yoga: fünf Übungen für die untere Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Anstrengend genug für ordentlichen Muskelkater. Und dann kam das Yoni-Ei. Man führt es ein, hält es mit dem Beckenboden, gibt leichten Widerstand. Der Trick dahinter: mit einem Gegenstand als Widerstand trainiert der Muskel stärker als ohne — genau das hatte mich an dem Kurs überzeugt. Nicht den ganzen Tag tragen, das leiert die Muskeln nur aus, wie ein Glas Wasser am ausgestreckten Arm. Sondern ein paar Minuten, ganz bewusst. Muskelkater an einer Stelle, von der ich nicht wusste, dass sie einen haben kann. Nach drei, vier Tagen tat sich was. Spürbar. Kein Einbilden. Und laut Kurs war das erst der Anfang: mehr Kraft, bessere Durchblutung, ein besseres Scheidenmilieu, mehr Lust. So habe ich es jedenfalls verstanden. Warum ich genau da aufgehört habe Ich war in einer Beziehung, die eigentlich schon vorbei war. Nur noch nicht offiziell. Und irgendwo dachte ich: Wenn ich das durchziehe, wird der Sex besser — für ihn. Das wollte ich nicht. Also habe ich das Ei weggelegt. Nicht, weil es versagt hat. Weil es geliefert hat. Das ist der unbequeme Teil, und ich sage ihn trotzdem. Eigentlich ging es um mich. Um meinen Körper, um meine Lust. Und ich habe mir das selbst verweigert, nur damit ein anderer nichts davon hat. Völliger Quatsch, im Nachhinein. Damals war es einer der Gründe, endlich zu gehen — lange hat es danach nicht mehr gedauert. Und heute Das Ei liegt immer noch in der Schublade. Gereinigt, aber seit über zehn Jahren nicht angefasst. Im Kurs gab es noch viele weitere Übungen, aber man kann ja klein anfangen. Beim Sprechen über diese Folge habe ich beschlossen: Ich lege es zurück auf den Nachttisch und mache erst mal die eine Übung. Und wenn ich wirklich dranbleibe, erzähle ich dir, wie es war — gib mir die eine oder andere Woche. Wenn dich diese Folge erwischt hat, bewerte Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify. Damit die Frauen, die gerade genau danach suchen, den Podcast auch finden.

