So sind wir: zwischen Bognergasse und Ballhausplatz

Niko Hutter

Österreich ist klein. Die Kreise, die Entscheidungen treffen, sind noch kleiner. "So sind wir - zwischen Bognergasse und Ballhausplatz" ist der Podcast über Politik, Wirtschaft und Macht in Österreich. Jede Woche eine neue Folge: In einer Woche spricht Niko Hutter mit Unternehmern, Ökonomen, Journalisten und politischen Insidern. In der nächsten analysieren Niko und Felix ein aktuelles Thema und ordnen die Hintergründe ein. Direkt, unabhängig und mit Einblicken hinter die Kulissen.

  1. vor 18 Std.

    Thomas Waldner (Wiener Stadthalle): In dieser Halle ist alles möglich

    Liebe Hörerinnen und Hörer, Thomas Waldner hat im November 2025 die operative Geschäftsführung der Wiener Stadthalle übernommen. Und damit, ohne Eingewöhnungsphase, auch die Verantwortung für das größte Fernsehereignis, das dieses Haus stemmen kann: den Eurovision Song Contest. Genau darum wollte ich mit ihm reden. Nicht über die Show, sondern über das, was hinter der Show passiert. Wie kann so ein Gebäude aus dem Jahr 1958 heute noch international mithalten? Waldner nennt die Stadthalle einen kulturellen Leuchtturm und vergleicht sie mit einer alten Dame, die noch immer rockt. Das klingt charmant, ist aber eine handfeste Managementaufgabe: digitale Buchungskalender, transparente Preise, rasche Kalkulation, damit internationale Veranstalter überhaupt erst anfragen. Drei Dinge sind mir besonders geblieben. Erstens die Logistik. Zwischen der Vergabe im August und der ersten Show im Mai lief in der Halle ganz normaler Vollbetrieb weiter. Neun bereits gebuchte Veranstaltungen mussten weichen, darunter ein Konzert, das nun im Mai 2027 nachgeholt wird. Zweitens die Sicherheit. Waldner beschreibt Flughafenniveau über Wochen hinweg, für jeden, der das Gebäude betreten hat. Auch für Bühnenbauer, auch nach einer kurzen Pause draußen. Drittens die Kostenfrage. Die Miete der Stadthalle ist der größte Einzelposten des ESC. Waldner erklärt, was darin eigentlich alles steckt, und warum das kein reiner Mietblock ist. Was mich an dem Gespräch interessiert hat: Wie sehr das Selbstbild einer Stadt an solchen Veranstaltungen hängt. Waldner sagt sinngemäß, Wien habe bewiesen, dass es Großveranstaltungen kann. Nach den Absagen und Sicherheitsdebatten der letzten Jahre ist das mehr als eine Marketingaussage. Ich lebe selbst seit zwölf Jahren in dieser Stadt und war nach dieser Aufnahme überrascht, wie viel Planung nötig ist, damit ein Abend einfach nur schön wirkt. Euer Niko Kapitel: 00:00:00 Neu im Job, sofort im ESC-Modus 00:08:40 Zehn Jahre Ausnahmezustand im Veranstaltungsgeschäft 00:15:39 Was der Song Contest kostet und was er bringt 00:23:02 Wien als Host City und die nächsten fünf Jahre

    Thomas Waldner (Wiener Stadthalle): In dieser Halle ist alles möglich
  2. vor 3 Tagen ·  Bonus

    Niko und Felix 11: Überlebt die Koalition bis zur nächsten Landtagswahl?

    Liebe Hörerinnen und Hörer, zwei Jahre sind seit der Nationalratswahl vergangen, diese Regierung gibt es aber erst seit eineinhalb Jahren. Das ist für mich ein guter Moment, um mit Felix in Ruhe zurückzuschauen. Wir gehen die Etappen der Reihe nach durch. Warum der Bundespräsident zuerst frei sondieren ließ und was das für die Verhandlungen bedeutet hat. Warum ab Dezember wenig weiterging, obwohl nach außen alles ruhig wirkte. Und wie aus dem Scheitern Anfang Jänner am Ende doch die Dreierkoalition wurde, mit kräftigem Zutun der Sozialpartner im Hintergrund. Drei Dinge sind mir beim Aufnehmen hängengeblieben. Erstens kamen die härtesten Rückmeldungen in der ÖVP damals nicht wegen der Gespräche mit der FPÖ, sondern wegen des Defizits, also beim eigenen Kernthema. Zweitens ist das Doppelbudget nicht nur Finanzplanung, es legt den Koalitionspartnern auch gegenseitig Ketten an. Drittens liegt die eigentliche Zäsur für diese Regierung nicht in Wien, sondern in den Ländern. Wo wir im Jänner stehen, weiß ich ehrlich nicht. Ich bin selbst gespannt. Euer Niko Kapitel: 00:00:00 Zwei Jahre Wahl, eineinhalb Jahre Regierung 00:01:27 Sondieren statt Regierungsauftrag: die erste Phase nach der Wahl 00:05:23 Der dritte Jänner: Verhandlungen geplatzt, Kickl übernimmt 00:09:13 Das Defizit, das lange unter Verschluss blieb 00:10:52 Klimabonus und Gießkanne: das Erbe der Ausgabenpolitik 00:12:28 Wie die Sozialpartner die Parteien zurück an den Tisch brachten 00:14:44 Krisenreduktionsgesetz und Doppelbudget: der Preis des Defizitverfahrens 00:15:42 Wer sitzt fest im Sattel? Babler, Stocker und die Personaldebatten 00:19:02 Das Doppelbudget als Fessel, die FPÖ in der Zuschauerrolle 00:21:24 Landtagswahlen als Zäsur: warum Oberösterreich das Risiko ist

