Marco Langhof, Arbeitgeberpräsident in Sachsen-Anhalt, zieht im Gespräch mit "Wirtschaft im Osten" eine sehr differenzierte Bilanz: auch wenn sich die Stimmung in der Wirtschaft nach Studien leicht aufhelle, sei das durch Konsolidierung, Stellenabbau und eine Industrie, die unter den höchsten Energiekosten aller Bundes-länder leide, hart errungen. Im Ranking der energieintensivsten Industrien nach Bundesländern stehe Sachsen-Anhalt auf Platz zwei. Die meisten Arbeitsplätze hingen an energieintensiven Branchen. Gleichzeitig sieht Langhof in Sachsen-Anhalt enormes Potenzial, das bislang häufig unterschätzt werde. Es verfüge über die produktivste Landwirtschaft Deutschlands, große Lithiumvorkommen, über die kaum jemand rede, und in Cochstedt das Drohnenerprobungszentrum. Hier gelte es, Wertschöpfung zu vertiefen und neue Produkte zu entwickeln. Von besonderer Bedeutung seien die Industriestandorte. Sachsen-Anhalt sei Chemieland mit einem erheblichen Teil der Wertschöpfung. Berücksichtigen müsse man auch, dass es im Bundesland keine Konzernzentralen gebe. So würden eben die Entscheidungen „nicht hier“ getroffen. „Das würde uns natürlich enorm helfen, auch nur eine einzige davon hier zu haben“, sagt Langhof. Daher sei es wichtig, dafür sorgen, dass die Entscheidungen, die anderswo getroffen würden, auf günstige Rahmenbedingungen träfen. Es gehe um die Frage, tauge der Standort Sachsen-Anhalt oder nicht, und da dürfe man nicht verlieren. Im Wettbewerb der Hochlohnstandorte gegen die Bestlohnstandorte müsse man die richtigen Randbedingungen formen und an den Energiepreisen arbeiten. Auch die Frage der Innovationsentwicklung müsse man beantworten. So gehe es um eine geschickte Verknüpfung von Wissenschaft und Innovation und die Herausforderung, kleine Unternehmen groß zu machen. Schließlich gebe es in Sachsen-Anhalt eine Reihe von Unternehmen mit mehreren tausend Beschäftigten, die „ganz still und bescheiden vor sich hingewachsen“ seien. Das müsse man vervielfältigen. Auch wenn Intel nicht geklappt habe, habe man es geschafft, sich auf die Weltkarte der Technologie zu beamen. Dass Intel den Standort schon mal für gut befunden habe, zeige, was das Land tun könne. Von der Bundespolitik zeigt sich Langhof enttäuscht. Scharf kritisiert er die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung seines Bundeslandes, gerade in Bezug auf die bevorstehende Landtagswahl. Gezielte Investitionen seien wünschenswert gewesen, doch nichts dergleichen sei zu sehen. Zur Wahl selbst warnt Langhof vor wirtschaftsfeindlichen Tendenzen an den politischen Rändern. Besonders kritisch sieht er die AfD-Position zu einer sogenannten kulturfremden Arbeitsmigration. Wenn „das zur Politik werden würde, dann hätten wir tatsächlich ein großes Problem“, erläutert Langhof. Eine Wahlempfehlung gibt er als Verbandspräsident nicht ab, doch sein Wunsch ist klar: schnell eine handlungsfähige, fachkompetente und wirtschaftsfreundliche Regierung, ohne lange Hängepartien und ohne Beteiligung von Extremisten.