  4. قبل ٤ أيام

    Bei jedem Sex gab es Gleitgel dazu

    Gleitgel in den Wechseljahren — Shownotes Episode 025 Vor gut zehn Jahren dachte ich, es geht nichts mehr. Ich war trocken, ich wurde nicht mehr richtig feucht, und ich wusste nicht, woran das lag. Dann kam das einfachste Mittel der Welt: dann nehmen wir eben Gleitgel. Der Anlass war nicht nur die Trockenheit. Ich bin damals immer zwischen den Schamlippen eingerissen, mit ganz feinen Haarrissen, und die tun genau so weh, wie sich das anhört. Gleitgel war die naheliegende Antwort darauf: Wenn es rutscht, reißt nichts. Dass ich noch gar nicht wusste, wie ich sie sauer halte, damit sie überhaupt in Ordnung bleibt, ist mir damals nicht in den Sinn gekommen. Erst auf Wasserbasis. Das war so lala — irgendwann war es doch wieder trocken, es rubbelte sich auf, es wurde flockig. Also bin ich auf Silikonbasis umgestiegen. Das hat immer funktioniert, es war schön glitschig, und der Sex ging danach reibungslos. Nur hatte er nichts mehr damit zu tun, ob ich wirklich erregt war. Die Erregung habe ich vorher schnell mit dem Vibrator hergestellt, und dann konnte man eben Sex haben. Damals fand ich das gut. Eine gute Hilfe, kein Problem, damit kommen wir zurecht. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Aus einem Mal wurde jedes Mal. Irgendwann gab es bei jedem Sex Gleitgel dazu, und als ich zum Vibrator gegriffen habe, habe ich es gleich mit danebengelegt, weil es so besser flutschte. Aufgehört habe ich nicht aus Einsicht — ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich richtig schwierig. Ein, zwei Jahre später hatte sich etwas verändert: Das Scheidenmilieu war wieder in Ordnung, sie war nicht mehr ständig trocken, und sie riss auch nicht mehr bei Kleinigkeiten ein. Wenn ich den Sex von damals neben den Sex von heute lege, ist das ein Riesenunterschied. Nicht weil ich mehr könnte. Sondern weil mein Körper und ich anders damit umgehen können, wenn die Feuchtigkeit von innen kommt und nicht von außen dazugegeben wird. Gleitgel erleichtert den Verkehr, es beseitigt die Ursache nicht. Der Satz stammt sinngemäß von einer Apothekerin in der Apothekenumschau — und nach meiner Erfahrung stimmt er. Aus der Notlösung wird eine Gewohnheit. Erst bei Bedarf, dann bei jedem Mal, am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett. Ich hatte das Gefühl, sie gewöhnt sich daran. Wie die Nase ans Nasenspray. Sie musste ja nichts mehr leisten. Das ist mein Eindruck aus meinem Körper, keine ärztliche Auskunft. Feucht von innen ist etwas anderes als feucht von außen. Das ist der Unterschied, der mir erst aufgefallen ist, als es wieder von allein ging. Ein saures Milieu ist nicht eklig. Es soll so sein. Ich habe lange gedacht, das sei irgendwie unappetitlich — heute weiß ich, dass sie genau so zurechtkommt. Nicht das Gleitgel war mein Problem. Der Sex ohne Lust war es — und das Gleitgel hat ihn möglich gemacht. Ich habe damals auch Kokosöl ausprobiert und noch ein paar andere Ideen, aber keine davon hätte an dem etwas geändert, was fehlte. Es hat lange gedauert, bis ich gemerkt habe, was die Tube mir wirklich abgenommen hat: nicht die Trockenheit, sondern die Frage, ob ich überhaupt will. Shownotes und Episodendetails Ich habe damals keine Sekunde gedacht, dass ich mir mit dem Gleitgel etwas verbaue. Ich hatte ein Problem, es gab