Am Samstag haben wir mit vielen hundert Menschen in Dortmund ein wunderschönes Fest gefeiert. Und dabei ging es um ein Todesjahr. Vor genau 800 Jahren ist Franziskus von Assisi gestorben und der Titel des Festes war: 800 Jahre einfach leben – Franz von Assisi.Also nicht den Tod feiern, sondern das einfache Leben dieses beeindruckenden Menschen, der in den Wirren am Ende des zwölften und am Anfang des Dreizehnten Jahrhunderts so vieles so anders gemacht hat, dass er bis heute nicht vergessen ist und unendlich viele Menschen in ihm ein Vorbild sehen, eben auch für ein einfaches Leben.Das Theaterstück zum Beginn des Festes zeigte einige witzige Szenen. Zwei jugendliche Touristen spazieren durch Assisi und plaudern über diesen komischen Typen, der damals seine coolen Klamotten gegen ein Gewand eintauscht, das wie ein Kartoffelsack aussieht. Der scheinbar von Jesus vom Kreuz herab persönlich den Auftrag zum Kirchenbau bekommt, ob wohl er davon keine Ahnung hat. Und zwei dieser Kirchen stehen bis heute. Und die Schauspieler, eine Truppe junger Erwachsender, machen in pantomimischen Szenen, die beeindruckend synchron getextet werden, deutlich, wie Franziskus im Laufe der Zeit immer besser versteht, dass er die Kirche gestalten soll, die aus Menschen besteht, die der Hilfe bedürfen. Ein Gespräch auf der Bühne mit einem Franziskanerbruder und dem Bruder Bischof, dem Paderborner Erzbischof Benz, aktualisiert diese uralten Geschichten in die Gegenwart. Zum Schluss des Festes gab es beim Wortgottesdienst eine Szene, die mich zutiefst beeindruckt hat. Das Gebet um den Frieden, dass Franziskus so sehr am Herzen lag, und in dem auch der Opfer der Attentate vom 11. September 2001 gedacht wurde, wurde von einer Frau gelesen, in der Version, die es seit dem ersten Weltkrieg gibt. Und eine zweite Version, die von einem muslimischen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert stammt, gelesen von einem muslimischen jungen Mann. Das waren die stillsten Minuten dieses Tages. Und da wurde mir deutlich, was Stille mitten in einer Großstadt, mitten in einem Fest, mit vielen hundert Menschen bedeuten kann: Pause, Aufatmen, Hören, Schweigen, Aufnehmen, Staunen, nachhallen lassen. Unglaublich eindrucksvoll. Und nach der Einzelsegnung aller, die das für sich annehmen wollten, und den Liedern dazu und dem Abschluss und dem Adieu, blieb eine beschwingte Leichtigkeit und eine heitere Gelassenheit, die so wohltuend war, wie es Franziskus vielleicht erahnt hat – mit dem Wunsch zum einfach leben.