    Niko und Felix 11: Überlebt die Koalition bis zur nächsten Landtagswahl?
  3. 26. Sept.

    Deutschland hat auch keinen Plan - David Dekorsi (BKU)

    Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn man in Österreich über Reformen diskutiert, zeigt irgendwer irgendwann nach Deutschland. Und in Deutschland zeigt man beim Thema Pensionen ziemlich verlässlich nach Österreich. Grund genug, einmal jemanden zu fragen, der mitten in dieser Debatte sitzt. Mein Gast in dieser Folge ist David Dekorsi, Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer. Ein Verband, den es in Österreich in dieser Form gar nicht gibt, gegründet 1949 von Leuten wie Konrad Adenauer, mit der katholischen Soziallehre als Kompass. Wir reden darüber, wie das politische Berlin über Verbände funktioniert, warum kleine Verbände oft wirksamer sind als große, und was es praktisch heißt, Wirtschaftspolitik von einem Wertefundament her zu denken. Zur aktuellen Lage im direkten Vergleich bei Pensionen: Die deutsche Alterssicherungskommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt, und David sagt sehr deutlich, dass er am tatsächlich umgesetzten Ergebnis zweifelt. Wir vergleichen Kapitalrente und Staatsfonds, gesetzliches und tatsächliches Antrittsalter, Beamtenpensionen und die Frage, warum in beiden Ländern jede Reform genau dort endet, wo jemand seinen eigenen Ast absägen müsste. Am Ende geht es um das, was mich an dem Gespräch am meisten beschäftigt hat: Ein Fünftel der jungen Deutschen sucht aktiv einen Weg ins Ausland. Das sind nicht die Unqualifizierten. Und die Frage, die David stellt, gilt für Österreich genauso: Was hält mich hier? Sein Schluss ist trotzdem kein pessimistischer. Nicht resignieren, engagieren. Hört rein. Euer Niko Kapitel: 00:00:00 "Ich bin ein Homo politicus" 00:06:44 "Wirtschaftspolitik ein Herz geben" 00:14:00 "Wir reden über ein System, das gescheitert ist" 00:28:02 "Keiner sägt den Ast ab, auf dem er sitzt" 00:30:52 "Was hält mich hier?"

    Deutschland hat auch keinen Plan - David Dekorsi (BKU)
  4. 23. Sept. ·  Bonus

    Niko und Felix 10 - Was bleibt vom Sommerloch?

    Liebe Hörerinnen und Hörer, jeder politische Sommer produziert seine Aufreger. Was davon übrig bleibt, wenn die Empörung abgeräumt ist? Das habe ich mir mit Felix angesehen. Der Satz des Bundeskanzlers über Kinderbetreuung: Die Aussage selbst ist von allen Seiten durchdiskutiert worden, uns interessiert, warum daraus überhaupt eine Wochengeschichte wurde. Widerspruch aus den eigenen Reihen, eine Entschuldigung, die die alte Argumentation gleich noch einmal mitliefert, und eine Nachrichtenlage, die sonst nichts Größeres anzubieten hat. Unser Befund: Inhaltlich bleibt wenig, am Kanzler bleibt trotzdem etwas hängen. Das gleiche Muster sehen wir beim Burger-Video von Karl Nehammer, beim Elch, der vor einem Jahr durch Niederösterreich gelaufen ist, und bei der heimlichen Tonaufnahme rund um Walter Ruck. Und dann gibt es die Themen, die tatsächlich bleiben, weil sie nicht von der Nachrichtenlage abhängen. Die Dürre trifft die Landwirtschaft hart, das Hilfspaket stand im Sommer noch in Verhandlung, im Gegenzug lag das Klimaziel auf dem Tisch. Felix rechnet vor, was das für ein Land bedeutet, dessen Lohnstückkosten ohnehin über dem EU-Schnitt liegen. Mich beschäftigt am meisten, wie ungleich die Aufmerksamkeit verteilt ist. Ein Halbsatz bewegt das Land vier Wochen lang, ein verschlepptes Standortthema bewegt es gar nicht. Euer Niko Kapitel: 00:00:00 Warum der Sommer politisch eine eigene Logik hat 00:00:51 Der Sager über Kinderbetreuung und die Entschuldigung danach 00:05:22 Burger-Video, Elch und Causa Ruck, das Muster dahinter 00:12:35 Dürre, Hilfspaket und das Klimaziel als Gegengeschäft 00:16:56 Was wirklich bleibt, Kompromisspolitik und Budgetdefizit

    Niko und Felix 10 - Was bleibt vom Sommerloch?
  5. 19. Sept.