eine Lösung, und die stand im Drogeriemarkt. Aus einem Mal wurde jedes Mal Erst war es die Notlösung, dann Routine. Am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett, und ich habe es auch dann danebengelegt, wenn ich allein mit dem Vibrator war — weil es damit besser flutschte. Als Abhängigkeit habe ich das nie empfunden, sondern als praktisch. Das ist der Grund, warum es so lange ging: Es hat ja funktioniert. Der Sex fand statt, es tat nicht weh. Was dabei verschwand, war die Frage, ob ich überhaupt erregt bin. Die habe ich mir nicht mehr gestellt, sondern das Ergebnis vorher mit dem Vibrator hergestellt und den Rest mit der Tube geregelt. Aufgehört habe ich nicht, weil ich klüger geworden wäre. Ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich anfangs schwer. Ich hatte das Gefühl, es geht ihr wie der Nase mit dem Nasenspray, das man nicht länger als eine Woche nehmen soll: Sie musste nichts mehr leisten, also hat sie nichts mehr geleistet. Das ist mein Eindruck, keine ärztliche Auskunft — mir hat das damals niemand erklärt, weder in der Apotheke noch beim Frauenarzt. Und ehrlich ist auch: Es hat sich zur selben Zeit noch etwas anderes geändert. Der Sex war ein anderer. Wie ich sie sauer halte Ich wusste damals nicht, wie ich sie sauer halte. Ich wusste nicht einmal, dass sie sauer sein soll. Sie braucht einen leicht säuerlichen Wert, um abzuwehren, was von außen kommt. Erst dann fühlt sie sich wohl, und erst dann macht sie von sich aus Feuchtigkeit. Ein gutes Milieu, ein bestimmter Wert, die richtigen Bakterien — ich habe früher gedacht: Ist das nicht eklig? Nein. Von der Intimwaschlotion, die eine Bekannte seit ihren Zwanzigern benutzt, habe ich in Folge 13 erzählt — dort geht es auch um die Empfehlungen, die Frauen für ihre Trockenheit bekommen. Der Spruch meiner Mutter Meine Mutter hatte dafür einen furchtbaren Spruch. Ein Wortspiel mit einer Cremedose, das darauf hinauslief, dass man die Creme doch bitte nimmt. Ich fand ihn völlig abstrus. Aber es gab wohl Zeiten, in denen man nahm, was da war. Das Eigentliche läuft im Spruch mit: Er kommt aus Situationen, in denen man selbst nicht wollte, der Mann aber schon. Der Spruch löst das nicht. Er macht es erträglich. Genau das hat meine Tube dreißig Jahre später auch getan. Was ich heute merke Ich habe im Moment keine Probleme mit Scheidentrockenheit. Das kann noch kommen, es steht ja einiges auf der Liste dessen, was man in der Menopause abbekommt. Im Moment ist es so: Wenn ich richtig Lust habe, wird sie auch feucht. Und wenn wirklich viel Lust da ist, macht sie ein Vielfaches von dem, was sie sonst macht. Das ist nicht eklig. Das ist so gewollt, und ich finde es großartig. Ich weiß bis heute nicht, was am Ende den Ausschlag gegeben hat: dass die Tube weg war, dass der Sex ein anderer war, oder beides zusammen. Was ich weiß, ist, was das Gleitgel gemacht hat, solange es da war. Es hat den Sex möglich gemacht — auch an den Abenden, an denen ich eigentlich nicht wollte. Deshalb wünsche ich mir, dass wir dieses Thema gar nicht erst so selbstverständlich auf dem Tisch hätten. Und ich wünsche mir, dass bei dir keins dauerhaft neben dem Bett steht — höchstens dann, wenn gar nichts anderes hilft oder wenn es etwas Besonderes sein soll. Wenn du Saftig abonnierst, bekommst du jede neue Folge automatisch in deine Podcast-App.

