In aller Ruhe

Die Krisen überschlagen und verbinden sich: Pandemie, Klima, russischer Angriffskrieg. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz stellen die Gesellschaft vor immer neue Herausforderungen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Es lohnt sich deshalb, aus der schnellen Aktualität und der eigenen Perspektive auf die Welt auszutreten. Philosophin, Publizistin und SZ-Kolumnistin Carolin Emcke spricht in diesem Podcast dafür mit Aktivistinnen, Autoren, Künstlerinnen oder Wissenschaftlern über politisch-philosophischen Fragen hinter aktuellen Ereignissen und sortiert mit ihnen große gesellschaftliche Debatten. Die Folgen erscheinen alle zwei Wochen ab dem 25. Februar 2023.

  1. „Posttraumatisches Wachstum“ – Yuriy Nesterko über das Überleben nach dem Krieg

    21 HR AGO • SZ PLUS ONLY

    „Posttraumatisches Wachstum“ – Yuriy Nesterko über das Überleben nach dem Krieg

    Wie können Kriegstraumata behandelt werden? Der Psychologe Yuriy Nesterko spricht im Podcast über die Folgen von Folter und die Schönheit der Resilienz. Jeder Krieg hinterlässt seelische Wunden. Die sind behandelbar, doch häufig fehlt Betroffenen eine Stelle, an die sie sich wenden können. Eine Option ist das „Zentrum Überleben“ mit Sitz in Berlin. Die Organisation setzt sich international für Menschen ein, die Folter und Kriegsgewalt überlebt haben, und bietet dabei sowohl medizinisch-psychotherapeutische Hilfe als auch Unterstützung durch Sozialarbeitende. Jedes Jahr werden dort Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus mehr als 40 Ländern betreut. Über die Behandlung von Kriegstraumata spricht Moderatorin Carolin Emcke im Podcast mit dem Psychologen Yuriy Nesterko. Beim „Zentrum Überleben“ forscht er zu den psychischen Belastungen von Geflüchteten und den Folgen von sexualisierter Gewalt im Krieg. Nesterko ist seit 2022 einer der Co-Leiter der wissenschaftlichen Abteilung für Trauma und Transkulturalität beim „Zentrum Überleben“. Außerdem arbeitet er an der Universität Leipzig. Dort leitet der Psychologe seit 2014 die Arbeitsgruppe Psychotraumatologie und Migrationsforschung an der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. Nesterko erzählt im Podcast von Begegnungen mit Klienten, die im Krieg Folter, Gefangenschaft oder sexualisierte Gewalt erlebt haben. „Wenn wir davon ausgehen, dass Kriege und Konflikte Ausdruck von Überlegenheit und Machtdemonstrationen sind, dann müssen wir davon ausgehen, dass sexualisierte Gewalt in jedem Krieg schon mal stattgefunden hat.“ Dass häufig auch Männer Opfer von sexualisiert Gewalt werden, etwa Soldaten in Kriegsgefangenschaft, sei dabei vielen Menschen nicht bewusst. Betroffenen falle es schwer, über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen. Je stärker eine Gesellschaft von traditionellen Männlichkeitsbildern geprägt sei, desto mehr erfahren Betroffene sexualisierte Gewalt als ultimative Demütigung, erklärt der Psychologe: „Ein Mann, der sexualisierter Gewalt ausgesetzt wurde, verliert in der Logik dieser besonderen Männlichkeit eben seine Männlichkeitsattribute.“ Was den Betroffenen helfen kann, ihre Gewalterfahrungen zu verarbeiten, und wie Traumata entstehen – darüber spricht Yuriy Nesterko ausführlich im Podcast. Und es geht im Gespräch mit Carolin Emcke auch darum, wie populistische Diskurse und Anti-Migrations-Rhetorik die Arbeit des „Zentrum Überleben“ erschweren. Das hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de, in der SZ-Nachrichtenapp und auf Spotify. Empfehlung von Yuriy Nesterko: Yuriy Nesterko empfiehlt den Auftritt der spanischen Künstlerin Rosalía bei den diesjährigen Brit Awards, der ihn tief beeindruckt hat. Gemeinsam mit Björk und einem Tanzkollektiv führte Rosalía dort „Berghain“ auf, ein Lied von ihrem aktuellen Album „Lux“. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Marcus Heep Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1hr 22min
  2. „Klare Machtdynamiken“ – Sylvia Haller bei Carolin Emcke über Gewalt in Partnerschaften

