Ned Wuascht

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NED WUASCHT – WIR GEH’N FISCH’N der Podcast fürs feministische Filmlesen. ist ein kritisch, feministischer Filmpodcast der Wiener Filmwissenschaftlerinnen Bianca Jasmina Rauch und Barbara Wolfram. Alle paar Wochen analysieren wir Filme zwischen Arthouse und Popkultur. https://nedwuascht.com/ Sounds von Zapsplat.com

  1. 25. Okt.

    Birgit Minichmayr über "Everytime"

    Sandra Wollners dritter Spielfilm "Everytime" feiert seine Österreichpremiere auf der Viennale 2026 und startet Ende November in den Kinos. Wir haben Birgit Minichmayr getroffen, um mit ihr über ihre Rolle der alleinerziehenden Mutter Ella und die Zusammenarbeit mit Sandra Wollner zu sprechen. Dieser zarte und berührende Film beobachtet Ella und ihre zehnjährige Tochter Melli (Lotte Shirin Keiling) im Umgang mit der Trauer um die ältere Schwester Jessie (Carla Hüttermann), die nach einer Partynacht mit Freund Lux (Tristàn López) einen tödlichen Unfall hat. Ein Jahr später – die Trauer und Abwesenheit von Jessie begleiten sanft den Alltag – treffen Mutter und Tochter erneut auf Lux, unternehmen jene Reise nach Teneriffa, zu der Jessie nicht mehr aufbrechen konnte. Realitätsebenen verschieben sich, der Sonnenuntergang bleibt stehen, verschmilzt quadratisch mit dem Horizont und jenem Computerspiel, das die Verstorbene in eine Parallelwelt führte. Birgit erzählt uns über ihre Vorbereitung auf die Figur (ihre Lektüre findet ihr in den Shownotes), was sie von anderen Rollen unterscheidet und wie die besondere Feinfühligkeit von Sandra diesen Film überhaupt erst ermöglichte. Auch Gregory Okes Kamera (auch DoP von Charlotte Wells „Aftersun“) nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Wir thematisieren auch Ellas alleinige Sorgearbeit, den abwesenden Vater und Vorstellungen von einer feministischen, „modernen“ Welt. Zudem sprechen wir etwas allgemeiner über Besetzungen und die Frage, ob Genderswaps feministisch wirken und ob sich sexistische Darstellungen, die vielleicht noch nicht im Drehbuch zu lesen aber durch filmische Mittel provoziert werden, sich im vorbereitenden Austausch abzeichnen können. Auch diesmal empfehlen wir den Film anzuschauen, bevor ihr die Folge hört!

    Birgit Minichmayr über "Everytime"
  2. 20. Okt.

    Jola Wieczorek und "Die noch unbekannten Tage"

    #9 Filmgespräche – Jola Wieczorek über „Die noch unbekannten Tage“ Ned Wuascht zum ersten Mal live im Admiral Kino! Am 9. Oktober 2026 fand endlich unser erster Live-Podcast statt! Im Rahmen der Feminist Fridays im Admiral Kino haben wir nach der Vorführung von „Die noch unbekannten Tage“ mit Regisseurin Jola Wieczorek über ihren zweiten langen Dokumentarfilm gesprochen, über das Erinnern, das Erzählen der eigenen Familiengeschichte und darüber, wie man Vergangenheit filmisch sichtbar macht. Zum Schluss hat auch das Publikum Fragen gestellt. Im März 1989 flieht Jolas Familie in einem vollgepackten Fiat 126, dem „Maluch“, aus Polen. Jola ist damals sechs, ihr Bruder drei. Österreich ist nur als Zwischenstation geplant, das eigentliche Ziel sind Kanada oder Australien. Doch der Asylantrag in Traiskirchen wird abgelehnt, weil sich die Lage in Polen bereits gelockert hat. Als „Wirtschaftsflüchtlinge“ landet die Familie in Bad Goisern im Salzkammergut und bleibt dort. Jahrzehnte später fährt Jola mit Mutter, Vater und Bruder in einem gelben Polski Fiat die Route rückwärts ab, vom Hochhaus in Posen bis ins Salzkammergut. Weil die Mutter an einer seltenen neurodegenerativen Erkrankung leidet und ihre Erinnerungen zunehmend verliert, wird der Dreh zum Wettlauf mit der Zeit. Gleichzeitig ist Jola selbst schwanger und fragt sich, was sie ihrem Sohn einmal von dieser Geschichte erzählen wird. Der Film verbindet Super-8-Aufnahmen, dokumentarische Szenen und Archivmaterial mit Briefen der Eltern aus der Zeit der Flucht, einem Interview mit der Mutter von 2006 und nachgebauten Räumen. Das Lager Traiskirchen wurde bewusst als Set gebaut und nicht am Originalort gedreht. Wir haben mit Jola darüber gesprochen, wie ihr Film mit Erinnern umgeht und dieses formal einfängt, wie es ist, die eigene Familie vor die Kamera zu holen, warum sie lange gezweifelt hat, ob die Geschichte von „nur“ Wirtschaftsflüchtlingen erzählenswert ist, und was das Kino vom autosoziobiografischen Schreiben von Annie Ernaux und Édouard Louis lernen kann. Und wir haben darüber gesprochen, was fehlende Willkommenskultur und gelebte Zivilcourage damals mit Österreich heute zu tun haben.

    Jola Wieczorek und "Die noch unbekannten Tage"
  3. 17. Aug.