  5. قبل ٥ أيام

    Nach zwei Geburten fand ich mich ausgeleiert

    Scham beim Sex — Shownotes Episode 024 Ich hatte mal Sex mit einem Partner, der sagte mitten dabei: Du bist aber schon sehr weit da unten, da ist ja viel Platz. Ich habe nichts geantwortet. Ich bin gegangen und habe für mich beschlossen, dass ich darüber nie wieder rede. Das war der Moment, in dem meine Scham beim Sex einen Beweis bekommen hat. Ich hatte mich vorher schon eklig gefunden, ausgeleiert, nach zwei Geburten nicht mehr passend zu dem Körper, den ich mal kannte. Er hat nur bestätigt, was ich sowieso über mich dachte. Und danach habe ich aufgehört, darüber zu sprechen — was der schlechteste Umgang damit ist, den es gibt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge stehen zwei Geschichten nebeneinander. Die erste habe ich weggesperrt: die Scham über meinen Körper, über das, was zwei Schwangerschaften verändert haben, über die Frage, ob ich für Männer überhaupt noch passe. Ich habe darüber jahrelang geschwiegen, und sie ist in diesem Schweigen größer geworden. Die zweite ist ein paar Wochen alt und hat mich völlig überrumpelt: mein Freund nimmt mir das Handy aus der Hand, auf dem Bildschirm ein Foto mit Periodenblut, und ich bekomme Schnappatmung. Das darf der nicht sehen. Ich bin Mitte 40, ich rede seit Jahren offen über Sex — und da sitzt noch immer dieser Satz aus meiner Kindheit in mir. Diesmal habe ich es ausgesprochen. Und dann war es weg. Scham wächst im Dunkeln — Brené Brown hat das mal mit einer Petrischale beschrieben: schön dunkel, gut verstecken, niemanden draufgucken lassen, dann hat sie Platz, größer zu werden. Ans Licht gebracht hat sie diesen Platz nicht mehr. Ein einziger Satz kann eine Scham festnageln — was ich über mich selbst dachte, war schlimm genug. Dass es jemand ausgesprochen hat, hat daraus eine Tatsache gemacht, über die ich zehn Jahre lang kein Wort verloren habe. Man ist nie fertig damit — ich dachte, bei mir gibt es dieses Thema nicht mehr. Und dann kommt es über ein Foto zurück, das nicht einmal etwas mit mir zu tun hatte. Aussprechen wirkt schneller, als es sich anfühlt — bei mir war es ein Gespräch. Nicht Wochen, nicht Therapie, nicht Arbeit an mir. Ein Gespräch, Tränen, und danach war die Scham gegangen. Der andere hat das Problem oft gar nicht — mein Freund hat mich angeguckt und gesagt, dass mein Blut ihm überhaupt nichts ausmacht. Für ihn gab es nie etwas zu verstecken. Der ganze Berg lag bei mir. Die beiden Geschichten gehören zusammen, auch wenn zwischen ihnen fast zwanzig Jahre liegen. Die eine zeigt, was passiert, wenn ich schweige: Aus einem fremden Satz im Bett wird ein Urteil über mich, das niemand mehr überprüft, weil ich es nie wieder erwähne. Die andere zeigt, was passiert, wenn ich rede: Aus einem Berg wird innerhalb einer halben Stunde nichts. Ich habe für die erste Variante deutlich mehr Lebenszeit aufgewendet. Ich erzähle das nicht, weil ich es hinter mir hätte. Ich erzähle es, weil ich mit Mitte 40 gemerkt habe, dass ich es immer noch mit mir herumtrage — und weil ich weiß, wie schnell es geht, wenn man es endlich laut sagt. Wissen und können sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegen bei mir ein paar Jahre. Shownotes und Episodendetails Es gibt einen Satz, der mir vor Jahren das erste Mal begegnet ist: Scham überlebt es nicht, wenn man sie laut ausspricht. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich das glauben soll. Heute weiß ich, dass es stimmt — ich habe nur sehr lange gebraucht, bis ich es auch konnte. Was zwei Geburten mit meinem Selbstbild gemacht haben Ich habe mich nicht mehr hübsch gefunden. Ich fand mich eklig, ausgeleiert, irgendwie nicht mehr zusammenpassend. Es war nicht nur die Brust, die anders aussah als vorher. Es hat sich so vieles verändert, das Gefühl war ein anderes, der Sex war dadurch auch ein anderer. Und ich habe mich dafür geschämt. Dafür, dass ich so aussah. Dafür, dass ich vielleicht nicht mehr passend war für Männer, weil ich nicht mehr so schmal war wie damals, als mein Sexleben angefangen hat. Gesagt hätte ich das nie so. Gesagt hätte ich damals nur: Ist halt nicht mehr so schön bei mir. Wenn du es blöd findest, können wir es ja lassen. Ich habe sogar überlegt, ob ich freizügiger auf Männer zugehen sollte — nach dem Motto, dann ist es doch egal, wie es da unten aussieht, Hauptsache sie kriegen, was sie wollen. So habe ich über mich gedacht. Das waren die Gedanken, die entstehen, wenn man mit niemandem darüber spricht. Der Moment, in dem es zurückkam Vor kurzem habe ich ein Bild gesehen, viele Fotos von Toiletten mit Periodenblut darauf. Mein Freund guckte mit auf den Bildschirm, sagte „zeig mal" und nahm mir das Handy ab. In dem Moment bin ich in Panik geraten. Das darf der nicht sehen. Der ist ein Mann, der darf das nicht sehen, Blut versteckt man, das ist denen unangenehm. Es war nicht einmal mein Blut. Es waren fremde Fotos. Und trotzdem hatte ich Schnappatmung. Ich habe ihn dann angeguckt und gesagt, dass ich ihm das jetzt sagen muss, weil es gerade einen riesigen Berg von mir wegnehmen wird. Und während ich es erzählt habe, liefen mir die Tränen — nicht aus Angst, sondern weil die Scham gehen durfte. Sie war da, ich habe sie gesehen, ich habe ihr den Platz eingeräumt, und dann ist sie gegangen. Mir läuft es heute noch kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, wie fest dieser Gedanke in meinem Kopf saß, ohne dass ich davon wusste. Was er dazu gesagt hat Er hat mich angesehen und gesagt: Aber Schatz, du weißt doch, dass mir dein Blut überhaupt nichts ausmacht. Das hast du beim Sex mehr als einmal erlebt. Für ihn gab es dieses Problem nie. Und mir war das vom Verstand her völlig klar — ich konnte ihm nur kaum erklären, was es in dem Moment emotional mit mir gemacht hat. Wir haben weitergeredet, und damit hat sich die Sache aufgelöst. Es gibt nichts Befreienderes, als endlich zu sagen, was da eigentlich los ist. Ich bin Mitte 40 und komme mit so etwas um die Ecke. Kann man peinlich finden. Ich finde inzwischen: besser mit Mitte 40 als gar nicht. Wenn du beim Zuhören an eine Frau denken musstest, die genau so einen Satz mit sich herumträgt: schick ihr diese Folge. Manchmal ist das der Anfang davon, dass sie ihn ausspricht.