    2 APR • SZ PLUS ONLY

    „Klare Machtdynamiken“ – Sylvia Haller bei Carolin Emcke über Gewalt in Partnerschaften

    Sylvia Haller arbeitet in einem Frauenhaus. Im Podcast spricht sie darüber, wie finanzielle Zwänge ihre Arbeit einschränken. Und warum häusliche Gewalt häufig übersehen wird. Frauenhäuser sind wichtige Zufluchtsorte für Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind. Ohne sie hätten viele Frauen keine Möglichkeit, aus einer gewalttätigen Beziehung zu entkommen. Hier werden sie beraten, geschützt und in ihrer Selbstbestimmung gestärkt. Gleichzeitig kämpfen viele Frauenhäuser aber mit chronischer Unterfinanzierung. Es fehlen Plätze und Personal. Wie sich das im Alltag der Frauenhäuser bemerkbar macht, darüber spricht Carolin Emcke für diese Folge des Podcasts mit Sylvia Haller. Sie arbeitet im autonomen Frauenhaus Heidelberg. Haller ist Sozialarbeiterin und engagiert sich seit Jahren gegen Gewalt an Frauen. Beim Deutschen Frauenrat ist sie Sonderbeauftragte für Gewaltschutz. Zudem ist Haller Mitglied des Vereins „Frauen helfen Frauen e.V. Heidelberg“, Träger eines autonomen Frauenhauses, und eine der drei gleichberechtigten Vertreterinnen des Verbands „Zentrale Informationsstelle autonomer Frauenhäuser“ (ZIF). Im Podcast kritisiert Sylvia Haller, dass der Diskurs über Gewalt in der Partnerschaft auch heute von rassistischen Stereotypen bestimmt wird. Bei deutsch-deutschen Paaren mit Hochschulabschluss und geregeltem Einkommen würden gewalttätige Machtdynamiken zu selten erkannt, während sie Paaren mit Migrationsgeschichte unterstellt würden. „Wir sehen das zum Beispiel auch vor Familiengerichten, dass da ganz wenig Vorstellungskraft ist, was sich in deutschen Wohnzimmern abspielen kann.“ Zudem spricht Haller über den Alltag im autonomen Frauenhaus Heidelberg, in dem immer die Bedürfnisse der betroffenen Person im Vordergrund stehen sollen. Die Sozialarbeiterin beschäftigen dabei auch die begrenzten Kapazitäten ihrer Einrichtung. „Bis heute haben wir in diesem Jahr 48 Mal am Telefon eine Frau gehabt, die gesagt hat: Ich brauche Schutz! Und wir mussten sagen: Wir können Sie nicht aufnehmen.“ Für Gewaltbetroffene, die sich ohnehin überwinden mussten, um sich bei einem Frauenhaus zu melden, ein fatales Zeichen. Welche Maßnahmen gegen Partnerschaftsgewalt Sylvia Haller von der Bundespolitik fordert und wie antifeministische Bewegungen ihre Arbeit beeinflussen, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/inallerruhe, in der SZ-Nachrichtenapp und auf Spotify. Empfehlung von Sylvia Haller: Sylvia Haller empfiehlt die dänische Miniserie „The Investigation – Der Mord an Kim Wall“, die zurzeit in der Arte-Mediathek gestreamt werden kann. Die Serie ist zwar fiktiv, basiert aber auf dem realen Mord an der Journalistin Kim Wall. Wall hatte für ein Interview das selbstgebaute U-Boot eines dänischen Konstrukteurs bestiegen und wurde dort von ihm ermordet. In der Aufarbeitung des Falls und der Beweisführung im anschließenden Gerichtsprozess sieht Sylvia Haller Parallelen zur Situation von sexualisierter Gewalt betroffener Frauen. „Ich fand es gut herausgearbeitet. Die Frage, was passiert ist und was juristisch nachgewiesen werden kann.“ Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Giulia Vitali Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1hr 25min
  3. „Völkerrechtsverletzungen an allen Enden“ – Daniel Gerlach über Iran, den Krieg und die Nahostregion

