Denkfabrik Medizin

Dr. Ingo Krenz & Dr. Andreas Klinge

In diesem Podcast geht es um das ärztliche Denken. Insbesondere um Aspekte, wie Ärzte eine Diagnose stellen und was auf dem Weg der Diagnosestellung für Fallstricke und häufige Denkfehler auftreten können. Dazu gehören so spannende Fragen wie: - wie werden Diagnosen gestellt oder gar gemacht? - was sind die Unterschiede zwischen Mustererkennung und analytischem Denken? - welche Tests setzen wir zur Diagnosefindung ein und wie bewerten wir die Ergebnisse? - und nicht zuletzt: wie gehen wir mit der Neigung unseres Gehirns um, Denkfehlern aufzusitzen? Mit all diesen Fragen beschäftigen wir uns im Podcast. Dabei stellen wir immer ein Fallbeispiel aus unserer eigenen Praxis vor. Wir beide, Ingo Krenz und Andreas Klinge sind Internisten aus Hamburg. Nachdem wir unsere Weiterbildung in Hamburger Krankenhäusern absolviert haben, sind wir beide seit mehr als 20 Jahren in der Praxis tätig. Ingo mit einem Schwerpunkt in der Nephrologie und Andreas mit einem Schwerpunkt in der Diabetologie. Der Podcast erscheint alle 4 Wochen und richtet sich an Medizinerinnen und Mediziner. Wir denken dabei an ärztliche Kolleginnen und Kollegen, die am Denken und den Fehlermöglichkeiten, die dabei auftreten können, interessiert sind. Wir denken aber auch an Studierende in den klinischen Semestern, die gerade dabei sind, das Diagnosestellen zu erlernen. Unsern Podcast kann auf Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt abonniert werden.

  1. 15. Aug.

    Folge 44: Curbside Consult – die beste Antwort ist oft eine Frage!

    Du stehst auf dem Flur, ein Kollege läuft vorbei, und plötzlich hast du eine Frage. Kein Konsilschein, kein Termin, keine drei Tage Wartezeit – einfach kurz gefragt. Das nennt man im Amerikanischen Curbside Consult: das informelle Konsil zwischen Tür und Angel. In Deutschland kaum ein Begriff, in der täglichen Praxis aber allgegenwärtig. Es findet häufig auch als kurzes Telefonat in Praxen statt. Andreas und Ingo kennen das Phänomen von beiden Seiten – als Fragende und als Gefragte. Und beide haben in dieser Folge Fälle aus dem echten Alltag mitgebracht: Situationen, in denen die erste Reaktion auf eine Frage keine Antwort war, sondern eine Gegenfrage. Denn wer am Telefon berät, kennt den Patienten nicht. Er sieht nicht, wie der Mensch aussieht, wie er reinkommt, was er ausstrahlt. Er ist vollständig abhängig davon, wie der Fragende die Situation beschreibt – und was er dabei weglässt. Was macht eine gute Curbside-Frage aus? Wann ist die Antwort am Telefon ausreichend – und wann muss man sagen: den muss ich sehen? Und wo liegen eigentlich die rechtlichen Grenzen, wenn man jemandem zwischen zwei Patienten einen Rat gibt? Diese Fragen ziehen sich durch die gesamte Folge – und die Antworten sind überraschend ehrlich. Jetzt reinhören und mitdenken. Wir freuen uns über Feedback und Kommentare unter kommentare@denkfabrikmedizin.de Medizinrechtler unter unseren Zuhörenden sind herzlich eingeladen, uns zu schreiben – wir würden das Thema juristische Verantwortung beim Curbside Consult gerne in einer künftigen Folge vertiefen. Links und Tipps: - Folge 23 – Ist das Typ-1-Diabetes? – Hintergrund zur Unterscheidung Typ 1 / Typ 2 / Typ 1,5 - AMBOSS-Podcast – Labordiagnostik bei Diabetes mellitus (mit Andreas Klinge als Gast) - Samuel Shem – The House of God. Dell Publishing 1978. (Im Podcast erwähnt im Kontext von „Turf" und „Bounce Back" – Klassiker der Medizinliteratur) - Kohn LT et al. (Hrsg.): To Err is Human: Building a Safer Health System. National Academies Press 2000. (Hintergrund zur Kommunikation und Fehlerkultur in der Medizin)

