Wirtschaft im Osten

Wolfgang Brinkschulte

Wirtschaft im Osten ist der Podcast zur Lage in Ostdeutschland. Wir sprechen über den Wirtschaftsstandort, über Chancen und Herausforderungen und über Themen, die relevant sind. Wirtschaft im Osten will informieren und inspirieren. Und motivieren, hinzuhören und hinzuschauen, was sich heute tut in den ostdeutschen Bundesländern. Zu Wort kommen Menschen aus Unternehmen und Wissenschaft, aus Verbänden und Politik. Und Gründer mit Ideen für eine gute Zukunft. Wirtschaft im Osten ist ein unabhängiges Angebot des Leipziger Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Brinkschulte.

  1. Perspektiven für Sachsen-Anhalt

    1d ago

    Perspektiven für Sachsen-Anhalt

    Marco Langhof, Arbeitgeberpräsident in Sachsen-Anhalt, zieht im Gespräch mit "Wirtschaft im Osten" eine sehr differenzierte Bilanz: auch wenn sich die Stimmung in der Wirtschaft nach Studien leicht aufhelle, sei das durch Konsolidierung, Stellenabbau und eine Industrie, die unter den höchsten Energiekosten aller Bundes-länder leide, hart errungen. Im Ranking der energieintensivsten Industrien nach Bundesländern stehe Sachsen-Anhalt auf Platz zwei. Die meisten Arbeitsplätze hingen an energieintensiven Branchen.  Gleichzeitig sieht Langhof in Sachsen-Anhalt enormes Potenzial, das bislang häufig unterschätzt werde. Es verfüge über die produktivste Landwirtschaft Deutschlands, große Lithiumvorkommen, über die kaum jemand rede, und in Cochstedt das Drohnenerprobungszentrum. Hier gelte es, Wertschöpfung zu vertiefen und neue Produkte zu entwickeln. Von besonderer Bedeutung seien die Industriestandorte. Sachsen-Anhalt sei Chemieland mit einem erheblichen Teil der Wertschöpfung. Berücksichtigen müsse man auch, dass es im Bundesland keine Konzernzentralen gebe. So würden eben die Entscheidungen „nicht hier“ getroffen. „Das würde uns natürlich enorm helfen, auch nur eine einzige davon hier zu haben“, sagt Langhof.   Daher sei es wichtig, dafür sorgen, dass die Entscheidungen, die anderswo getroffen würden, auf günstige Rahmenbedingungen träfen. Es gehe um die Frage, tauge der Standort Sachsen-Anhalt oder nicht, und da dürfe man nicht verlieren.    Im Wettbewerb der Hochlohnstandorte gegen die Bestlohnstandorte müsse man die richtigen Randbedingungen formen und an den Energiepreisen arbeiten. Auch die Frage der Innovationsentwicklung müsse man beantworten. So gehe es um eine geschickte Verknüpfung von Wissenschaft und Innovation und die Herausforderung, kleine Unternehmen groß zu machen.   Schließlich gebe es in Sachsen-Anhalt eine Reihe von Unternehmen mit mehreren tausend Beschäftigten, die „ganz still und bescheiden vor sich hingewachsen“ seien. Das müsse man vervielfältigen.   Auch wenn Intel nicht geklappt habe, habe man es geschafft, sich auf die Weltkarte der Technologie zu beamen. Dass Intel den Standort schon mal für gut befunden habe, zeige, was das Land tun könne.   Von der Bundespolitik zeigt sich Langhof enttäuscht. Scharf kritisiert er die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung seines Bundeslandes, gerade in Bezug auf die bevorstehende Landtagswahl. Gezielte Investitionen seien wünschenswert gewesen, doch nichts dergleichen sei zu sehen. Zur Wahl selbst warnt Langhof vor wirtschaftsfeindlichen Tendenzen an den politischen Rändern. Besonders kritisch sieht er die AfD-Position zu einer sogenannten kulturfremden Arbeitsmigration. Wenn „das zur Politik werden würde, dann hätten wir tatsächlich ein großes Problem“, erläutert Langhof. Eine Wahlempfehlung gibt er als Verbandspräsident nicht ab, doch sein Wunsch ist klar: schnell eine handlungsfähige, fachkompetente und wirtschaftsfreundliche Regierung, ohne lange Hängepartien und ohne Beteiligung von Extremisten.

    44 min
  2. Mehr Wertschätzung für Unternehmertum

    Jun 13

    Mehr Wertschätzung für Unternehmertum

    Fehlende Wertschätzung für Unternehmertum, ein negatives Kapitalismusbild und ausgeprägte Bildungs-lücken, das diagnostiziert der Präsident des Unternehmerverbandes Sachsen, Dietrich Enk, im Podcast-Gespräch mit „Wirtschaft im Osten“. Unternehmertum als Basis der Gesellschaft werde nur unzureichend verstanden. Er selbst mache oft die Erfahrung, dass Unternehmertum abgelehnt oder gar unter Verdacht gestellt werde, insbesondere bei Behörden. Das sei ein Kernproblem. Der Leipziger Unternehmer Enk halte dies auch für eine Sozialisationsfrage, und wie unsere Wohlstands-gesellschaft auf Unternehmertum blicke. Gerade im Kontakt mit Behörden komme man da schnell zu Verständnisproblemen. Foto Dietrich Enk © Raphael Heimann Die Lage der kleinen und mittleren Unternehmen in Sachsen und Ostdeutschland ist nach Einschätzung des Verbandspräsidenten auf einem Tiefpunkt angelangt. Lieferkettenprobleme, gestiegene Energiepreise und eine schwache Auftragslage träfen gleichzeitig aufeinander. Mit der aktuellen Politik geht Enk hart ins Gericht. Die Kosten der Arbeit, insbesondere für den Mittelstand und die KMUs, seien ausgeartet, müssten mindestens um 30 % gesenkt werden. Viele Unternehmer würden eine Politik wahrnehmen, die zum Selbstzweck geworden sei, sich nur um sich selbst drehe und die Bedürfnisse der Unternehmen verkenne. Das halte er für ein regelrechtes Kulturproblem. Um als Wirtschaftsnation wieder zukunftsfähig zu werden, müssten althergebrachte Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen auf den Prüfstand, wenn sie zum Selbstzweck verkommen seien. Man müsse Dinge eher auf Zeit betrachten. Investitionen in einem Unternehmen mache man ja auch mit dem Ziel, in einigen Jahren etwas zu erreichen, und sich nichts ans Bein zu binden, was einen Jahrzehnte blockiere. Damit hätten die Deutschen, so Enk, ein totales Thema, flexibler zu sein und auch etwas selbstloser. Schließ-lich sei er vor fast dreißig Jahren Unternehmer geworden mit Gedanken an Freiheit und Marktwirtschaft. Ein unerwartet offenes Gespräch über Grundsatzfragen von Haltung, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    49 min

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