  6. قبل ٦ أيام

    Mitten im Sex fielen mir die Dachfenster ein

    Kopf abschalten beim Sex — Shownotes Episode 023 Es hat angefangen zu regnen. Sommer, warm, die Dachfenster standen offen — und mitten im Sex schlug es in meinem Kopf ein: die Fenster sind auf. Ich bin aus dem Bett, die Treppe rauf, Fenster zu, Treppe runter. Wir haben beide gekichert und dann da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten. Vor zehn Jahren hätte ich diesen Satz hundertprozentig unterschrieben: Um deinen Kopf abzuschalten, musst du lernen, deine Vagina einzuschalten. Ich hätte damals auch gesagt, du musst deine Lust einfach wieder anregen, deine Yoni wieder stimulieren, und dann ist das mit dem Kopf überhaupt kein Problem mehr. Der Satz steht immer noch im Netz. Ich bin nur nicht mehr die, die ihn unterschreibt — nicht weil er böse gemeint ist, sondern weil er auf die falsche Stelle zeigt. Ich bin heute nicht mehr so alt wie vor zehn Jahren, und ich stecke auch nicht mehr in derselben Situation. Dazwischen liegt einiges, was vorher nicht dazwischenlag. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Kopf abschalten beim Sex ist bei mir keine Frage der Technik. Es gibt zwei völlig verschiedene Etagen, und die werden dauernd miteinander verwechselt. Die eine: Ich bin schon drin, es läuft, und dann kommt etwas dazwischen. Regen. Offene Dachfenster. Früher ein Kondom, dessen Verpackung nicht aufging. Das hat meine Lust nie unterbrochen, im Gegenteil — die Spannung bleibt im Körper stehen, danach ist es intensiver. Die andere Etage sieht anders aus: die Sorge um die Kinder, Sorgen um Geld, der Stress von der Arbeit, dazu der Autofahrer, den ich am liebsten an die Wand geklatscht hätte. Dieser Stapel liegt vor dem Bett, nicht darin. Und er lässt sich nicht mehr wegschieben wie früher, als ich einfach die Tür zumachen und sagen konnte: Stress bleibt heute draußen. Das Bittere daran ist nicht der Stapel. Das Bittere ist, dass ich ihn an dem Abend gar nicht bemerke. Würde ich abends merken, dass meine Lust wieder nichts abbekommt, könnte ich mich umentscheiden. Ich merke es aber erst Tage später, wenn längst alles vorbei ist, und denke: Schade. Da wäre doch eigentlich Zeit gewesen. Und dann war ich so gefangen in dem, was ich gedacht habe, dass ich es nicht einmal gemerkt habe. Genau darin unterscheidet sich die Schleife vom Dachfenster: Die Fenster habe ich bemerkt. Die Schleife bemerke ich nicht. Eine Unterbrechung ist nicht das Problem — wenn die Lust schon da ist, überlebt sie eine Treppe, ein Fenster und eine widerspenstige Plastikverpackung. Das Schwere kommt vorher — die Sorgenschleife verhindert, dass die Lust überhaupt anfängt. Sie unterbricht sie nicht mittendrin. Ich merke es zu spät — nicht an dem Abend, sondern Tage danach. Deshalb kann ich mich in dem Moment nicht umentscheiden. Es ist kein Platz da — in der Perimenopause verändert sich nicht nur mein Körper. Mein Leben verändert sich auch, und der Stapel wird höher statt kleiner. Der Platz lässt sich machen — nicht auf Kommando und nicht jeden Abend. Aber die Treppe hoch, die Treppe runter und dann trotzdem, das ist eine Entscheidung. Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Worauf ich achten kann: ob heute die Schleife dran ist — oder ob die Lust stark genug ist für die Treppe. Shownotes und Episodendetails Ich habe früher nie verstanden, warum Leute sagen, ein Kondom mache die Stimmung kaputt. Männer und Frauen haben mir das erklärt: Das unterbricht doch alles, danach hat keiner mehr Bock. Für mich war das nie eine Unterbrechung, sondern ein Teil davon. Da wurde gefriemelt, die blöde Verpackung ging nicht auf, einer hat geschubbelt, wir haben gelacht — und dann ging es los. Ich habe das nie als Stimmungskiller erlebt. Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass mich das bei meiner Lust unterbricht. Genauso die ganze Dachfensteraktion. Dann regnet es halt. Einen Moment, ich komme wieder. Und dann kommen wir richtig. Wobei das Zurückkommen ja eine Entscheidung ist. Ich hätte auf der Treppe genauso gut denken können: Jetzt bin ich durch die Gegend gerannt, jetzt ist es vorbei, jetzt kann ich nicht mehr. Habe ich aber nicht. Ich fand die ganze Sache viel zu lustig, um sie abzublasen. Zwei Etagen, die dauernd verwechselt werden Wenn ich mir das genauer angucke, sehe ich zwei Bewegungen, die nichts miteinander zu tun haben. Die erste: Die Lust ist da, der Sex wird unterbrochen — und danach geht es weiter. Nicht mühsam, sondern mit Leichtigkeit. Die Spannung bleibt ja im Körper, sie läuft nicht einfach aus. Deshalb wird es hinterher oft intensiver als vorher. Diese Unterbrechung kostet mich nichts. Die zweite: Die Lust fängt gar nicht erst an. Und das liegt nicht daran, dass sie sich verabschiedet hätte, sondern daran, dass etwas anderes den ganzen Platz einnimmt. Sorge um die Kinder. Sorgen um Geld. Der Stress von der Arbeit, der sich im Moment doppelt und dreifach so schwer anfühlt wie früher. Diese Etage kann ich nicht mit Technik betreten, und schon gar nicht dadurch, dass ich unten anfange und hoffe, dass oben das Licht ausgeht. Was das Dachfenster beweist Was diese Dachfenstergeschichte tatsächlich beweist: Meine Lust ist nicht weg. Sie hatte nur keinen Platz. Wenn sie da ist, halte ich eine Treppe aus, einen Regenguss, ein Kondom und mein eigenes Kichern. Wenn sie nicht da ist, liegt das nicht an einer fehlenden Übung, sondern an einem Leben, das sich verändert hat — und zwar nicht nur körperlich. Je älter ich werde, desto mehr verändert sich alles: meine Einstellung zu Menschen, zu Zeit, zu dem, was noch reinpasst. Und es heißt eben nicht, dass wir nach der Perimenopause keine Lust mehr haben — oder mittendrin. Es heißt, dass gerade kein Platz für sie da ist. Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Das habe ich versucht, das funktioniert nicht. Was ich machen kann: darauf achten, was heute gerade lauter ist. Und wenn die Lust lauter ist, dann laufe ich die Treppe hoch, mache das Fenster zu, laufe wieder runter und sage: und jetzt trotzdem. Wenn dir diese Folge etwas gezeigt hat, das du wiedererkennst: Lass eine Bewertung da. Bewertungen entscheiden darüber, ob Saftig überhaupt bei den Frauen landet, die gerade nachts danach suchen — und für die meisten von ihnen ist es das erste Mal, dass jemand so darüber redet.

