kein Orgasmus beim Sex — Shownotes Episode 028 Der Mann hatte einen Orgasmus, und für mich war es auch ganz nett. Diesen Satz habe ich früher belächelt. Heute, Mitte 40, weiß ich, dass ich ihn jahrelang selbst gesagt habe. Vor über zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich über diesen Satz einmal nachdenken würde. Damals fand ich ihn absurd — es muss doch Spaß machen, dachte ich, das kann doch gar nicht sein. Wenn ich mich heute einen Tacken ehrlicher betrachte, sehe ich das anders. Denn ich habe über Jahre genau so gelebt: Sex, bei dem er kam, und ich fand es schön genug, um nichts zu sagen. Kein Orgasmus beim Sex war nichts, worüber ich mich beschwert hätte. Es war der Normalzustand, für den ich mir auch noch eine Entschuldigung zurechtgelegt habe. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich erzähle in dieser Folge meine eigene Partnerkette. Am Anfang war der Sex mit jedem Neuen gut, weil alles neu war. Dann wurde er anders, auch gut, mit dem einen oder anderen Orgasmus — aber nicht regelmäßig und vor allem nicht immer. Also habe ich gewechselt. Und wieder. Und nochmal. Jedes Mal in der Hoffnung, dass es diesmal der Sex ist, der mir meinen regelmäßigen Orgasmus bringt. Ich habe sogar in die SM-Szene hineingeschaut, um zu prüfen, ob Fesseln, Schläge, Schmerz das sind, was mich dahin bringen. Das Ergebnis war dasselbe wie überall sonst: Der Mann ist gekommen. Danach ging es zurück in braven Blümchensex zu Hause. Ich habe immer gesagt, ich gehöre nicht zu den Frauen, die mit über 40 ihren ersten Orgasmus erleben — und das stimmte auch, meinen ersten hatte ich in den Zwanzigern. Nur hat mir diese Rechnung kein einziges Mal geholfen. Sie hat mir bloß erlaubt, alles beim Alten zu lassen. Die Entschuldigung, die ich mit mir rumgeschleppt habe — er kommt, das ist ein Orgasmus, und für mich war es ja auch schön. Ein ganzer Satz, gebaut, damit nichts fehlt. Fünfzehn Minuten, in denen es einmal nur um mich ging — ich habe meinen damaligen Partner dazu überredet. Er ist dabei eingeschlafen und hat es hinterher bestritten. Was Männer nach dem Sex haben und wir nicht — sie sind befriedigt, glücklich, das Testosteron kommt, sie fühlen sich männlicher. Und wir sitzen daneben und denken: ja, es war halt nett. Warum wir es allein in fünf Minuten schaffen — weil wir wissen, wo wir hingreifen. Wir diskutieren nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem beschreiben, mehr rechts, mehr links, mehr oben, mehr unten. Die Erkenntnis, die mich am meisten trifft — dass ich das alles erst jetzt sehe, nach Jahrzehnten, in denen mich das Thema Sex durchgehend beschäftigt hat. Ich war nie desinteressiert. Ich war nur nie an der Reihe. Diese Folge löst nichts auf. Sie stellt fest, was da war, wie lange es da war und wie gut ich mich daran gewöhnt hatte. Ich finde das traurig, und ich finde es krass, und beides gleichzeitig ist gerade der ehrlichste Punkt, an dem ich stehe. Shownotes und Episodendetails Es gibt einen Unterschied zwischen etwas verlieren und etwas abschreiben. Verloren geht etwas ohne mein Zutun. Abgeschrieben habe ich selbst — leise, über Jahre, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, mir am wenigsten. Und weil niemand widerspricht, wenn eine Frau sagt, es war schön, klingt das Abschreiben von außen wie Zufriedenheit. Ich wollte immer wissen, wie es sich für andere anfühlt Mich beschäftigt das Thema Sex seit Jahrzehnten, eigentlich schon immer. Ich wollte wissen, wie alles funktioniert, wie sich eine Berührung anfühlt, wie sie sich für mich anfühlt. Und noch mehr hat mich interessiert, wie es sich für andere anfühlt. Spüren die dasselbe? Spüren die etwas ganz anderes? Man sieht ja an Periodenschmerzen, wie unterschiedlich Körper sind — die einen liegen flach, die anderen merken kaum etwas. So unterschiedlich stelle ich mir auch das Gefühl beim Sex vor. Und das fand ich erschreckend. Weil ich nie erfahren habe, wo ich in diesem Spektrum eigentlich stehe. Ich habe es auch einmal mit einer Frau versucht und war vom Ergebnis enttäuscht. Immerhin sind wir da zu zweit nicht gekommen und nicht wie sonst nur ich. Die fünfzehn Minuten, in denen er eingeschlafen ist In einer Beziehung war ich irgendwann so weit, dass ich gesagt habe: Es muss doch eine Lösung geben, damit wir Frauen erfüllter sind. Ich hatte etwas gefunden, bei dem man sich fünfzehn Minuten lang ausschließlich um die Frau kümmert — eine Stelle, immer gleichbleibend, ohne schneller oder stärker zu werden. Fünfzehn Minuten. Ich habe meinen damaligen Partner überredet, das mit mir zu machen. Ich lag da, er hat angefangen, und ich dachte noch: oh, interessant. Es ging überhaupt nicht darum, dass ich etwas Außergewöhnliches spüre oder einen Orgasmus bekomme. Es ging nur um dieses Dafür-da-Sein. Und dann hörte sein Finger auf, sich zu bewegen. Ich habe mit dem Becken gewackelt. Hat nicht geholfen. Ich habe mich geräuspert, so als hätte sich im Liegen Spucke verhakt. Dann machte er weiter, als wäre nichts gewesen — und bestand hinterher darauf, dass er nicht eingeschlafen sei, er sei nur kurz abwesend gewesen. Ich habe das Thema danach wieder weggelegt. Warum es allein fünf Minuten dauert Ich habe letztens jemanden gehört, der sagte: Wir Frauen kommen doch auch, wenn wir es uns selber machen, da dauert es fünf Minuten. Darüber musste ich kichern, weil es genau so ist — und weil der Grund niemanden interessiert. Wir wissen, wo wir hingreifen. Wir merken, wenn wir etwas anders wollen, und dann ändern wir es einfach. Wir diskutieren es nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem sagen: nein, mein rechts, nicht dein rechts. Mit meinem jetzigen Partner ist genau diese Rechts-Links-Arie gelaufen, bis er mir einfach manchmal die Handführung überlässt und sich um den Rest kümmert. Besser ist das vielleicht. Traurig ist es trotzdem. Was bleibt, ist die Feststellung, dass ich mit Mitte 40 erst merke, wie viele Orgasmen an mir vorbeigegangen sind. Nicht weil mein Körper nicht konnte. Weil ich aufgehört hatte, damit zu rechnen. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonnier Saftig. Ich bin noch nicht fertig — du wahrscheinlich auch nicht.