Nahost. Nah Dran.

Karim El-Gawhary

Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.

  1. vor 8 Std.

    E21 „Ich hörte Schreie, das Geräusch von zerschmettertem Glas, spürte die Hitze des Feuers“ Analyse: Siedler-Gewalt im Westjordanland

    Die Folge beschreibt die jüngste Eskalation der Siedlergewalt im besetzten Westjordanland als Teil eines länger bestehenden Musters von Angriffen auf palästinensische Dörfer, Häuser, Moscheen, Fahrzeuge und landwirtschaftliche Flächen. Besonders hervorgehoben wird, dass die israelische Armee bei vielen Übergriffen nicht eingreift, sondern Palästinenser statt der Angreifer festnimmt.  Ein zentraler Teil der Folge ist der Bericht des palästinensischen Journalisten Mohammad Hesham Huraini über einen Angriff auf At-Tuwani, bei dem Siedler eine Moschee in Brand setzten und mit Gewalt in das Dorf eindrangen. Der Text schildert die Situation als Erfahrung vollständiger Hilflosigkeit, weil die Bewohner keine staatliche Hilfe erwarten können. Ergänzend wird der israelische Jurist Itay Epshtain zitiert, der Siedlergewalt und militärische Zerstörung als zwei Seiten derselben Politik beschreibt. Nach seiner Einschätzung dienen diese Maßnahmen dazu, Palästinenser zu vertreiben und die israelische Präsenz im Westjordanland zu verfestigen. Die Folge verweist auch auf internationale Reaktionen, vor allem auf Aussagen von UN-Generalsekretär António Guterres und Zahlen der UN-Behörde OCHA. Demnach wurden seit Jahresbeginn mehr als 1.330 Vorfälle mit Siedlerbeteiligung registriert, die zu Opfern oder Sachschäden führten. Zugleich kritisieren fast 600 ehemalige israelische Militär-, Diplomatie- und Geheimdienstfunktionäre die Siedlergewalt und warnen vor Folgen für die regionale Sicherheit. Am Ende betont die Folge, dass sich für Palästinenser in Gaza und im Westjordanland mit den kommenden israelischen Wahlen voraussichtlich wenig ändern wird. Produktion: Manuel Correa, Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    E21 „Ich hörte Schreie, das Geräusch von zerschmettertem Glas, spürte die Hitze des Feuers“ Analyse: Siedler-Gewalt im Westjordanland
  2. vor 1 Tag

    E19 Archäologie in Ägypten: Weg vom Gold der Pharaonen hin zum Leben den einfachen Menschen: Talk mit Irene Forstner-Müller

    Wie lebten die einfachen Menschen im Alten Ägypten? Das ist der Forschungsschwerpunkt von Irene Forstner‑Müller, er Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo. Sie erforscht seit Jahrzehnten Siedlungsarchäologie in Tell el‑Daba (im Osten des Nildeltas) und Kom Ombo (Süden) betreibt. Sie beschreibt interdisziplinäre Prospektionsmethoden — Magnetometer, Bodenradar, Bohrungen und geomorphologische Analysen — die Ausgraben zielgerichteter und wissenschaftlicher machen. Neuere Technologien wie Structure‑from‑Motion‑3D‑Scanning (mit LiDAR‑fähigen Smartphones) erlauben detailreiche Modelle von Gebäuden, Speicheranlagen und Keramik. Die Forschung fand umfangreiche Getreidespeicher und Verteilungsanlagen, die auf regional organisierte Vorratssysteme und Verwaltung in Krisenzeiten hinweisen. Durch Tierknochenanalysen, Mumienbefunde und physische Anthropologie lassen sich Ernährungsweisen (Brot, Bier, Fisch) aber auch soziale Unterschiede bei der Ernährung nachweisen und Krankheiten rekonstruieren. Forstner‑Müller berichtet auch, wie migrantische Gruppen aus der Levante in ägyptische Städte integriert waren: im Alltag ägyptisiert, in Gräbern oft kulturspezifische Bestattungsformen bewahrend.  Produktion: Manuel Correa, Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    E19 Archäologie in Ägypten: Weg vom Gold der Pharaonen hin zum Leben  den einfachen Menschen: Talk mit Irene  Forstner-Müller
  3. 9. Juli

    #14 Die Türsteher Europas in Nordafrika: Wie die EU die Migrations-Stopp-Drecksarbeit ausgelagert hat: Talk mit Mirco Keilberth

    In dieser Folge von „Nahost. Nah dran.“ spricht El-Gawhary mit dem in Tunesien lebenden Journlaisten Mirko Keilbert, darüber, wie die EU den Migrations-Stopp  in Nordafrika ausgelagert hat. Keilbert schildert, dass europäische Staaten dafür autoritäre Regime finanzieren und damit ein System unterstützen, in dem Küstenwachen, Sicherheitskräfte und Milizen Migrantinnen und Migranten aufhalten oder zurückdrängen. Er beschreibt die teils katastrophalen Zustände in Haft- und Sammellagern, in denen Menschen auf engem Raum, ohne ausreichendes Wasser und unter Gewaltandrohung festgehalten werden. Besonders deutlich wird, wie Migration in vielen Ländern der Region nicht nur politisch instrumentalisiert, sondern auch zu einem Geschäftsmodell geworden ist. Keilbert berichtet außerdem von Rückführungsprogrammen und davon, dass selbst eigentlich humanitäre Organisationen wie IOM und UNHCR unter Druck geraten und an Vertrauen verlieren. Anhand des Schicksals einer jungen Krankenschwester aus Sierra Leone zeigt die Folge, wie Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und die Hoffnung auf ein besseres Leben Menschen zu lebensgefährlichen Entscheidungen treiben. Zugleich macht die Folge deutlich, dass es in Nordafrika weiterhin viel lokale Solidarität gibt, obwohl Zivilgesellschaft und Helfende zunehmend kriminalisiert werden. Am Ende steht die Frage, ob Europa mit Abschottung überhaupt eine tragfähige Lösung verfolgt oder nur neue Abhängigkeiten, Gewalt und Erpressung verstärkt. Produktion: Manuel Correa, Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    #14 Die Türsteher Europas in Nordafrika: Wie die EU die Migrations-Stopp-Drecksarbeit ausgelagert hat: Talk mit Mirco Keilberth
5
von 5
131 Bewertungen

Info

Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.