  7. ٩ أغسطس

    Ich habe den Dildo auf den Tisch gestellt

    Sich zum Sex überwinden — Shownotes Episode 022 Ich hatte nein gesagt. Zu mir selbst, ziemlich deutlich: keine Lust, zu anstrengend, ich will jetzt einfach schlafen. Eine Weile später stand ich nackt im Wohnzimmer und habe den Esstisch freigeräumt. Dazwischen lag nichts weiter als ein Kribbeln, das nicht wieder weggegangen ist. Ich habe mich umgedreht. Ich habe mir vorgerechnet, dass es spät wird und dass ich morgen früh raus muss. Ich habe überlegt, ob ich es schnell hinter mich bringe, damit Ruhe ist. Und dann bin ich doch aufgestanden, habe mir genommen, was ich haben wollte, und bin damit ins Wohnzimmer getapert. Mein Freund hat mich kurz irritiert angeguckt und danach ziemlich schnell verstanden, worum es geht. Dabei hatte ich mich längst entschieden. Meine Yoni offensichtlich nicht. Sie hat sich gemeldet, ich habe mich weggedreht, sie hat sich wieder gemeldet. So ungefähr redet sie manchmal mit mir: Aber ich will doch. Mach doch was. Das Merkwürdige daran: Der Widerstand kam von mir, nicht von außen. Niemand hat gefragt, niemand hat gedrängt, mein Freund saß nebenan und hat gar nichts gewollt. Ich lag im Bett und habe mit mir selbst diskutiert, ob sich der Aufwand lohnt. Es wird spät. Ich muss morgen früh raus. Vibrator wäre schnell, dann ist es hinter mir. Und über allem stand das Gefühl, dass ich mich damit anstrenge — für etwas, das ich früher einfach gemacht hätte. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Es wurde der beste Abend seit Langem. Nicht, weil etwas Neues dabei gewesen wäre, sondern weil ich zum ersten Mal seit Langem nicht gefragt habe, ob es gerade passt. Ich habe nichts erklärt und nichts verhandelt, ich habe hingestellt, was ich wollte. Und es ging in diesem Moment ausschließlich um meine Lust, nicht um den Sex, den wir gemeinsam haben können. Danach haben wir gekichert, und ich konnte endlich schlafen. Am nächsten Tag ging es mir großartig — und genau da fängt der Ärger an. Denn die Frage, die geblieben ist, lautet nicht, wie schön das war. Sie lautet: Warum muss ich mich zu meinem eigenen Glück zwingen? Früher war ich gierig, da musste mich niemand überreden, am wenigsten ich selbst. Heute liegt zwischen mir und einem Abend, der mir guttut, eine Entscheidung, die ich aktiv treffen muss. Ich habe nicht darauf gewartet, dass jemand anfängt, und ich habe auch nicht darauf gewartet, dass die Lust erst richtig da ist. Ich bin losgegangen, während ich noch dachte, ich hätte keine. Die Lust kam nach dem Nein — nicht vorher. Ich hatte mich schon entschieden, und sie hat sich trotzdem weiter gemeldet, bis ich aufgestanden bin. Umentscheiden ist erlaubt — ein Nein am Abend ist keine Unterschrift. Ich darf zwanzig Minuten später etwas anderes wollen, ohne mich dafür zu rechtfertigen. Zeigen war leichter als reden — ich habe nichts erklärt. Ich habe den Tisch freigeräumt, hingestellt, was ich brauche, und damit war klar, was ich will. Der beste Teil war der nächste Tag — ausgeruht, gut gelaunt, zufrieden. Genau deshalb ärgert es mich so, dass ich mich dahin schieben musste. Es geht also noch — die Umentscheidung ist der Beweis, dass da noch etwas ist. Ich weiß nur nicht, wie ich verlässlich drankomme. Ich habe für diese Folge