Warum wurde Texas nach dem Bürgerkrieg zum vielleicht wildesten Pflaster des gesamten Westens? Warum häuften sich dort Schießereien, Gesetzlosigkeit und politische Gewalt gerade in den Jahren nach 1865 so extrem? Die Antwort liegt in einer Zeit, welche die USA zum Teil noch bis heute prägt: der Reconstruction. Als der Bürgerkrieg 1865 endete, war Texas zwar wieder Teil der Vereinigten Staaten, aber von Stabilität konnte keine Rede sein. Die Sklaverei war abgeschafft, doch damit war die Frage längst nicht geklärt, wie ehemalige konföderierte Staaten wieder in die Union eingegliedert werden sollten - und was die neu gewonnene Freiheit für Millionen ehemaliger Sklaven tatsächlich bedeutete. In Texas trafen militärische Besatzung, politische Machtkämpfe in Washington, alte Sezessionisten, neue republikanische Amtsträger, rassistische Gewalt, wirtschaftliche Krisen und ein weitgehend zusammengebrochenes Rechtssystem aufeinander. Das Ergebnis war ein Staat im Ausnahmezustand: ganze Landstriche blieben ohne Sheriffs oder sonstige Gesetzeshüter, Richter wurden aus dem Amt entfernt, eine State Police wurde aufgebaut, verhasst und wieder demontiert, während Ku-Klux-Klan und andere Terrorgruppen im Hintergrund mitmischten. Gleichzeitig legten Rinderboom, Eisenbahnausbau und Homestead-Politik den Grundstein für den Aufstieg von Texas - und für viele jener Zustände, die wir heute mit dem Wilden Westen verbinden. In dieser Folge besprechen Jörg und Sibi, warum die Reconstruction in Texas so konfliktreich verlief, wie Black Codes und Rassentrennung direkt an die abgeschaffte Sklaverei anknüpften, weshalb ausgerechnet in dieser Zeit so viele Schwarze als Cowboys arbeiteten und warum Texas zwischen 1865 und 1876 zu einem Brennpunkt von Gewalt, Umbruch und Neuanfang wurde. Es ist die Geschichte eines Staates zwischen Niederlage und Neuaufstieg - und einer Epoche, in der entschieden wurde, was Freiheit, Ordnung und Zugehörigkeit im amerikanischen Westen überhaupt bedeuten sollten. 00:00 - Intro und Einleitung 01:12 - Reconstruction: Der Status der Konföderationsstaaten nach dem Bürgerkrieg 07:46 - Andrew Johnsons Reconstruction: Militärgouverneure und schnelle Neuwahlen 09:37 - Gouverneur Andrew J. Hamilton, der neue Texanische Kogress, und Widrigkeiten beim Neubeginn 13:07 - Die Wahlen 1866: Ex-Konföderierte wieder an den Hebeln der Macht 16:18 - Sklaverei unter neuem Namen... Die "Black Codes" 21:40 - Erste Segregation, Freedmen’s Bureau und getrennte Schulen 26:30 - Der Kongress stellt sich gegen Präsident Johnson 29:06 - Der Reconstruction Act von 1867 31:40 - Texas unter Militärverwaltung: Ämtersäuberungen und politische Neuordnung 34:17 - Gesetzlosigkeit in Texas: fehlende Sheriffs, fehlende Rangers 38:31 - Gouverneur Edmund J. Davis: Texas State Police, Frontier-Gewalt und Konflikte mit Natives 42:17 - Homesteads, Jobs und politische Ämter: Die schwierige Integration der Freedmen 45:20 - Gouverneur Richard Coke, Redeemers und das Ende der Reconstruction in Texas 50:08 - Rinderboom und schwarze Cowboys 55:08 - Nachwirkungen bis ins 20. Jahrhundert 58:01 - Verabschiedung und Ausblick aufs nächste Mal #wildwest #wilderwesten #texas #reconstruction #civilwar #blackcodes #andrewjohnson #gesetzlose #texasrangers #cowboys