    19 MAR • SZ PLUS ONLY

    „Völkerrechtsverletzungen an allen Enden“ – Daniel Gerlach über Iran, den Krieg und die Nahostregion

    Imperien stiften Chaos und die Bevölkerung muss mit den Ergebnissen leben. Der Nahost-Experte Daniel Gerlach erklärt, warum sich im Iran-Krieg gerade ein altes Muster wiederholt. Der amerikanisch-israelische Beschuss auf Iran dauert schon fast drei Wochen. Längst hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion und den Nahen Osten ausgeweitet. Über die fragile Situation in der Region spricht Carolin Emcke in dieser Folge mit dem Nahost-Experten Daniel Gerlach. Er erklärt, welche Lehren sich aus der Geschichte ziehen lassen und warum der historische Kontext für die Menschen in der Region bedeutsam ist. Gerlach, geboren 1977 in Wuppertal, ist Mitherausgeber und Chefredakteur des Magazins „Zenith“, das er schon während seines Studiums der Geschichte und Orientalistik mit ins Leben gerufen hat. 2014 gründete er gemeinsam mit anderen Nahost-Spezialisten die Candid Foundation, eine Denkfabrik zur Förderung internationaler und interkultureller Beziehungen mit dem Schwerpunkt Naher Osten. Gerlach leitet die Organisation als Direktor. Am 23. März spricht er im Carl-Orff-Saal in München über sein neues Buch „Die Kunst des Friedens“ und die Geschichte des Nahen Ostens. Im Gespräch mit Carolin Emcke analysiert Daniel Gerlach, wie die arabische Welt auf diesen Krieg blickt. Er erklärt, welche historischen Narrative die Denkweise der Menschen dort geprägt haben. Etwa treibe die arabische Welt gerade die große Sorge um, dass sich die Geschichte wiederholen und die Region mit den Folgen des Krieges alleingelassen werden könnte. Aus der Vergangenheit wüssten die Menschen: „Es kommen irgendwelche Imperien, stiften hier Chaos und wir müssen mit den Ergebnissen leben.“ Denn Iran werde ja weiterhin Nachbarstaat sein, egal, wie der Krieg ausgeht. Gerlach kritisiert, dass die Bundesregierung das Völkerrecht nicht entschieden verteidigt. Selbst wenn der Historiker nachvollziehen kann, warum Friedrich Merz und seine Minister die amerikanisch-israelischen Angriffe lange nicht wirklich kritisiert haben, nämlich um Donald Trump nicht zu verärgern, sieht er darin eine „Entwertung des Völkerrechts“. Und die sei gefährlich. „Denn wenn Europa und Deutschland daran nicht mehr festhalten, wer soll es dann tun?“ Was Daniel Gerlach aus Iran hört und was er über die Perspektive Israels denkt, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, hier auf Spotify, auf sz.de/inallerruhe und in der SZ-Nachrichtenapp. Empfehlung von Daniel Gerlach: Daniel Gerlach empfiehlt „Palästina 1936. Der Große Aufstand und die Wurzeln des Nahostkonflikts“. Der israelische Historiker Oren Kessler zeichnet darin nach, wie eine arabische Rebellion gegen jüdische Einwanderer zu einem weltpolitischen Schlüsselmoment wurde. Sein Buch hilft, die Ursachen des Nahostkonflikts zu verstehen und ist dabei auch noch „unglaublich gut erzählt“, sagt Gerlach. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Mahmut Koyaş Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    55 min
  4. „Eine Intervention in Südamerika ist eine Art Tabubruch“ – Claudia Zilla über Trumps Neoimperialismus

    5 MAR • SZ PLUS ONLY

    „Eine Intervention in Südamerika ist eine Art Tabubruch“ – Claudia Zilla über Trumps Neoimperialismus