    Veit Dengler: Politiker sind die feigste Berufsgruppe

    Liebe Hörerinnen und Hörer, 53 Euro. So viel gibt Österreich pro Jahr und pro Wahlberechtigtem für Parteienförderung aus. Das nächstgroßzügigste Land in Europa liegt bei 13 Euro, der europäische Schnitt unter 10. Über diese Zahl bin ich in der Vorbereitung gestolpert, und sie ist der Kern dieser Folge geworden. Mein Gast ist Veit Dengler. Er hat 2013 die Neos mitbegründet, war danach CEO der NZZ und Vorstand bei der Bauer Media Group, und sitzt seit dem Sommer als unabhängiger Abgeordneter im Nationalrat. Seine Kritik an der Parteienfinanzierung hat direkt zum Bruch mit seiner eigenen Partei geführt. Wir sprechen darüber, was ein solches System mit einem Land macht. Über Medien, die zu einem Gutteil von staatlichem Geld abhängen, und darüber, warum in Norwegen und Dänemark ausgerechnet der Markterfolg gefördert wird. Über eine Staatsquote von 55 Prozent und die Frage, warum ein Friseur in Wien zehnmal so viel verdient wie einer in Neu-Delhi. Über Kammern, Bünde und Verbände, die Geld bekommen und Geld verteilen, ohne dass jemand die Gesamtsumme kennt. Und über die These, die Veit am Ende zuspitzt: Wer in Österreich etwas verändern will, muss beim Geld der Parteien anfangen, weil ein System, das sich selbst finanziert, keine Signale mehr von außen aufnimmt. Es ist ein unbequemes Gespräch. Ich habe an einigen Stellen dagegengehalten, vor allem bei der Frage, ob Menschen eine Reform auch dann mittragen, wenn sie selbst etwas abgeben müssen. Kapitel: 00:00:00 Ich sehe meine Aufgabe mehr darin, Themen publik zu machen 00:02:41 Fast alle Medien sind irgendwie abhängig von staatlichem Geld00:09:32 Wir zahlen für einen Porsche und wir kriegen einen VW Käfer00:17:21 Ein reiner Selbstbedienungsladen00:24:23 Die tun so, als ob das Geld aus der Steckdose kommt

    Veit Dengler: Politiker sind die feigste Berufsgruppe
  6. 12. Sept.

    Die Kammer mit der eigenen Bank - Martin Humer

    Fast alle notariellen Dienstleistungen sind in Österreich digital möglich. Trotzdem finden achtzig Prozent der Notariatsakte weiterhin in Präsenz statt. Das ist kein Digitalisierungsproblem, sondern eine Aussage darüber, wann Menschen ein Verfahren wollen und wann einen Moment. Martin Humer ist Generalsekretär der Österreichischen Notariatskammer. Vor der Kammer waren es zwölf Jahre in Kabinetten auf Bundesebene und sechs Jahre an der Ständigen Vertretung in Brüssel. Angefangen hat der Weg dorthin mit einer Nachricht auf LinkedIn. Wir reden über das, was die Notariatskammer eigentlich alles umfasst: Kammer, Servicegesellschaft, IT-Tochter, eigene Pensionsversicherung, Treuhandbank mit eingeschränkter Banklizenz. Über den Gerichtskommissär im Verlassenschaftsverfahren und darüber, warum es Wochen dauert, bis feststeht, wo das Vermögen eines Verstorbenen liegt. Über den Unterschied zwischen kontinentaleuropäischer präventiver Rechtspflege und dem angloamerikanischen System, in dem die Fragen nach hinten geschoben werden, dorthin, wo sie teuer sind. Und über die zwei bis drei hundert Menschen, die in Wien Meinung machen und die man in einer Standesvertretung erreichen muss, bevor irgendetwas legistisch wird. Eine Kammer, über die kaum jemand streitet, in einem Jahr, in dem über Kammern viel gestritten wird. Genau deshalb sieht man an ihr besser, wie Selbstverwaltung in Österreich tatsächlich arbeitet. 00:00:00 Intro 00:01:06 Vom ÖVP-Kabinett zur Notariatskammer: Werdegang 00:05:43 Kammer, Servicegesellschaft, Treuhandbank, Pensionsversicherung 00:08:09 Standesvertretung: wen man in Wien erreichen muss 00:10:32 Der Notar als Gerichtskommissär im Verlassenschaftsverfahren 00:14:57 Digital möglich, 80 Prozent trotzdem in Präsenz 00:19:45 Präventive Rechtspflege gegen Common Law 00:28:51 Legal-Tech-Start-ups wie Notarity 00:33:19 Was ein Notar für Kunden leistet

    Die Kammer mit der eigenen Bank - Martin Humer

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