keinen Punkt gefunden, an dem sich alles auflöst. Ich habe einen Abend, der funktioniert hat, und eine Wut darauf, dass er die Ausnahme war. Shownotes und Episodendetails Der Abend ist drei oder vier Wochen her. Ich erzähle ihn nicht, weil er besonders raffiniert war, sondern weil er funktioniert hat. Und weil mich seitdem eine Frage nicht loslässt, die deutlich unangenehmer ist als die Geschichte selbst. Warum ist das nicht immer so? Am nächsten Morgen lag ich wach und habe gerechnet. Es war großartig. Es hat mir gutgetan. Mir ging es den ganzen Tag besser. Und trotzdem musste ich mich vorher gefühlt zu meinem Glück zwingen. Früher war das anders herum. Ich war gierig. Ich wollte mehr, ich wollte öfter, und an manchen Tagen konnte ich gar nicht genug bekommen. Heute vergeht eine Woche, dann zwei, dann drei — und irgendwann klopfe ich innerlich an und frage: Hallo, ist da wer? Wo ist meine Lust hin? Ich merke den Unterschied auch daran, wie ich an alte Abende denke. Früher habe ich mich an guten Sex erinnert und wurde beim Erinnern schon wieder feucht. Heute erinnere ich mich, finde es immer noch großartig — und ein Bedürfnis entsteht daraus nicht. Genau das finde ich schlimm. Dazu kommt, dass ich es körperlich spüre. Ohne Sex habe ich mehr Kopfschmerzen. Ohne Sex habe ich mehr von allem anderen. Mir ist seit Neuestem öfter schlecht, meine Periode macht sowieso, was sie will, und die Hormone laufen zur Tür rein und wieder raus, wie es ihnen gerade passt. Das ist kein Wohlfühlprogramm, das ist eine Baustelle. Und ich habe an dem Abend etwas gelernt, das mit Lust erst mal gar nichts zu tun hat: Ich musste nichts erklären. Ich habe keinen Satz gesucht, keine Ansage vorbereitet, keine Stimmung erzeugt. Ich habe zwei Dinge auf den Tisch gestellt und stand daneben. Das war die ganze Kommunikation. Rückblickend war das der leichteste Teil des ganzen Abends — und der, vor dem ich sonst am meisten Respekt habe. Ich sehe das nicht ein Mit vielem kann ich leben. Hitzewallungen, kalte Füße, Wortfehltritte mitten im Satz — das nehme ich an, das kriegen wir hin. Aber dass mir ausgerechnet die Lust gestrichen wird, dass mir dieser Sex weggenommen wird, als hätte ich mein Kontingent aufgebraucht: nein. Sex war nie nur dafür da, Kinder zu kriegen. Diese Rechnung ist irgendwann aufgemacht worden, vermutlich damit wir Frauen still sind. Wir gehören zu den wenigen Lebewesen, die Sex aus Vergnügen haben, Delfine übrigens auch. Also sehe ich nicht ein, warum ausgerechnet jetzt Schluss damit sein soll. Deshalb probiere ich gerade Dinge aus. Mehr Wasser. Mehr Bewegung. Anders essen. Ich suche die Stellschraube, an der ich drehen kann, damit das wieder halbwegs Normalität wird. Gefunden habe ich sie nicht. An Trockenheit liegt es bei mir jedenfalls nicht — es muss also etwas anderes sein, und etwas anderes kann man auch anders angehen. Was ich sicher weiß, ist nur das eine: Diese Umentscheidung, an diesem Abend und auch an anderen Abenden und Nachmittagen, hat mir gezeigt, dass es geht. Nicht dass es leicht ist. Nur dass es möglich ist. Und solange das stimmt, gebe ich mich mit „das ist jetzt eben so" nicht zufrieden. Wenn du wissen willst, wie es mit dieser Suche weitergeht: Abonniere Saftig, dann ist die nächste Folge automatisch da.

