Patientin Psychiatrie

Unabhängiger Arbeitskreis zur Krise der Psychiatrie

Die Psychiatrie befindet sich gegenwärtig in einer Krise. Die Anforderungen, denen sich die Psychiatrie in der modernen Gesellschaft in Deutschland gegenübersieht, und der Hilfebedarf steigen. Das medizinische Fachgebiet kann den an sie gestellten Erwartungen aber nicht mit den gewohnten Strategien, Paradigmen und Interventionen gerecht werden. Keine medizinische Fachdisziplin muss sich so intensiv mit der Wechselwirkung des menschlichen Individuums und seiner Umgebung, Widersprüchen zwischenmenschlichen Lebens und Life events auseinandersetzen. Reden wir doch mal ehrlich darüber, was die Patientin Psychiatrie braucht. Moderation: Jan Brüning gen. Brinkmann 

  1. 27. Mai

    28. Patientin Psychiatrie trifft Mad in Deutschland - J. BgB und J. Schlimme im Gespräch mit Carina Thewald

    Wie überall in der Medizin diskutieren auch im Fachgebiet Psychiatrie am meisten die Profis in der Öffentlichkeit untereinander, weil sie doch die vermeintlichen Expert:innen sind. Aber was ist den mit den Betroffenen? Sind die einverstanden damit, dass sehr viel über sie, aber nicht mit ihnen gesprochen wird? Auf großen Kongressen und Fortbildungen begegnen sie mir kaum, dabei gibt es Netzwerke, in denen Betroffene nicht nur ihre Erfahrungen, sondern auch kritische Informationen und Ansichten austauschen…denn nicht alle sind so einverstanden damit, was die Fachleute untereinander besprechen oder für Wahrheit halten, weil es oft nur eine rationale Perspektive ist. Vereinzelt werden mal Prominente auf die Bühne gebeten, um dann zu bestätigen, wie hilfreich es war, endlich einzusehen, wie krank man ist und dass es zum Glück die Psychiatrie gibt. Doch es gibt auch kritische Stimmen, nur werden diese weniger gehört. Unter anderem deswegen, weil sie sich nicht kommerziell benutzen lassen wollen. Weil sie festgestellt haben, dass Medikamente und das biologistische Krankheitsmodell Ihnen wenig Segen, sondern oft Schaden und lange Irrwege gebracht hat. Mad in Deutschland, eine der jüngeren Stimmen, ist seit einem halben Jahr online.  Falls jemand bei uns mitmachen oder eine Geschichte einreichen möchte, hier die Mail-Adresse redaktion@madindeutschland.org   Literatur: Das Zitat, dass "Patienten ... ihre Medikamente nicht mehr nehmen würden, wenn wir sie über alle Nebenwirkungen, Komplikationen und Spätfolgen aufklären würden", steht übrigens tatsächlich im Buch von Gerhard Gründer auf Seite 4: Gründer, G. (2025). Psychopharmaka absetzen? Warum, wann und wie? (2. Auflage). Elsevier. https://doi.org/10.1016/C2023-0-01178-5  Francis, A., Normal - Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen. Dumont, 2013. madindeutschland.org  Whitaker, R., Anatomie eine Epidemie - Wenn Psychopharmaka krank machen, Kohlhammer, 2026. Whitaker, R., Mad in America: Bad science, bad medicine and the enduring mistreatement of the mentally ill. Basic Books, 2002.

    59 Min.
  2. 29. Apr.

    27. Patientin Psychiatrie und die Gesellschaft - wer formt wen? J. Brüning gen. Brinkmann im Gespräch mit Peter Brieger und Stefan Weinmann

    Am Anfang meiner psychiatrischen Arbeit dachte ich: „Alles ist klar und überschaubar.“ Psychische Erkrankungen beruhen auf pathologischen neurobiologischen Prozessen und können anhand der Klassifikations-systeme ICD und DSM diagnostiziert und nach Leitlinie behandelt werden. Aber die Wechselwirkung zwischen Menschen und ihrem Umfeld scheint doch maßgebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und den Verlauf von Erkrankungen zu haben. Wie sinnvoll ist es da, Menschen außerhalb ihrer Umgebung und Mitmenschen zu behandeln, wenn sie in genau dieses Umfeld zurückkehren sollen? Zudem ist es einerseits zwar erfreulich, dass man in Jahre 2026 offener über seelische Probleme sprechen kann, gleichzeitig wird damit aber oft die Verantwortung abgegeben.  Zum einen an die Erkrankung, die „krankes Verhalten“, „schlechte Gefühle“ und Einschränkungen im Leben verursacht und zudem an die Psychiatrie und die Therapierenden, die sich darum kümmern sollen. Was ist die Aufgabe und Verantwortung der Gesellschaft in Bezug auf gesunde Anforderungen und Lebensweisen? Welche Wechselwirkung gibt es zwischen den beiden Systemen, denn längst prägen Psychiatrie und Psychologie unsere Sprache, unser Denken und somit unser Miteinander? Es ist also an derZeit darüber zu sprechen…und das tun wir in der heutigen Folge von Patientin Psychiatrie mit Peter Brieger, einem der einflussreichsten Psychiater Deutschlands. Er ist Ärztlicher Direktor kbo-Isar-Amper-Klinikum München, einer der größten psychiatrischen Kliniken Deutschlands. Außerdem ist er im Vorstand der Aktion Psychisch Kranke, die sich seit Jahrzehnten für die Verbesserung der psychiatrischen Versorgungsysteme einsetzt. Mit dabei ist auch der Psychiater Stefan Weinmann. Er arbeitet als Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Leiter der Psychiatrischen Institutsambulanz am universitären Zentrum für Integrative Psychiatrie in Lübeck. Peter Brieger und Stefan Weinmann sind beide im wissenschaftlichen Beirat des Psychiatrie Verlages, in dem beide auch zu gesellschaftlichen Fragen publiziert haben.

