Mit Daniel Hess:Wer verstehen will, wie die Menschen am Beginn der Neuzeit auf die Welt geblickt haben, der sollte sich den Behaim-Globus anschauen. 1493 holte sich der Nürnberger Kaufmann Martin Behaim den Auftrag der Stadt Nürnberg, eine Weltkugel herzustellen. Der Globus hat einen Durchmesser von 51 cm. Darauf bildeten Nürnberger Experten die Geografie der damals bekannten Welt ab. In dem Jahr, in dem der Behaim-Globus der Öffentlichkeit präsentiert wurde, teilten Portugal und Spanien die damals bekannte Welt unter sich auf. Der Papst protokollierte 1494 im Vertrag von Tordesillas die Aufteilung der Welt. Die Welt links eines bestimmten Längengrades stand Spanien zu (das war im Wesentlichen der amerikanische Kontinent) und die Welt rechts davon (Afrika, Asien und Indien) fiel an Portugal. Da hatte die Kolonialzeit schon begonnen. Der Behaimglobus zeigt, dass auch die deutschen Händler ihren Anteil daran hatten. Minutiös sind die Waren eingezeichnet, die man an den verschiedenen Orten der Welt kaufen erwerben kann. Über die Anfangszeiten der europäischen Expansion und die Rolle Nürnbergs als europäischer Handelstadt spreche ich mit Prof. Daniel Hess dem Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Die handelnden Personen in dieser Folge: Martin Behaim (1449-1507), Nürnberger Kaufmann, der am portugiesischen Hof Karriere machte, holte sich 1493 von der Stadt Nürnberg den Auftrag, einen Globus herstellen zu lassen und die Waren der Welt darain zu verzeichnen. Der Behaimglobus ist der Werke aus der Wiege des Buchdrucksälteste erhaltene Globus der Welt. Heinrich der Seefahrer (1394-1460), portugiesischer Prinz, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Westküse Afrikas mit Segelschiffen zu erkunden. Er selbst blieb immer am Land, war aber ein wichtiger Initiator der europäischen Expansion. Bartholomeu Dias (1450-1500), portugiesischer Kapitän, der als erster Europäer die Südspitze Afrikas unsegelte und damit den Seeweg nach Indien entdeckte. Hartmann Schedel (1440-1514), deutscher Arzt und Gelehrter, der 1493 in Nürnberg eine Weltchronik publizierte. Sie erzählte die damals bekannte Geschichte der Welt bis in die Gegenwart. Die 700 Seiten starke illustrierte Weltgeschichte ist eines der bedeutensten Werke aus der Wiege des Buchdrucks. Albrecht Dürer (1471-1528), der berühmteste deutsche Renaissance-Künstler lebte in Nürnberg. Dort fertigte er den berühmten Holzschnitt eines Rhinozeros an, ohne ein solches Tier je gesehen zu haben. Christoph Columbus (1451-1506), im Auftrag der spanischen Krone entdeckte der Seefahrer 1492 Amerika. Bis zu seinem Tod wußte er nicht, dass es sich um einen unbekannten Kontinent handelte. Er starb in dem Glauben, den Seeweg nach Indien entdeckt zu haben. Amerigo Vespucci (1454-1512), der Italienische Kaufmann und Seefahrer erkundete die Ostküste Amerikas und stellte als erster fest, dass es sich um einen eigenen Kontinent handelt. Deshalb ist der Kontinent nach ihm benannt. Marco Polo (1254-1326), venezianischer Reisekaufmann. Zwei Jahrzehnte lang bereiste er Asien. Seine Lebenserinnerungen inspirierten Kartographen und Entdecker noch viele Jahrhunderte später. Batholomé de las Casas (1484-1566), spanischer Theologe, der als erster die Misshandlung der indigenen Völker in den spanischen Kolonien anprangerte. Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Philosoph und Schriftsteller. Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. #Mittelalter #Deutschland # Westeuropa #Europa