    Die Lateinamerika-Expertin spricht im Podcast außerdem über radikale Rechte wie Argentiniens Präsident Milei und darüber, warum der globale Süden eine gerechtere internationale Ordnung braucht. Lateinamerika ist in den vergangenen Wochen eher unfreiwillig in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit gerückt. Zunächst durch die Angriffe der US-Regierung auf vermeintlich mit Drogen beladene Schnellboote aus Venezuela, dann durch die völkerrechtswidrige Entführung des Machthabers Nicolás Maduro und dessen Frau in die USA. „Mir wäre eine wohlwollende Vernachlässigung lieber, das ist eher eine negative Aufmerksamkeit“, sagt die Lateinamerika-Expertin Claudia Zilla im Gespräch mit Carolin Emcke. Der Angriff der USA habe sich zwar durch die erhöhte Militärpräsenz und die Ende 2025 in Washington veröffentlichte Sicherheitsstrategie bereits angedeutet. Überrascht habe Zilla allerdings die Offenheit der USA in Bezug auf ihren Herrschaftsanspruch: „Eine Intervention in Südamerika ist eine Art Tabubruch.“ Dazu komme die Unterstützung der USA für Populisten und radikale Rechte wie den argentinischen Präsidenten Javier Milei und den ehemaligen, inzwischen verurteilten Präsidenten Jair Bolsonaro in Brasilien. Im Fall des Argentiniers richte sich die mediale Aufmerksamkeit oft nur auf dessen Wirtschaftspolitik – dabei gefährde Milei auch die Rechtsstaatlichkeit des Landes. Sie wolle den Blick in Deutschland und Europa weiten, sagt Zilla. In Hinblick auf die neoimperiale Bedrohung der USA spricht Zilla außerdem über die Bedeutung des Mercosur-Abkommens mit der EU und darüber, wie sie sich einen gerechteren Umgang der EU mit Lateinamerika vorstellt. „Deutschland und Europa genießen ein sehr gutes Image in Lateinamerika“, sagt Zilla. Aber man brauche Gespräche auf Augenhöhe und keine „Negativagenda“ gegen China und die USA – das könne nur der Impuls für eine Zusammenarbeit sein. Claudia Zilla, geboren 1973 in Buenos Aires, ist promovierte Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Lateinamerika. Seit 2005 arbeitet sie bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Dort leitete sie von 2012 bis 2019 die Forschungsgruppe Amerika. Hinweis: Am 25. März diskutiert Carolin Emcke in Berlin mit dem SZ-Redakteur Ronen Steinke dazu, wie die Demokratie besser geschützt werden kann. Sie können live dabei sein. Alle Infos zur Veranstaltung und zum Kartenverkauf finden Sie hier: https://sz-erleben.sueddeutsche.de/pages/sz-gefahrdete-demokratie Was Claudia Zilla darüber hinaus berichtet, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de, in der SZ-Nachrichtenapp und auf Spotify. Claudia Zilla empfiehlt Hannah Arendts Lessing-Rede aus dem Jahr 1959. „Menschen in finsteren Zeiten“ sei für Zilla ein Text, „der mich immer berührt“ und immer wieder intellektuelle Anregungen liefere. Darin geht es unter anderem um die politische Bedeutung von Freundschaft, die von der Pluralität der Menschen lebe. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, Justin Patchett Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Claudia Zilla/Bearbeitung SZ Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1hr 31min

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Die Krisen überschlagen und verbinden sich: Pandemie, Klima, russischer Angriffskrieg. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz stellen die Gesellschaft vor immer neue Herausforderungen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Es lohnt sich deshalb, aus der schnellen Aktualität und der eigenen Perspektive auf die Welt auszutreten. Philosophin, Publizistin und SZ-Kolumnistin Carolin Emcke spricht in diesem Podcast dafür mit Aktivistinnen, Autoren, Künstlerinnen oder Wissenschaftlern über politisch-philosophischen Fragen hinter aktuellen Ereignissen und sortiert mit ihnen große gesellschaftliche Debatten. Die Folgen erscheinen alle zwei Wochen ab dem 25. Februar 2023.

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