Die sechste Staffel des Podcasts Lebende Legenden erzählt das Leben von Franz Vranitzky, österreichischem Politiker und Sozialdemokrat, geboren 1937 in Wien. Von 1986 bis 1997 ist er österreichischer Bundeskanzler. Die erste Folge erzählt von seiner Kindheit unterm Hakenkreuz in Wien-Hernals und von den Jahren, in denen er als Bundeskanzler einem Bundespräsidenten gegenübersitzt, mit dem kein westliches Staatsoberhaupt mehr reden will. Der Leitspruch der Familie: Franz Vranitzkys Vater, ebenfalls Franz, ist Eisengießer und Sozialdemokrat. Seit Kriegsbeginn 1939 ist er als Soldat der deutschen Wehrmacht an der Front, nur selten auf Heimaturlaub zu Hause. Seine Kindheit verbringt Franz Vranitzky deshalb hauptsächlich mit seiner Mutter Rosa. Der Vater prägt trotzdem den Leitspruch der Familie: "Die Nazi sind a Gsindel". Als die Volksschule im Herbst 1944 Wintermützen mit Hakenkreuz-Kokarde verteilt, trennt Rosa Vranitzky das Hakenkreuz mit der Schere ab. Schulwart und Oberlehrer bestellen sie deswegen ein und beschimpfen sie – Rosa Vranitzky lässt sich nicht beeindrucken.. Villa in Dornbach: Rosa Vranitzky arbeitet als Hausgehilfin und Hausbesorgerin in einer Villa in Wien-Dornbach. Die Besitzerfamilie sind überzeugte Nationalsozialisten, im Stiegenhaus grüßt man mit Heil Hitler. Der kleine Franz Vranitzky grüßt nicht mit, die Hausherren beschweren sich deshalb bei seiner Mutter. Während der Bombenangriffe ab 1942/43 nimmt Rosa Vranitzky trotzdem ein jüdisches Ehepaar aus der Nachbarschaft mit in den gemeinsamen Keller. Sie selbst stammt aus dem burgenländischen Lackenbach, einer der sogenannten Sieben Gemeinden mit großer jüdischer Bevölkerung – die Nationalsozialisten zerstörten diese Gemeinden 1938. Waldheim, Sinowatz und die Isolation: 1986 kandidiert Kurt Waldheim, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen, für die ÖVP als Bundespräsident. Im Wahlkampf kommt heraus, dass er seine Jahre als Wehrmachtsoffizier auf dem Balkan verschwiegen hat. Am 8. Juni 1986 gewinnt Waldheim die Stichwahl, tags darauf tritt Bundeskanzler Fred Sinowatz zurück. Am 16. Juni 1986 wird Franz Vranitzky Bundeskanzler – und übernimmt damit die Auseinandersetzung um einen Bundespräsidenten, den die westliche Welt meidet. In Wien demonstrieren Zehntausende gegen Waldheim, der Bildhauer Alfred Hrdlicka baut Sinowatz' Spott über die SA-Reiterstandarte in Holz nach: ein Pferd mit SA-Kappe. Im April 1987 setzen die USA Waldheim auf die Watchlist. Vranitzky fliegt daraufhin zu US-Präsident Ronald Reagan, der ihm sagt, er habe nichts gegen Österreich, nur gegen Waldheim. Der Bericht der Historikerkommission: Auf Waldheims eigenen Wunsch setzt die Bundesregierung im Mai 1987 eine internationale Historikerkommission ein, sieben Historiker aus sieben Ländern, darunter Israel und die USA. Im Februar 1988 übergibt sie ihren Bericht an Bundeskanzler Franz Vranitzky: Waldheim sei an keinen Verbrechen beteiligt gewesen, habe aber von Mordbefehlen und Deportationen gewusst und über seine eigene Vergangenheit falsche Angaben gemacht. Waldheim fordert Vranitzky auf, den Bericht zurückzuziehen, Vranitzky lehnt ab. Waldheim bleibt bis zum Ende seiner sechsjährigen Amtszeit Bundespräsident, verzichtet aber auf eine zweite Kandidatur – das persönliche Verhältnis zu Vranitzky bleibt bis zuletzt frostig. Die Rede vom 8. Juli 1991: Während in Jugoslawien mit dem Zerfall des Staates ein neuer Krieg beginnt, hält Franz Vranitzky am 8. Juli 1991 im Parlament eine historische Rede. Erstmals bekennt ein österreichischer Bundeskanzler die Mitschuld von Österreicherinnen und Österreichern an den Verbrechen des Nationalsozialismus – und bricht damit mit der bis dahin offiziellen Erzählung, Österreich sei nur das erste Opfer Hitlers gewesen. 1993 wiederholt Vranitzky die Gedanken bei einem offiziellen Besuch in Israel, dem ersten eines österreichischen Bundeskanzlers, und erhält dort ein Ehrendoktorat der Hebräischen Universität Jerusalem. Nahost in der Gegenwart: Am 7. Oktober 2023 überfallen Terroristen der Hamas Israel, ermorden 1.195 Menschen und verschleppen mehr als 200 Geiseln nach Gaza. Auch dazu äußert sich Franz Vranitzky im Gespräch. Er verurteile Antisemitismus uneingeschränkt, könne aber auch das Vorgehen der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung nicht billigen. Sein Appell: die Sensibilität im Umgang mit dem Schicksal vieler Menschen nicht zu verlieren. ___________________________ ÜBER LEBENDE LEGENDEN. In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt. Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu. • Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. • Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat. • Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt. • Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann. BLEIBEN WIR IN KONTAKT. Gefällt dir der Podcast? Wir freuen uns über eine positive Bewertung! Feedback oder Legenden-Vorschläge an: office@storytime-media.at Folge uns auf Instagram: @lebendelegenden_podcast _____________________________________ Eine Produktion von Storytime MEDIA. 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