  2. 15. Juli

    Folge 42: Every Patient tells their story

    Zwei Patienten, beide 28 Jahre alt, kommen mit Arthritis, Hautausschlag und Müdigkeit. Bei der jungen Frau hat man sofort ein Bild vor Augen – beim jungen Mann gerät das Denken ins Stocken. Woran liegt das? In dieser Folge der Denkfabrik Medizin sprechen Ingo und Andreas darüber, wie stark Geschlecht und Alter die Prätestwahrscheinlichkeit einer Erkrankung verschieben – und warum es sich lohnt, die Geschlechtsverteilung von Anfang an mitzudenken. Aus einer früher einmal flapsig hingeworfenen Bemerkung („das ist eine Männer-“ bzw. „eine Frauenkrankheit“) wird ein ernst gemeintes diagnostisches Werkzeug. Als roten Faden nutzen die beiden zwei Konzepte, die sich durch die ganze Folge ziehen: das Illness-Script – die persönliche „Karteikarte“ zu jeder Erkrankung in unserer inneren Bibliothek – und das Base-Rate-Denken, also die Frage, wie häufig eine Erkrankung in genau dieser Patientengruppe überhaupt ist. Am Ende bleibt eine einfache Botschaft: Die Base-Rate denkt immer mit. Wer Geschlecht und Alter von Anfang an einbezieht, kommt zu einer fokussierteren, begründeten Differentialdiagnose – und läuft seltener in die Irre. Als grobe Faustregel: Ab etwa 3:1 lohnt sich der bewusste Blick auf die Geschlechtsverteilung, ab 10:1 betrifft eine Erkrankung fast nur ein Geschlecht. Jetzt reinhören und mitdenken. Wie in der Folge angekündigt, findet ihr hier zusätzlich eine Übersicht (PDF) mit Erkrankungen, die eine deutliche Frauen- bzw. Männerprädominanz zeigen: https://tinyurl.com/33e3v7w9 Wir freuen uns über Feedback und Kommentare unter kommentare@denkfabrikmedizin.de Links und Tipps: Rolf Dobelli – „Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen“ Hanser 2011 – ISBN 978-3-446-42682-5 (Base-Rate-Neglect, das Beispiel „Markus“) Danielle Ofri – „What Patients Say, What Doctors Hear“ Beacon Press 2017 – ISBN 978-0-8070-6263-0 (Zuhören und die durchschnittliche Unterbrechung nach ~18 Sekunden) Jerome Groopman – „How Doctors Think“ Houghton Mifflin 2007 – ISBN 978-0-618-61003-7 (der Fall bei Dr. Falchuk – das weiße Blatt Papier) Gerd Gigerenzer – „Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ C. Bertelsmann 2013 – ISBN 978-3-570-10103-2 (Risikokompetenz und das Denken in natürlichen Häufigkeiten)

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In diesem Podcast geht es um das ärztliche Denken. Insbesondere um Aspekte, wie Ärzte eine Diagnose stellen und was auf dem Weg der Diagnosestellung für Fallstricke und häufige Denkfehler auftreten können. Dazu gehören so spannende Fragen wie: - wie werden Diagnosen gestellt oder gar gemacht? - was sind die Unterschiede zwischen Mustererkennung und analytischem Denken? - welche Tests setzen wir zur Diagnosefindung ein und wie bewerten wir die Ergebnisse? - und nicht zuletzt: wie gehen wir mit der Neigung unseres Gehirns um, Denkfehlern aufzusitzen? Mit all diesen Fragen beschäftigen wir uns im Podcast. Dabei stellen wir immer ein Fallbeispiel aus unserer eigenen Praxis vor. Wir beide, Ingo Krenz und Andreas Klinge sind Internisten aus Hamburg. Nachdem wir unsere Weiterbildung in Hamburger Krankenhäusern absolviert haben, sind wir beide seit mehr als 20 Jahren in der Praxis tätig. Ingo mit einem Schwerpunkt in der Nephrologie und Andreas mit einem Schwerpunkt in der Diabetologie. Der Podcast erscheint alle 4 Wochen und richtet sich an Medizinerinnen und Mediziner. Wir denken dabei an ärztliche Kolleginnen und Kollegen, die am Denken und den Fehlermöglichkeiten, die dabei auftreten können, interessiert sind. Wir denken aber auch an Studierende in den klinischen Semestern, die gerade dabei sind, das Diagnosestellen zu erlernen. Unsern Podcast kann auf Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt abonniert werden.

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