    Staffel IV: Über Gespenster, Zeit und Sorgearbeit mit Simon Nagy

    Warum haben wir immer zu wenig Zeit? Wessen Zeit wird eigentlich gesehen und wertgeschätzt? Simon Nagy spricht mit Bianca über seinen Essay „Zeit abschaffen. Ein hauntologischer Essay gegen die Arbeit, die Familie und die Herrschaft der Zeit" (2025 in der zweiten Auflage bei Unrast erschienen), seine mit Lia Sudermann realisierten Filme „Kein Wunder“ (AT 2024) und „Invisible Hands“ (AT 2021) und über Ratchapoom Boonbunchachokes schwarze Komödie "A Useful Ghost“ (TH/FR/SG/DE 2025). Simon arbeitet u.a. als Autor, Vermittler, Wissensproduzent und setzt sich dabei mit queer-feministischer, linker Theorie und erinnerungspolitischen Themen auseinander. In „Zeit abschaffen“ begibt er sich auf die Suche nach den Gespenstern vergangener, revolutionärer Ideen von Zukunft. Visionen, die der Optimierung des Neoliberalismus und dem patriarchalen Kapitalismus alternative Ideen der Lebensgestaltung entgegensetzten. Sind wir heute wirklich ausweglos dem Kapitalismus ausgeliefert? Die queer-feministische Theoretikerin Silvia Federici schreibt, dass der Kapitalismus von Anfang an eine Konterrevolution war, die Kollektives, Emanzipationsbestrebungen und Formen des sozialen Zusammenleben jenseits der Kleinfamilie zerschlägt. „Was fortlebt, nämlich für uns im Alltag erfahrbar fortlebt, sind nicht die irgendwann einmal aufgesprossenen Keime von alternativen Lebensweisen, sondern die Gewalt, mit der diese erstickt wurden“, schreibt Simon. In seinem Essay bezieht er sich u.a. auf Ansätze von Silvia Federici, Sophie Lewis und Shulamith Firestone (neben jenen von Karl Marx, Mark Fisher und Herbert Marcuse), stellt Verbindungen zu Filmen wie „Parasite" (KR 2019), „Ruins In Reverse" (UA/AT 2020) und „Unruh" (CH 2022) her. Wie das alles mit Sorgearbeit, und Liebe zusammenhängt - darüber reflektieren Simon und Lia in ihren beiden Filmen, in denen sie mit Amateurfilmmaterial und Sprachnachrichten arbeiteten (online frei verfügbar). Was sehen wir in den Homevideoaufnahmen: Liebe oder Arbeit? Widerständige – und brave – Gespenster tauchen auch in Ratchapoom Boonbunchachokes „A Useful Ghost“ auf, was Simon und Bianca dazu anregte, sie ins Gespräch miteinzubringen. Ein Hit auf der Semaine de la Critique in Cannes 2025, erreichter er jetzt unsere Kinos. Schwules Begehren, Aufstände gegen schlechte Arbeitsbedingungen, die Wiederkehr von Verstorbenen in Staubsaugern, der Staub der Geschichte – Anspielungen auf die Massaker in Thailand 2010 und den Putsch 2014 – vermischen sich in dieser Komödie zu einem reichhaltigen Plot.

    Staffel IV: Über Gespenster, Zeit und Sorgearbeit mit Simon Nagy
  4. 3. Aug.

    Über Race, Medienräume & iranische Diasporafilme mit Alena Strohmaier

    Schon seit Erscheinen des Sammelbandes "Rassismus im Film" (kostenlos zum Download verfügbar - alle Links auf unserer Website), den sie 2024 gemeinsam mit Ömer Alkin herausgegeben hat, hatten wir vor mit Dr. Alena Stromaier zu sprechen. Nun ist es soweit: von der Philipps-Universität Marburg zugeschaltet, gibt Alena im Dialog mit Bianca Einblicke in Inhalte, Ansätze und Entstehung dieser Publikation. Die Autor*innen weisen ein breites Spektrum an interdisziplinären Ansätzen und Expert*innenfeldern auf. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, rassistischen Wissensanordnungen, die Filme und Serien (re)produzieren zu analysieren, zu dekonstruieren und postkoloniale Theorien stärker in der deutschsprachigen Forschung zu verankern. Alena erklärt wie z.B. die Serie "Queen Charlotte – A Bridgerton Story" (Idee: Shonda Rhymes, USA seit 2023) sich eignet, die mediale Herstellung von Race und kolonialen Kontinuitäten zu verstehen. "Bridgerton" lädt dazu ein, über die Verstrickung von Race, Genre, Massenphänomenen und politischer Realität nachzudenken: „A problem is only a problem if the palace says it is a problem“, zitiert Alena aus der Serie. Über Critical Whiteness und der unsichtbaren Normierung von Weißsein kommen auch die Texte “When we Are Capable of Stopping, We Begin to See. Being White, Seeing Whiteness“ von Ruth Frankenberg und „White“ von Richard Dyer zur Sprache. Zuletzt erzählt uns Alena noch über ihre Forschung zu iranischen Diasporafilmen und die Auffassung eines Medienraums als sozialen, affektiven und kulturellen Raums, in dem sich Bedeutung konstituiert.

    Über Race, Medienräume & iranische Diasporafilme mit Alena Strohmaier

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NED WUASCHT – WIR GEH’N FISCH’N der Podcast fürs feministische Filmlesen. ist ein kritisch, feministischer Filmpodcast der Wiener Filmwissenschaftlerinnen Bianca Jasmina Rauch und Barbara Wolfram. Alle paar Wochen analysieren wir Filme zwischen Arthouse und Popkultur. https://nedwuascht.com/ Sounds von Zapsplat.com

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