  8. ٨ أغسطس

    Über Sex reden konnten wir nur auf Entfernung

    Mit dem Partner über Lust reden — Shownotes Episode 021 Am Telefon konnte ich alles sagen. Über Sex, über Lust, über das, was wir machen wollten, wenn wir uns wiedersehen. Und dann saßen wir uns gegenüber, und das Telefon war nicht mehr zwischen uns — und wir konnten über nichts mehr reden. Das ist über zwanzig Jahre her und es beschäftigt mich heute wieder. Denn in der Perimenopause höre ich überall, dass man reden soll. Reden Sie mit Ihrem Partner. Sprechen Sie darüber. Und ich rede ja. Nur nicht über das eine. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge erzähle ich von einer frühen Beziehung, in der wir uns nur selten sehen konnten. Wir haben stundenlang telefoniert, und am Telefon fiel alles leicht — auch das Thema Selbstbefriedigung, über das wir so offen gesprochen haben, dass wir es irgendwann zusammen ausprobiert haben. Danach haben wir nie wieder darüber geredet. Nicht ein einziges Mal. Mir ist das damals nicht einmal aufgefallen; es ist mir erst jetzt aufgefallen, während ich davon erzählt habe. Und genau dieses Muster finde ich heute wieder, mitten in der Perimenopause. Mit dem Partner über Lust reden ist etwas anderes, als mit ihm über Beschwerden zu reden. Über Migräneanfälle, die schlimmer werden, über Hitzewallungen, über das ständige Frieren an Stellen, an denen mir warm sein sollte — darüber spreche ich. Über meine Lust spreche ich viel seltener. Nicht weil ich nicht will. Sondern weil wir bis dahin gar nicht kommen. Distanz macht das Reden leichter — am Telefon habe ich Dinge gesagt, für die ich mich nie schlecht gefühlt habe. Im selben Raum ging genau das nicht mehr. Etwas kann eintreffen und trotzdem verschwinden — wir haben es gemacht. Und danach war das Thema für uns beide einfach weg, ohne dass es jemand beschlossen hätte. Beschwerden verdrängen die Lust aus dem Gespräch — die Wechseljahre bringen so viele Themen mit, dass am Ende alle Zeit für Hormone draufgeht und keine mehr für Libido bleibt. „Reden Sie doch drüber" sagt nicht, worüber — der Rat setzt voraus, dass ich weiß, was mit mir los ist. Ich bin ja selbst noch dabei, es herauszufinden. Manchmal wünsche ich mir das Telefon zurück — nicht die Fernbeziehung. Die Situation, in der man sich etwas zu erzählen hat, weil man sich eine Weile nicht sieht. Ich habe keine Antwort darauf, wie man das wieder aufmacht. Ich weiß nur, dass es nicht daran liegt, dass wir nicht reden. Wir reden ständig. Wir kommen bloß nie an der Stelle an, an der es interessant wird. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem man merkt, dass ein Thema aus einer Beziehung verschwunden ist. Meistens merkt man ihn nicht, während er passiert. Man merkt ihn Jahre später, wenn man jemandem davon erzählt. Was am Telefon möglich war Wir waren beide jung und haben uns nur selten gesehen. Also haben wir telefoniert, viel, und ich habe alles gefragt, was ich wissen wollte: wie er sich Sex vorstellt, wie er sich Lust vorstellt, ob es überhaupt schon Vorstellungen gibt. Er hat versucht, darauf einzugehen. Das meiste davon weiß ich nicht mehr. Woran ich mich erinnere, ist eine Sache. Wir haben intensiv darüber gesprochen, wie sich der eine und wie sich der andere selbst befriedigt — und irgendwann gesagt, wir könnten das ja mal zusammen machen. Beim nächsten Wiedersehen haben wir es getan. Es war spannend und gleichzeitig unfassbar steif. Ich habe danach versucht, darüber zu sprechen, und relativ schnell gemerkt: Da war nichts mehr. Warum die Lust aus dem Gespräch fällt In der Perimenopause wird mir von allen Seiten gesagt, ich soll darüber sprechen. Aber es ist schwer zu erklären, was man selbst noch nicht verstanden hat. Mein Freund fragt völlig zu Recht, warum etwas nicht mehr funktioniert, das immer funktioniert hat — und ich habe keine saubere Antwort, weil ich sie selbst noch suche. Also rede ich über das, was sich benennen lässt. Über die Migräne, die schlimmer wird. Über die Hitze und die Kälte an den falschen Stellen. Das sind konkrete Dinge, und sie füllen die Zeit. Was dabei hinten runterfällt, ist der Satz „Ich habe Lust — und zwar auf …". Der kommt gar nicht mehr vor, weil wir bis dahin nie kommen. Was mir dabei auffällt Ich kenne Leute, die seit Jahren getrennt wohnen und trotzdem zusammen sind. Die verstehen sich gut, freuen sich, wenn sie sich sehen, und bei denen scheint dieses ganze Thema gar nicht so schwer zu wiegen. Das ist keine Empfehlung, sich zwei Wohnungen zu nehmen — das mache ich ganz sicher nicht. Aber es sagt mir etwas darüber, was Abstand mit einem Gespräch macht. Vielleicht sollten wir einfach mal wieder telefonieren. Oder ins Café gehen, wo man sich schlecht streiten kann, weil zu viele Leute drumherum sitzen. Ich habe da noch ein paar Ideen, wie man wieder in die Kommunikation kommt und nicht das Gefühl hat, dass der andere weit weg ist, obwohl er neben einem sitzt. Wenn du diese Folge hörst und dabei an eine bestimmte Freundin denkst — schick sie ihr. Genau dafür ist sie gemacht.

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حول

Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert. Ich bin nicht kaputt. Ich funktioniere anders als früher. Das hat mir nur nie eine gesagt. Saftig. Endlich sagt es eine. Muttertag, abends. Er fängt an. Mein Körper antwortet nicht. Ich liege da, warte, dass irgendwas kommt, und sortiere im Kopf schon die Sätze, mit denen ich es ihm nachher erkläre. Fünf Sätze hatte ich für ihn. Keinen für mich. Manchmal ist das zum Heulen. Öfter, als ich dachte, ist es zum Lachen. Neulich bin ich nackt durch unseren Flur gelaufen und habe so getan, als wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Auch davon erzähle ich. Ich bin Susanne. Ich sage das, was keine sagt. Von Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt — wenn überhaupt. Von Sex in einer langen Beziehung. Vom Blick in den Spiegel, morgens. Davon, wie ich mich selbst befriedige, und warum ich darüber nie geredet habe. Und von den Abenden, an denen es plötzlich wieder gut ist. Perimenopause, Wechseljahre — die Wörter kamen bei mir später als das Gefühl. Und sie erklären nicht, warum ich mich selbst nicht mehr erkenne. Es ist anders geworden. Nicht schlimmer. Ehrlicher. Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die nachts googeln und tagsüber nichts sagen. Fang mit Folge 1 an: Ich habe aufgehört anzufangen." Danach weißt du, ob wir uns kennen. Ich bin Susanne.