    1 Std. 2 Min.
  3. 4. Feb.

    24. Patientin Psychiatrie - School of Borderline? J. Brüning gen. Brinkmann im Gespräch mit Christian Stiglmayr und Johanna Wächter

    „Schweres Selbstverletzungen, Wutausbrüche, manipulatives Verhalten um nicht Verlassen zu werden und dann noch die ständigen Drohungen mit Suizid. Menschen mit einer Borderline-Störung sind keine Patient:innen, um die sich Behandelnde und Einrichtungen reißen. Ganz im Gegenteil, manche können eine ganze Station alleine auf Trapp halten.“ So oder so ähnlich stellen sich viele Außenstehende oder Behandelnde die Betroffenen vor. Aber stimmt das? Sind Borderliner wirklich „Patients from hell“ oder fühlt sich das Leben dieser Menschen nicht eher so an. Im psychiatrischen Stationsalltag nehmen sie tatsächlich viel Raum ein, da sich krisenhafte Aufnahmen aneinanderreihen und kompetente ambulante Hilfe selten ist. Aber vielleicht ist das Problem auch eine ganze Ecke hausgemacht. Vielleicht ist die Psychiatrie umgekehrt eine echte „School of Borderline“, wo junge Menschen nicht lernen, ihre Emotionen zu regulieren und ihr Leben aufzubauen, sondern wie man mit maximal selbstschädigendem Verhalten auch maximal Ressourcen bindet.    M. Bohus: DBT-Skill-Training - Das PatientenManual. Schattauer, 2024. M. Bohus: Borderline-Störung (Fortschritte in der Psychotherapie), Hogrefe, 2019. B. Dulz, S. Herpetz, O. Kernberg, U: Sachsse: Handbuch der Borderline Störungen. Schattauer, 2. Aufl., 2011. M. Linehan: Dialektisch-Behaviourale Therapie der Boderline-Persönlichkeitsstörung. CIP-Medien, 2008. C. Stiglmayr: Die Dialektisch-Behaviorale Therapie. PSYCH up2date 2017; 11: 151–164 151. C. E. Stiglmayr, T. Grathwol, M. M. Linehan, G. Ihorst, J. Fahrenberg, M. Bohus: Aversive tension in patients with borderline personality disorder: a computer-based controlled field study. Acta Psychiatr Scand 2004: 110: 1–8. DOI: 10.1111/j.1600-0447.2004.00466.x Stiglmayr et al. Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation 2014, 1:20 http://www.bpded.com/content/1/1/20 Wagner, S. Roepke, P. Marschall, C. Stiglmayr, B. Renneberg, D. Gieb, C. Dambacher, S. Matthies, H. Salbach-Andrae, S. Fleßa & T. Fydrich: Krankheitskosten der Borderline Persönlichkeitsstörung aus gesellschaftlicher Perspektive. Societal cost-of-illness of borderline personality disorder. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 42. Jahrgang / Heft 4, 2013. CHRISTIAN E. STIGLMAYR, The Experience of Tension in Patients with Borderline Personality Disorder Compared to Other Patient Groups and Healthy Controls. Journal of Social and Clinical Psychology, Vol. 27, No. 5, 2008, pp. 425–446 A. Streeck-Fischer: Jugendliche zwischen Krise und Störung. Schattauer, 2021.

    58 Min.

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Die Psychiatrie befindet sich gegenwärtig in einer Krise. Die Anforderungen, denen sich die Psychiatrie in der modernen Gesellschaft in Deutschland gegenübersieht, und der Hilfebedarf steigen. Das medizinische Fachgebiet kann den an sie gestellten Erwartungen aber nicht mit den gewohnten Strategien, Paradigmen und Interventionen gerecht werden. Keine medizinische Fachdisziplin muss sich so intensiv mit der Wechselwirkung des menschlichen Individuums und seiner Umgebung, Widersprüchen zwischenmenschlichen Lebens und Life events auseinandersetzen. Reden wir doch mal ehrlich darüber, was die Patientin Psychiatrie braucht. Moderation: Jan Brüning gen. Brinkmann 

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